Mautbefreiung treibt E-Lkw voran

Mittwoch, 01. Juli 2026
Foto: Kaufland

Nachdem Deutschland die Mautbefreiung für emissionsfreie Lkw bis 2031 verlängert hat, steigen deren Zulassungen an. Markant Partner begrüssen die Massnahme, sehen aber noch weiteren Handlungsbedarf.

Die im Januar 2026 vom Gesetzgeber bis zum 30. Juni 2031 verlängerte Mautbefreiung gebe dem Markthochlauf emissionsfreier Lkw einen ordentlichen Schub, kommentierte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder. «Die Unternehmen haben nun Planungssicherheit, und der Umstieg auf emissionsfreie Lkw bleibt attraktiv.» Nutzfahrzeughersteller berichten von steigenden Bestellungen, namentlich auch aus dem Einzelhandel. Denn dieser sei bei der Filialbelieferung mit 300 bis 500 Kilometer langen Tagestouren für den Einsatz von E-Lkw prädestiniert. «Für Flottenbetreiber schafft die gesetzlich festgelegte Laufzeit einen klar definierten Planungshorizont. Die Mautbefreiung wirkt unmittelbar im laufenden Betrieb, da sie streckenabhängig und kilometergenau greift», heisst es bei Renault Trucks. Nach Zahlen des europäischen Herstellerverbandes ACEA stiegen die Zulassungen von elektrisch aufladbaren Lkw im ersten Quartal 2026 in Deutschland um 58,9 Prozent. Gleichwohl entfallen immer noch mehr als 90 Prozent der Neuzulassungen auf Dieselantriebe. Nach Auffassung des ACEA müssen für den Hochlauf der E-Lkw die Rahmenbedingungen – insbesondere die Ladeinfrastruktur – verbessert werden. Diese Ansicht teilen auch Markant Partner.
 
Mehr nötig
Kaufland arbeitet mit Spediteuren zusammen, und diese setzen in der Filialbelieferung seit 2023 auch E-Lkw ein. Bis heute hat die Kaufland-Logistik insgesamt über 1,5 Millionen Kilometer elektrisch zurückgelegt. «Die Verlängerung der Mautbefreiung gibt uns und unseren Partnern die notwendige mittelfristige Planungssicherheit für Investitionen», sagt Stephan Wehner aus der Unternehmenskommunikation von  Kaufland. «Da die Anschaffungskosten für E-Lkw deutlich höher sind als für Verbrenner, ist die Mautbefreiung ein wichtiger Hebel, um diese Mehrkosten teilweise zu kompensieren.» Man sei überzeugt, dass der Wandel hin zu einer klimafreundlicheren Transportlogistik nur gemeinsam mit Spediteuren, Lieferanten und Infrastrukturbetreibern und der Politik gelingt. Kaufland bringt diese Akteure durch die «Multi Charging Strategy» zusammen. Die Mautbefreiung allein reiche jedoch nicht aus, so Wehner. «Es bedarf weiterer Schritte, wie etwa der Erhöhung des zulässigen Gesamtgewichts auf 44 Tonnen für E-Lkw – analog zu anderen EU-Ländern oder dem Intermodalverkehr, wie er heute schon in Deutschland besteht.» 
 
Wichtiges Signal
Auch dm-drogerie markt betreibt keinen eigenen Lkw-Fuhrpark, profitiert aber indirekt über seine Dienstleister von der Mautbefreiung. Die Massnahme verbessere die Wirtschaftlichkeit von E-Lkw und schaffe Planungssicherheit bis 2031, was nach Einschätzung von dm die Investitionsentscheidungen pro E-Lkw erleichtern dürfte. «Grundsätzlich begrüssen wir die Verlängerung der Mautbefreiung sehr, da sie ein wichtiges Signal für die weitere Elektrifizierung des Strassentransports setzt», sagt Wulf-Kristian Bauer, dm-Geschäftsführer Ressort Logistik. «Nachhaltigkeit ist ein zentraler Bestandteil unserer Unternehmensausrichtung, und wir legen grossen Wert darauf, dass auch unsere Transportpartner zunehmend auf emissionsärmere Lösungen umsteigen.» 
 
Infrastruktur als Bremse
Aus Sicht von Bartels-Langness (Bela) ist die Mautbefreiung eine «willkommene Entlastung in dieser Umbruchphase für viele Fuhrparks in der Logistikbranche». Bela selbst setzt immer mehr E-Lkw ein. Geschäftsführer Volker Bluhm sieht aber weiteren Handlungsbedarf: «Bei Investitionen in den Fuhrpark kann neben der Abwägung zwischen Anschaffungs- und Betriebskosten auch die Ladeinfrastruktur ein entscheidender Faktor sein. Sie muss entsprechend mitwachsen.» Zu diesem Ergebnis kommt auch das Öko-Institut, das im Rahmen einer Studie mehr als 200 Logistikunternehmen befragt hat. Jedes zweite Unternehmen nennt fehlende öffentliche Ladepunkte als Grund, keine E-Lkw zu beschaffen, während rund ein Viertel der Unternehmen mit eigenem Depot Investitionen in eine eigene Ladeinfrastruktur plant. Eine Elektrifizierung der schweren Lkw im Fernverkehr sei ebenso wie in grossen Depotflotten technisch bereits heute möglich, so das Institut. Entscheidend seien jedoch ausreichend verfügbare Lkw-taugliche Ladeinfrastruktur, leistungsfähige Netzanschlüsse, intelligentes Lastmanagement sowie angepasste betriebliche Abläufe. 

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Info

Das Bundesministerium für Verkehr (BMV) fördert den Aufbau von Ladeinfrastruktur für schwere E-Lkw. Die neue Förderrichtlinie richtet sich so­wohl an Unternehmen, die Ladeinfrastruktur im eigenen Depot errichten, als auch an Betreiber öffentlich zugänglicher Ladepunkte. Über vier Jahre stehen hierfür insgesamt eine Milliarde Euro bereit. Zum Start werden 200 Millionen Euro für folgende Förderaufrufe bereitgestellt:
• Nicht-öffentlich zugäng­liche Ladeinfrastruktur für KMU: Anträge können seit dem 5. Juni 2026 gestellt werden. Bewilligung in der Reihenfolge der Eingänge.
• Nicht-öffentlich zugäng­liche Ladeinfrastruktur für alle Unternehmen: Anträge bis zum 7. Juli 2026. Bewilligung im Anschluss und nach Abschluss des Auswahlverfahrens.
• Öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur: Anträge bis zum 7. Juli 2026. Bewilligung im Anschluss und nach Abschluss des Verfahrens.