Nachhaltigkeit: Der Handel auf dem Prüfstand

Freitag, 29. Januar 2016
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Nachhaltigkeit ist für viele Verbraucher ein Kaufargument. Nachhaltiges Handeln gilt dabei für die Unternehmen als imageprägend. Doch dabei ist Transparenz das entscheidende Zünglein an der Waage.

Heutzutage achten Kunden beim Einkauf verstärkt auf nachhaltige Produkte, zum Beispiel auf regionale, fair gehandelte, ökologisch erzeugte oder MSC-zertifizierte Artikel. Nachhaltiges Einkaufen ist eine Sache – Produkte von Unternehmen zu kaufen, die auf allen Ebenen gesellschaftliche Verantwortung zeigen, aber ebenfalls ein wichtiger Entscheidungsfaktor für viele Verbraucher. Nachhaltige Unternehmensführung in ihren unterschiedlichen Facetten ist in hohem Maße imageprägend und daher in vielen Unternehmens-Leitlinien bereits fest verankert.

Transparenz schaffen

Was genau die Unternehmen im Einzelnen leisten, ist für die meisten Verbraucher allerdings oft schwer nachvollziehbar, geschweige denn überprüfbar. Mit dem „Unternehmenscheck“ hat die "Verbraucher Initiative"  bereits vor einigen Jahren ein Instrument geschaffen, das hier mehr Klarheit schafft und damit den nachhaltigen Einkauf sowie soziales und umweltverträgliches Handeln unterstützt. Die entsprechende Datenbank im Internet gibt Auskunft über Unternehmen aus insgesamt sechs Branchen (wie z.B. Nahrungs- und Genussmittel, Gesundheit und Körperpflege), die sich zuletzt im vergangenen Jahr um den Preis als „Nachhaltiges Einzelhandelsunternehmen 2015“ (respektive „Nachhaltiger Hersteller 2015“) beworben haben und mit Gold, Silber oder Bronze für ihre Leistungen ausgezeichnet wurden. Die Plattform ist frei zugänglich und vermittelt einen tieferen Einblick in das Umwelt- und Sozial-Engagement einzelner Unternehmen in den Bereichen Geschäftstätigkeit, Förderung nachhaltigen Konsums und Lieferkette. Insgesamt enthält die Untersuchung der Verbraucher Initiative Befragungen zu 350 branchenspezifischen Einzelkriterien, mit denen das CSR-Engagement gemessen wird.

Ausgezeichnetes CSR-Engagement

Das positive Fazit der aktuellen Ergebnisse: Gegenüber den früheren Untersuchungen von 2009 und 2011 ist die Umwelt- und Sozialverantwortung der teilnehmenden Unternehmen weiter gestiegen. Unter den insgesamt 46 Medaillenträgern sind auch mehrere Mitgliedsunternehmen der MARKANT. Kontinuierlich gesteigert hat beispielsweise SB-Warenhausunternehmen real,- sein CSR-Engagement und wurde dafür jetzt mit einer Auszeichnung in der Kategorie Nahrungs- und Genussmittel belohnt, außerdem mit Silber in den Bereichen Kosmetik/Körperpflege sowie Textilien/Schuhe. Auch für Kaufland gab es aufgrund des umfassenden Nachhaltigkeitsengagements Gold, für tegut sogar schon zum zweiten Mal. Die Bünting-Gruppe und dm Drogeriemarkt wurden mit Silber ausgezeichnet. Die Jury der "Verbraucher Initiative" bewertet dabei, auf welche Weise das Unternehmen nachhaltigen Konsum fördert, untersucht aber auch das CSR-Engagement innerhalb des Unternehmens und der Verkaufsstätten (Unternehmensführung, Transparenz) sowie die Berücksichtigung von Umwelt- und Sozialaspekten in der Lieferkette.

Nachhaltiges Handeln unterstützen

Der Nutzen dieses CSR Check-ups liege sowohl auf Seiten der Verbraucher wie auch der teilnehmenden Unternehmen, betont Christoph Teusch, Referent für Nachhaltigkeit bei der "Verbraucher Initiative". Einerseits könnten die Verbraucher mit ihrem Einkaufskorb Macht ausüben und so den nachhaltigeren Konsum ankurbeln. Andererseits unterstütze die Teilnahme der Unternehmen an den Befragungen die Weiterentwicklung des eigenen CSR-Engagements: Der Fragebogen als Checkliste zeige klar, wo die eigenen Aktivitäten noch verbessert werden könnten. Außerdem soll die Teilnahme zu einer öffentlichkeitswirksamen und glaubwürdigen Darstellung der Nachhaltigkeitsaktivitäten beitragen und damit die Kundenbindung und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen erhöhen. Auch für die eigene Öffentlichkeitsarbeit der Unternehmen lässt sich die jeweilige Auszeichnung nutzen – dank einer Verfügbarkeit als internetfähige Datei, mit der die CSR-Aktivitäten glaubwürdig belegt werden können.

Der Unternehmens-Check und weitere Informationen zur Befragung sind unter www.nachhaltig-einkaufen.de abrufbar.

News

Foto: Unternehmen

Ein Start-up will den Süsswarenmarkt umkrempeln, mit gesunden Naschereien – gesüsst mit Datteln.

Foto: Unternehmen

Die Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, verschiedene Dienstleistungen für Händler und Lieferanten zu erbringen.

Foto: Udo Hermann

Die Barzahler in Deutschland haben ihre Gewohnheiten in den Coronajahren verändert und sind dabei geblieben. Sie zahlen am liebsten mit Karte – und zwar mit der Girocard.

Interview

Christoph Teusch, Referent für Nachhaltigkeit, "Verbraucher Initiative", über das wachsende CSR-Engagement vieler Unternehmen.

Welches Ziel verfolgt die "Verbraucher Initiative" mit dem Unternehmenscheck?
Kernziel ist, dass Unternehmen mit der Untersuchung zu einem kontinuierlichen und nachhaltigen Engagement motiviert werden sollen – auf freiwilliger Basis und ohne Blaming. Dafür benötigen wir möglichst umfangreiche und ehrliche Antworten, die das Engagement belegen. Abhängig von ihrer Gesamtbewertung werden engagierte Unternehmen auch ausgezeichnet. Aus diesem Grund haben wir auch keine Details zu der Gewichtung von Einzelkriterien veröffentlicht. Wir bieten den Kunden zudem ein individuelles Auswertungsgespräch an, um ihnen Verbesserungspotenziale aufzuzeigen – was stark nachgefragt wird, auch von Unternehmen, die teilgenommen, aber keine Auszeichnung erhalten haben.

Wie werden die Angaben der Unternehmen kontrolliert?
Sie werden beispielsweise aufgefordert, Belege für ihre Antworten mitzuschicken – zum Beispiel, wenn sie Mitglied in einer Nachhaltigkeitsinitiative sind. Werden keine vollständigen Angaben gemacht oder nicht ausreichend belegt, führt dies zu Punktabzügen. Die Qualität der Antworten zu Prozessen, Strukturen und Maßnahmen wird dabei an international anerkannten Standards, Gütesiegeln und Best Practise gemessen.

Wo sehen Sie Fortschritte im CSR-Engagement des Handels?
Insgesamt haben wir festgestellt, dass die Umwelt- und Sozialverantwortung auch im Handel weiter steigt. Im Bereich Geschäftstätigkeit, also im eigenen Unternehmen, umfasst dies Elemente wie Managementziele, die organisatorischen Zuständigkeiten für CSR, aber auch Umwelt- und Sozialaspekte. Eine positive Entwicklung gibt es auch hinsichtlich der Einkaufsrichtlinien im Bereich Lieferkette, wenngleich hier noch weiterer Verbesserungsbedarf im Management besteht. Außerdem bieten die Unternehmen zunehmend nachhaltige Produktlinien an. Aus Verbrauchersicht wäre es wünschenswert, wenn der Anteil dieser Produkte am Sortiment zukünftig noch stärker wachsen würde. Damit verbunden ist auch ein kontinuierlicher Ausbau der verbrauchergerechten CSR-Kommunikation.

 

Statements

Was Preisträger im Handel unter Nachhaltigkeit verstehen

real,-
"Als Unternehmen sind wir ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft. Daraus resultieren Rechte und Chancen, aber auch Pflichten. Wie wir Umwelt und Ressourcen für eine lebenswerte Zukunft schützen können, ist derzeit ein wichtiges Thema, das die Menschen bewegt und bei dem wir unserer Verantwortung als Unternehmen gerecht werden müssen. Wir zählen bis zu einer Millionen Kunden pro Tag.  Genau daraus erwächst für uns Verantwortung – eben „Handeln aus Verantwortung!“

Tegut
"Nachhaltiges Wirtschaften ist für Tegut fester Bestandteil der Geschäftspolitik und damit eine zentrale Messgröße für jegliches Handeln. Nachhaltiges Wirtschaften durchdringt das gesamte Unternehmen. Das erklärte Ziel von Tegut ist, ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung nachhaltig miteinander in Einklang zu bringen."

Bünting
„Den Weg des nachhaltigen und verantwortungsvollen Handelns gehen wir als Bünting Unternehmensgruppe schon seit vielen Generationen. Wir wollen eine Perspektive über Generationen hinaus entwickeln, die dazu beiträgt, die natürliche Lebensgrundlage zu schützen, den sozialen Zusammenhalt zu stärken und das wirtschaftliche Leistungsvermögen zu fördern. Wir wollen unseren Mitarbeitern einen Arbeitsplatz bieten, an dem sie jeden Tag einen eigenen, aktiven Beitrag zum Thema Zukunftssicherung leisten können. Nachhaltige Unternehmensführung fußt bei uns auf einer Verantwortlichen Unternehmenskultur und umfasst die Achtung der Menschenrechte, die Wertschätzung unserer Mitarbeiter, den Schutz der Umwelt, Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken, das Vertrauen unserer Kunden sowie die Förderung der Gesellschaft.“

Kaufland
"Unser Anspruch ist es, nachhaltiges Handeln in Bezug auf Mitarbeiter, Kunden und Sortiment, Geschäftspartner sowie die Umwelt in unsere betrieblichen Abläufe zu integrieren. Darüber hinaus übernehmen wir auch außerhalb unseres Kerngeschäfts Verantwortung für die Gesellschaft. Nachhaltige Unternehmensführung bedeutet für uns daher, in unserem täglichen Handeln ökonomische, soziale und ökologische Verantwortung zu übernehmen, um so neben der langfristigen Sicherung des Unternehmenserfolgs zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen beizutragen."