Frische zieht stark an

Montag, 30. Juni 2025
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Die österreichischen Haushalte kaufen wieder mehr Lebensmittel ein, vor allem im klassischen LEH. Aktuelle Zahlen von Agrarmarkt Austria zeigen dabei auch: Die Bedeutung von frischen Produkten nimmt zu.

Die neuesten Daten der «RollAMA» (Rollierende Agrarmarktanalyse) der AMA-Marketing zeigen, dass die Österreicher in 2024 sowohl insgesamt mehr Menge (+2,1 %) eingekauft als auch ihre Ausgaben gesteigert haben. Im klassischen Lebensmitteleinzelhandel stiegen Absatz (+2,3 %) und Umsatz (+3,5 %) stärker als bei Discountern (+1,7 % / +3,1 %). Der LEH konnte seinen Marktanteil damit auf 63,1 Prozent steigern. «Besonders Frischwaren sind gefragt, Fertigprodukte bleiben auf Vorjahresniveau», skizziert die Agrarmarkt Austria Marketing GesmbH die Haupttrends. Die gesamten Haushaltsausgaben für Lebensmittel erreichten im vergangenen Jahr 9,8 Milliarden Euro. Wenn man alle Kategorien tierischen Ursprungs den pflanzlichen Lebensmitteln gegenüberstellt, ergibt sich ein konstanter Anteil von knapp 40 Prozent der Ausgaben für pflanzliche Erzeugnisse. Mengenmässig machen sie etwas mehr als die Hälfte des Gesamteinkaufs aus. «Es scheint oft, als würden die Shopper heute viel mehr pflanzliche Produkte kaufen als früher. Doch unsere Auswertung der Haushaltseinkäufe zeigt: Der Anteil von tierischen und pflanzlichen Produkten an den Gesamteinkäufen hält sich stabil. Sowohl mengenmässig als auch wertmässig gibt es kaum Veränderungen», so Christina Mutenthaler-Sipek, Geschäftsführerin der AMA-Marketing.
 
Stabile Preise
Die Konsumlaune der Österreicher dürfte sich 2024 auch deshalb verbessert haben, weil die extremen Preisschwankungen ein Ende fanden. Die starke Preissteigerung zwischen 2022 und 2023 liess nahezu alle Lebensmittel teurer werden, bevor sich die Preise 2024 stabilisierten und in manchen Kategorien zurückgingen. Insgesamt betrug der Anstieg der Durchschnittspreise des RollAMA-Warenkorbs 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Im Vergleich dazu lag die Inflationsrate aller Lebensmittel und Getränke laut «Statistik Austria» bei 2,6 Prozent. Dadurch wurden auch die Haushaltsausgaben für Lebensmittel wieder stabiler. 
 
Mehr Rabatte im Handel
Für Entlastung in den privaten Geldbörsen sorgte auch der Handel, indem er seine Rabattaktionen 2024 ausweitete. Im Schnitt wurde knapp ein Drittel des RollAMA-Warenkorbs in Aktion gekauft. Besonders bei tierischen Produkten war die Aktionsdichte hoch – Butter führte die Liste der häufigsten Aktionsprodukte an, gefolgt von Fleisch und Geflügel. Nicht nur der Handel entscheidet in Österreich, welche Produkte in Aktion sind. Auch Rabattsticker, die Konsumenten selbst auf bestimmte Produkte kleben können, gelten als Aktionen. Dies führte dazu, dass höherpreisige Produkte wie Fleisch häufiger rabattiert gekauft wurden, während günstigere Artikel wie Milch, Rahm und Topfen seltener als Aktionsartikel nachgefragt wurden. 
 
Bei Bio sinken die Aufpreise
Auch der Markt für Bio-Produkte wächst in Österreich weiterhin stabil. Der Anteil von Bio-Produkten an den verkauften Mengen stieg leicht auf 13 Prozent, während der Umsatzanteil mit 11,4 Prozent konstant blieb. Ein Grund für den höheren Mengenanteil ist, dass Bio-Produkte in preisgünstigeren Kategorien wie Milch stärker vertreten sind als in teureren Bereichen wie Fleisch. Die Preisunterschiede zwischen Bio- und konventionellen Produkten variierten je nach Warengruppe. Während Bio-Frischmilch nur 7,3 Prozent teurer war, lag der Aufpreis für Bio-Fleisch und Bio-Geflügel bei bis zu 81,6 Prozent. Vergleicht man 2023 mit 2024, zeigt sich jedoch, dass die Preisdifferenzen geringer wurden.
 
Interessante Mopro-Trends
Die AMA-Statistiken geben auch Informationen über die Bewegungen innerhalb der Teilsegmente an die Hand. So werden Milchprodukte zunehmend als Snack oder schnelle Energiequelle geschätzt. Neben Naturjoghurt und Topfen wurden mehr Fruchtjoghurts, Joghurtdrinks und Frischedesserts wie Pudding und Topfencreme gekauft. Im Käsebereich zeigt sich darüber hinaus eine klare Entwicklung hin zu Convenience. Besonders gefragt waren vorgeschnittene Käsescheiben für die Selbstbedienung.
 
Geflügel immer wichtiger
Der Konsum von Hühner- und Putenfleisch nahm 2024 zu und erreichte einen Marktanteil von 20 Prozent, während klassisches Schweinefleisch leicht zurückging. Rindfleischeinkäufe blieben trotz höherer Preise stabil. Ein klarer Trend zeigt sich in der Zubereitung: Vormariniertes Fleisch wurde weniger gekauft, stattdessen griffen die Konsumenten häufiger zu ungewürztem Fleisch und marinierten selbst. Äusserst beliebte Artikel im LEH sind nach wie vor Wurst und Schinken, die von 97 Prozent der Haushalte gekauft wurden. Im Schnitt kaufte ein Haushalt 27,3 Kilogramm pro Jahr an Wurst und Schinken im LEH nur für den Haushaltsbedarf; Produkte für den Verzehr zwischendurch, wie etwa Wurstsemmeln, sind darin nicht enthalten.
 
Paprika besonders gefragt
Unter den Gemüsesorten verzeichnet Paprika den grössten Zuwachs. Die Einkaufsmenge stieg um 14 Prozent, was das Gemüse zum klaren Gewinner des Jahres 2024 macht. Auch Champignons erfreuten sich wachsender Beliebtheit und legten um über neun Prozent zu. Dennoch bleibt in Österreich der Paradeiser – die Tomate – mit 33 400 Tonnen (+1,8 %) weiterhin das am häufigsten gekaufte Gemüse. Es folgen Zwiebeln, Karotten und Gurken, die allesamt ebenfalls Absatz gewannen. Auch beim Obst zeigt sich bei den Top-10-Sorten überwiegend eine steigende Nachfrage. Äpfel sind nach wie vor das beliebteste regionale Obst, verzeichneten jedoch nach Ernteausfällen einen Rückgang. Generell gilt laut AMA: «Das Klima hat einen starken Einfluss auf das Angebot und den Preis von Obst und Gemüse, was sich direkt in den Einkaufsmengen widerspiegelt.»

News

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Im Dezember 2025 ist die Versand-Apotheke «dm-med» mit rezeptfreien, apothekenpflichtigen Produkten an den Start gegangen.

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Vom 22. bis 26. Februar 2026 trifft sich der internationale Handel in Düsseldorf auf der EuroShop.

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Der Preisauftrieb für Nahrungsmittel in Deutschland hat sich zum Jahresende 2025 abgeschwächt.

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Insgesamt geben die Deutschen 2025 rund 4,2 Milliarden Euro für Kaffee und 896 Millionen Euro für Tee aus. Das geht aus einer Studie von NielsenIQ (NIQ) hervor.

Info

Die RollAMA (rollierende Agrarmarktanalyse) der AMA-Marketing wird in Zusammenarbeit mit YouGov Shopper Panel (vormals GfK) und KeyQUEST Marktforschung durchgeführt. Es handelt sich um ein Haushaltspanel, bei dem 2800 österreichische Haushalte Aufzeichnungen über ihre Lebensmitteleinkäufe führen. Erfasst werden Fleisch und Geflügel, Wurst, Milch und Milchprodukte, Käse, Obst, Gemüse, Eier, Kartoffeln, Tiefkühlprodukte, Fertiggerichte, Pflanzliche Alternativen, Brot und Gebäck sowie weitere Getreideerzeugnisse. Die Einkaufsmengen und Ausgaben dieser repräsentativ ausgewählten Haushalte werden auf die Gesamtzahl der österreichischen Privathaushalte hochgerechnet und daraus diverse Kennzahlen berechnet. Die Daten geben somit Auskunft über die Einkäufe, die für den Haushalt getätigt werden. Nicht enthalten sind Individualeinkäufe sowie der Ausser-Haus-Konsum.