Global gefragt

Montag, 08. Juni 2026
Foto: stock.adobe.com – barmalini

Mit 700 Sorten steht Schweizer Käse weltweit für Qualität, Herkunft und Handwerk. Doch steigender Preisdruck, veränderte Konsumgewohnheiten und internationale Konkurrenz fordern das Premiumsegment zunehmend heraus – und machen eine klare Positionierung auf der Verkaufsfläche wichtiger denn je.

Weltweit wird die Zahl der Käsesorten auf etwa 3000 bis 5000 geschätzt, je nachdem, wie streng man Varianten und Marken von eigenständigen Sorten trennt. In dem Kontext nimmt Schweizer Käse eine relevante Rolle ein. Denn mit über 700 Käsesorten ist die Schweiz nicht nur ein Teil dieser weltweiten Vielfalt, sondern auch ein eigenständiger Referenzpunkt für Qualität, Tradition und Export. «Schweizer Käse ist hochwertiger Premiumkäse mit sowohl langer Tradition und natürlicher Herstellung als auch mit einer grossen Vielfalt, die stetig wächst. Die grössten Stärken findet man in der höchsten Qualität, wie man Käse nur herstellen kann und dem unverwechselbaren Geschmack und Genuss», sagt Andreas Müller, Geschäftsführer bei Switzerland Cheese Marketing (SCM). 
 
Wirtschaftliche Bedeutung
Fakt ist: Schweizer Käse ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der landwirtschaftlichen Wertschöpfung, sondern zählt auch zu den wichtigsten Exportgütern des Landes. Rund 45 Prozent der Schweizer Milch werden zu über 700 verschiedenen Schweizer Käsespezialitäten verarbeitet, von denen knapp 40 Prozent weltweit in über 70 Länder exportiert werden. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 81 084 Tonnen Schweizer Käse im Wert von 732,6 Millionen Schweizer Franken exportiert. Im Jahr davor lag die Exportmenge bei 79 268 Tonnen. Europa ist mit Abstand der wichtigste Markt: 85 Prozent der exportierten Menge wurden im Jahr 2025 in EU-Länder geliefert. Dies entspricht Ende 2025 insgesamt 68 918 Tonnen und stellt eine Zunahme von 4,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 dar. 
 
Internationale Märkte schätzen insbesondere die Kombination aus Qualität, Herkunft und Markenimage. Gleichzeitig ist der Export aber auch von nicht unerheblichen Faktoren beeinflusst. So machen die angespannte geopolitische Lage und die anhaltende Stärke des Schweizer Frankens dem Export zu schaffen: 2025 profitierten die relativ günstigen Produktkategorien wie «Frischkäse/Quark», «Andere Halbhartkäse 45 % F.i.T.» und «Andere Hartkäse 45 % F.i.T.». Die Menge der Exporte wuchs im Jahr 2025 um 2,2 Prozent auf insgesamt 81 084 Tonnen. Dabei zeigte sich jedoch eine unterschiedliche Entwicklung innerhalb des Sortiments: Während preisgünstigere Käse zulegen konnten, ging die Nachfrage nach hochwertigen Käsespezialitäten gesamthaft zurück. «Der Absatz dieser Premiumprodukte wurde durch erhöhten Preisdruck, eine geringere Kaufkraft sowie die anhaltende Konsumzurückhaltung infolge wirtschaftlicher Unsicherheit gebremst», stellt Andreas Müller klar. Der somit entstandene tiefere Durchschnittspreis ist laut der Dachorganisation der Schweizer Käsebranche auf einen geringeren Anteil hochwertiger Käsesorten im Exportmix zurückzuführen und nicht auf eine Preisreduktion. 
 
Wettbewerb und Preisdruck
Trotz seiner starken Position sieht sich Schweizer Käse zudem auch wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Insbesondere günstigere Produkte aus der EU konkurrieren zunehmend im mittleren Preissegment. «Die stärkste Konkurrenz kommt aus der EU, aus Ländern mit industriell hergestelltem Käse, die deutlich günstiger sind», berichtet Andreas Müller. Dabei handelt sich laut SCM um Länder mit grosser Exportorientierung und Skalenvorteilen wie etwa Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien. «Diese Produkte konkurrieren weniger mit klar positionierten Schweizer AOP-Käsen, sondern vor allem dort, wo Konsumenten preis- und alltagsorientiert einkaufen.»
 
Die Herausforderung besteht darin, den Mehrwert – eben durch Herkunft, Qualität und handwerkliche Herstellung – klar zu kommunizieren und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Müller sieht daher den entscheidenden Hebel darin, die Mehrwerte von Schweizer Käse konsequent sichtbar zu machen. So kann sich Schweizer Käse auch gegenüber günstigeren Produkten behaupten – insbesondere dort, wo Verbraucher bewusst Wert auf Natürlichkeit, Nachhaltigkeit, Geschmack und Qualität legen. Zentrale Ansatzpunkte sieht Müller in der geschützten Herkunft. So sichern das Siegel AOP als klare Herkunftsangabe sowie traditionelle Herstellungsverfahren ein Profil, das sich nicht einfach kopieren lässt. 
 
Darüber hinaus punktet laut dem Branchenexperten Schweizer Käse durch Markenstärke und Vertrauen: «Schweizer Käse steht international für Verlässlichkeit, Authentizität und konstante Qualität – Eigenschaften, die im Premium- und oberen Mittelsegment entscheidend sind», berichtet Andreas Müller. Das spiegelt sich in den Umsätzen des LEH wider. Laut Nielsen erzielten die deutschen Käsetheken im Jahr 2025 den drittgrössten Umsatz mit Schweizer Käse – nach deutschem und niederländischem Käse. Der Appenzeller, Emmentaler AOP und der Gruyère AOP zählen dabei zu den Sorten mit den grössten Absätzen. «Unser Käse wird von sehr ‹wertigen› Verbrauchern nachgefragt: sie sind kaufkraftstark und haben das Mindset für eine gute Ernährung», so der SCM-Geschäftsführer. Allein in Deutschland umfasst diese Zielgruppe laut Müller rund 20 Millionen Konsumenten. Für den Handel biete sich damit ein attraktives Potenzial, sowohl an der Käsetheke als auch im Selbstbedienungsbereich, das es zu erschliessen gilt.
 
Insgesamt zeigt sich: Schweizer Käse verbindet Tradition und Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit – und behauptet sich damit auch in einem zunehmend anspruchsvollen globalen Markt als echtes Premiumprodukt.

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Statement

Schweizer Käse gilt im internationalen Vergleich als über-durchschnittlich nachhaltig, vor allem aufgrund der Rahmenbedingungen in der Milchproduktion, der klaren Herkunftsregelungen und vergleichsweise hohen Umwelt‑ und Tierwohlstandards. Nachhaltigkeit ist dabei kein einzelnes Label, sondern das Ergebnis mehrerer ineinandergreifender Faktoren entlang der gesamten Wertschöpfungskette. 
Andreas Müller, Geschäftsführer Switzerland Cheese Marketing
Foto: Stephan Knecht

Schweizer Käsewelten
im ECC

Das European Cheese Center (ECC) wurde 1999 von Herrn Volker Zuck der Käse-Grosshandlung Ruwisch & Zuck ins Leben gerufen und ist das erste und einzige Käsezentrum seiner Art in Europa. Dieses «Käseerlebniszentrum» ist aus seiner Liebe zum Naturprodukt Käse entstanden und stellt eine Begegnungsstätte für Käseliebhaber dar. Das ECC ist eine anerkannte Plattform für Wissen, Weiterbildung und erlebnisorientierte Produktpräsentationen. Als Informations- und Schulungszentrum richtet es sich vorwiegend an Fachpublikum und teilweise an Verbraucher mit abendlichen Käse-Events. 

Ein besonderes Highlight im ECC sind die neuen «Schweizer Käsewelten». Auf rund 200 Quadratmetern wird die Vielfalt Schweizer Käsesorten modern und erlebnisorientiert inszeniert. Herkunft, Herstellung und Qualitätsmerkmale werden anschaulich vermittelt – mit Konzepten, die sich direkt auf die eigene Verkaufsfläche übertragen lassen. Für den Handel entsteht daraus ein klarer Mehrwert: Inspiration für die Inszenierung am POS, stärkere Kundenbindung und zusätzliche Umsatzpotenziale im Käsebereich.

Die neue Ausstellung ist das Ergebnis einer strategischen Kooperation zwischen dem European Cheese Center und Switzerland Cheese Marketing GmbH. Dabei knüpft die Zusammenarbeit an eine langjährige Verbindung an: Ruwisch& Zuck handeln bereits seit den 1980er-Jahren mit Schweizer Käse. Ziel der Kooperation ist es, die Kompetenz rund um Schweizer Käse im Handel weiter zu stärken und dessen handwerkliche Qualität sowie Herkunft nachhaltig zu vermitteln.

Gemeinsame Werte wie handwerkliche Käse-Tradition, verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Tier oder auch die natürliche, meist kleinzellige Käse-herstellung sowie ein fundiertes Fachwissen/Käse Know-how bilden die Grundlage der Partnerschaft. Beide Partner sehen insbesondere in der qualifizierten Unterstützung des Handels an der Käsetheke, im Prepacking und im SB-Regal einen zentralen Erfolgsfaktor.

Ergänzt wird das Angebot durch neue Erlebnis- und Schulungsbereiche wie die «Blaue Galerie», das «Bergplatz-Café» sowie zusätzliche Seminarräume. Diese erweiterten Möglichkeiten machen das ECC zu einem zentralen Ort für Wissenstransfer, Inspiration und konkrete Umsetzungsideen im Käsehandel.

Die Integration der Schweizer Käsewelten unterstreicht dabei den Anspruch, Käse nicht nur zu verkaufen, sondern erlebbar zu machen – und genau darin liegt der entscheidende Wettbewerbsvorteil für den Handel.

Info

Exportanteil der Käseproduktion
Emmentaler AOP: 59,5 %
Prod.: 12 867 t
Appenzeller:52,2 %
Prod.: 8075 t
Tête de Moine AOP:64,7 %
Prod.: 3060 t
Le Gruyère AOP:39,2 %
Prod.: 30 817 t
Quelle: Switzerland Cheese Marketing 
 
 

Länderranking nach Absatz: Hart- und Schnittkäse in der Theke im LEH

Die Theken setzen mit Schweizer Käse den dritthöchsten Absatz um. Niederländischer und deutscher Käse sind die Mengenbringer. 
Platz 1: Niederlande – 13 036 t
Platz 2: Deutschland – 12 394 t
Platz 3: Schweiz – 3938 t
Platz 4: Österreich – 1749 t
Platz 5: Italien – 1432 t
Platz 6: Frankreich – 696 t
Platz 7: Dänemark – 396 t
Platz 8: Spanien – 278 t
Quelle: Switzerland Cheese Marketing 
 
 

Länderranking nach Umsatz: Hart- und Schnittkäse in der Theke im LEH

Den stärksten Umsatz erzielt deutscher Käse mit 208 Mio. Euro (-7,1 % zu 2024). Die Schweiz liegt auf Platz 3 mit 109 Mio. Euro. 
Platz 1: Deutschland mit 
208 Mio. Euro
Platz 2: Niederlande mit
191 Mio. Euro
Platz 3 :Schweiz mit 
109 Mio. Euro
Platz 4: Österreich mit
36 Mio. Euro
Platz 5: Italien mit 
36 Mio. Euro
Platz 6: Frankreich mit 
17 Mio. Euro 
Quelle: Switzerland Cheese Marketing 

 

Der USP von Schweizer Käse

Geschützte Herkunft und Mehrwert: AOP als klare Herkunftsangabe sowie traditionelle Herstellungsverfahren sichern ein Profil, das sich nicht einfach kopieren lässt.

Markenstärke und Vertrauen: Schweizer Käse steht international für Verlässlichkeit, Authentizität und konstante Qualität – Eigenschaften, die im Premium- und oberen Mittelsegment entscheidend sind.

Gezielte Sorten- und Segmentstrategie: Schweizer Spezialitäten behaupten sich besonders im Premium‑, Genuss‑ und Anlassbereich.

Nachhaltigkeit und Tierwohl: Hohe Schweizer Standards in der Milchproduktion und beim Tierwohl werden aktiver als Mehrwert kommuniziert. Stichwort: Swissmilk Green.

Quelle: Switzerland Cheese Marketing