Neue Läden will das Land

Montag, 30. Juni 2025
Foto: tegut / Teo Mannheim

Autonome Ladenlokale entwickeln sich in Deutschland rasch weiter und könnten im ländlichen Raum die Nahversorgung absichern. Bei den Verbrauchern ist die Akzeptanz hoch.

Seit 2019 sind in Deutschland 600 sogenannte «Smart Stores 24/7», also bedienungslose Shops, die auch rund um die Uhr geöffnet haben können, entstanden. Das geht aus dem aktuellen Whitepaper Nr. 41 der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Heilbronn hervor. Self-Scanning ist bisher die verbreitetste Technologie und findet in 416 Stores statt. Verschiedene Smart Stores befinden sich bereits im Roll-out-Modus und sollen die Versorgungslücke auf dem Land schliessen. Zu den «grossen 3» zählen die Teo-Stores. Das im Jahr 2020 vom Markant Partner tegut entwickelte Konzept ist inzwischen auf 40 Shops gewachsen und wird laufend weiterentwickelt, auch technisch. Heute agiert dieser Vertriebszweig als «Smart Retail Solutions» selbstständig unter dem Dach der Migros-Gruppe. Auch die Bünting Gruppe und die Georg Jos. Kaes GmbH zählen zu den Pionieren. Bünting will seine «cBox», aber auch hybride Geschäfte mit Bedienung und/oder SB-Betrieb, weiter ausrollen. Kaes betreibt fünf V-Mini Märkte, die rund 3500 Artikel führen und per Self-Scanning-Technologie betrieben werden.
 
Grosse Hürden
Die Verbreitung der autonomen Stores wird von mehreren Faktoren beeinflusst. Zum einen weisen Betreiber auf oft langwierige Genehmigungsverfahren hin, die den Rollout bremsen. In Hessen konterkarierte auch ein Sonn- und Feiertagsverbot, das im Juli 2024 aufgehoben wurde, den Ansatz einer verbraucherfreundlichen 24/7-Versorgung. Darüber hinaus dürften viele Interessenten eigene kostspielige Tests der neuen Technologien scheuen. Diese haben sich aber rasch weiterentwickelt und erlauben nach Darstellung der Betreiber einen reibungslosen Betrieb, sind damit skalierbar. Sensorik und Bilderkennungstechnologien spielen dabei eine wichtige Rolle. Hinzu kommen andere Applikationen wie «smarte» Regale, die Bestände überwachen und Out-of-Stocks erkennen, elektronische Preisschilder oder auch intelligente Waagen.
 
Hohe Akzeptanz 
Entscheidend für den Erfolg und die weitere Entwicklung der autonomen Stores ist noch etwas anderes, nämlich die Akzeptanz der Kundschaft. Dass die Mehrheit (54 %) der deutschen Verbraucher sich eine Nutzung vorstellen kann, zeigt nun eine Studie von KPMG und EHI. Dafür wurden 1000 Konsumenten repräsentativ befragt. «Autonome Ladenlokale sind für den Handel nicht nur eine Antwort auf die aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen, sondern auch eine attraktive, mehrwertbringende Alternative für Kunden. Gleichzeitig gilt es für Händler, bestehende kundenseitige Bedenken abzubauen», kommentiert Studienautor Dr. Tobias Röding vom EHI die Ergebnisse.
 
Je häufiger Kunden im traditionellen Einzelhandel einkaufen, desto höher ist die Bereitschaft für einen Besuch im autonomen Store. Kunden, die täglich ein stationäres Geschäft besuchen, zeigen dafür mit 75 Prozent die höchste Akzeptanz. 15 Prozent der Befragten haben bereits ein autonomes Ladenlokal genutzt. Auffallend ist die hohe Zustimmung derjenigen Verbraucher, die gerne online shoppen. 80 Prozent dieser Käufergruppe können sich vorstellen, ein autonomes Ladenlokal zu nutzen. Aber auch von den Menschen mit hoher Affinität zum stationären Einkauf kann sich jeder zweite (50 %) vorstellen, einen reinen SB-Shop zu nutzen. Mit 75 Prozent liegt der Anteil derjenigen, die sich die Nutzung eines autonomen Ladenlokals vorstellen können, in städtischen Gebieten deutlich höher als in ländlichen Regionen (56 %). Möglicherweise können die Shop-Betreiber mit einer gezielten Kommunikation, dass autonome Stores gerade auf dem Lande Versorgungslücken schliessen und weite Einkaufswege verkürzen, die Akzeptanz erhöhen.
 
Flexibilität & Zeitersparnis
Autonome Ladenlokale bieten nach Ansicht der Befragten viele Vorteile: 71 Prozent schätzen die Möglichkeit, ihre Zeit beim täglichen Einkauf flexibel zu gestalten. 69 Prozent nehmen den Einkaufsprozess zudem als zeitsparend und 68 Prozent als besonders effizient wahr. Aber es werden auch Nachteile zur Sprache gebracht. Obenan stehen mit jeweils 68 Prozent die Unpersönlichkeit und das Gefühl der Überwachung in autonomen Ladenlokalen. Wie die Studie weiter zeigt, sind autonome Stores nicht für jeden Händler gleichermassen erfolgversprechend. Im Lebensmittelsegment ist die positive Wahrnehmung besonders stark. Für Branchen mit Produkten, die intensive Beratungen benötigen wie in Sportgeschäften oder in Baumärkten sind die Kunden aktuell noch deutlich zurückhaltender gestimmt.
 
Junge Shopper besonders offen
Während jüngere Befragte den autonomen Konzepten überwiegend aufgeschlossen gegenüberstehen, zeigen die Älteren eher Zurückhaltung. Die höchste Zustimmung findet man mit 77 Prozent bei den 25- bis 34-Jährigen, die niedrigste mit 60 Prozent bei den 55- bis 65-Jährigen. «Die Offenheit gegenüber autonomen Geschäften hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Menschen, die häufig online shoppen, sind eher bereit, in autonomen Stores einzukaufen. Zudem zeichnet unsere Studie ein klares Stadt-Land-Gefälle», fasst Stephan Fetsch, Partner bei KPMG in Deutschland, die Ergebnisse zusammen.

News

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Die MCS Marketing & Convenience-Shop System GmbH ist neues Fördermitglied im Bundesverband freier Tankstellen (bft).

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Vom 13. bis 15. November fanden die World Cheese Awards zum ersten Mal in der Schweiz statt.

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Das Unternehmen «Fancy by Nature» ist als markantestes Start-up aus den Pitchs in der voilà! Start-up-Arena des 128. Markant Handelsforums hervorgegangen.

Info

Im April 2024 hat der Studiengang Handel an der DHBW in Heilbronn unter der Leitung von Prof. Dr. Stephan Rüschen für Deutschland damit begonnen, die Smart Stores 24/7 in einer eigenen Google-Maps-Karte darzustellen. Dazu wurden neun Kategorien gebildet, die entweder anbieter- oder technologiegetrieben gebildet wurden. Bis Februar 2025 wurden über 55 000 Zugriffe auf die Karte registriert. «Dies zeigt das weiterhin grosse Interesse des Handels, der Hersteller und der technologischen Dienstleister an dem Thema», sagt Prof. Dr. Rüschen. In ihrem fortlaufend aktualisierten Whitepaper analysiert die DHBW mehrere Aspekte: Welche technologischen Lösungen für die 600 Stores verwendet werden, wer die relevanten Betreiber/Händler sind und wo sich die Smart Stores 24/7 befinden (Nahversorger, Direktvermarkter, Travel Retail, Tankstelle, Innenstadt etc.).