Rund 1900 Aussteller aus über 60 Nationen präsentierten im Februar auf der EuroShop ihre Innovationen rund um Ladenbau, POS-Technologien und Digitalisierung. Das grosse Versprechen hinter den meisten Neuheiten: mehr Effizienz und wirtschaftlicher Nutzwert.
Die EuroShop 2026 – die wichtigste Handelsmesse der Welt – feierte in diesem Jahr in Düsseldorf ihren 60. Geburtstag. In insgesamt 14 Hallen mit mehr als 100 000 Quadratmetern Netto-Ausstellungsfläche wurden in sieben sogenannten «Erlebnisdimensionen» alle für die Einzelhandelsflächen relevanten Investitionsbereiche dargestellt. Allein in der Dimension «Shopfitting & Store Design», dem Herzstück der Messe, zeigten rund 450 Aussteller Shop Designs und Visual Merchandising, Einrichtungsmaterialien, Möbel und modulare Systeme für den POS. Auf dem mit über 25 000 Quadratmetern besonders grossen Bereich «Refrigeration & Energy Management» drehte sich alles um energieeffiziente und nachhaltige Kühlung.
Klarer Trend zur Nachhaltigkeit
Im Ladenbau wie auch in anderen Bereichen geht der Trend klar zu innovativen, energieeffizienten und nachhaltigen Lösungen. Wie es auf der Messe bei verschiedenen Ausstellern hiess, werde das sowohl vom Markt als auch durch politische Vorgaben gefordert. Neben einer ressourcenschonenden Produktion stehen dabei verstärkt die Recyclingfähigkeit und Kreislaufwirtschaft im Fokus. Die Fragen «Wo kommen die Einrichtungselemente her?» und «Wie werden sie hergestellt?» würden der Ladenbaubranche immer öfter gestellt, sagt auch Claudia Horbert. Die Leiterin des Forschungsbereichs «Ladenplanung + Einrichtung» beim EHI Retail Institute stellt fest, dass sich vieles in den letzten Jahren verändert habe. So würden beispielsweise die Zyklen zwischen vollumfänglichen Store-Sanierungen immer länger. «Es wird viel ressourcenschonender agiert und zeitloser geplant», so Horbert.
Es wird gespart
Genauso wichtig war es vielen Ausstellern aber auch, die Effizienzgewinne ihrer aktuellen Lösungen zu unterstreichen. Dass die Händler deutlich zurückhaltender investieren, zeigt der neue «Laden-Monitor 2026» des EHI. Danach gingen die Gesamtinvestitionen des Einzelhandels in Deutschland für den Neu-, Aus- und Umbau seiner Geschäfte im Jahr 2025 im Vergleich zu 2023 um fast ein Viertel (-23 %) auf 7,02 Milliarden Euro zurück. Investitionsschwerpunkt im Lebensmittelhandel bleibt die Kältetechnik, getrieben durch mehr Verbrauchsträger und die forcierte Umrüstung auf energieeffiziente Kälteanlagen als Folge einer nochmaligen Verschärfung der F-Gas-Verordnung. «Damit bleibt bei vielen Food-Unternehmen weniger Geld für das Store Design übrig», so das Fazit der Studie.
Abgestimmte Kühlsysteme
Bei der AHT Cooling Systems GmbH aus Rottenmann in Österreich stand als Neuheit «Borea» (Foto), ein Kühl- und Tiefkühlregal (Multideck) mit natürlichem Kältemittel R290 und CO2, im Fokus. Ergänzt wird das Portfolio durch «Kigali XL» (Kühl-/Tiefkühltruhe), das «Daikin CO2 VRV» als integrierte Lösung für Kühlen und Heizen sowie das «AMS Active Monitoring System» zur Überwachung und Optimierung von Betrieb, Performance und Service. Ein weiteres Messe-Highlight für den LEH war die Darstellung der drei zentralen Systemansätze mit natürlichen Kältemitteln: SPI Waterloop, Remote CO2 und Full Plug-in.
Objekterkennung für die Theke
Zu den Highlights von Bizerba zählt die intelligente Objekterkennung an der Bedientheke, die weit komplexer ist als in der Obst- und Gemüseabteilung. Daher habe man viel an der Zuverlässigkeit zur Unterscheidung der Produkte gearbeitet: «Birne und Apfel sind weit einfacher zu unterscheiden als zum Beispiel verschiedene Fleischsorten und Zuschnitte», heisst es bei Bizerba. Die Waagen mit integrierter Objekterkennung nutzen kamerabasierte Bilderkennung und künstliche Intelligenz, um das aufgelegte Produkt zu identifizieren. Das manuelle Eingeben oder Merken von PLU-Nummern entfällt, gleichzeitig bleibt die fachliche Kontrolle beim Mitarbeiter. Die Innovation liegt nicht in der reinen Bilderkennung, sondern in ihrer Zuverlässigkeit unter realen Thekenbedingungen mit vielen wechselnden Zuschnitten und in der Geschwindigkeit. Für den Händler ergibt sich laut Bizerba ein klarer Nutzen: weniger Fehlbuchungen, schnellere Abläufe, höhere Prozesssicherheit und Entlastung des Personals.
Loss Prevention auf neuem Level
Die KI-basierte Lösung «Vynamic Smart Vision I Shrink Reduction» von Diebold Nixdorf versetzt Händler in die Lage, die Verluste durch Warenschwund durchgängig vom Regal bis zu den bedienten Kassen und SB-Kassen zu minimieren. Die neueste Version deckt jetzt auch «unstrukturierte Kassenzonen» ab. Also solche mit limitierten Platzverhältnissen, in denen die SB-Systeme eng beieinander angeordnet und in denen oft kleinere Regale und weitere Objekte im Sichtfeld der Smart-Vision-Kameras platziert sind – so zu finden in Tankstellenshops und Convenience Stores. Zudem stehen oft mehrere Personen gleichzeitig davor mit in ihren Händen gehaltenen Waren. Das speziell trainierte Smart-Vision-System kann zwischen all diesen Personen vor der SB-Kasse unterscheiden und sie der passenden Transaktion zuordnen. Ebenfalls wird erkannt, ob die Gegenstände in den Händen Waren sind, die gescannt und bezahlt werden müssen, oder nur Smartphone, Portemonnaie oder Regenschirm.
Präsenter für Ultrafrische
Für die Präsentation ultrafrischer Lebensmittel stellte Epta das neue halbhohe Kühlregal «SV5 Panorama» vor. Ultrafrische Lebensmittel wie frischer Teig, Sushi oder Salate zeichnen sich durch ein sehr kurzes Mindesthaltbarkeitsdatum von bis zu fünf Tagen aus. Zudem stellen die Produkte hohe Anforderungen an die Temperatur im Kühlmöbel und mitunter auch an die relative Luftfeuchtigkeit sowie die Luftgeschwindigkeit. SV5 Panorama der NordicLine-Produktfamilie wurde genau für dieses Produktsortiment entwickelt. In Gondelaufstellung mit grossen Panorama-Schiebetüren ermöglicht es die Produktsichtbarkeit aus jedem Blickwinkel, fördert so Impulskäufe. Das Möbel ist auch mit doppelt verglasten Türen erhältlich und erreicht damit die Energieeffizienzklasse C.
Access-Point für moderne ESL
Lancoms «Access Point LX-7200E» für moderne WLAN-Infrastrukturen bringt Wi-Fi 7-Power, -Performance und -Stabilität in Handelsnetzwerke und eignet sich damit für moderne Retail-Szenarien wie Mobile Payment, Self Checkout oder Kunden-Apps. Die Tri-Band-Unterstützung inklusive 6 GHz verspricht einen störungsfreien Betrieb und hohe Investitionssicherheit der Filialnetzwerke und Store-Konzepte. Der LX-7200E schafft die Grundlage für Electronic-Shelf-Label-Umgebungen (ESL). Sein Alleinstellungsmerkmal ist die integrierte ESL-Schnittstelle, die eine störungsfreie und batterieschonende Anbindung von digitalen Displays der Hersteller Vusion und PDi Digital ermöglicht. Alternativ lassen sich Displays von SoluM und Hanshow durch externe, über die USB-Schnittstelle angeschlossene Funkmodule betreiben. Zudem verfügt er über ein spezielles Modul, das künftige per BLE (Bluetooth Low Energy) angesteuerte Displays unterstützt.
Markant stellt PartnerPool vor
Am neuen Messestand von Markant waren bei den Händlern vor allem aktuelle Themen wie Sustainability und Cybersecurity gefragt. Als neue Leistung wurde erstmals der Markant PartnerPool dem internationalen Publikum vorgestellt. PartnerPool ist eine Plattform, die Händlern, Lieferanten und Dienstleistern umfassende Möglichkeiten zur Bereitstellung und Recherche von Unternehmensdaten sowie weiterführende Informationen zu Geschäftspartnern bietet – egal ob Basisinformationen, Kompetenzen, Ansprechpartner oder Marken. Händler erhalten Zugang zu validen Stammdaten und können ihr Netzwerk um neue Lieferanten erweitern. Lieferanten profitieren von neuen Vertriebskanälen und stärken ihre Geschäftsbeziehungen.
Ein Vorschubsystem für alles
Mit dem «POS-T Vincent» setzt POS Tuning neue Massstäbe beim Warenvorschub. Das neue System überzeugt durch ein reduziertes Design und eine überarbeitete Optik des Vorschubgehäuses. Gleichzeitig wurde die Komplexität stark reduziert: Der POS-T Vincent kommt mit nur zwei Bauteilen und zwei Vorschubstärken aus. Ob Deoroller, Gummibärchen oder Smoothies – unterschiedlichste Produkte und Verpackungsformen lassen sich erstmals mit einem einzigen Vorschubsystem präsentieren. Möglich macht dies eine optimierte Gleitoberfläche, durch die nur noch zwei Federstärken benötigt werden. Die aufwändige Berechnung individueller Federstärken für verschiedene Kategorien entfällt. Im Alltag bringt das laut POS Tuning mehrere Vorteile: Planogrammwechsel werden schneller umgesetzt, die Regalpflege wird vereinfacht, Anpassungen sind im laufenden Betrieb möglich, und auch die Installation ist einfach.
Probleme erkennen
Die Lösung «AI-Assisted Diagnostics» von Relex Solutions nutzt KI, um Daten aus Absatzprognose, Disposition, Bestandsmanagement, Supply-Chain-Execution und Filialprozessen kontinuierlich zu analysieren. So lassen sich die tatsächlichen Ursachen hinter Regallücken, Überbeständen und Verderb identifizieren. Das System übersetzt Rohdaten in klare diagnostische Erkenntnisse und zeigt auf, wo künftige KI-Agenten korrigierende Massnahmen ergreifen können. Es erkennt Probleme wie Prognoseverzerrungen (Forecast Bias), fehlerhafte Dispositionsparameter, Lieferantenrestriktionen oder Prozesslücken auf Filialebene. Speziell für die Komplexität des Handels entwickelt, arbeitet AI-Assisted Diagnostics auf Ebene von Artikeln, Filialen und auf Tagesbasis. Disponenten und Category Manager benötigen keine zusätzlichen manuellen Analysen oder neue Workflows.
Produktion direkt an der Theke
Die S.A.M. Kuchler Electronics aus Klagenfurt präsentierte mit der «PX3 MAP» ein System, das Wurst, Käse, Schinken und andere Feinkostprodukte vollautomatisch frisch schneidet und direkt auf der Theke verpackt – sichtbar für die Kunden. Das System vereint drei Verpackungsarten in einer Lösung: klassische Frischeverpackung, Vakuumverpackung oder Modified Atmosphere Packaging (MAP). Mit einer Leistung von bis zu 155 Packungen pro Stunde verbindet die PX3 MAP industrielle Performance mit dezentraler Produktion am POS. Zentrale Vorproduktion kann sinnvoll ergänzt, Abschriftenverlust reduziert und Warenverfügbarkeit präziser gesteuert werden. Vollendet wird das Konzept durch eine mehrlagige Verpackung mit einzeln öffnenden Portionen.
Mehr Tragkraft ohne Platzbedarf
In der Lebensmittelbranche ist die Produktinnovation hoch. Damit die Verkaufsfläche dem Bedarf nach mehr Artikeln in der Auslage gerecht werden kann, müssen die Regale höher und/oder belastbarer sein. Speziell dafür hat Tegometall das «TegoStrong» entwickelt: Ein Stecksystem, das gut zehn Prozent mehr Last trägt als herkömmliche Ladenregale. Auf unansehnliche Frontsäulen wird ebenso verzichtet wie auf fest verschweisste Gondelständer. TegoStrong vereint die Vorteile des TegoClassic hinsichtlich Flexibilität und Zuverlässigkeit mit der höheren Belastbarkeit eines Logistikregals. Dabei ist es rund 30 Prozent leichter und auch günstiger als vergleichbare Regalsysteme für den Logistikbedarf, die für dieselbe Belastung konzipiert sind. Hiervon profitieren auch die Monteure: Wie seine Produktverwandten lässt sich das TegoStrong einfach vor Ort selbst aufbauen und ist vollständig mit den übrigen Tego-Ladenregalsystemen kompatibel. Die Tegometall-Gruppe mit Hauptsitz in Lengwil/Schweiz ist ein international tätiges Familienunternehmen.