Aktuelle Ernährungstrends lassen sich immer auch an den vielfältigen Milchprodukten ablesen. Was die Verbraucher bewegt, verändert den Markt. Und die Milch steht hier an einer besonderen Schnittstelle aktueller Einflüsse.
Der «Milch Trend Report» von The Future:Project hat es noch einmal verdeutlicht: Milchprodukte haben sich in den verschiedenen Kulturen in den letzten Jahrtausenden immer wieder gewandelt – und werden es weiter tun. Denn Gesellschaften und Geschmäcker verändern sich stetig; die Konsumanlässe werden zunehmend vielfältiger. Das treibt auch kontinuierlich den Markt der Milchprodukte voran.
Internationalisierte Produkte
Die Globalisierung beeinflusst kulinarische Traditionen. Dabei fungieren Milchprodukte sogar als «Kulturvermittler». Internationale Erzeugnisse wie Burrata, Mozzarella, Ayran oder Kefir sind längst nicht mehr aus dem heimischen Portfolio wegzudenken – und verbinden Menschen. Die wachsende Individualisierung modifiziert ebenfalls die Vielfalt des Angebots, das auf verschiedenste Ernährungsbedürfnisse ausgerichtet ist – sei es mit proteinreichen, fettarmen oder laktosefreien Milchprodukten oder eben klassischer Sahne. Auch die sozialen Medien spielen eine Rolle. Dort teilen insbesondere junge Menschen gerne mit, was sie essen. Das hat die Klassiker unter den Milchprodukten beflügelt: Käse und Butter, die auf Platten und «Boards» optisch lecker und variantenreich mit Extras angeordnet werden.
Natürlich und förderlich
Der Wunsch nach höheren Proteinanteilen und natürlichen Lebensmitteln lenkt den Verbraucher-Blick unter anderem auf Quark, Kefir oder Ayran. Dass den Mikroorganismen in Joghurt, Hüttenkäse oder Harzer Käse gesundheitsfördernde Effekte zugeschrieben werden, verleiht bewährten Kulturtechniken, die auf Milchsäurebakterien setzen, neuen Aufschwung. Und das Interesse an Mikronährstoffen wächst. Schliesslich werden sie als Teil eines präventiven Ernährungsstils wahrgenommen, der gerade in einer alternden Gesellschaft gefragt ist. Umso besser, wenn diese Mikronährstoffe aus natürlichen statt hochverarbeiteten Lebensmitteln stammen. Das beobachtet auch Sandra Baecke, Gebietsverkaufsleiterin bei der Molkerei Berchtesgadener Land: «Der Gesundheit zuliebe verzichten immer mehr Kunden auf hochverarbeitete Produkte mit ellenlangen Zutatenlisten und greifen lieber wieder zur echt guten Bergbauernmilch.»
Ein gesunder Planet
Zudem gehen immer mehr Shopper das Thema Gesundheit im Sinne der Nachhaltigkeit ganzheitlich an. Nach dem Motto: Nur in einer gesunden Umwelt kann auch der Mensch individuell gesund sein. Der Wunsch nach ehrlichen und pragmatischen Ansätzen sowie Transparenz wächst – und damit auch nach verlässlichen Siegeln und Haltungskennzeichnungen. Hier kann die Milchbranche mit Offenheit, Mut zur Ehrlichkeit sowie Diskurs-Souveränität punkten.Auch die Emissions-Transparenz wird immer wichtiger. Der Anteil der Milcherzeugung am Gesamt-CO2-Fussabdruck der DMK Group beispielsweise liegt nach eigenen Angaben bei etwa 73 Prozent. «Vor diesem Hintergrund haben wir unser Pilotprojekt «DMK Net Zero Farms» ins Leben gerufen», heisst es aus dem Unternehmen: «Die teilnehmenden landwirtschaftlichen Betriebe testen verschiedene Klimamassnahmen, um den CO2-Fussabdruck bis Ende 2025 zu senken und in Richtung Netto-Null zu bringen.» Im Fokus dabei stehen das Betriebsmanagement, Futter- und Ackerbau und die Energieerzeugung der Betriebe zur Verringerung der CO2-Emissionen.
Die Verbraucher informieren
Die Molkerei Berchtesgadener Land verweist in diesem Kontext darauf, dass die genutzten Almen Hotspots der Biodiversität sind. «Sie bestehen nur, wenn dort weiterhin Kühe aufgetrieben werden und die Flächen durch die Bergbauern beziehungsweise Almbauern bewirtschaftet werden», so Sandra Baecke. Sonst würden Wälder die Almgebiete überziehen, ein Verlust an Blumen und Kräutern sei die Folge: «Das ist einer der Gründe, warum zum Beispiel im Nationalpark Berchtesgaden weiterhin Almwirtschaft betrieben wird.» Diese – vielen Verbrauchern oft nicht bekannten – Zusammenhänge werden im neuen Wanderprojekt «Da Kuah auf da Spur» aufgezeigt. Zum Start wurden vier Wandertouren ausgearbeitet. Entlang der Wege vermitteln QR-Codes Wissen zur Alm- und Berglandwirtschaft und zeigen auf, wie die Milch mit der Region, der Natur und ihrer Pflege durch die Bauern verbunden ist.