Rationale Strategien, irrationales Verhalten

Dienstag, 18. Oktober 2016
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Der Mensch macht zwar Fehler, aber verhält sich nicht chaotisch oder irrational. Diese Ansicht vertritt Prof. Dr. Axel Ockenfels, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Köln und Mitglied der Europäischen, der Berlin-Brandenburgischen sowie der Nordrheinwestfälischen Akademie der Wissenschaften. Diese Systematik erforscht der Volkswirt. Er analysiert das strategische und taktische Verhalten der Menschen. Ausgangspunkt hierfür ist die Spieltheorie.

Die Spieltheorie hat die Wirtschaftswissenschaften in den vergangenen Jahren komplett verändert und auch den Blick auf Strategien. Wir wissen heute viel mehr über optimale Strategien und rationales Verhalten als je zuvor. Diese Ansicht vertritt Ockenfels. Weiter fügt er hinzu: „Die Spieltheorie ist deswegen so stark, weil sie für jede Situation Hinweise gibt, wie sich der Mensch rational verhalten soll.“ Die Spieltheorie sei aber auch im Begriff, die Welt zu verändern, angefangen von dem Design moderner digitaler Märkte bis hin zum Sport. Der Wissenschaftler veranschaulicht dies am Beispiel eines Elfmeterschießens: Soll der Fußballer nach links oder rechts schießen? Wie sieht die optimale Strategie aus? Die Spieltheorie gibt hierzu einen klaren Ratschlag: Verhaltensmuster vermeiden. Die Daten bestätigen die Prognose eindrucksvoll.

Aber auch die Psychologie spielt eine Rolle. So stellt Ockenfels folgendes fest: „Allerdings beobachten wir in den Daten auch, dass, wenn der Fußballer in die Mitte schießt, es eine statistisch signifikant höhere Trefferwahrscheinlichkeit gibt, als wenn der Profi nach links oder rechts schießt. Das sollte bei rationalem Verhalten nicht auftreten.“ Somit sollten die Schützen ja eigentlich stets in die Mitte schießen, was sie aber nicht tun.

Ockenfels ist Ökonom und beschäftigt sich in erster Linie mit Sachverhalten in der Wirtschaft. Das Thema „Rationale Strategien und irrationales Verhalten“ veranschaulicht der Wissenschaftler auch exemplarisch an einer Versteigerung von Spektrum-Lizenzen der Bundesnetzagentur, die vor Jahren stattgefunden hat. Dabei zeigt er folgendes Szenario auf: Die beiden großen Bieter waren daran interessiert, die Lizenzen unter dem eigentlichen Marktpreis zu bekommen. Letztlich haben beide die Auktion ausgehebelt, indem sie die Auktionsregeln zu einer Verhandlung genutzt haben, und so den Markt untereinander aufgeteilt haben. „Das ist die einzig spieltheoretisch vernünftige Strategie. Nichts anderes sollte man erwarten, wenn man sich strategisch auskennt.“

Für den Steuerzahler sind die damit verbundenen geringen Erlöse nach Auffassung von Ockenfels unbefriedigend. Im neuen Forschungsgebiet Marktdesign sieht er die Lösung. „In diesem Forschungsgebiet der Wirtschaftswissenschaften haben wir Auktionen entwickelt, bei denen solche strategischen Dinge keine Rolle mehr spielen. Durch ein cleveres Design von Auktionsregeln können solche Strategien und Taktiken verhindert werden.

Wie Marktdesign funktioniert, illustriert Ockenfels anhand einer Versteigerung eines Gemäldes: Die Spieltheoretiker empfehlen, alle Gebote einzusammeln, dabei gewinnt das höchste Gebote. Allerdings bezahlt der Gewinner nicht sein Gebot, sondern den Preis in Höhe des zweithöchsten Gebotes. Dabei handelt es sich um das Modell der „Zweitpreisauktion“. Ihr Vorteil liegt darin: „Man sollte das Maximum bieten, was man bereit ist zu bezahlen – unabhängig, wie groß die eigene Risikoaversion ist und wie viele Bieter es gibt. „Das macht es strategisch einfach und die Auktion führt dazu, dass sie  ihre eigenen Informationen offenbaren“, sagt der Wissenschaftler. Die Zweitpreisauktion schafft also Anreize alles zu offenbaren. Das macht die Auktion so relevant und populär in einer Vielzahl moderner Anwendungen. So das Fazit von Ockenfels.

„Die Spieltheorie erlaubt uns, bessere Strategien zu entwickeln, um in verschiedensten Situationen richtig zu entscheiden und Märkte zu gestalten“, so Ockenfels weiter. Für Manager ist das zum Beispiel bei Übernahmekämpfen, Auktionen oder öffentlichen Ausschreibungen wichtig. Allerdings wird nach Ansicht von Ockenfels bei Auktionen zuweilen zu viel geboten: „In vielen Fällen gewinnt der, der die Kosten am meisten unterschätzt, was sich oft negativ auf die weitere Entwicklung des Unternehmens auswirkt.“ Doch was kann man dagegen tun? Auch hier lautet die Antwort von Ockenfels: Marktdesign. „Wer die Informationsflüsse gestalten kann, besitzt die Verantwortung für das Ergebnis der ökonomischen und sozialen Interaktion.“ Dies gelte sowohl für die Regulierung der Märkte als auch für das Design digitaler Märkte.

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Statement

Prof. Dr. Axel Ockenfels, Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Köln

„Die Spieltheorie erlaubt uns an der Schnittstelle von Computerwissenschaft und Verhaltenswissenschaft, bessere Strategien zu entwickeln, um in verschiedensten Situationen richtig zu entscheiden und um bessere Märkte zu gestalten. Für Manager ist das zum Beispiel bei Übernahmekämpfen, Auktionen oder öffentlichen Ausschreibungen wichtig. Hier gewinnt in vielen Fällen der, der die Kosten am meisten unterschätzt, was sich oft negativ auf die weitere Entwicklung des Unternehmens auswirkt.“