Kaffee-Käufer achten verstärkt darauf, dass die Produkte geschmacklich überzeugen, aber auch mit gutem Gewissen genossen werden können. Dafür sind die Konsumenten durchaus bereit, etwas mehr in eine nachhaltige Herkunft zu investieren.
Kaffee ist eine der meistgehandelten Waren der Welt und ein äusserst beliebtes Getränk. Er ist für viele Konsumenten ein fester Bestandteil ihres Lifestyles, bei dem sie keine Kompromisse eingehen möchten, wie es Karen Laesch, Region Marketing Director DACH & Poland bei Lavazza, formuliert. Dementsprechend achten Shopper insbesondere darauf, dass sie sich mit dem Kaffee identifizieren können und er zu den individuellen Bedürfnissen passt. «Da das Bewusstsein und damit auch das Interesse an nachhaltig produziertem Kaffee bei den Verbrauchern weiterhin steigt, ist es für uns selbstverständlich, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Verantwortung zu übernehmen und mit den Projekten der Lavazza Stiftung Klimaschutz, ökologischen Kaffeeanbau und soziale Gerechtigkeit voranzutreiben.» Laesch verweist darauf, dass beim Kaffeekauf laut einer aktuellen POSpulse-Studie jeder vierte Befragte auf eine Bio-Zertifizierung achte. Gleichzeitig sieht sie, dass auch für den Konsumenten von nachhaltigem Kaffee der Genuss an erster Stelle steht. Darauf geht man etwa mit unterschiedlichen Blends der Bio-zertifizierten «¡Tierra!-Range» ein.
Die Zukunft sichern
Dirk Friedrichs, Unternehmenssprecher DACH bei JDE Peet’s, formuliert klar, dass Nachhaltigkeit kein Trend ist, sondern eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäfts: «Ohne Kaffeebauern kein Kaffee. Und ohne Kaffee kein JDE Peet’s. Kaffee ist ein Naturprodukt, das von Millionen Kleinbauern weltweit angebaut wird – wenn wir heute verantwortungsvoll handeln, sichern wir auch morgen Qualität, Vielfalt und Verfügbarkeit.» Es gelte, die Brücke zu schlagen zwischen Genuss, Verantwortung und Vertrauen. Seit 2024 stammen demnach alle Kaffees, die das Unternehmen in Europa anbietet, zu 100 Prozent aus verantwortungsvollen Quellen. «Wir sprechen hier also von verantwortungsvoll beschafftem Rohkaffee, der unter ein von der Kaffeeindustrie anerkanntes Nachhaltigkeitsprogramm fällt, wie zum Beispiel den Äquivalenzmechanismus der Global Coffee Platform (GCP), einschliesslich Enveritas, Rainforest Alliance, 4C oder Fairtrade.»
JDE Peet’s ist laut Friedrichs aktuell an über 70 Projekten in mehr als 20 Ländern beteiligt und erreicht damit jedes Jahr mehr als 250 000 Kleinbauern. Pro Jahr werden 70 000 Kleinbauern unabhängig und für sie kostenlos überprüft: «Das hilft uns zu erkennen, wo wir unsere Massnahmen konzentrieren müssen.»
Verlässlichkeit für alle
«Der Kaffee-Weltmarkt zeichnete sich zuletzt durch eine besonders hohe Preisvolatilität aus, verursacht vor allem durch die Auswirkungen der Klimakrise in wichtigen Anbauländern», erläutert Jan Zuther, Leiter des Bereichs Trade Marketing bei Fairtrade. Rekordpreise bedeuteten zwar ein höheres Einkommen für viele Produzenten, seien jedoch vor allem auf kleinere Ernten und Spekulation zurückzuführen. Ausserdem seien die Kosten gestiegen. Die Volatilität erhöhe zudem das finanzielle Risiko für Produzenten. «Fairtrade trägt zur Stabilität und Planungssicherheit bei. Der Fairtrade-Mindestpreis dient als Sicherheitsnetz gegen Preiseinbrüche nach unten. Der zusätzliche finanzielle Aufschlag – die Fairtrade-Prämie – wird von den Kooperativen in den Anbauländern eigenständig investiert, zum Beispiel in Klimaanpassungsmassnahmen, Infrastruktur, Massnahmen für Qualität und Produktivität. Das sind wichtige Investitionen in zukunftsfähige und resiliente Lieferketten.» Nicht von ungefähr haben auch dmBio, die peruanische Kaffeebauernkooperative Juan Santos Atahualpa (CACJSA), von der dmBio die Bohnen für seinen «Café de Perú» beziehungsweise «Espresso de Perú» bezieht, und Fairtrade kürzlich ein gemeinsames Projekt gestartet. Mit ihm soll der Erfolg der Kooperative besser in eine effektive Wertschöpfung für die beteiligten Menschen vor Ort umgewandelt werden.
1986 übrigens hat die Gepa, die nach eigenen Angaben grösste europäische Fair Trade Handelsorganisation mit Genossenschaften und sozial engagierten Privatbetrieben aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa, mit dem Arabica «Organico – naturmilde Fairness» in Deutschland den ersten fair gehandelten Kaffee auf den Markt gebracht. Heute gehören neun Artikel zur «Organico»-Familie. Das Sortiment soll im nächsten Jahr erweitert werden.