Osteuropa am POS

Freitag, 25. Juni 2021
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Osteuropa hat einiges an Kulinarik zu bieten. Das Markant Magazin berichtet über Spezialitäten aus Russland, Polen sowie dem Balkan-Raum und ihre Chancen für den deutschen Handel.

Die osteuropäischen Verbraucher haben ihre ganz eigenen Vorlieben: «Ob aus Russland oder Polen – der Käufer aus Osteuropa liebt seine Milchprodukte», weiss Andrej Volynec, Geschäftsführer von Quarki. Dem pflichtet Andreas Zeiser, Geschäftsführer von Inlico bei: «Osteuropäische Molkereiprodukte zählen zu den frequenzstarken Schnelldrehern, besonders Kefir wird stark nachgefragt.» Im Trockensortiment bewegt sich das Angebot laut Andreas Uhrich, Leiter Innendienst Monolith Deutschland Vertriebs GmbH, neben Süsswaren im Bereich der Fisch-, Gemüse- und Sauerkonserven. Auch Tiefkühlprodukte wie die russischen Teigtaschen Pelmeni und typische Getränke wie Birkensaft zählen laut den Herstellern zu den Top-Sellern. Ebenso beliebt sind Sonnenblumenkerne, hergestellt nach verschiedenen Ernte- und Röstverfahren, hartgebackenes Kringelgebäck und Konserven wie geräucherte Sprotten in Pflanzenöl. Entscheidend für den Erfolg ist laut Roman Kowalew, Brand Manager National bei Dovgan, der richtige Artikel-Mix, für die der Kunde bereit sei, auch eine längere Anfahrtsstrecke auf sich zu nehmen.

Waren aus eigener Fabrikation
Markenbewusstsein und einen eher traditionellen Geschmack attestiert Uhrich dem russischen und polnischen Verbraucher zum Beispiel bei Tee, Öl, Aufstrichen und Würsten, Joghurt und Butter. Um möglichst nah an dessen Geschmack zu kommen, setzt Monolith auf eigene Herstellung. Die Wurstwaren nach russischem Rezept stellt ein Schwesterunternehmen in der Nähe von Nürnberg her, das Plombir-Eis produziert der Grosshändler in einer eigenen Fabrik in Litauen. Ferner rät Roman Kowalew, das Sortiment standortspezifisch auszuwählen und empfiehlt eine genaue Analyse der Kundschaft vor Ort: «Im Rhein-Ruhr-Gebiet laufen andere Produkte als im hohen Norden.»

Optimale Präsentation im Block
Die landestypischen Produkte sollten in grosser Breite und Vielfalt in einer Blockplatzierung am POS präsentiert werden, rät Kowalew. Artikel, nach denen der Verbraucher gezielt sucht, wie Wodka, Beluga oder Riga Sprotten, sollten hingegen den einzelnen Warengruppen zugeordnet sein. Um dem Verbraucher die breite Auswahl an Geschmacksrichtungen näher zu bringen, setzt Monolith auf Verkostungen im Markt. Was die weitere Entwicklung osteuropäischer Produkte angeht, sind alle Anbieter gleichermassen zuversichtlich. Roman Kowalew begründet dies damit: «Der osteuropäische Konsument möchte seine Spezialitäten beim klassischen Einkauf im Supermarkt besorgen, und immer mehr Artikel der osteuropäischen Küche landen auch im Einkaufskorb eines deutschen Durchschnittkonsumenten.»

Buchtipp:

Matrjoschka – Kochen wie in Osteuropa: aromatisch – traditionell – authentisch
Die Autorin Tanja Dusy schreibt seit über 20 Jahren erfolgreich Kochbücher und war lange Zeit als Redakteurin tätig. Als Küchenprofi entwickelt sie verlässliche Rezepte mit dem gewissen Etwas. Das Kochbuch «Matrjoschka» mit 70 authentischen Rezepten aus Ländern wie Georgien, Russland und der Ukraine gibt Einblicke in die kulinarischen Landesküchen mit all ihren Gemeinsamkeiten und spannenden Kontrasten. Es vereint Tradition und Moderne, weil hier traditionelle Eintöpfe mit neuinterpretierten Klassikern verschmelzen. Neben der Vorstellung der verschiedenen Landesküchen gibt es auch interessante Infos über die einzelnen Regionen, informative Zutatenlisten und verschiedene Themenkapitel. Ein spielerischer Streifzug durch die Esskultur des alten und modernen Osteuropas.

Herausgeber: EMF-Verlag;
1 Edition (02. September 2021)
160 Seiten, Hardcover
ISBN: 978-3-96093-862-0

Geschmack der Kindheit

Eugen Henning, Geschäftsführer der Mix GmbH Lebensmittelhandel, über die Käufer osteuropäischer Produkte, deren Kaufmotive und welche Produkte im Regal nicht fehlen sollten.

Wer kauft bei Ihnen ein – nur Osteuropäer?
Eugen Henning:
Die meisten unserer Käufer stammen aus Rumänien und den ehemaligen Sowjetstaaten wie Russland, Kasachstan, Moldawien und der Ukraine. Kunden mit polnischen oder tschechischen Wurzeln haben wir ebenso, aber auch immer mehr Deutsche kaufen bei uns ein.

Warum kauft die Zielgruppe gerade bei Ihnen ein?
Eugen Henning:
Viele Kunden mit Migrationshintergrund vermissen den «Geschmack der Kindheit», also Produkte, die sie bis zur Umsiedlung nach Deutschland gekannt und geliebt haben. Davon haben wir die ganze Palette: von der russischen Kochwurst über Pelmeni bis hin zum Plombir-Eis. Zudem haben wir bestimmte Produkte, die man für die Zubereitung osteuropäischer Rezepte benötigt und sonst nirgendwo bekommt.

Welche Produkte kaufen Verbraucher, die in Deutschland geboren sind, aber ihre Wurzeln in Osteuropa haben?
Eugen Henning: 
Das sind meist Lebensmittel, die sie aus ihrem Elternhaus kennen und auf die sie nicht mehr verzichten möchten. Die Esskultur wird eben aktiv an die nächste Generation weitergereicht. Bei den ganz Jungen sind es zum Beispiel oft die angesagten Snacks wie Sonnenblumenkerne und Quarkriegel in Schokoglasur und Getränke wie Kwas.

Kochen Osteuropäer fleischlastiger und kalorienreicher als Westeuropäer?
Eugen Henning:
Die Osteuropäer essen gern herzhaft, deftig und mit viel Fleisch. Die traditionell deutsche Küche ist mit Schweinebraten, Schnitzel, Gulasch, Eisbein und der obligatorischen Currywurst aber mindestens genauso fleischlastig. Auch bei der jüngeren Generation gibt es Gemeinsamkeiten: Die jungen Osteuropäer tendieren immer mehr zu gesunder Ernährung – genauso wie die jungen Westeuropäer. Vegetarische und vegane Gerichte spielen eine immer grössere Rolle.

Produkte

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Mit dem vodka-basierten Likör «Zubrówka Rosé» mit nur 32 Volumenprozent Alkohol bietet Borco eine leichte, nicht zu süsse Alternative mit dem Geschmack nach Himbeeren, Preiselbeeren und Hagebutten an.

Die Buchweizenflocken kommen ebenso wie Buchweizen ohne Getreide aus und sind damit frei von Gluten- und Weizenlektinen.

Der Hersteller bietet die in Russland beliebten Pelmeni unter der Eigenmarke «Masha and The Bear» an.

Da die Sauermilcherzeugnisse Kefir und Rjaschenka in Russland, Weissrussland und der Ukraine pur getrunken und auch zum Kochen und Backen vielfach verwendet werden, wird beides in der handlichen 1-Kilogramm-PET-Flasche mit Schraubverschluss angeboten.

Der Quark mit wahlweise vier oder acht Prozent Fettgehalt und 30 Prozent i.Tr. in der Dreiviertelfettstufe ist in der russischen Küche eine beliebte Zutat für Käsekuchen, Quarkpfannkuchen oder russischen Zupfkuchen.