Risiken und Prävention

Freitag, 29. August 2025
Foto: Toshiba

Mit der zunehmenden Nutzung von SB-Kassen am POS steigt das Diebstahlrisiko. Die Systemanbieter sind jedoch erfinderisch und statten ihre SCO-Terminals aktuell mit Sicherheitstechnik aus. Erste Tests zeigen, wie wirksam diese in der Praxis ist.

Die Inventurverluste im deutschen Einzelhandel sind im Jahr 2024 um drei Prozent auf 4,95 Milliarden Euro gestiegen, wie eine aktuelle Studie des EHI Retail Institutes ausweist. Damit kletterte die prozentuale Quote auf 0,64 Prozent vom Nettoumsatz. Zahlen, wieviel Warenwert an den Self-Checkout-Systemen vorbeigeschmuggelt wird, liegen nicht vor. Grundsätzlich könne man aber davon ausgehen, dass hier der Ladendiebstahl um 15 bis 30 Prozent höher liegt als an bedienten Kassen, sagt Frank Horst, Projektleiter der EHI-Self-Checkout-Initiative. An den stationären SCO-Systemen in rund 4300 Märkten waren Anfang 2024 laut EHI mehr als 16 000 SB-Kassen im Einsatz, davon allein 9600 im LEH. Viele Lebensmitteleinzelhändler, auch Discounter, planen laut EHI bei Umbauten oder Neueröffnungen weitere Installationen. Damit gewinnt die Minimierung des Verlustrisikos an diesen Systemen an Relevanz.
 
Wirksame Hilfsmittel
Zur Verfügung steht bereits eine ganze Reihe von technischen Hilfsmitteln: Ausgangsschleusen, Gewichtskontrollen durch Waagen, Kameraüberwachung, Kundenmonitore, Einblendung von Bondaten in Kamerabilder, KI-Systeme zur Verhaltens- und/oder Altersprüfung beim Kauf von Tabakwaren und alkoholischen Getränken sowie zur Produkterkennung von losen Obst- und Gemüseartikeln. Auch Plausibilitätskontrollen durch Datenauswertungen spielen eine Rolle. Eine ausreichende Personalausstattung in SCO-Bereichen ist eine weitere Massnahme. Die modernen Sicherheitslösungen finden sich nicht nur in den aktuellen SCO-Systemen, sie können zum Teil auch in bestehende Anlagen integriert werden. Die Fraud-Detection-Komponente «GK Vision» von GK Software beispielsweise lässt sich nachträglich implementieren und optimiert den Self-Checkout-Prozess durch KI-gestützte Bilderkennung, Betrugsprävention, Altersverifikation und automatische Identifikation von Frischeartikeln. GK Vision kann sowohl absichtliche als auch unabsichtliche Nicht-Scans an SB-Kassen erkennen und vorsätzliche Betrugsversuche wie den Tausch von EAN-Codes erfassen. Auch Toshiba arbeitet mit Edge-Computing-Kameras, die mit Hilfe von KI, Computer Vision und IoT-Sensoren (IoT = Internet of Things) erkennen, wenn ein Kunde einen Artikel nicht gescannt hat. Am Monitor sieht dieser dann die Szene und kann den Fehler korrigieren.
 
Erfolgreiche Testläufe
Bei Händlern in Deutschland und anderen europäischen Ländern wurde die Lösung «Vynamic Smart Vision/Shrink Reduction» von Diebold Nixdorf über längere Zeit getestet. Diese identifiziert sowohl unabsichtliche Bedienungsfehler als auch betrügerische Vorgänge an den SB-Kassen. So wird etwa erkannt, wenn ein Artikel am Scanner vorbeigeführt wird, wenn Artikel gestapelt werden oder ein Kunde die Kassenzone verlässt, ohne zu bezahlen. In solchen Fällen erhält der Kunde eine Meldung auf dem Bildschirm und kann den Scanvorgang korrigieren. Auch die Mitarbeiter werden vom System informiert und können bei Bedarf unterstützen oder bei einer bewussten Manipulation weitere Schritte einleiten.
 
Wendepunkt für Händler
Seit Einführung dieser Lösung in einem Verbrauchermarkt einer französischen Handelsgruppe (Intermarché/Groupement Mousquetaires) im Jahr 2024 konnten nach Angaben des Unternehmens mit der KI-gestützten Lösung folgende Ergebnisse erzielt werden: Fehlerhafte Transaktionen sind von drei Prozent auf weniger als ein Prozent gesunken, was die Wirksamkeit der Technologie bei der Erkennung von Anomalien belegt. Die Interventionen durch Mitarbeiter gingen um fast 15 Prozent zurück, weil die Transaktionen an den modernen Selbstbedienungskassen reibungsloser ablaufen und weniger manuelle Eingriffe erfordern. Nach einem halben Jahr Praxiseinsatz sprach der Händler von einer «Revolution» bei der Handhabung der Selbstbedienungskassen. «Die Möglichkeit, Verluste zu reduzieren, Transaktionen einfacher zu gestalten und Reibungspunkte für Kunden zu beseitigen, stellt einen echten Wendepunkt für unsere Branche dar», teilt das Unternehmen mit.

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Self-Checkout –
Serie in zwei Teilen:

Teil 1: Marktbedeutung & Potenziale
 
Teil 2: Risiken & Herausforderungen
 
 

Kassen-Trends 

Laut der EHI-Studie «POS-Systeme 2024» sind für die  IT-Verantwortlichen im Handel mehrere Themen besonders relevant. So soll die Kasse möglichst mobil werden, damit das Anstehen in der Warteschlange vermieden werden kann (59 %). Rund 53 Prozent halten SCO-Systeme für wichtig, weil sie Wartezeiten verkürzen und dem Personalmangel entgegenwirken können. 41 Prozent sehen Handlungsbedarf in Bezug auf schnellere Kartenzahlungen. 33 Prozent sehen Handlungsbedarf bei der Prozessoptimierung und Sicherheit. Beispiele sind KI-gestützte Produkterkennung, Warteschlangenmanagement und die Vermeidung von Inventurdifferenzen.