Upgrade fürs Web

Donnerstag, 25. Mai 2023
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Christoph Jentzsch gehört zu den Wegbereitern des digitalen Zahlungsmittels Ethereum und war Gründer der Firma slock.it. Im vergangenen Jahr hat er corpus.ventures gegründet, ein Start-up für Start-ups. Dabei versteht sich das Venture-Studio als Inkubator fürs Web.

Herr Jentzsch, was treibt Sie an?
Christoph Jentzsch:
Einen positiven spürbaren Impact zu haben. Mit unseren Produkten wollen wir jede Person befähigen, selbst-souverän in der digitalen Welt handeln zu können.  

Ihr Unternehmen corpus.ventures ist ein Start-up für Start-ups. Können Sie das konkretisieren?
Christoph Jentzsch:
Wir sind ein finanziell unabhängiges Venture-Studio, das seine eigenen Ideen entwickelt. Konkret sind diese Ideen Softwareprodukte für das sogenannte Web3. Unter dem Schirm des Venture-Studios entstehen Projekte, die zu Produkten entwickelt und schliesslich als eigenständiges Start-up ausgegründet werden. Man kann uns also als Inkubator fürs Web verstehen.

Auf welche Art von Start-ups konzentrieren Sie sich dabei?
Christoph Jentzsch:
Wir entwickeln die fehlenden Puzzleteile im Web3, damit es für die breite Masse zugänglich wird. Bis auf das Produkt Tokenize.it, eine Plattform für tokenbasierte Unternehmensfinanzierung, geht es um Produkte, die man schnell am Markt erproben kann. Dennoch vereinen alle Produkte die Werte des Web3, sie stehen für non-custodial ownership, das heisst, dass man Besitzer von digitalen Assets wie Kryptowährungen oder Tokens ist, ohne dass man diese bei einer zentralisierten Stelle lagern muss, ferner für Selbstsouveränität, Interoperabilität, Sicherheit sowie Dezentralität.

Was ist die Vision und Mission von corpus.ventures?
Christoph Jentzsch:
Dass durch unsere Produkte das Web3 für jede Person zugänglich wird, und wir mit unserem Venture-Studio beim «Upgrade» des Internets eine massgebliche Rolle spielen.

Sie haben sich auf die Entwicklung von Web3-Produkten spezialisiert. Was war die Motivation?
Christoph Jentzsch:
Ich glaube daran, dass das Web3 die Nutzer befähigt, mehr Kontrolle über ihr digitales Leben zu bekommen. Es erlaubt echten digitalen Besitz. Wir sind davon überzeugt, dass das Web3 das Internet ist, wie es sein sollte.

Wie gehen Sie dabei vor?
Christoph Jentzsch:
Als Partner setzen wir uns oft zum Brainstorming zusammen, um die fehlenden Produkte im Web3 zu identifizieren und versuchen abzuschätzen, mit wieviel Aufwand man ein minimal viable product (MVP) entwickeln könnte. Wenn wir uns für ein Projekt entscheiden, bekommt immer ein Partner die volle Verantwortung dieses umzusetzen.

Wie und wo vermarkten Sie die entwickelten Produkte? Wer ist die Zielgruppe?
Christoph Jentzsch:
Das ist für jedes Produkt individuell. Je nach Zielgruppe legen wir den Schwerpunkt auf Public Relations, Community Building oder auch Direct Sales. Alle Produkte werden auf eigenständigen Social-Media-Kanälen vermarktet und auf Special-Interest-Konferenzen, Messen und Meet-ups platziert. Mit den drei aktuellen Produkten sind unsere Zielgruppen sowohl im Bereich B2B als auch im B2C gelagert.

Wo sehen Sie im Web3-Ökosystem den grössten Handlungsbedarf?
Christoph Jentzsch:
Die Komplexität der Applikationen für die Nutzerschaft zu reduzieren, ist eine der grösseren Herausforderungen. Mit einer intuitiven User Experience und Educational Content versuchen wir diese Probleme zu lösen. Zudem sind die rechtlichen Rahmenbedingungen häufig noch auszuloten, da sich die Gesetzgebung nicht so zügig in dem Masse mitentwickelt, wie es neue Technologien erfordern. Von der Politik wünsche ich mir daher, den nötigen Freiraum um zu Gestalten sowie eine Anerkennung der Vorteile (Selbstverwaltung, Transparenz etc.) des Einsatzes von Web3-Technologien.

Welche Bedeutung kommt dabei der Blockchain-Technologie zu? Wo liegen die Herausforderungen?
Christoph Jentzsch:
Die Blockchain-Technologie ist das Fundament des Web3. Sie ist das dezentrale Backend, das eine effektive Selbstverwahrung digitaler Güter ermöglicht. Die Herausforderung ist neben den Transaktionskosten auf der Blockchain, die Fähigkeit der Nutzerschaft, ihren Private Key sicher zu verwahren.

Welche Rolle spielen internetbasierte Geschäftsmodelle?
Christoph Jentzsch:
Internetbasierte Geschäftsmodelle spielen schon seit den 2000ern eine wichtige Rolle und werden auch in Zukunft eine grosse Bedeutung haben. Das Internet ermöglicht Unternehmen, ihre Produkte und Dienstleistungen weltweit anzubieten und erreichen damit ein breites Publikum. Auch ermöglicht es, neue Märkte und Nischen zu erschliessen und gleichzeitig Kosten zu senken.

Sie sind selbst ein Gründer. War das die Motivation als Business Angel tätig zu werden?
Christoph Jentzsch:
Als Gründer weiss ich selbst, welche Herausforderungen dieser Schritt mit sich bringt. Nun bin ich in der glücklichen Lage, andere Gründer dabei zu unterstützen, ihre Träume zu verwirklichen. Im besten Fall profitiere ich natürlich auch selbst finanziell davon.

Welchen Tipp geben Sie anderen Start-ups auf den Weg?
Christoph Jentzsch
: Es ist wichtig, eine klare und zielgerichtete Strategie zu haben, um das Unternehmen auf Kurs zu halten und das Wachstum zu fördern. Zudem sollten Gründer bereit sein, Risiken einzugehen und auch aus Fehlern zu lernen, um ihr Geschäft kontinuierlich zu verbessern. Schliesslich ist es unerlässlich, ein starkes Netzwerk aufzubauen, das helfen kann, die Herausforderungen des Gründens zu meistern.  

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Steckbrief

Christoph Jentzsch ist Diplom-Physiker und war einer der ersten Entwickler (2014/2015) der heute bedeutenden Ethereum-Blockchain. Als Initiator von TheDAO (2016), der weltweit ersten dezentralen autonomen Organisation, die mit 150 Millionen Dollar gesammelten Kapitals bis dato die grösste Crowdfunding-Aktion der Geschichte war, sowie durch den erfolgreichen Verkauf seines Unternehmens slock.it (2019), hat er weltweit Bekanntheit erlangt. Heute ist er Mitbegründer und CEO von corpus.ventures und als Business Angel aktiv. Sein Erfahrungsschatz, seine Vision und sein Verständnis von Ethereum sind darauf ausgerichtet, die nächste Generation von Web3-Produkten zu entwickeln.

Definition Web3

Web3 wurde zu einem Sammelbegriff für die Vision eines neuen, besseren Internets. Im Kern nutzt es Blockchains, Kryptowährungen und NFTs, um den Nutzern Macht in Form von Eigentum zurückzugeben.