Smart dank Mehrweg?

Montag, 08. Juni 2026
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Die Frage, wie die Lebensmittelbranche bei Verpackungen nachhaltiger werden kann, ist nicht nur eine moralisch-ethische, sondern auch eine wirtschaftliche. Das Markant Magazin ONE stellt ­einige innovative Lösungen vor, die massgeblich Einfluss auf das Angebot im LEH haben könnten. 

Es ist eine Zahl, die auch Handel und Industrie nicht kalt lassen dürfte: In der Europäischen Union fallen jährlich rund 80 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Grosse Sorgen bereiten dabei vor allem Plastikabfälle. Ein Weg, Lebensmittelverpackungen deutlich nachhaltiger zu machen, ist daher der reduzierte Einsatz von Kunststoffen. Dazu laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, die vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert werden. Eines davon adressiert wiederverwendbare Verpackungen. Das unter Pfabo laufende Projekt entwickelte ein unternehmensübergreifendes Mehrwegsystem, das sowohl die Logistik als auch die Reinigung und Rückgabe von Mehrwegverpackungen digital vernetzt. Automatisierte Rückgabestationen und ein digitales Tracking durch Codes ermöglichen es, die eingesetzten Verpackungen effizient nachzuverfolgen, und können dazu beitragen, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. Das System wird sowohl in der Industrie als auch von Verbrauchern bereits angewendet.
 
Innovatives Mehrwegsystem
Während Einwegverpackungen grosse Müllmengen erzeugen, bedeutet Mehrweg für Abfüller durch Rücknahme und Spülen einen grossen, energieintensiven Aufwand. Die Iqpak-Verpackung bietet eine Alternative für beide Systeme. Die neuartige Verpackung aus Polypropylen-Monomaterial besteht aus einem wiederverwendbaren Mehrwegkern mit RFID-Chip, der aussen wie innen von einer dünnen Schutzschicht umschlossen ist. Nach Gebrauch wird die Schutzschicht sortenrein recycelt und der Grundkörper direkt wiederverwendet. Dadurch fällt im Iqpak-System kein Müll an, das Material bleibt zu 100 Prozent im Wertstoffkreislauf erhalten. Zudem entfallen für die Abfüllbetriebe die Investitionen in Spültechnik und den Spülvorgang. Die zurückgegebenen Verpackungen werden dann in Refurbishment-Centern aufbereitet. Durch hohe Umlaufzahlen und den Wegfall des Spülvorgangs spart Iqpak so im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungen bis zu 90 Prozent der CO2-Emissionen ein. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zum Markteintritt des Systems geht von einem grossen Potenzial aus: Allein in Deutschland könnten Iqpak-Verpackungen jedes Jahr 23 Milliarden Füllungen ersetzen. Den möglichen Umsatz innerhalb des deutschen Verpackungsmarktes beziffert die GVM je nach Szenario auf 1,6 bis 2,8 Milliarden Euro.
 
Kreative Lösungen 
Auch wenn über das Tempo von Veränderungen gestritten werden kann, zeigt sich, dass in der EU durchaus Massnahmen zur Verpackungsproblematik ergriffen werden. So sind etwa Tethered Caps seit Juli 2024 für alle PET-Einwegflaschen in der EU Pflicht. Und auch die Industrie in Deutschland schläft bei Innovationen nicht. Das Mainzer Start-up Weinton hat eine Weinflasche aus recycelbarem PET-Plastik entwickelt. Hersteller Allfo hat einen gut recycelbaren Vakuumbeutel als PE-Einstofflösung präsentiert. Der Südtiroler Obstveredler VOG Products setzt auf einen vollständig recycelbaren Pouch. Und die Unternehmen Delfort und Rieusset bieten gemeinsam eine neue, papierbasierte Verpackung für Speiseeis an. 

News

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Der SB-Warenhaus­betreiber Globus erwei­tert sein gastronomisches Angebot: In allen Globus Markthallen gibt es ab sofort ausgewählte Gerichte aus den eigenen Restaurants auch zum Mitnehmen.

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Interview

Löning & Partner haben Iqpak in enger Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Betriebs­festigkeit und System­zuver­lässigkeit LBF entwickelt. Das Markant Magazin ONE hat mit Dr. Christian Beinert (Fraunhofer LBF) und Johann Löning (Gründer Iqpak) über das neue System gesprochen.
 
Was sind die Vorteile?  
Jeder Abfüller kann ohne grosse Anlagen-Updates mehrwegfähig werden. Da Iqpak durch den Hygienelayer-Wechsel nicht gewaschen wird, hat man zudem die gleiche Prozesssicherheit wie bei Einwegverpackungen. Mit dem System bekommen auch Discounter die Chance, Mehrwegverpackungen einzusetzen, ohne dass es zu Kostenbelastungen kommt. Denn die Rücknahme ist ausserhalb des Ladens möglich. Zudem wird kein zusätzlicher Platz für die Reverse-Logistik benötigt. Iqpak-Systeme sind dynamisch zu bepfanden und können über Grenzen hinweg eingesetzt werden. Nicht zu vergessen ist auch der kleine ökologische Fussabdruck. 
 
Welche Warengruppen betrifft das? 
Wir streben zunächst den Sektor der Molkereiprodukte an, da sie Schnelldreher sind und sich ein Pool schnell aufbaut und zirkuliert. Auf dieser Basis können weitere Segmente hinzugefügt werden. 
 
Wann ist die Einführung des Systems geplant? 
Die Aufnahme einer Testproduktion ist für das dritte Quartal 2026 geplant, um alle Stakeholder mit Mustern in angemessener Stückzahl und Varianten zu versorgen. Ende 2027 könnte Iqpak live gehen. Dann werden auch die ersten Refurbishment-Center in Betrieb gehen.