Mit 700 Sorten steht Schweizer Käse weltweit für Qualität, Herkunft und Handwerk. Doch steigender Preisdruck, veränderte Konsumgewohnheiten und internationale Konkurrenz fordern das Premiumsegment zunehmend heraus – und machen eine klare Positionierung auf der Verkaufsfläche wichtiger denn je.
Weltweit wird die Zahl der Käsesorten auf etwa 3000 bis 5000 geschätzt, je nachdem, wie streng man Varianten und Marken von eigenständigen Sorten trennt. In dem Kontext nimmt Schweizer Käse eine relevante Rolle ein. Denn mit über 700 Käsesorten ist die Schweiz nicht nur ein Teil dieser weltweiten Vielfalt, sondern auch ein eigenständiger Referenzpunkt für Qualität, Tradition und Export. «Schweizer Käse ist hochwertiger Premiumkäse mit sowohl langer Tradition und natürlicher Herstellung als auch mit einer grossen Vielfalt, die stetig wächst. Die grössten Stärken findet man in der höchsten Qualität, wie man Käse nur herstellen kann und dem unverwechselbaren Geschmack und Genuss», sagt Andreas Müller, Geschäftsführer bei Switzerland Cheese Marketing (SCM).
Wirtschaftliche Bedeutung
Fakt ist: Schweizer Käse ist nicht nur ein zentraler Bestandteil der landwirtschaftlichen Wertschöpfung, sondern zählt auch zu den wichtigsten Exportgütern des Landes. Rund 45 Prozent der Schweizer Milch werden zu über 700 verschiedenen Schweizer Käsespezialitäten verarbeitet, von denen knapp 40 Prozent weltweit in über 70 Länder exportiert werden. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 81 084 Tonnen Schweizer Käse im Wert von 732,6 Millionen Schweizer Franken exportiert. Im Jahr davor lag die Exportmenge bei 79 268 Tonnen. Europa ist mit Abstand der wichtigste Markt: 85 Prozent der exportierten Menge wurden im Jahr 2025 in EU-Länder geliefert. Dies entspricht Ende 2025 insgesamt 68 918 Tonnen und stellt eine Zunahme von 4,6 Prozent im Vergleich zum Jahr 2024 dar.
Internationale Märkte schätzen insbesondere die Kombination aus Qualität, Herkunft und Markenimage. Gleichzeitig ist der Export aber auch von nicht unerheblichen Faktoren beeinflusst. So machen die angespannte geopolitische Lage und die anhaltende Stärke des Schweizer Frankens dem Export zu schaffen: 2025 profitierten die relativ günstigen Produktkategorien wie «Frischkäse/Quark», «Andere Halbhartkäse 45 % F.i.T.» und «Andere Hartkäse 45 % F.i.T.». Die Menge der Exporte wuchs im Jahr 2025 um 2,2 Prozent auf insgesamt 81 084 Tonnen. Dabei zeigte sich jedoch eine unterschiedliche Entwicklung innerhalb des Sortiments: Während preisgünstigere Käse zulegen konnten, ging die Nachfrage nach hochwertigen Käsespezialitäten gesamthaft zurück. «Der Absatz dieser Premiumprodukte wurde durch erhöhten Preisdruck, eine geringere Kaufkraft sowie die anhaltende Konsumzurückhaltung infolge wirtschaftlicher Unsicherheit gebremst», stellt Andreas Müller klar. Der somit entstandene tiefere Durchschnittspreis ist laut der Dachorganisation der Schweizer Käsebranche auf einen geringeren Anteil hochwertiger Käsesorten im Exportmix zurückzuführen und nicht auf eine Preisreduktion.
Wettbewerb und Preisdruck
Trotz seiner starken Position sieht sich Schweizer Käse zudem auch wachsendem internationalen Wettbewerbsdruck ausgesetzt. Insbesondere günstigere Produkte aus der EU konkurrieren zunehmend im mittleren Preissegment. «Die stärkste Konkurrenz kommt aus der EU, aus Ländern mit industriell hergestelltem Käse, die deutlich günstiger sind», berichtet Andreas Müller. Dabei handelt sich laut SCM um Länder mit grosser Exportorientierung und Skalenvorteilen wie etwa Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Italien. «Diese Produkte konkurrieren weniger mit klar positionierten Schweizer AOP-Käsen, sondern vor allem dort, wo Konsumenten preis- und alltagsorientiert einkaufen.»
Die Herausforderung besteht darin, den Mehrwert – eben durch Herkunft, Qualität und handwerkliche Herstellung – klar zu kommunizieren und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähig zu bleiben. Müller sieht daher den entscheidenden Hebel darin, die Mehrwerte von Schweizer Käse konsequent sichtbar zu machen. So kann sich Schweizer Käse auch gegenüber günstigeren Produkten behaupten – insbesondere dort, wo Verbraucher bewusst Wert auf Natürlichkeit, Nachhaltigkeit, Geschmack und Qualität legen. Zentrale Ansatzpunkte sieht Müller in der geschützten Herkunft. So sichern das Siegel AOP als klare Herkunftsangabe sowie traditionelle Herstellungsverfahren ein Profil, das sich nicht einfach kopieren lässt.
Darüber hinaus punktet laut dem Branchenexperten Schweizer Käse durch Markenstärke und Vertrauen: «Schweizer Käse steht international für Verlässlichkeit, Authentizität und konstante Qualität – Eigenschaften, die im Premium- und oberen Mittelsegment entscheidend sind», berichtet Andreas Müller. Das spiegelt sich in den Umsätzen des LEH wider. Laut Nielsen erzielten die deutschen Käsetheken im Jahr 2025 den drittgrössten Umsatz mit Schweizer Käse – nach deutschem und niederländischem Käse. Der Appenzeller, Emmentaler AOP und der Gruyère AOP zählen dabei zu den Sorten mit den grössten Absätzen. «Unser Käse wird von sehr ‹wertigen› Verbrauchern nachgefragt: sie sind kaufkraftstark und haben das Mindset für eine gute Ernährung», so der SCM-Geschäftsführer. Allein in Deutschland umfasst diese Zielgruppe laut Müller rund 20 Millionen Konsumenten. Für den Handel biete sich damit ein attraktives Potenzial, sowohl an der Käsetheke als auch im Selbstbedienungsbereich, das es zu erschliessen gilt.
Insgesamt zeigt sich: Schweizer Käse verbindet Tradition und Innovation, Qualität und Nachhaltigkeit – und behauptet sich damit auch in einem zunehmend anspruchsvollen globalen Markt als echtes Premiumprodukt.