Automatisierung, Robotik und KI – das sind laut aktueller Studien die Treiber der Handelslogistik. Auffallender Trend: Stark gestiegen ist zuletzt die Relevanz von Kostenmanagement, schnellen Effizienzgewinnen und Resilienz in den Lieferketten.
Im Jahr 2024 hat das EHI Retail Institute zum ersten Mal Logistik-Verantwortliche von grossen Handelsunternehmen in Deutschland und der Schweiz persönlich zu den «Erfolgsfaktoren einer modernen Handelslogistik» befragt und die Ergebnisse in der gleichnamigen Studie veröffentlicht. Effiziente Logistik ist nach Einschätzung der Manager ein entscheidender Erfolgsfaktor für ihre Unternehmen und geht weit über den Transport von Gütern hinaus. Die Handelslogistik befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, der durch technologischen Fortschritt, veränderte Marktanforderungen und ein unsicheres Handelsumfeld geprägt ist. Die bestimmenden Themen sind Automatisierung, Robotik und KI. Diese will der Handel auch weiter vorantreiben. Eine vom EHI Anfang 2025 durchgeführte Analyse von Fachbeiträgen zum Thema Handelslogistik kommt zu ähnlichen Ergebnissen und zeigt darüber hinaus, dass einige Faktoren und Strategien zuletzt erheblich an Relevanz gewonnen haben.
Automatisierung der Prozesse
«In der Handelslogistik stellen wir einen zunehmenden Automatisierungsgrad und einen verstärkten Einsatz von Robotik fest. Angesichts der steigenden Komplexität der Lager und der Suche nach qualifiziertem Personal haben viele Unternehmen damit begonnen, verschiedene Prozesse zu automatisieren. Fast alle Befragten wollen in Zukunft noch mehr in Automatisierung und Robotik investieren, aber nicht um jeden Preis», fasst Studienautor Niklas Stanislawski die Kernaussagen der befragten Logistikverantwortlichen zusammen.
Grosse Herausforderungen
Als grösste Herausforderung in der Handelslogistik nennen die meisten Handelsunternehmen (10 von 13) instabile globale Lieferketten, auf deren Stärkung sie im Jahr 2024 den Fokus legten. Auch der Fachkräftemangel spielt eine grosse Rolle – für neun Händler ist die Personalsuche eine Herausforderung. Elf Unternehmen planen künftig konkrete Schritte in Richtung Automatisierung, sechs wollen verstärkt Robotik-Anwendungen einsetzen und sehen die grössten Potenziale dafür im Bereich der Kommissionierung. Die Implementierung neuer Technologien in bestehende Betriebsabläufe ist jedoch nicht immer einfach. So entsprechen Lagerstandorte oft nicht den neuesten Anforderungen, vorhandenes Fachpersonal muss umgeschult, neues eingestellt werden. Die meisten Händler richten sich deshalb darauf ein, dass der Einsatz von Automatisierung und Robotik vorerst noch im Mischbetrieb erfolgen wird. Auch KI kommt hier ins Spiel: Deren künftige Bedeutung für eine moderne Handelslogistik schätzen elf der 13 befragten Logistikmanager als hoch ein. Sieben sind der Meinung, dass KI-Lösungen noch nicht optimal an die Bedürfnisse der Branche angepasst sind. Mit sechs Unternehmen setzt knapp die Hälfte bereits KI ein, drei Händler nutzen KI teilweise und bei vier weiteren ist der Einsatz in Planung.
Regulatorische Anforderungen
Wie sich die Themen und Schwerpunkte in den vergangenen beiden Jahren entwickelt und teilweise stark verschoben haben, zeigt die systematische EHI-Analyse der Beiträge in führenden Fachmagazinen zur Handelslogistik. Zentrale Erkenntnis auch hier: «Die Handelslogistik befindet sich in einem Transformationsprozess, der operative, technologische und strategische Entwicklungen gleichermassen umfasst.» Technologie- und Digitalisierungsmanagement ist trotz eines leichten Rückgangs von 65,4 auf 64,6 Prozent aller Themenbeiträge weiterhin der dominierende Bereich in der Logistik-Berichterstattung. Das zeigt, wie tief die Digitalisierung in der Handelslogistik bereits verankert ist. Auch das Nachhaltigkeitsmanagement bleibt mit einem Anstieg von 38,3 auf 39,4 Prozent ein zentraler Schwerpunkt, getrieben durch steigende regulatorische Anforderungen und die wachsende Nachfrage nach CO2-neutralen Lkw und anderen umweltfreundlichen Logistiklösungen.
Lieferketten im Fokus
Ein klarer Wachstumstrend ist das Daten- und Informationsmanagement, das von 25,9 auf 27,9 Prozent zulegte. Diese Entwicklung legt nahe, dass Handels- und Logistikunternehmen zunehmend nach direkt anwendbaren, prozessbezogenen Technologien suchen, die unmittelbar Effizienzgewinne ermöglichen. Auffallend ist nicht zuletzt der Anstieg der Berichte über das Lieferkettenmanagement von 13,3 auf 16,5 Prozent. «Lieferkettenresilienz, Nachhaltigkeit und Digitalisierung wachsen innerhalb einer ganzheitlichen Handelslogistik immer stärker zusammen. Ihre strategische Steuerung wird künftig zu einem weiteren entscheidenden Erfolgsfaktor der gesamten Branche», kommentiert Dr. Tobias Röding, Projektmanager Handelslogistik beim EHI Retail Institute, diese Top-Trends der Handelslogistik.