Unsere Lebensmittel gehen online

Montag, 26. September 2022
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In Deutschland, Österreich und der Schweiz gehen die Umsätze im Online-Handel  erstmals seit Jahren zurück. Interessant dabei: Das Online-Geschäft mit Lebensmitteln zeigt sich robust.

Die abgekühlte Konsumlaune schlägt auch auf den E-Commerce mit den privaten Verbrauchern durch. Im zweiten Quartal 2022 fuhren die Konsumenten in der Region DACH ihre Bestellungen von Waren in Online-Shops deutlich zurück. Das führte auch dazu, dass die zuletzt stark gestiegenen Online-Bestellungen von Lebensmitteln wieder abflachten – allerdings nur im Rahmen der allgemeinen Entwicklung. In der Schweiz legen sie sogar zu.

Rückgang in Deutschland
In Deutschland notiert der E-Commerce-Verband bevh für das zweite Quartal 2022 einen Rückgang der online generierten Umsätze von 9,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Umsatz noch immer acht Prozent über dem Vergleichswert im zweiten Quartal 2020 und fast 26 Prozent über dem Wert im Vor-Corona-Jahr 2019. «So normal der E-Commerce für die Menschen geworden ist, so wenig kann er sich der weitreichenden Störung des Konsumklimas, wenn nicht der Gesamtwirtschaft, entziehen», kommentiert Martin Gross-Albenhausen, stellvertretender Hauptgeschäftsführer beim bevh, diese Entwicklung. «Die Deutschen schränken sich angesichts steigender Lebenshaltungs- und Energiekosten bei nicht benötigten Waren oder Dienstleistungen deutlich ein.»

FMCG zeigt sich robust
Insgesamt noch am wenigsten vom fragilen Konsumumfeld betroffen ist das Cluster «Täglicher Bedarf», dessen Online-Umsätze in Deutschland nur um 1,4 Prozent zurückgingen. Tierbedarf legte online sogar um 6,7 Prozent zu. Deutlich besser als der Online-Gesamtmarkt behaupten sich auch die Segmente Drogerieprodukte (-2,1 %) und Lebensmittel (-4,7 %). Das stärkste Minus verzeichnen hingegen Elektronikprodukte (-19 %), gefolgt von Büchern/Medien (-16,5 %) und DIY (-15,5 %). Der Online-Kauf stellt aktuell offenbar vor allem dann eine überzeugende Alternative zum stationären Einkauf dar, wenn eine Anschaffung sich nicht aufschieben lässt und der beste Preis gesucht wird. Das zeigt sich laut bevh am wachsenden Umsatz in den Kategorien Haushaltsgrossgeräte (+ 6,1 %), Spielwaren (+ 5,1 %) oder auch Medikamente (+ 5,4 %).

Boom bei Lebensmitteln
Im deutschen E-Commerce zählten Lebensmittel im Jahr 2021 zu den Warengruppen mit den höchsten Zuwachsraten. Laut «Online-Monitor 2022» des Handelsverbandes Deutschland (HDE) stieg der Online-Anteil von Lebensmitteln im Gesamtmarkt im Jahr 2021 auf 2,7 Prozent. Im Jahr zuvor lag er erst bei zwei Prozent. Damit erlöst der Online-Handel mit Lebensmitteln einen Umsatz von 5,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Nonfood kommt online auf einen Umsatz von 81 Milliarden Euro, was einem Online-Marktanteil von 21 Prozent entspricht. Das Online-Wachstum bei Lebensmitteln hat sich 2021 mit 35 Prozent gegenüber 2020 (+ 60 %) verlangsamt, ist aber mehr als doppelt so hoch wie in 2019 (+16 %) und etwa doppelt so hoch wie im Nonfood-Bereich. Den leichten Umsatzrückgang in diesem Jahr bewertet der Verband als normale Reaktion der aktuell zurückhaltenden Verbraucher, nicht jedoch als Trendwende. Besonders gefragt in der Kategorie der Lebensmittel sind Sekt und Wein mit einem Online-Umsatz von 1,2 Milliarden Euro. Damit ist ihr Online-Anteil am Markt 2021 auf 12,5 Prozent
(Vj. 9,3 %) gestiegen.

Kurve in Österreich flacht ab
Die aktuelle «eCommerce Studie Österreich» des Handelsverbandes Österreich zeigt ein neues Allzeit-Ausgabenhoch im Online-Handel, aber auch ein Abflachen der Wachstumskurve. Die österreichischen E-Commerce-Ausgaben sind bis Ende April 2022 im Vorjahresvergleich um acht Prozent auf 10,4 Milliarden Euro gewachsen. Der relative Zuwachs hat sich allerdings zuletzt deutlich reduziert. 2022 erledigen 76 Prozent beziehungsweise rund 5,8 Millionen Österreicher ihre Einkäufe – auch – im Distanzhandel. Rund 14 Prozent der gesamten Einzelhandelsausgaben der österreichischen Privathaushalte fliessen in den Online-Handel, ein neuer Höchstwert. Ähnlich wie in Deutschland sind die Top-Warengruppen Bekleidung mit 2,1 Milliarden Euro, Elektrogeräte (1,4 Mrd.) und Möbel (0,9 Mrd.).

Top-Seller sind Kaffee und Tee
Laut Statistas «Digital Market Outlook» liegt Österreich beim Umsatz im Online-Handel für Lebensmittel und Getränke mit einem Marktvolumen von 166 Millionen Euro auf Platz 18 im weltweiten Vergleich. Im Jahr 2020 lagen die Umsätze im E-Commerce-Markt für Lebensmittel und Getränke in Österreich aufgrund der Corona-Krise um 37,9 Prozent über denen des Vorjahres. In 2021 flachte der Zuwachs dann auf 12,3 Prozent ab. Damit stieg der Online-Anteil am Gesamtumsatz mit Lebensmitteln auf 2,5 Prozent. Die beliebtesten online gekauften Lebensmittel sind Kaffee und Tee. Aber auch im Bereich Drogerie/Kosmetik und Garten/Heimwerken wird immer mehr online geshoppt.

Schweizer Besonderheit
Die Schweizer Konsumenten haben im Jahr 2021 Waren und Güter für 14,4 Milliarden Schweizer Franken online eingekauft, eine Steigerung um 1,3 Milliarden Schweizer Franken oder 9,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Insgesamt wurden im Schweizer Detailhandel zwölf Prozent Umsatz online generiert. Im Bereich Food waren es 3,1 Prozent. Im gesamten Schweizer Detailhandel sanken die Umsätze von Januar bis Juni 2022 um 5,7 Prozent, wie der «Markt Monitor» der GfK zeigt. Mit einem Minus von acht Prozent gingen die Online-Verkäufe am stärksten zurück. Anhand einer Auswertung von Kredit- und Debitkarten-Transaktionen zeigt das «Swiss Retail Federation Dashboard» im Detail, dass schon im ersten Quartal 2022 der Online-Handel gegenüber dem Vorjahresquartal in nahezu allen Segmenten zurückgegangen ist. Die Swiss Retail Federation hebt dabei aber ausdrücklich die Besonderheit hervor, dass der Food-
Online-Handel weiter zugenommen hat.

 

Schweiz

Bequemer einkaufen
Dass in der Schweiz der Lebensmittelhandel online entgegen dem aktuell rückläufigen Online-Markt noch immer wächst, wertet die Swiss Retail Federation als «ein Zeichen für eine mittelfristige Konsumveränderung der Kundschaft». Es sei denkbar, «dass Kundinnen und Kunden durch die Erfahrungen mit Online-Bestellungen von Lebensmitteln es während der Corona-Pandemie zu schätzen gelernt haben, haltbare und eher schwere Lebensmittel liefern zu lassen.»

Österreich

Wichtige Direktvermarkter
Wie Agrarmarkt Austria Marketing (AMA) in ihrer Marktanalyse notiert, haben 2021 in Österreich 15 Prozent der Haushalte Lebensmittel online gekauft. Am geringsten sind die Anteile bei Fleisch und Wurst, am höchsten bei Fertiggerichten und TK-Produkten. Auch bei Bio-Produkten wird mehr online eingekauft als im Schnitt, da hier die Online-Direktvermarkter eine Rolle spielen. Einige Kennzahlen sprechen laut AMA dafür, dass die Online-Einkäufe weiter steigen werden, jedoch vorrangig bei der Bevorratung von Grundnahrungsmitteln oder Spezialitäten. Beim Frischeeinkauf aber bleibe «das Gustieren ein wichtiger Faktor und lässt sich durch Online-Angebote nicht ersetzen».