Die Frage, wie die Lebensmittelbranche bei Verpackungen nachhaltiger werden kann, ist nicht nur eine moralisch-ethische, sondern auch eine wirtschaftliche. Das Markant Magazin ONE stellt einige innovative Lösungen vor, die massgeblich Einfluss auf das Angebot im LEH haben könnten.
Es ist eine Zahl, die auch Handel und Industrie nicht kalt lassen dürfte: In der Europäischen Union fallen jährlich rund 80 Millionen Tonnen Verpackungsabfälle an. Grosse Sorgen bereiten dabei vor allem Plastikabfälle. Ein Weg, Lebensmittelverpackungen deutlich nachhaltiger zu machen, ist daher der reduzierte Einsatz von Kunststoffen. Dazu laufen derzeit mehrere Forschungsprojekte, die vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert werden. Eines davon adressiert wiederverwendbare Verpackungen. Das unter Pfabo laufende Projekt entwickelte ein unternehmensübergreifendes Mehrwegsystem, das sowohl die Logistik als auch die Reinigung und Rückgabe von Mehrwegverpackungen digital vernetzt. Automatisierte Rückgabestationen und ein digitales Tracking durch Codes ermöglichen es, die eingesetzten Verpackungen effizient nachzuverfolgen, und können dazu beitragen, Akzeptanz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. Das System wird sowohl in der Industrie als auch von Verbrauchern bereits angewendet.
Innovatives Mehrwegsystem
Während Einwegverpackungen grosse Müllmengen erzeugen, bedeutet Mehrweg für Abfüller durch Rücknahme und Spülen einen grossen, energieintensiven Aufwand. Die Iqpak-Verpackung bietet eine Alternative für beide Systeme. Die neuartige Verpackung aus Polypropylen-Monomaterial besteht aus einem wiederverwendbaren Mehrwegkern mit RFID-Chip, der aussen wie innen von einer dünnen Schutzschicht umschlossen ist. Nach Gebrauch wird die Schutzschicht sortenrein recycelt und der Grundkörper direkt wiederverwendet. Dadurch fällt im Iqpak-System kein Müll an, das Material bleibt zu 100 Prozent im Wertstoffkreislauf erhalten. Zudem entfallen für die Abfüllbetriebe die Investitionen in Spültechnik und den Spülvorgang. Die zurückgegebenen Verpackungen werden dann in Refurbishment-Centern aufbereitet. Durch hohe Umlaufzahlen und den Wegfall des Spülvorgangs spart Iqpak so im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungen bis zu 90 Prozent der CO2-Emissionen ein. Eine Studie der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) zum Markteintritt des Systems geht von einem grossen Potenzial aus: Allein in Deutschland könnten Iqpak-Verpackungen jedes Jahr 23 Milliarden Füllungen ersetzen. Den möglichen Umsatz innerhalb des deutschen Verpackungsmarktes beziffert die GVM je nach Szenario auf 1,6 bis 2,8 Milliarden Euro.
Kreative Lösungen
Auch wenn über das Tempo von Veränderungen gestritten werden kann, zeigt sich, dass in der EU durchaus Massnahmen zur Verpackungsproblematik ergriffen werden. So sind etwa Tethered Caps seit Juli 2024 für alle PET-Einwegflaschen in der EU Pflicht. Und auch die Industrie in Deutschland schläft bei Innovationen nicht. Das Mainzer Start-up Weinton hat eine Weinflasche aus recycelbarem PET-Plastik entwickelt. Hersteller Allfo hat einen gut recycelbaren Vakuumbeutel als PE-Einstofflösung präsentiert. Der Südtiroler Obstveredler VOG Products setzt auf einen vollständig recycelbaren Pouch. Und die Unternehmen Delfort und Rieusset bieten gemeinsam eine neue, papierbasierte Verpackung für Speiseeis an.