Gerechter verteilen

Donnerstag, 30. Oktober 2025
Foto: stock.adobe.com – Eric Isselée

Kaffee-Käufer achten verstärkt darauf, dass die Produkte geschmacklich überzeugen, aber auch mit gutem Gewissen genossen werden können. Dafür sind die Konsumenten durchaus bereit, etwas mehr in eine nachhaltige Herkunft zu investieren.

Kaffee ist eine der meistgehandelten Waren der Welt und ein äusserst beliebtes Getränk. Er ist für viele Konsumenten ein fester Bestandteil ihres Lifestyles, bei dem sie keine Kompromisse eingehen möchten, wie es Karen Laesch, Region Marketing Director DACH & Poland bei Lavazza, formuliert. Dementsprechend achten Shopper insbesondere darauf, dass sie sich mit dem Kaffee identifizieren können und er zu den individuellen Bedürfnissen passt. «Da das Bewusstsein und damit auch das Interesse an nachhaltig produziertem Kaffee bei den Verbrauchern weiterhin steigt, ist es für uns selbstverständlich, entlang der gesamten Wertschöpfungskette Verantwortung zu übernehmen und mit den Projekten der Lavazza Stiftung Klimaschutz, ökologischen Kaffeeanbau und soziale Gerechtigkeit voranzutreiben.» Laesch verweist darauf, dass beim Kaffeekauf laut einer aktuellen POSpulse-Studie jeder vierte Befragte auf eine Bio-Zertifizierung achte. Gleichzeitig sieht sie, dass auch für den Konsumenten von nachhaltigem Kaffee der Genuss an erster Stelle steht. Darauf geht man etwa mit unterschiedlichen Blends der Bio-zertifizierten «¡Tierra!-Range» ein.
 
Die Zukunft sichern
Dirk Friedrichs, Unternehmenssprecher DACH bei JDE Peet’s, formuliert klar, dass Nachhaltigkeit kein Trend ist, sondern eine Grundvoraussetzung für die Zukunftsfähigkeit des eigenen Geschäfts: «Ohne Kaffeebauern kein Kaffee. Und ohne Kaffee kein JDE Peet’s. Kaffee ist ein Naturprodukt, das von Millionen Kleinbauern weltweit angebaut wird – wenn wir heute verantwortungsvoll handeln, sichern wir auch morgen Qualität, Vielfalt und Verfügbarkeit.» Es gelte, die Brücke zu schlagen zwischen Genuss, Verantwortung und Vertrauen. Seit 2024 stammen demnach alle Kaffees, die das Unternehmen in Europa anbietet, zu 100 Prozent aus verantwortungsvollen Quellen. «Wir sprechen hier also von verantwortungsvoll beschafftem Rohkaffee, der unter ein von der Kaffeeindustrie anerkanntes Nachhaltigkeitsprogramm fällt, wie zum Beispiel den Äquivalenzmechanismus der Global Coffee Platform (GCP), einschliesslich Enveritas, Rainforest Alliance, 4C oder Fairtrade.»
 
JDE Peet’s ist laut Friedrichs aktuell an über 70 Projekten in mehr als 20 Ländern beteiligt und erreicht damit jedes Jahr mehr als 250 000 Kleinbauern. Pro Jahr werden 70 000 Kleinbauern unabhängig und für sie kostenlos überprüft: «Das hilft uns zu erkennen, wo wir unsere Massnahmen konzentrieren müssen.»
 
Verlässlichkeit für alle
«Der Kaffee-Weltmarkt zeichnete sich zuletzt durch eine besonders hohe Preisvolatilität aus, verursacht vor allem durch die Auswirkungen der Klimakrise in wichtigen Anbauländern», erläutert Jan Zuther, Leiter des Bereichs Trade Marketing bei Fairtrade. Rekordpreise bedeuteten zwar ein höheres Einkommen für viele Produzenten, seien jedoch vor allem auf kleinere Ernten und Spekulation zurückzuführen. Ausserdem seien die Kosten gestiegen. Die Volatilität erhöhe zudem das finanzielle Risiko für Produzenten. «Fairtrade trägt zur Stabilität und Planungssicherheit bei. Der Fairtrade-Mindestpreis dient als Sicherheitsnetz gegen Preiseinbrüche nach unten. Der zusätzliche finanzielle Aufschlag – die Fairtrade-Prämie – wird von den Kooperativen in den Anbauländern eigenständig investiert, zum Beispiel in Klimaanpassungsmassnahmen, Infrastruktur, Massnahmen für Qualität und Produktivität. Das sind wichtige Investitionen in zukunftsfähige und resiliente Lieferketten.» Nicht von ungefähr haben auch dmBio, die peruanische Kaffeebauernkooperative Juan Santos Atahualpa (CACJSA), von der dmBio die Bohnen für seinen «Café de Perú» beziehungsweise «Espresso de Perú» bezieht, und Fairtrade kürzlich ein gemeinsames Projekt gestartet. Mit ihm soll der Erfolg der Kooperative besser in eine effektive Wertschöpfung für die beteiligten Menschen vor Ort umgewandelt werden.
 
1986 übrigens hat die Gepa, die nach eigenen Angaben grösste europäische Fair Trade Handelsorganisation mit Genossenschaften und sozial engagierten Privatbetrieben aus Lateinamerika, Afrika, Asien und Europa, mit dem Arabica «Organico – naturmilde Fairness» in Deutschland den ersten fair gehandelten Kaffee auf den Markt gebracht. Heute gehören neun Artikel zur «Organico»-Familie. Das Sortiment soll im nächsten Jahr erweitert werden.

News

Foto: MCS

Die MCS Marketing & Convenience-Shop System GmbH ist neues Fördermitglied im Bundesverband freier Tankstellen (bft).

Foto: Switzerland Cheese Marketing

Vom 13. bis 15. November fanden die World Cheese Awards zum ersten Mal in der Schweiz statt.

Foto: vanozza foods

Das Unternehmen Vanozza Foods ist als Pitch-Gewinner der voilà! Start-up-Arena hervorgegangen, die dieses Mal im Rahmen der Anuga 2025 in Köln stattfand.

Foto: Archiv Fancy by Nature

Das Unternehmen «Fancy by Nature» ist als markantestes Start-up aus den Pitchs in der voilà! Start-up-Arena des 128. Markant Handelsforums hervorgegangen.

POS-Tipps

Verbraucher greifen im Markt gerne zu, wenn Produkte gut sichtbar und attraktiv platziert werden. Das gilt auch für fair gehandelte Ware. Jan Zuther von Fairtrade empfiehlt etwa Sonderplatzierungen am Regal, Informationen zu Fairtrade und den Produkten des Sortiments in Form von (digitalen) Handzetteln sowie verkaufsfördernde Aktionen: «Mit dem ‹Fairbruary – einen Monat fair einkaufen‹ im Februar und ‹Wir alle sind Fairtrade› im Oktober haben wir Kampagnen geschaffen, die mit gross angelegten Plakatierungen bundesweit, Online-Aktivierungen und Mitmach-Aktionen aufmerksamkeitsstarke Möglichkeiten geben, sich mit Fairtrade zu positionieren.»  
 
Wobbler am Regal können die fairen Alternativen hervorheben; in Verkostungsaktionen lassen sich die Produkte vorstellen und auch Informationen über das Siegel vermitteln. Fairtrade unterstützt hierbei auch mit POS-Materialien und Best-Practice-Beispielen. Tatsächlich ist Kaffee das bekannteste Fairtrade-Produkt; gleichzeitig sind die Vielfalt und Auswahl am Regal gross. Umso lohnender ist es, zur Vermarktung auf diese Mittel zu setzen.
 
Die «Platzierungschallenge» ruft Auszubildende im Handel dazu auf, selbst aktiv zu werden und Fairtrade-Produkte – zum Beispiel Kaffee, Schokolade, Honig, Bananen oder Blumen – möglichst kreativ in Szene zu setzen. Eine Jury kürt die attraktivste POS-Aktion.
 
 

Statements

Ökologische und soziale Nachhaltigkeits-kriterien sind bei immer mehr Menschen ein Kaufargument. Aber glaubwürdig muss es sein. Wir haben eine Studie mit YouGov durchgeführt: In einem Marktszenario, in dem kein Produkt ein Fairtrade-Siegel besitzt, würden sowohl die Mengen- als auch die Wertanteile der aktuell zertifizierten Produkte zurückgehen.
Jan Zuther, Leiter des Bereichs Trade Marketing, Fairtrade

 

Immer mehr Konsumenten wollen hinter die Fassade von Unternehmen schauen und wirklich wissen, wie sich ein Unternehmen proaktiv engagiert. Diese meist jüngeren Konsumenten erwarten, dass Marken und Unternehmen Verantwortung übernehmen – und sie sind bereit, dafür auch bewusstere Kaufentscheidungen zu treffen. Letztlich gilt: Nachhaltigkeit darf nicht mehr nur ein Nischenargument sein, sondern muss integraler Bestandteil unseres Angebots sein – und genau das setzen wir Schritt für Schritt um.
Dirk Friedrichs, Unternehmenssprecher DACH, JDE Peet's 

 

Mit unseren nachhaltigen Kaffees sprechen wir insbesondere Konsumenten an, die bewusst auf Umwelt- und Sozialstandards achten, dabei aber keine Kompromisse bei Qualität und Geschmack eingehen möchten.
Karen Laesch, Region Marketing Director DACH & Poland, Lavazza 
Foto: Nikita Kulikov 

 

Produkte

Lavazza 
«¡Tierra! For Cuba» – dieser Blend ist eine Kombination aus handgepflückten Arabica- sowie Robusta-Bio-Bohnen und vereint zarte Nuancen von Mandeln, Gewürzen, Schokolade und Nüssen, begleitet von einem Hauch tropischer Früchte und Blumen. Es handelt sich um eine mittelkräftige Röstung (ganze Bohne) mit der Intensität 7/10. Mit dem Produkt unterstützt die Lavazza Foundation das Engagement von Frauen in der Kaffeeproduktion auf Kuba.

 JDE Peet's 
«Jacobs Origins Brazil»: Dieser ausgewogene, lieblich-nussige Kaffee (ganze Bohne) will die Vielfältigkeit Brasiliens zelebrieren und ist Teil der «Orgins Range» für Kaffee-Erlebnisse aus den Ursprungsländern des Kaffees. Das exotische Packungsdesign wurde von der Kultur und Lebensfreude des südamerikanischen Landes inspiriert. Mit dem Nachhaltigkeitsprogramm «Common Grounds» sollen die Bedingungen im Kaffeeanbau verbessert werden.

Gepa 
Die Arabica-Bohnen des fair gehandelten «Organico – naturmilde Fairness» (alu-freie Verpackung) werden ölologisch angebaut und durch traditionelle Langzeitröstung schonend veredelt. Der Biokaffee aus Mexiko, Peru und Honduras, etwa von der Kooperative Asoprosan, vereint ein naturmildes Aroma und eine feine Säure. Der Mehrpreis des Produkts wird vor Ort beispielsweise für Fortbildungsprogramme zum Bio-Anbau eingesetzt.