Die Mund- und Zahnpflege ist ein Wachstumstreiber im Handel und entwickelt sich zur dynamischen Kategorie mit wachsender Relevanz zwischen Gesundheitsvorsorge, ästhetischem Anspruch und technologischer Innovation.
Zahnpflege hat für alle Altersgruppen eine hohe Relevanz. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Industrieverbandes Körperpflege- und Waschmittel (IKW): 93 Prozent der Deutschen möchten ihre Zähne gesund erhalten. Gleichzeitig zeigen sich Unterschiede nach Alter, Geschlecht und Motivation. Was früher eine einfache Routine war, entwickelt sich zu einem differenzierten Markt mit vielfältigen Anforderungen. Neue Produkte, wissenschaftliche Erkenntnisse und veränderte Erwartungen treiben diese Entwicklung voran und setzen starke Impulse im Wertwachstum der Kategorie.
Schnell und effizient
Ein zentraler Treiber der Kategorie ist der Wunsch nach Effizienz im Alltag. Verbraucher greifen verstärkt zu multifunktionalen Produkten, die mehrere Bedürfnisse in einer Anwendung abdecken und Routinen vereinfachen – etwa Kombilösungen aus Zahnpasta und antibakterieller Mundspülung, die zusätzlich für frischen Atem sorgen. Laut Martin Kemper, CEO bei Bübchen Skincare, sind insbesondere Angebote gefragt, die über die Basispflege hinausgehen und mehrere Anforderungen zugleich erfüllen – von Frische über Zahnfleischpflege bis zu ästhetischen Ansprüchen. Effizienz steht damit für gezielte, sichtbar wirksame Pflege.
Gesundheit im Fokus
Parallel wächst das Gesundheitsbewusstsein mit Fokus auf Prävention und ganzheitlicher Betrachtung der Mundgesundheit. Silvio Dettmann, Key Account Manager bei Curaden, beobachtet: «Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit Themen wie Prävention, Selbstoptimierung und Longevity und erkennen dabei die zentrale Rolle der Mundpflege.» Das orale Mikrobiom gewinne an Bedeutung, entsprechend gefragt seien Produkte, die das natürliche Gleichgewicht im Mund unterstützen. Auch bei Zahnbürsten zeigt sich ein Trend: «Weiche Bürsten werden stärker nachgefragt, da sie Zähne und Zahnfleisch schonend reinigen», so Dettmann.
Smarte Zahnpflege
Ein weiterer Treiber ist die Technologisierung. Elektrische Zahnbürsten entwickeln sich zu intelligenten Systemen, die Nutzer aktiv unterstützen. Dirk Diekmann, Verkaufsdirektor DACH Elektro-Channel bei Procter & Gamble, erklärt: «Verbraucher wünschen sich zunehmend intelligente Lösungen, die den Alltag erleichtern – selbst bei Routinen wie dem Zähneputzen.» Moderne Geräte liefern direktes Feedback und helfen, das Putzverhalten zu optimieren. «Sie fungieren als persönlicher Echtzeit-Coach, der präzise anleitet», so Diekmann weiter. Besonders im Premiumsegment entstehen dadurch wichtige Wachstumsimpulse.
Potenzial Interdentalpflege
Ein oft ungenutztes Potenzial liegt in der Reinigung der Zahnzwischenräume. Denn die Zahnbürste erreicht nur etwa 60 Prozent der Zahnoberflächen, wie Marian Christoph Lotz, Head of Sales Retail DACH bei TePe, betont. Gleichzeitig zeige sich bei Verbrauchern die Bereitschaft, aktiv in Prävention sowie in die eigene Gesundheit und das persönliche Wohlbefinden zu investieren. Dieses Zusammenspiel aus ungenutztem Bedarf und steigender Investitionsbereitschaft eröffnet erhebliche Chancen für die Interdentalpflege. Zusätzliche Impulse gehen laut Lotz von Zahnarztempfehlungen aus, die eine wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung spielen.
Kaufentscheidung
Beim Kauf von Mund- und Zahnpflegeprodukten bleiben Wirksamkeit und Vertrauen entscheidend, zugleich steigt die Nachfrage nach individuellen Lösungen. Laut Kemper sind vor allem Produkte gefragt, die konkrete Bedürfnisse adressieren. Gleichzeitig differenzieren sich die Zielgruppen aus: Best Ager setzen verstärkt auf Prävention und Zahnerhalt, während Jüngere ein gepflegtes Lächeln, frischen Atem und Whitening in den Fokus rücken. Insgesamt zeigt sich eine klare Entwicklung im Spannungsfeld von Gesundheit und Ästhetik – Gesundheit bleibt die Basis, während das Erscheinungsbild an Bedeutung gewinnt.
Wachstum durch Spezialisierung
Dynamik entsteht vor allem in Segmenten mit erkennbarem Zusatznutzen, insbesondere bei Whitening-Produkten, Frischelösungen sowie Konzepten für Zahnfleischgesundheit und eine ausgewogene Mikrobiom-Balance. Im Bereich elektrischer Zahnbürsten spielen technologische Innovationen eine zentrale Rolle. «Verbraucher erwarten heute konsequente Innovation – Produkte müssen intuitiv, technisch ausgefeilt und langlebig sein und können damit klare Kaufimpulse setzen», erklärt Diekmann.
Natur und Nachhaltigkeit
Laut Weleda gewinnen pflanzliche und probiotische Formulierungen sowie besonders sanfte Produkte zur Unterstützung des oralen Mikrobioms weiter an Bedeutung. Gleichzeitig entstehen neue Produktkonzepte: Multifunktionale Lösungen für spezifische Bedürfnisse sowie innovative Darreichungsformen wie Seren, Schäume oder Sprays orientieren sich stärker an Beauty- und Wellness-Routinen. Auch Nachhaltigkeit entwickelt sich zum klaren Differenzierungsfaktor – etwa durch recycelbare oder nachfüllbare Verpackungen und wasserlose Formate wie Tabletten oder Pulver. Besonders jüngere Zielgruppen zeigen hier eine hohe Offenheit. Insgesamt verstärkt sich damit ein zentraler Trend: Mundpflege erweitert sich zunehmend um Aspekte wie Nachhaltigkeit und Lifestyle und entwickelt sich zur ganzheitlichen Kategorie.
Positive Perspektiven
Die Kategorie bleibt weiterhin auf Wachstumskurs. Innovationen, ein stärkeres Präventionsbewusstsein und steigende Qualitätsansprüche sorgen für eine kontinuierliche Weiterentwicklung. Für den Handel eröffnet sich daraus eine klare Chance: Wer Orientierung bietet, aufklärt und echten Mehrwert schafft, kann das Potenzial der Kategorie gezielt ausschöpfen.