Vielfältig, bequem, zeitsparend

Montag, 02. September 2019
Foto: Reinhard Rosendahl

Die Attraktivität der Handelsgastronomie ist noch steigerungsfähig. Dies zeigt nun eine neue EHI-Studie, die erstmals deutsche Konsumenten zu ihren Wünschen befragt hat.

Vom Geschäftsessen im High-End-Supermarkt über die kulinarische Pause während des Shopping-Trips bis zum Coffee-to-go mit belegtem Brötchen für unterwegs: Immer mehr Einzelhändler unterstützen situative Konsumbedürfnisse ihrer Kunden heute mit gastronomischen Angeboten in ihren Märkten. Lebensmittelmärkte, SB-Warenhäuser, Möbelhäuser und weitere Handelsvertriebslinien bieten vom Imbiss über das Café, das Restaurant mit/ohne Bedienung bis zur Zwei-Sterne-Gastronomie auf der Dachterrasse unterschiedlichste Formate und entwickeln ihre Häuser auf diese Weise zu einem «Place to be» weiter. Das kommt bei vielen Kunden gut an. Die Angebotsvielfalt steigt – und damit sind auch die Umsätze deutlich im Aufwärtstrend.  

Milliardenschwerer Markt

Laut EHI-Geschäftsleiter Olav Homann soll die Branche in diesem Jahr rund zehn Milliarden Euro mit handelsgastronomischen Angeboten erlösen, das entspricht einem Plus von vier Prozent gegenüber 2017. «Die Angebote sind grösstenteils gut und durchdacht», urteilt der EHI-Experte, doch fehlten noch spezielle Erkenntnisse zum Konsumentenverhalten im Zusammenspiel von Handel und Gastronomie. Die im Juni dieses Jahres vom EHI Retail Institute in Zusammenarbeit mit GfK veröffentlichte Studie befasst sich daher erstmals aus Konsumentensicht mit dem Thema und liefert somit neue wichtige Anhaltspunkte für die investitionssichere Planung und Integration handelseigener Gastronomiekonzepte.

Zum Beispiel wenn es um die Verpflegungsanlässe und -orte geht: Die höchsten Umsätze, so haben die EHI-Marktforscher ermittelt, werden im stationären Mittagsgeschäft erzielt; auch abends zieht die Nachfrage noch einmal an – dann aber vor allem nach To-go-Angeboten. Grosse Unterschiede gibt es bei den Verzehrorten:  Supermärkte (69%) und SB-Warenhäuser (61 %) gehören zwar, gemessen an der Zahl der Gastronomiekunden, zu den Spitzenreitern bei der Nutzung dieser Angebote – tatsächlich verzehren aber nur acht Prozent der Supermarktkunden (SB-Warenhäuser: 13 %) direkt vor Ort; die Speisen werden eher mitgenommen. In Möbelhäusern dagegen lässt sich fast jeder zweite Kunde vor Ort in entsprechenden Gastrobereichen nieder.

Mehr Aufenthaltsqualität

Bei der Nutzung gastronomischer Angebote stehen in jüngeren und mittleren Altersgruppen häufig funktionale Aspekte im Vordergrund. Beliebt ist die kürzere Unterbrechung im Alltag wie etwa die Shopping- oder die Mittagspause. Zeitmangel, Bequemlichkeit und die Möglichkeit, den Verzehr mit anderen Erledigungen zu verbinden, sind aus Sicht dieser Konsumenten die Hauptgründe für die Inanspruchnahme der Handelsgastronomie. Allerdings beobachten die Studienautoren, dass sich deren Bedeutung in älteren Kundengruppen vom schnellen Hungerstillen zunehmend hin zu bewussterem Geniessen wandelt und auch soziale Aspekte mit einschliesst.

Und damit steigen auch die Ansprüche ans Ambiente: Einladend soll es sein, ohne zu gehoben oder exklusiv anzumuten. Bevorzugt werden natürlich eingerichtete, ruhige Umgebungen mit angenehmem Licht und eine Trennung vom Verkauf. Sitzplätze im Freien oder mit Ausblick werden als besonders ansprechend erlebt. Insgesamt zeigen sich 36 Prozent der Kunden in der Handelsgastronomie rundum zufrieden, dennoch ist die Attraktivität des Gesamtpakets durchaus noch steigerungsfähig. Immerhin bemängeln insgesamt zwei Drittel der Kunden auch einige Dinge wie zum Beispiel einen hohen Lärmpegel, unfreundliche Mitarbeiter, mangelnde Sauberkeit oder eine ungemütliche Atmosphäre. In dieser Hinsicht können Kaufleute also noch einiges tun, um die Aufenthaltsqualität und damit auch die Zahl der Vor-Ort-Verzehrer zu steigern.

Es lohnt sich für Handelsunternehmen, die Erwartungen dieser Kunden möglichst umfassend zufriedenzustellen: Schliesslich gibt jeder Handelsgastronomie-Kunde laut EHI-Umfrage durchschnittlich rund 22 Euro monatlich für frische, verzehrfertige Speisen im Handel aus – und fast jeder zweite Konsument kauft bei der Gelegenheit auch andere Artikel in dem betreffenden Markt ein.

 

Info

Was auf den Teller kommt

Zwar kennen Kunden trendige Gerichte wie Bowls, Smoothies oder DIY-Food – hauptsächlich verzehrt aber wird laut EHI-Gastronomiestudie immer noch Altbekanntes:

  • Gut ein Drittel (36 %) kauft kalt belegte Brötchen, Sandwiches oder Wraps.  
  • 32 Prozent der Kunden wählen aus beliebten Gerichten wie Döner und Pide sowie Currywurst.
  • Salate stehen ebenso wie Kuchen mit jeweils 19 Prozent in der Verbrauchergunst an dritter Stelle.
  • Danach folgen warm belegte Brötchen, Sandwiches und Wraps (z. B. Fleischkäse, Hot Dogs) mit 18 Prozent sowie Pizza, Pasta und Hähnchen mit 17 Prozent der Nennungen.
  • Daneben wünschen sich viele Kunden auch vermehrt gesunde Angebote, Bio-Produkte, vegetarische und vegane Alternativen, umweltfreundlichere Verpackungen und auch mehr Nachhaltigkeit.
  • Ebenso werden Kennzeichnungen, die regionale Herkunft und/oder Handwerkstradition hervorheben, von den Kunden sehr positiv beurteilt und schaffen eine emotionalere Bindung.