Zahlungssysteme: Kontaktlos setzt sich durch

Montag, 02. November 2020
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Jeden zweiten Euro kassiert der deutsche Handel heute per Kartenzahlung. Besonders rasant steigen die kontaktlosen Transaktionen an – und dürften durch neue Verfahren noch mehr Schub erfahren.

Rund 225 Milliarden Euro Umsatz hat der deutsche Einzelhandel (ohne Tankstellen, Apotheken, Versandhandel, E-Commerce) 2019 per Kartenzahlung eingenommen, das sind 15,5 Milliarden Euro oder gut sieben Prozent mehr als im Vorjahr. Damit werden jetzt mehr als 50 Prozent vom Einzelhandels-Umsatz bargeldlos beglichen. Diese Zahlen hat das EHI Retail Institute in seiner Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2020“ zusammengetragen. Der stärkste Wachstumstreiber war einmal mehr das girocard-System (ehemals electronic cash-System) der Deutschen Kreditwirtschaft. Dieses konnte an den Kassen des Einzelhandels um 15 Prozent (19,9 Mrd. Euro) auf 149,5 Milliarden Euro zulegen. Kreditkarten sind ebenfalls seit drei Jahren im Aufwind. Sie haben ihren Anteil um 0,7 Prozentpunkte auf 7,6 Prozent des Umsatzes erhöht. Das unterschriftbasierte SEPA-Lastschriftverfahren verliert dagegen weiter Anteile.

Ältere ziehen mit

Auch greifen die Kunden immer häufiger schon bei kleineren Beträgen zur Karte. In den letzten zwei Jahren ist der Durchschnittsbon bei girocard-Zahlungen von 43,76 Euro auf 40,85 Euro gesunken, bei Kreditkarten sogar von 54,91 Euro auf 41,72 Euro. Dieser Trend dürfte sich laut EHI seit Corona durch die intensive Nutzung von kontaktlosem Bezahlen – auch bei Kleinstbeträgen – noch verstärkt haben. 87,1 Prozent der girocard-Terminals im Handel bieten bereits das kontaktlose Verfahren an. Und es wird von den Kunden auch genutzt – mit stark steigender Tendenz: Im Dezember 2019 erfolgten 35,7 Prozent der girocard-Transaktionen kontaktlos, und in der Corona-Krise kletterte dieser Wert schnell auf rund 45 Prozent. Insgesamt ist laut EHI damit zu rechnen, dass der Kartenanteil am Umsatz jetzt deutlich schneller ansteigt als noch vor Jahresfrist erwartet: auf über 58,1 Prozent im Jahr 2022.

Mit kontaktlosen Verfahren spricht der Handel jüngere und ältere Kunden gleichermassen an. Das zeigt eine Umfrage von infas quo im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. Bereits in den ersten Wochen des Lockdowns steigerten die 16- bis 29-Jährigen ihre kontaktlosen Einkäufe um 26 Prozent und die über 60-Jährigen um 16 Prozent. Die Umfrage zeigt auch eine ausgeprägte Affinität der Älteren zu modernen mobilen Lösungen: 63 Prozent der 60-plus-Gruppe kennen die digitale girocard im Smartphone und liegen damit sogar leicht über dem Durchschnitt.

Info

Online-Kunden wollen Instant Payment

Die aktuelle „ECC-Payment-Studie Vol. 24“ von ECC KÖLN und Prof. Dr. Malte Krüger zeigt, dass ein Viertel der Konsumenten bereits SEPA-Echtzeitüberweisung genutzt hat und weitere 50 Prozent sich dies künftig vorstellen können. Besonders interessant ist für sie die Nutzung von Instant Payment bei sofortigem Versand der Ware (66 %) und bei Zahlungen, bei denen heute Eil-Überweisungen nötig sind (65 %). Darüber hinaus geht aus der Studie hervor, dass die Händler ihr Payment-Angebot entsprechend den Zahlungswünschen der Konsumenten anpassen. Aus Händlersicht trägt Instant Payment nicht nur zur Vermeidung von Zahlungsausfällen bei (61 %), sondern insbesondere auch zur Steigerung der Kundenzufriedenheit (60 %). Insgesamt glaubt knapp die Hälfte der Händler, dass Instant Payment sich mittelfristig als zusätzliches Zahlungsmittel durchsetzen wird, vor allem, weil es von den Kunden immer mehr verlangt wird.

Statement

Die Volksbank in der Ortenau zählt zu den grössten Anbietern im Zahlungsverkehr in Deutschland und betreut bundesweit mehrere hundert mittelständische und grosse Händler im kartengestützten Zahlungsverkehr und im eCommerce. Vorstandsvorsitzender Markus Dauber über die Trends bei Paymentlösungen im Einzelhandel.

„Der Trend zu bargeldlosen Bezahlverfahren und Kartenzahlung setzt sich fort. Je mehr Bezahlmethoden Einzelhändler ihren Kunden ermöglichen, umso besser gelingt der Verkauf. An den Kassen des stationären Handels gewinnt das kontaktlose Zahlen rasch an Bedeutung, sowohl per Karte als auch mobil per Smartphone. In Online-Shops rechnen sich leistungsfähige Verfahren, die den Kunden bereits vertraut sind. Auch die Zahlen unserer Bank belegen den Trend.  Für die Kunden unserer Tochtergesellschaft First Cash Solution GmbH haben wir rund 13 Mrd. Euro an Clearing-Volumen verarbeitet und ausgezahlt. 245 Millionen Zahlungsvorgänge – ein Plus von 38 Prozent – und über 15 000 Händlerkunden in ganz Europa sind Zahlen, die für sich sprechen.“