"Blauer Engel" für Tegut

Freitag, 07. August 2015
Fotos: Unternehmen

Bei Tegut hat das Thema Nachhaltigkeit oberste Priorität. Vor kurzem ist der Markt in Marburg-Cappel als erster klimafreundlicher Supermarkt mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ ausgezeichnet worden. Christian Günther, Energiebeauftragter im Fachbereich Energiemanagement bei Tegut, im Interview.

Was hat Tegut dazu veranlasst, das Umweltzeichen „Blauer Engel“ zu beantragen?

Der „Blaue Engel“ ist ein anerkanntes Label, das nachhaltiges Wirtschaften mit dem Medium Energie unterstreicht. Wir wollen unseren Kunden deutlich machen, dass Tegut bewusst mit dem Medium Energie umgeht und nachhaltig handelt. Da der Tegut-Markt in Marburg-Cappel der erste Markt ist, der deutschlandweit mit dem „Blauen Engel“ ausgezeichnet wurde, unterstreicht dies unseren Führungsanspruch beim Einsatz nachhaltiger Technologie im deutschen Lebensmitteleinzelhandel. Zudem wollen wir weiterhin innovative Konzepte testen und im Erfolgsfall umsetzen.

Warum haben Sie den Markt in Marburg- Cappel für die Zertifizierung ausgewählt?

Der Markt in Marburg-Cappel gehört zu den umsatzstärksten und am besten frequentierten Tegut-Filialen. Der technische Stand des Marktes in Marburg-Cappel ist kein Pilotprojekt, sondern spiegelt den technischen Standard aller Tegut-Neubauten wider. Der Kunde soll bewusst spüren, dass ein energiesparender Markt und das Einkaufen guter Lebensmittel sich nicht gegenseitig ausschließen.

Wie wird denn eine Energieeinsparung für den Kunden bewusst erlebbar?

Das Marktklima ist durch diesen nachhaltigen Betrieb deutlich angenehmer als in dem alten Markt vor dem Umbau. Kunden sollen erleben können, dass sich Tegut nicht nur im Bereich Energie ständig verbessern will und sich konsequent mit den Konsequenzen des eigenen Handelns auseinander setzt.

Welche Kriterien musste Tegut erfüllen, welche Maßnahmen treffen, um das Umweltzeichen „Blauer Engel“ zu bekommen?

Für den Erhalt des „Blauen Engels“ in Marburg-Cappel musste Tegut elf verbindliche und mindestens vier von zwölf optionalen Kriterien erfüllen. Neben den elf verbindlichen Kriterien erfüllt Tegut aktuell sieben statt der vier geforderten optionalen Kriterien. Da Tegut den Standard bei neu erbauten Märkten sehr hoch ansetzt, konnten fast alle Kriterien ohnehin erfüllt werden. Lediglich einige steckerfertige Kühlmöbel wurden noch mit Permanentabdeckungen versehen und das Drucken von Werbung auf durch den „Blauen Engel“ zertifiziertem Papier wurde in die Wege geleitet. Zudem hat sich Tegut nach DIN EN ISO 50001 (EnMS) zertifizieren lassen, um dieses verbindliche Kriterium abzudecken.

Können Sie für eines dieser Kriterien, das für den „Blauen Engel“ erfüllt werden musste, ein Beispiel nennen?

Es muss zum Beispiel nachgewiesen werden, dass ein Ökostromprodukt bezogen wird. Tegut bezieht in allen Märkten zu 100 Prozent Ökostrom, welcher komplett mittels Wasserkraft in Nordeuropa erzeugt wird. Ein weiteres Beispiel: Mindestens 75 Prozent des jährlichen Heizungsbedarfs muss für das Umweltsiegel über Wärmerückgewinnung erzeugt werden. In der Filiale in Marburg-Cappel konnte in der Heizperiode 2014/2015 der Heizbedarf zu 97,7 Prozent über die Wärmerückgewinnung der Kälteanlage gedeckt werden. Aktuell neu errichtete Märkte kommen komplett ohne Heizkessel aus und können den Heizbedarf komplett über die Wärmerückgewinnung der Kälteanlage decken.

Wie lange hat es gedauert, alle Kriterien, die für das Umweltsiegel vorgeschrieben sind, umzusetzen?

Etwa ein Jahr neben dem aktuellen Tagesgeschäft.

Wie viel Geld haben Sie dabei investiert?

Die Lizenzgebühr für den „Blauen Engel“ beträgt 2.722,13 Euro. Die für die Zertifizierung auch DIN EN ISO 50001 etwa 5.000 Euro. Die Nachtabdeckungen und der Austausch steckerfertiger Truhen älteren Baujahres hat etwa 6.000 Euro gekostet.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial im Bereich Strom, Wasser und Energie durch die getroffenen Maßnahmen?

Da der energetische Standard für neue Tegut-Märkte ohnehin sehr hoch ist und dieser daher im Rahmen des Neubaus in Marburg-Cappel auch umgesetzt wurde, entstand durch die zusätzlichen Maßnahmen, die noch für den „Blauen Engel“ umgesetzt wurden, nur ein geringes Einsparpotenzial. Wären alle geforderten Maßnahmen bei einem niedrig festgelegten energetischen Standard umgesetzt worden, wäre das Einsparpotenzial um einiges größer.

Können Sie hier Zahlen nennen?

Im Vergleich zum alten Markt vor dem Neubau liegt die Einsparung für Strom bei 60 Prozent, für Gas bei 98,5 Prozent. Im Vergleich zu üblichen Märkten des LEH liegt die Einsparung für Strom bei etwa 35 Prozent, für Gas bei etwa 80 Prozent.

Wie kommunizieren Sie das Thema an Ihre Kunden?

Im Markt durch eine Informationstafel im Eingangsbereich. Außerdem im Tegut-Kundenmagazin „Marktplatz“. Künftig ist auch ein Themenbereich auf unserer Website geplant.

Stichwort: Energiepolitik. Ihr Ziel ist es, das energieeffizienteste Filialunternehmen im deutschen LEH zu werden. Wie und in welchem Zeitraum wollen Sie das Ziel erreichen?

Aktuell liegt Tegut bei den Verbrauchswerten und Energieleistungskennzahlen, soweit bekannt, schon im Spitzenfeld des LEH. Tegut will diesen Stand verbessern. Leider ist die mangelnde Transparenz im Wettbewerb oft ein Problem, welches eine Einordnung in diesem schwierig macht. Aktuell sind Projekte vom EHI in Planung, die eine Transparenz solcher Daten im Handel ermöglichen sollen.

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Info

Der „Blaue Engel“ ist das Umweltzeichen der Bundesregierung zum Schutz von Mensch und Umwelt. Zurzeit gibt es rund 12.000 Produkte mit dem „Blauen Engel“ von 1.500 Unternehmen in 120 verschiedenen Produktgruppen. Nur die aus Umweltsicht besten Waren und Dienstleistungen einer Produktgruppe erhalten laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit den „Blauen Engel“.

Der „Blaue Engel“ soll garantieren, dass die Produkte und Dienstleistungen hohe Ansprüche an Umwelt-, Gesundheits- und Gebrauchseigenschaften erfüllen. Dabei wird bei der Beurteilung für eine Auszeichnung der gesamte Lebensweg betrachtet. Für jede Produktgruppe werden Kriterien erarbeitet, welche die mit dem „Blauen Engel“ gekennzeichneten Produkte und Dienstleis-tungen erfüllen müssen. Diese Kriterien werden regelmäßig vom Umweltbundesamt auf den aktuellen Stand der technischen Entwicklung angepasst.

Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit für die Vergabe des Siegels werden von der Jury Umweltzeichen, dem Bundesumweltministerium, dem Umweltbundesamt und der RAL gGmbH garantiert. Mitglieder der Jury Umweltzeichen sind BDI, BUND, DGB, HDE, NABU, vzbv, ZDH, Stiftung Warentest, Medien, Kirchen, Wissenschaft, der Deutsche Städtetag und Vertreter von zwei Bundesländern.