«Es hapert an der Darstellung»

Donnerstag, 30. April 2026
Foto: Koelnmesse-GmbH/ Uwe-Weiser

Klaus Peter Teipel sieht die «Grüne Branche» auf Wachstumskurs, erwartet aber ­Verschiebungen in Richtung Discount. Den klassischen Vertriebskanälen rät der ­Unternehmensberater und Branchenkenner zum Gegensteuern.

Herr Teipel, was hat Sie zuletzt im Grünen Markt am meisten überrascht?
Klaus Peter Teipel: Dass der Grüne Markt deutlich weniger konjunktursensibel ist und damit weniger Schwankungen aufweist als andere Märkte, das überrascht mich in der Tat immer wieder. Selbst ausgeprägtes Sparverhalten oder schlechte Konjunkturen setzen dem Gartenmarkt weniger zu als vielen anderen Branchen. Natürlich unter der Voraussetzung, dass dem keine extremen Witterungsverhältnisse entgegenstehen.
 
Gartenarbeit hat also für die Konsumenten einen unverändert hohen Stellenwert?
Klaus Peter Teipel: Absolut. Laut Freizeitmonitor, in dem jährliche Angaben zu den Freizeitaktivitäten der Deutschen veröffentlicht werden, ist der Anteil derer, die regelmässig im Garten arbeiten, von 2014 bis 2025 von 49 auf 52 Prozent gestiegen. Aktivitäten im Garten haben also einen unverändert hohen Stellenwert für die Deutschen.
 
Wie wirkt sich die Konsumkrise im Einzelnen aus?
Klaus Peter Teipel: Im Gegensatz zu vielen anderen Branchen ist der Gartenmarkt nicht von einer realen Konsumkrise betroffen. Branchenumfragen zeigen, dass Handel und Hersteller nach wie vor überwiegend positiv gestimmt sind, auch wenn sie zuletzt einen leichten Abschwung registrieren mussten. Der Gesamtmarkt Garten hatte 2025 ein Volumen von 19,7 Milliarden Euro, was einem Rückgang um 0,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In der Summe ist das Minus nur gering, beruht aber auf recht heterogenen Entwicklungen der einzelnen Vertriebskanäle. Überdurchschnittlich viel Umsatz im Gartenbereich verloren haben die Baumärkte mit minus 2,3 Prozent. Die Fachgartencenter verloren 1,5 Prozent, der klassische Gartenfachhandel inklusive Blumenhandel 3,8 Prozent und die SB-Warenhäuser 1,6 Prozent. Das heisst vor allem, dass bestimmte Sortimente nicht mehr dort gekauft werden, sondern woanders.
 
Was passiert da genau?
Klaus Peter Teipel: Wohin die Segmentumsätze jeweils wandern, ist interessant. Gewonnen haben zum Beispiel der Motoristenbereich mit plus 2,8 Prozent und der Möbelhandel mit 2,2 Prozent. So haben im Gartenmöbelbereich Anbieter wie zum Beispiel JYSK in den letzten Jahren spürbare Zugewinne verzeichnen können. Aber auch die Supermärkte und Lebensmittel-Discounter wachsen mit vielen grünen Sortimenten, nicht zuletzt auf Grund ihrer wöchentlichen und saisonalen Aktionen. Last but not least ist auch der Online-Handel mit einem ordentlichen Umsatzplus unterwegs. Ein Teil der Umsätze verschiebt sich also von klassischen Kanälen hin zu anderen, auch branchenfremden Akteuren wie Möbelhäusern, Postenmärkten und expansiven Nonfood-
Discountern wie etwa Action.
 
Wie stark ist diese Entwicklung preisgetrieben?
Klaus Peter Teipel: Tatsächlich verlagern sich viele – aber nicht alle – Umsätze in Richtung der preisaggressiven Formate. Das Sparverhalten drückt sich so aus, dass die Konsumenten auf der einen Seite nicht mehr in den klassischen Schienen einkaufen, weil es dort teurer ist, sondern bei den discountierenden Anbietern. Sehr ausgeprägt ist dieser Sparkurs beim Lebendgrün, dessen Umsatz 2025 bei wachsender Menge um zwei Prozent auf 10,1 Milliarden Euro zurückging. Auf der anderen Seite haben wir bei bestimmten Sortimenten aber einen Qualitätstrend, der zum Beispiel die Motoristen befeuert. 
 
Was sind die Trends, wo liegen für den Handel die Chancen?
Klaus Peter Teipel: Ich glaube, dass die Bereiche Garten, aber auch Freizeit und Heimtierbedarf immer mehr zusammenwachsen. Daraus ergibt sich ein Gesamtkontext, den es nun auf den POS-Flächen vernünftig zusammenzuführen gilt. An der Darstellung auf den SB-Flächen hapert es aber vielfach. Die Kunden suchen im Grunde nach Lösungen und wollen inspiriert werden – finden vielfach aber einfach nur Produkte, oft ohne Zusammenhang. Während für ein SB-Warenhaus eine sorgfältige Zusammenstellung der freizeitrelevanten Garten-, Freizeit- und Heimtier-Sortimente notwendig erscheint, würde den klassischen Vertriebskanälen eine neue, gute Inszenierung dabei helfen, dass dort wieder gerne und mehr gekauft wird.
 
Wie lautet Ihre Prognose für das Jahr 2026? 
Klaus Peter Teipel: Der Trend, wie ich es in den letzten Wochen aus der Branche gehört habe, ist eindeutig positiv. Aktuell steht über allem die Frage, wie die hohen Energiepreise auf die Ware durchschlagen. Ich gehe aber davon aus, dass der Markt 2026 wachsen wird. Zwischen den Szenarien Best Case und Worst Case dürfte das Wachstum zwischen drei Prozent und einem halben Prozent liegen. 

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Die Kunden suchen nach Lösungen und wollen inspiriert werden – finden vielfach aber einfach nur Produkte, oft ohne Zusammenhang.
Klaus Peter Teipel,
Teipel research & consulting