Trotz – oder gerade wegen – des verhaltenen Konsumklimas in Deutschland bleibt die Handelsgastronomie auf Wachstumskurs. Woran es noch hapert, sind Konzepte für die jungen Gäste. Aber auch dafür gibt es bereits vielversprechende Ansätze.
Im Jahr 2024 konnten die deutschen Händler ihren gastronomischen Umsatz durchschnittlich um 6,1 Prozent auf ein Rekordniveau von 12,41 Milliarden Euro steigern. Das ist das Ergebnis der aktuellen EHI-Befragung zur Gastronomie im Handel. Für das laufende Jahr erwarten die Händler ein weiteres Plus von 4,1 Prozent. Dies entspräche einem Bruttoumsatz von rund 12,92 Milliarden Euro. «Mit durchschnittlich mehr als acht Prozent ist die Gastronomie im LEH im vergangenen Jahr branchenübergreifend am stärksten gewachsen», so Olaf Hohmann, Leiter Forschungsbereich Handelsgastronomie beim EHI.
Snacks gewinnen an Bedeutung
Exakt 6,36 Euro ist der Durchschnittsbon je Besuch in der Handelsgastronomie. Die Top 10 der meistverkauften Speisen umfassen Klassiker wie etwa das belegte Brötchen, das Schnitzel und die Frikadelle. Der Anteil von Fleischgerichten liegt bei knapp 68 Prozent. Auch bei den Getränken bevorzugen die Gäste der Handelsgastronomie eher das Traditionelle. Kaffee, Softdrinks und Mineralwasser führen die Hitliste an. Die Auswahl signalisiert, dass es hier weniger um das Erlebnis, als um den schnellen Imbiss geht. Das bestätigt auch die durchschnittliche Verweildauer von 21 Minuten. Den grössten Umsatzanteil (45,5 %) erzielen die Händler mit dem Mittagstisch. Die Folgeplätze teilen sich fast gleichauf das Frühstück (21,1 %) und der Snack zwischendurch mit 21,4 Prozent. Im Vergleich zu den vorjährigen Umfragen zeigt sich, dass der Snack an Bedeutung gewonnen hat und nach Einschätzung der Befragten auch in Zukunft wichtiger wird.
Bis zu 82 Prozent günstiger
Fast die Hälfte (47,7 %) der befragten Handelsfachleute findet, dass konjunkturell schwierige Zeiten einen positiven Effekt auf die Handelsgastronomie haben. Ganz einfach deshalb, weil die Konsumenten auch beim Ausser-Haus-Verzehr auf den Preis achten. «Trading down», also der bewusste Wechsel hin zu preisgünstigeren Angeboten, spielt aktuell eine zentrale Rolle für das Wachstum. Die Studie ermittelt Preisunterschiede von bis zu 82 Prozent bei beliebten Hauptgerichten und Snacks im Vergleich zum übrigen Ausser-Haus-Markt. Das macht die Handelsgastronomie besonders wettbewerbsfähig. Gleichzeitig reagiert der Handel flexibel auf veränderte Verbraucherbedürfnisse: Preisbewusstsein, Bequemlichkeit und Qualitätsansprüche prägen das Konsumverhalten. Ausserdem überzeugt das Angebot zunehmend durch Qualität. «Mit frischen Zutaten und modernen Zubereitungskonzepten ist sie heute auf Augenhöhe mit klassischen Gastronomieformaten», bestätigt die Studie.
Die Älteren machen den Umsatz
Mehr als 60 Prozent der Gäste sind über 45 Jahre alt – und generieren fast zwei Drittel der Umsätze in der Handelsgastronomie. Dagegen steuern die Gäste unter 24 Jahren nur acht Prozent des Umsatzes bei. «Die Herausforderung besteht nun darin, die jungen Zielgruppen mit trendigen Produkten für die Handelsgastronomie zu begeistern», sagt Olaf Hohmann.
Die Mehrheit der Händler sieht dafür die Themen Nachhaltigkeit und Gesundheit als die wichtigsten Hebel. Konkret wird an vegetarischen und veganen Optionen, an regionalen und saisonalen Produktkonzepten gearbeitet. Technologische Innovationen am Point of Sale wie Bestellterminals und Gamification kommen ebenfalls verstärkt zum Einsatz, um das gastronomische Angebot für diese Zielgruppen attraktiver zu machen und sie langfristig zu binden.