
Foto: Messe Berlin GmbH
Im Februar widmet sich die Fruit Logistica in Berlin wieder den Themen, die die Fruchthandelsbranche aktuell bewegen. Neben Zukunftsfragen und möglichen Antworten darauf stehen dabei auch Produkt-innovationen im Blickpunkt.
Interview
Kai Mangelberger, Director Fruit Logistica/ Messe Berlin
Welche aktuellen Trend- und Strategiethemen werden auf der kommenden Fruit Logistica eine wichtige Rolle spielen? Was bewegt die Branche momentan?
Kai Mangelberger: Die Fruchthandelsbranche sieht sich gegenwärtig mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, die ihre Rentabilität beeinträchtigen. Die Auswirkungen der Klimakrise führen zu Ernteausfällen und Qualitätsproblemen bei Früchten. Dies erhöht die Marktvolatilität und erschwert langfristige Planungen. Gestiegene Kosten, insbesondere in den Bereichen Energie, Personal und Logistik, belasten die Branche zusätzlich. Und das wirkt sich natürlich auch auf den LEH aus. Das Lieferkettengesetz ist ein Dauerbrenner, aber auch die Digitalisierung der Lieferketten gewinnt an Bedeutung, wobei künstliche Intelligenz zur Prozessoptimierung eingesetzt wird, auch um Lebensmittelverschwendung entgegenzuwirken. Wie kaum eine andere Branche hat sich die Fruchthandelsbranche als widerstandsfähig und anpassungsfähig in Krisenzeiten erwiesen. Was die aktuelle Situation herausfordernder macht, ist die Gleichzeitigkeit der Krisen. Diese Krisen beschränken sich nicht mehr nur auf regionale Ereignisse, sie sorgen weltweit für Probleme. Welchen besseren Ort als die Fruit Logistica, auf der Fachbesucher aus 140 Ländern zusammenkommen, könnte es also geben, um nach Lösungen zu suchen? Im Februar in Berlin bringen wir Sie mit den richtigen Menschen zusammen, Sie erhalten aktuelle Informationen und lernen die neuesten Innovationen kennen.
Wie spiegelt sich das in Ihrem Programm wider?
Kai Mangelberger: Während der drei Messetage bieten wir mit dem Fresh Produce Forum, dem Future Lab, dem Logistics Hub, der Tech Stage und dem Startup Day am dritten Messetag wieder Foren zu unterschiedlichen Themenschwerpunkten. In den Foren werden mehr als 100 Top-Referenten passende Antworten auf die oben genannten Herausforderungen vorstellen.
Welchen Raum erhalten die Themen Bio und Nachhaltigkeit?
Kai Mangelberger: Das Thema Bio bilden wir mit unserer Organic-Route ab, an der in diesem Jahr 180 Anbieter von Bio-Obst und -Gemüse teilgenommen haben – so viele wie nie. Die Organic-Route bietet den Fachbesuchern die Möglichkeit, Anbieter mit zertifizierten Bio-Produkten schnell, direkt und zielsicher zu finden. Zur Nachhaltigkeit der Fruchthandelsbranche trägt auch Smart Agri bei. Das ist ein relativ neuer Themenschwerpunkt in unseren Machinery & Technology-Hallen. Durch die Automatisierung landwirtschaftlicher Prozesse wie etwa Bewässerung, Düngung oder Schädlingsbekämpfung können Ressourcen sparsamer und somit nachhaltiger eingesetzt werden. Und auch als Gastgeber tun wir aktiv etwas für unsere Nachhaltigkeit: Auf insgesamt 20 Hallendächern der Messe Berlin entsteht gerade die grösste Photovoltaik-Anlage Berlins und die drittgrösste Deutschlands. Photovoltaik wird in unserem Energiemix somit eine zentrale Rolle spielen. Hinzukommt, dass wir mit diesem selbst produzierten Strom künftig unseren CO2-Fussabdruck senken.
Auf welche Programm-Highlights und -Neuerungen dürfen sich die Messe-Besucher freuen?
Kai Mangelberger: Ich freue mich, wie jedes Jahr, auf die Nominierten des Fruit Logistica Innovation Award (FLIA), der sich innerhalb von fast zwei Jahrzehnten zur wichtigsten Auszeichnung der Fruchthandelsbranche entwickelt hat. Zusätzlich zum FLIA wird 2024 erstmals der FLIA Technology für herausragende Innovationen im Bereich Machinery & Technology verliehen. Ein weiteres neues Format ist Farming Forward. In diesem Forum wird es um Digitalisierungs- und Automatisierungsthemen gehen wie Smart Agri, Greenhouse Technology und Controlled Environment Agriculture (CEA). CEA wird auch das Thema des neuen Trendreports sein, den wir in der Veranstaltungswoche veröffentlichen. Und neben dem beliebten Welcome Coffee werden wir erstmals After Work-Angebote machen.
Am letzten Tag bieten Sie Newcomern die Möglichkeit, sich beim Startup Day mit ihren Konzepten zu zeigen und mit der Branche zu vernetzen. Welches Potenzial sehen Sie darin?
Kai Mangelberger: Am 9. Februar wird die Halle 5.1 zum Networking Hub für Start-ups und etablierte Unternehmen aus allen Stufen der Wertschöpfungskette. Wer mit Start-ups in Kontakt und vielleicht auch ins Geschäft kommen möchte, ist hier genau richtig. Hoch innovative Start-ups aus der ganzen Welt stellen ihre bahnbrechenden Produkte, Projekte und Ideen vor. Für sie ist unser kostenloses Angebot die Chance, neue Kunden und vielleicht sogar Investoren zu finden.





Natürlich ist für uns der Klimawandel eine Heraus-forderung, weshalb wir verstärkt auf nachhaltigen Anbau setzen. Innovative Technologien und der durchdachte Einsatz von Verpackungen, Transport- und Pflanzenschutzmitteln und insbesondere auch Wasser helfen uns, Ressourcen zu schonen und die Auswirkungen auf die Umwelt zu reduzieren. Nicht nur der verantwortungs-volle Umgang mit der Natur ist uns wichtig, sondern auch ein fairer und respektvoller Umgang mit den Menschen, mit denen wir zusammenarbeiten.
Generell erwarten Handel und Shopper von Obst- und Gemüse-produkten vor allem Frische und einen guten Geschmack. Darum muss auch bei der Warenpräsentation in der Obst- und Gemüseabteilung das Thema Top-Frische wieder absolut im Mittelpunkt stehen. Ausserdem gilt es, dem gesteigerten Gesundheits-bewusstsein der Menschen nachzukommen. Schliesslich ist frisches Obst und Gemüse ein Schlüsselfaktor in der gesunden Ernährung. Und immer mehr Menschen ernähren sich bereits heute überwiegend oder komplett vegetarisch oder vegan.
Aufgrund der vielen neuen Apfelsorten, die jedes Jahr in die Regale der Supermarktketten kommen, ist es wichtig, dem Konsumenten die Unterschiede bzw. die Produkteigenschaften der einzelnen Apfelsorten intuitiv und gleichzeitig attraktiv aufzuzeigen. Für eine erfolgreiche Einführung der neuen Apfelsorten ist auch eine attraktive Produktpräsentation ausschlaggebend. Daher kommt es darauf an, neben traditionellen POS-Materialien auch im Obst- und Gemüsebereich auf innovative, digitale und interaktive Möglichkeiten zu setzen. Es gilt, den POS (Point of Sale) in ein POE (Point of Enternaiment) umzuwandeln.
Bananen gehören zu den am meisten verkauften Früchten am POS und Einzelhändler können diese als das Aushänge-schild der Kategorie betrachten. Daher haben Bananen von ausgezeichneter Qualität als Referenzprodukt Strahlkraft auf die ganze Kategorie und sogar den Gesamteindruck vom Markt. Für uns spielen Verzehranlässe, Geschmack, Rezepte, Inspiration und Engagement eine grosse Rolle und wir sehen den POS und das Verkaufsregal noch immer als den Ort der Kommunikation, den es auch entsprechend zu bespielen gilt.
Die verstärkte Nachfrage nach transparenten Herkunftsangaben und umwelt-freundlichen Verpackungen ist für uns massgeblich. Zudem achten wir darauf, die Lieferkette zu optimieren, um eine kontinuierliche Verfügbarkeit unserer Produkte sicherzustellen.
Evelina Apfel integriert ihre Markenstrategie in die gesamte Wertschöpfungs-kette, indem sie nicht nur ein nachhaltiges und regionales Produkt auch fast ganzjährig anbietet, sondern auch eine moderne, auffallende und plakative Kommunikation für sich nutzt. Diese Kommunikation erstreckt sich von der Produktion über die plastikfreie Verpackung bis zur Vermarktung und schafft so eine durchgängige nachhaltige Markenidentität, auch vor allem in den sozialen Medien.








