Recruiting - Aktive Suche starten

Montag, 29. August 2022
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Eine Stelle ausschreiben und abwarten, reicht heute nicht mehr. Unternehmen müssen Kandidaten auch aktiv ansprechen. Worauf es beim «Active Sourcing» ankommt und welche Methoden bereits erfolgreich angewendet werden, zeigt eine ifo-Umfrage.

In den vergangenen beiden Jahren wurde die Arbeitswelt auf den Kopf gestellt – mit anhaltenden Folgen. Home-Office und Online-Meetings bestimmen nun den Alltag, die Digitalisierung wird weiter vorangetrieben. Welche Auswirkungen dies auf die Personalsuche hat, beleuchtet die aktuelle Randstad-ifo-Personalleiterbefragung (Q1 2022) genauer. Dabei zeigt sich, dass eine aktive Suche und Ansprache potenzieller Kandidaten in vielen Unternehmen noch die Ausnahme sind, in Zukunft aber unverzichtbar werden. Denn die befragten Personalleiter in Industrie, Handel und Dienstleistungen sagen, dass der Personalbestand per saldo in 2022 vergrössert werden soll. In Zeiten des Fachkräftemangels wird die eigene aktive Suche und Ansprache von Kandidaten die klassische Stellenausschreibung ergänzen müssen, so ein Ergebnis der Studie. Noch spielt das Active Sourcing eine untergeordnete Rolle. 35 Prozent der Unternehmen wenden dieses Instrument nicht an, und für 27 Prozent spielt es nur eine geringe Rolle. Immerhin 38 Prozent aber bewerten die Bedeutung dieses Instruments als mittel oder hoch.

Die richtigen Kanäle nutzen
Beim aktiven Rekrutieren ist die Auswahl der richtigen Kanäle ein entscheidender Erfolgsfaktor. Wichtig ist hierbei vor allem das Netzwerk unter den Mitarbeitenden. Für 77 Prozent der Personalverantwortlichen hat die Empfehlung im Kollegenkreis eine mittlere bis hohe Bedeutung. An zweiter Stelle liegen Soziale Netzwerke wie Facebook, Instagram oder TikTok (36 %). Diese Kanäle sind für Unternehmen besonders bei der direkten Suche nach Azubis entscheidend.

Active Sourcing mit Potenzial
Die Umfrage zeigt, dass das klassische Recruiting, in dem der Bewerber oder die Bewerberin über eine Stellenanzeige zum Unternehmen kommt, weiterhin dominiert. Beim Active Sourcing hingegen bewirbt sich das Unternehmen mit einer offenen Stelle bei einem potenziellen Kandidaten oder einer Kandidatin. Auch wenn Active Sourcing in den Rekrutierungskanälen noch nicht umfassend verbreitet ist, sehen Firmen, die dieses Instrument bereits anwenden, einiges an Potenzial für die Personalsuche. Die Ansprechmöglichkeiten der Kandidaten sind dabei keineswegs auf die digitale Welt wie berufliche Netzwerke oder Social-Media-Kanäle beschränkt.

Viele Kooperationspartner
Auch über Kooperationen mit (Hoch-) Schulen, Karrieremessen oder über Empfehlungen von bestehenden Mitarbeitern können Unternehmen auf die aktive Suche nach neuem Personal gehen. Dass Karrieremessen bei der Umfrage nur auf einer unteren Stufe rangieren (57 % der Befragten wenden dieses Instrument gar nicht an), spricht laut den ifo-Experten nicht per se gegen diese Plattform. Vielmehr sei die Ursache dafür in den Beschränkungen der physischen Kontakte während der beiden pandemiebestimmten Jahren zu suchen.

Fakten

Anzeige dominiert
Für die Ausschreibung offener Stellen bleibt die externe Stellenanzeige in Online- und Printmedien das dominante Instrument. 84 Prozent der von ifo-Randstatt befragten Personalleiter sehen darin eine hohe bis mittlere Bedeutung in ihrem Unternehmen. Mit einigem Abstand folgt die Arbeitsagentur mit 44 Prozent. Die interne Stellenausschreibung wird von rund einem Drittel der befragten Unternehmen gar nicht angewendet, und lediglich 40 Prozent sehen darin eine mittelhohe Bedeutung. Den Dienst einer Personalvermittlung nehmen vor allem grosse Unternehmen ab 250 Mitarbeitern in Anspruch.