Ob Produkt-empfehlungen in der Story oder Kaufbuttons im Live-Stream: Die Nutzung von Social Media wird für deutsche Händler immer wichtiger. Eine Studie zeigt, dass Werbung hier bereits gut funktioniert, das Verkaufen aber weniger.
Inzwischen nutzen bereits 59 Prozent der Händler in Deutschland ein eigenes Profil in den sozialen Netzwerken, um ihr Angebot dort digital zu bewerben. Ein knappes Drittel (31 %) schaltet bezahlte Werbung auf Social-Media-Kanälen und 27 Prozent verkaufen sogar darüber. Das sind Ergebnisse einer repräsentativen Bitkom-Studie, für die 505 Handelsunternehmen ab zehn Beschäftigten in Deutschland befragt wurden. «Soziale Medien verändern den Kaufprozess grundlegend, zwischen der Anzeige eines Produkts und dem Klick auf ‹Kaufen› liegen nun häufig nur noch Sekunden», so Dr. Bernhard Rohleder, Hauptgeschäftsführer von Bitkom.
Perspektiven im Marketing
Es sind vor allem die Perspektiven in Marketing und Verbraucherkommunikation, die die Händler reizen. Vier von zehn (42 %) gehen davon aus, dass soziale Medien bis 2030 die bedeutendsten Werbeplattformen für den Handel insgesamt sein werden. Mit Blick auf die spezifischen Plattformen führen Facebook, Instagram,
X (ehemals Twitter) und berufliche Netzwerke wie LinkedIn und Xing die Rangliste an. Die Kommunikation mit der Kundschaft funktioniert auf diesen Plattformen auch nicht mehr nur als Einbahnstrasse: 37 Prozent der Händler sagen, dass Trends aus sozialen Medien einen direkten Einfluss auf ihr Produktangebot haben. Während Social Media also bereits stark für Werbung und Kommunikation mit Verbrauchern genutzt wird, sieht es beim konkreten Verkaufen noch anders aus. Der Grossteil der Online-Verkäufe findet noch nicht über soziale Medien statt. Die meistgenutzten Verkaufskanäle sind nach wie vor unternehmenseigene Shops auf der Webseite und Online-Marktplätze. Knapp die Hälfte der Handelsunternehmen (48 %) ist sich allerdings einig, dass sie über die sozialen Netzwerke Kunden ansprechen können, die über klassische Vertriebskanäle unerreichbar sind.
Digitalisierung stärkt Resilienz
Die Autoren der Studie haben auch die Frage gestellt, welche Relevanz die Nutzung von Social Media und die Digitalisierung insgesamt für den Handel haben. Das klare Ergebnis: Nur mit Hilfe der Digitalisierung sehen Händler sich in der Lage, die aktuellen und künftigen Herausforderungen zu meistern. Neben konjunkturellen Unsicherheiten, die 90 Prozent der befragten Unternehmen Sorgen bereiten, kämpft knapp die Hälfte (48 %) mit einer schwachen Nachfrage. Aber auch der zunehmende Wettbewerbsdruck speziell im Online-Handel bereitet Sorge. Insbesondere chinesische Billig-Marktplätze stehen in der Kritik: 84 Prozent der Händler sind der Ansicht, dass diese unlauteren Wettbewerb betreiben. Die grosse Mehrheit der deutschen Händler ist vom Nutzwert digitaler Tools für die eigene Resilienz im Wettbewerb überzeugt. Neun von zehn schätzen die vereinfachte Kommunikation mit Kunden und Geschäftspartnern. Drei Viertel (75 %) können damit Kunden individueller ansprechen.
Stationärer Handel bleibt
Was die Bitkom-Untersuchung ausserdem zeigt: Der stationäre Handel bleibt. Er wird durch den Online-Handel nicht ersetzt, sondern ergänzt. Sechs Prozent der Händler verkaufen nur stationär vor Ort, und ebenfalls geringe sechs Prozent sind ausschliesslich online aktiv. Rohleder: «Was wir in vielen anderen Bereichen beobachten, gilt auch für den Handel: Der Handel wird hybrid». 86 Prozent der Händler bieten ihre Produkte und Dienstleistungen sowohl im Netz als auch vor Ort an. Und das soll nach Meinung der befragten Händler auch so bleiben: Nur jeder zehnte sieht grundsätzlich keine Perspektive für den stationären Handel.