Einheitliche Linie fehlt

Dienstag, 06. Juni 2017
Foto: Fotolia.com (M.Dörr & M)

Der Lebensmitteleinkauf im Internet nimmt langsam Fahrt auf. Von Seiten der Anbieter gibt es kreative Ansätze, aber nur wenige ausgereifte Sortiments- und Logistikkonzepte.

Der Einkauf von Lebensmitteln und anderen Waren des täglichen Bedarfs im Netz findet immer mehr Interessenten, vor allem bei Verbrauchern in den Metropolen und Großstädten der Republik. Bisher ist das Volumen im Bereich der tagesaktuellen Belieferung noch sehr überschaubar mit einem Anteil von gerade mal einem Prozent am Gesamtumsatz. Doch der gerade erfolgte Einstieg von Amazon in dieses Geschäft dürfte die schon aktiven Branchenwettbewerber unter Zugzwang setzen; wobei allerdings angesichts des enorm dichten Supermarktnetzes und der hohen Preissensibilität der Verbraucher in Deutschland der Start in diesen Markt selbst für den Internet-Riesen riskant bleiben dürfte.

Vieles im Teststadium

Das EHI Retail Institute hat Ende 2016 in einer Studie den Status quo von Home Delivery erforscht. Dabei wurden 35 Vollsortimenter näher betrachtet, die eine Lieferung mit frischen und kühlpflichtigen Lebensmitteln bieten und bei denen der Kunde mit seiner Bestellung weitgehend den Wocheneinkauf tätigen kann. Danach hält sich der Komfort dieser Online-Shops derzeit in Grenzen – etwa was die Nutzerfreundlichkeit der Online-Shops hinsichtlich Sortiment oder Auswahl eines Zeitfensters angeht. Es gäbe durchaus kreative Konzepte wie etwa die Filterung nach verschiedenen Ernährungsformen wie glutenfrei oder vegetarisch, die Spezialisierung auf regionale Produkte, eine umweltschonende Distribution per Fahrrad oder Elektrofahrzeuge, aber die einheitliche Linie fehle, kommentieren die EHI-Handelsforscher die Ergebnisse.

Herausforderung Logistik

Frische und Internet erfolgreich zu vereinen, sei für viele Händler ein echter logistischer Kraftakt, auch in finanzieller Hinsicht, unterstreicht Professor Dr. Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg. Eigenständige Konzepte müssten her, die überzeugende Lösungen zu vielen Fragen lieferten: Distribution regional – oder bundesweit? Selber machen oder externe Dienstleister beauftragen? Die Ware im Laden kommissionieren – oder zentral in einem Lagerhaus? Kille verweist darauf, dass sich die Kommissionierung der bestellten Waren in einer nicht dafür ausgelegten Filiale sehr viel schwieriger gestalte als in einem Lager, das auf die notwendigen Prozesse effizienter ausgerichtet sei. Zudem erfordere die Filial-Kommissionierung eine häufigere Belieferung der Filiale mit Ware; dies führe unter anderem zu einem erhöhten Verkehrs- und Paketaufkommen. Entstehende Verkehrsspitzen zu bestimmten Tages- und Wochenzeiten müssten bewältigt werden, einschließlich der entstehenden Parkprobleme. Und auch nicht zu vernachlässigen ist folgender Aspekt: Was passiert mit dem zunehmenden Verpackungsmüll, wie kann eine effiziente Rückführung organisiert werden? Den Lieferservice einfach an externe Dienstleister zu vergeben, kann hingegen sehr teuer werden.
Tatsächlich, so zeigt die EHI-Studie, nutzen die Vollsortimenter im Lebensmittel E-Commerce derzeit vor allem die eigene Lieferflotte und integrieren die Logistik damit in das eigene Geschäftsmodell. Zum einen geht es darum, Vertrauen beim Kunden zu schaffen, zum anderen darum, sich die aufwändige Verpackung mit Kühlelementen für den Versand zu sparen, da überwiegend in den eigenen Fahrzeugen gekühlt wird. Allerdings liefert die eigene Flotte nicht bundesweit; um diese zu gewährleisten, setzen neun Anbieter auf externe Lieferdienste wie DHL, DPD oder die Lieferung per Kurier.

News

Foto: Unternehmen

Ein Start-up will den Süsswarenmarkt umkrempeln, mit gesunden Naschereien – gesüsst mit Datteln.

Foto: Unternehmen

Die Unternehmensgruppe ist darauf spezialisiert, verschiedene Dienstleistungen für Händler und Lieferanten zu erbringen.

Foto: Udo Hermann

Die Barzahler in Deutschland haben ihre Gewohnheiten in den Coronajahren verändert und sind dabei geblieben. Sie zahlen am liebsten mit Karte – und zwar mit der Girocard.

Info

Eine Frage der Affinität

Nexiga, eines der führenden Unternehmen im Geomarketing, hat unter anderem umfassende soziodemografische und sozioökonomische Daten aus einer Markt-Media-Studie von best4planning gezielt für die Kategorie “Home Delivery“ ausgewertet, um den Grad der Affinität der Verbraucher für Lieferdienste in Deutschland zu analysieren, und in einer Karte entsprechend auf die feinräumige Ebene der Postleitzahlen übertragen. Danach haben Städter generell eine höhere Affinität zum Online-Einkauf von Waren des täglichen Bedarfs als Bewohner beispielsweise der süddeutschen Provinz, wobei hier das mangelnde Angebot angesichts langer Wege und dünner Bevölkerungsdichte ein Grund für das geringe Interesse sein dürfte. Auch andere Faktoren spielen eine wichtige Rolle, etwa die Kaufkraft – sie ist im Westen höher als im Osten – oder die Schulbildung. Besonders Einwohner mit einer höheren Schulbildung, Familien mit kleinen Kindern oder Senioren sind eher offen für Home Delivery. Die Geodaten lassen sich weiter individualisieren und können Händler dabei unterstützen, das eigene Potenzial für den Lieferservice am eigenen Standort und im Einzugsgebiet zu erkennen und auszuschöpfen.

 

Statement

"Die anfangs bestehende Skepsis gegenüber Frischeprodukten im Online-Lebensmittelhandel hat deutlich abgenommen. Die entsprechenden Fragen der Kunden („Wie sollen Fleisch und Tiefkühlware frisch bei mir ankommen? Wie sollen Bananen, Tomaten und rohe Eier unversehrt bleiben?“) konnte myTime.de mit seiner Qualität und Leistung beantworten. Die Inhalte der Warenkörbe zeigen, dass der Online-Kauf von Lebensmitteln inklusive Frische-Artikeln für viele Kunden bereits gelebte Normalität geworden ist.
Pünktlich zum Jubiläum haben wir eine neue Funktion für die myTime.de App herausgebracht, um den Bestellkomfort auszubauen. Ab sofort wird das Einkaufen per Sprachsteuerung ermöglicht. Durch das neue Feature bietet myTime.de dem Kunden eine noch komfortablere Möglichkeit, von unterwegs aus einzukaufen. Voice Commerce ergänzt den bereits vorhandenen Barcode-Scanner in unserer Bestell-App und ist ein weiterer Schritt zur Steigerung der Verbraucherakzeptanz."

 

Info

MARKANT-Mitglied Rossmann ist bereits seit 1999 im Onlinehandel aktiv und hat daher eine Vorreiterrolle als Drogeriemarkt im deutschen E-Commerce. 2016 wurde das Unternehmen vom Deutschen Institut für Servicequalität als Testsieger unter fünf deutschen Online-Drogerien ausgezeichnet. Das vergangene Jahr stand für Rossmann Online unter dem Vorzeichen einer konsequenten Sortimentsveränderung. Aktuell sind 8.000 Drogerieartikel online erhältlich. Das Nonfood-Sortiment wurde auf ca. 1.000 Ergänzungsartikel zum Kernsortiment gekürzt und umfasst jetzt primär Produkte für „Mutter und Kind“.

Im laufenden Jahr wird das Click & Collect-Modell bundesweit ausgerollt. Mit diesem Angebot unterstützt der Online-Shop den stationären Vertrieb und kann seiner Rolle als „verlängerter Regalarm“ insbesondere für kleinere Filialen gerecht werden. Im vergangenen Jahr setzte das Drogeriemarktunternehmen online 28 Millionen Euro um; das entspricht einer Steigerung von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr.