Starke Branche, wachsender Druck

Mittwoch, 01. Juli 2026
Foto: stock.adobe.com – Bogdan Lazar

In der Schweiz gilt der Detailhandel als Stabilisator der gesamten Binnenwirtschaft. Trotz einer insgesamt robusten Verfassung geben einige Entwicklungen und Kennziffern aber Anlass zur Sorge, wie eine Branchenanalyse zeigt.  

Der Schweizer Detailhandel gehört mit rund 340 000 Beschäftigten zu den wichtigsten Arbeitgebern des Landes. Die Branche wird in der Öffentlichkeit zwar stark über die beiden Grossverteiler (Migros und Coop) wahrgenommen, ist strukturell aber äusserst heterogen. Welch grosse Rolle sie für die Schweizer Binnenwirtschaft spielt, hat die Swiss Retail Federation gemeinsam mit ihrem wissenschaftlichen Partner BAK Economics genauer unter die Lupe genommen. Der gesamte Detailhandel generiert zum Beispiel eine Wertschöpfung von 26,6 Milliarden Franken. Zwei Drittel davon – rund 17 Milliarden Franken – werden ohne die beiden Grossverteiler geschaffen. «Damit hat die Branche selbst ohne die Grossverteiler gerechnet eine höhere volkswirtschaftliche Bedeutung als die Nahrungs- und Genussmittelindustrie oder das Gastgewerbe», betont Michael Grass, Leiter Studien und Analysen bei BAK Economics.
 
90 Prozent Kleinstunternehmer
Ohne die beiden Grossverteiler erwirtschaften die rund 34 000 Unternehmen im Schweizer Detailhandel einen Umsatz von 66 Milliarden Schweizer Franken, das sind rund zwei Drittel des gesamten Branchenumsatzes (104 Mrd. CHF). Fast 90 Prozent sind Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Gemessen an den Vollzeitäquivalenten stellen KMU und Kleinstunternehmen auch rund die Hälfte der Beschäftigung im Detailhandel. «Viele dieser Unternehmen sind lokal verankert und stärken die Versorgungssicherheit in Städten, Agglomerationen und ländlichen Regionen mit qualitativen Produkten und hochwertigem Service», sagt die Präsidentin der Swiss Retail Federation, Daniela Schneeberger. 
 
Scharfer Wettbewerb
Die Analyse zeigt aber auch wachsende Herausforderungen, mit denen die Branche im verschärften Wettbewerbsumfeld konfrontiert ist. So liegen die Kosten im Schweizer Detailhandel im Durchschnitt rund 50 Prozent höher als in den vier EU-Nachbarländern. Treiber sind insbesondere die teurere Warenbeschaffung, Vorleistungen und Arbeitskosten. Zudem zahlten die Schweizer Detailhandelsunternehmen Bruttolöhne und Gehälter in Höhe von 16,3 Milliarden Schweizer Franken aus. Das bedeutet, dass über 60 Prozent der Wertschöpfung der Branche in Form von Löhnen verteilt wurden. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt liegt die Lohnquote bei knapp 50 Prozent. Andere Branchen wie die Hersteller von Nahrungsmitteln (42 %) oder von dauerhaften Konsumgütern (32 %) liegen deutlich darunter. Zwar dämpft die tiefere Mehrwertsteuer in der Schweiz den Preisunterschied gegenüber dem Ausland, dennoch bleibt der Spielraum der Unternehmen im Preiswettbewerb sehr begrenzt.
 
Druck aus Asien
Gleichzeitig verstärken Einkaufstourismus und ausländische Online-Plattformen den Druck auf die Margen: Der Einkaufstourismus verursacht gemäss aktuellen Schätzungen der Swiss Retail Federation jährlich Umsatzausfälle von weiterhin über zehn Milliarden Schweizer Franken. Zudem gewinnen asiatische Online-Marktplätze weiterhin Marktanteile. 68 Prozent der befragten Detailhändler erwarten einen starken bis sehr starken Einfluss dieser Plattformen auf die Branche.
 
Viele Belastungen
Das Branchenbarometer 2026 der Swiss Retail Federation zeigt, dass drei Viertel der Unternehmen für den Gesamtmarkt lediglich einen durchschnittlichen Geschäftsverlauf erwarten, während die Einschätzung für die eigene Firma etwas positiver ausfällt. Zu den grössten Sorgen gehören Preiskampf und Konkurrenzdruck, Margendruck, eine verhaltene Konsumentenstimmung sowie geopolitische Spannungen und der Fachkräftemangel. Kleinere Unternehmen fühlen sich besonders stark von asiatischen Online-Marktplätzen bedroht und nennen gesetzliche Regulierungen sowie steigende Kosten als zusätzliche Belastungen. «In diesem Umfeld wird der Spielraum für Investitionen, Innovation und Löhne zunehmend enger», hält die Swiss Retail Federation fest.

News

Foto: MCS

Mit der Eröffnung des ersten Qwik24 in einem Hotel erweitert der Convenience-Grosshändler MCS sein Smart-Store-Konzept gezielt auf den Bereich Hotellerie und Hospitality.

Mark ­Michaelis wird zum 1. September als weiterer Geschäftsführer der Markant AG berufen.

Foto: stock.adobe.com - CreativeArt (generiert mit KI)

Die aktuelle YouGov-Studie «Retail Media aus Shopper-Sicht: Wahrnehmung, Wirkung, Wirklichkeit» gibt detaillierte Antworten aus Verbrauchersicht.

Foto: stock.adobe.com - Kay Gebauer/Wirestock

Soja wird nicht nur als Futtermittel in der Nutztierhaltung eingesetzt, sondern auch zur Herstellung von Nahrungsmitteln.

Info

Der Nahostkonflikt zwingt das Schweizer Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Economics zu Korrekturen der Inflations- und Wachstumsprognosen für die Schweizer Wirtschaft. Für 2026 erhöhen die Ökonomen die Inflationsprognose auf 0,6 Prozent (zuvor 0,3 %) und senken die Wachstumserwartung des realen Bruttoinlandprodukts auf 0,8 Prozent (zuvor 0,9 %). Die Binnennachfrage bleibe eine Stütze, verliere aber ebenfalls an Dynamik.