Immer mehr wollen Bio

Montag, 01. August 2016
Foto: mauritius images

Bio-Markenprodukte dominieren die Regale. Doch unverkennbar ist, dass Bio-Eigenmarken auf dem Vormarsch sind – und damit lassen sich neue Käuferschichten erschließen.

Gemessen am Gesamtumsatz der schnelldrehenden Konsumgüter, liegt der Bio-Anteil im Lebensmittelhandel derzeit noch unter fünf Prozent Umsatzanteil. Doch setzt sich das dynamische Wachstum von Bio wie in den letzten Jahren fort, sind die Tage des Nischendaseins für diese Lebensmittel und Getränke gezählt. Im letzten Jahr wuchs der Absatz von Bio-Produkte im Lebensmittelhandel laut Nielsen so schnell wie nie zuvor. Zwar klafft zwischen dem Wunsch der Verbraucher nach gesunder Ernährung, Umweltschutz, Nachhaltigkeit oder Tierschutz und dem tatsächlichen Einkaufsverhalten auch eine Lücke. Unverkennbar ist jedoch, dass immer mehr Konsumenten im LEH und in Drogeriemärkten ihrem eigenen Umweltanspruch Taten folgen lassen.

Bio-Importanteil wächst

Parallel kommt es zu einer immer stärkeren Durchdringung der Sortimente mit Bio-Ware. Vor allem Babynahrung, Milchfrischprodukte und Trockenfertigprodukte zählen aktuell zu den starken Treibern. Getreide, Müsli, Nährmittel, Teigwaren und andere Segmente der Kategorie Trockenfertiggerichte sowie die weiße Linie können nach Angaben von Nielsen vor allem in Verbrauchermärkten und im Discount kräftig zulegen, Babynahrung in Drogeriemärkten. Die steigende Nachfrage nach Bio-Getreide hat laut AMI Agrarmarkt Informationsgesellschaft im letzten Jahr bereits die Importe von Bio-Getreide deutlich ansteigen lassen; auch bei tierischen Produkten sowie Obst und Gemüse wird vermehrt auf Importe zurückgegriffen, um die wachsende Nachfrage abdecken zu können.

Tegut und dm mit umfangreichem Bio-Sortiment

Für die MARKANT Mitglieder tegut und dm-drogerie markt hat die Bio-Vermarktung schon seit den 1980er Jahren Tradition. Mit über 3.000 Bio-Produkten im Sortiment und einem Umsatzanteil von rund 26 Prozent ist tegut Vollsortimenter und nimmt als klassischer Lebensmittelhändler zweifellos eine Führungsrolle auf diesem Gebiet ein. Das wachsende Interesse der Verbraucher an veganen und vegetarischen Produkten und ein entsprechender Sortimentsausbau führen dabei nach Beobachtung des Unternehmens gleichzeitig zu einer verstärkten Nachfrage nach Bio-Alternativen – Gesundheit und Nachhaltigkeit gibt es damit sozusagen im Doppelpack. Bei dm forciert man seit dem letzten Jahr den Ausbau der Bio- und Ernährungskompetenz mit der Einführung einer Bio-Eigenmarke und der Listung verschiedener Bio-Marken wie Veganz oder Davert.

Preisniveau sinkt

Der gesamte Lebensmittelhandel, einschließlich der großen Discounter, hat sein Bio-Engagement in den letzten Jahren erheblich verstärkt. Das Bio-Angebot im Regal zwischen Flensburg und Freiburg ist deutlich breiter geworden. Wenngleich dieses noch von Markenartikeln dominiert wird, so ist doch in vielen Warengruppen bereits eine deutliche Verlagerung hin zur Eigenmarke erkennbar. Bio-Handelsmarken werden mit ihren günstigeren Preisen immer mehr zur Alternative für Verbraucher, die sich die höherpreisigen Bio-Markenprodukte bislang nicht leisten konnten, und erschließen damit neue Käuferschichten für das Bio-Sortiment. „Zur Abgrenzung gegenüber unserem Wettbewerb forcieren wir in allen Bereichen erfolgreich unsere Eigenmarke BioGreno“, heißt es etwa bei famila in Kiel. Mit über 2.000 Artikeln sieht sich das MARKANT Mitglied bereits gut aufgestellt und kann mit dem Mix aus Bio-Marken und Bio-Eigenmarke nach eigenen Angaben sehr rasch auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren.

News

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Die deutschen Verbraucher geben weiterhin viel Geld für ihre Schönheits- und Haushaltspflege aus.

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In Brasilien, dem weltweit grössten Produzenten von Orangensaft (80 % Marktanteil), zeichnet sich ein Rückgang der Orangenernte für die Saison 2024/2025 um 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ab.

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Um ihr E-Auto an einem der bundesweit über 300 Märkte mit Ladesäulen zum besten Tarif aufzuladen, können Kunden künftig auch die «Kaufland Card» nutzen.

Info

  • Der Supermarkt ist mit einem Anteil von 86 % die wichtigste Einkaufsstätte von Bio-Lebensmitteln.
  • Eier werden zu 84 % in Bioqualität gekauft.
  • Für 62 % der Verbraucher ist der hohe Preis der Hauptgrund für den Verzicht auf Bioprodukte.
  • 61 % beträgt der Bioanteil bei Schokolade mit Fairtrade-Siegel.

Auch bei der Körperpflege setzen die Verbraucher zunehmend auf Natur:

  • Die Umsätze kletterten hier im letzten Jahr auf 920 Mio. Euro.
  • Bereits ein Drittel der Verbraucher verwendet Naturkosmetik.
  • Knapp 18 Prozent der Käuferhaushalte kaufen Naturkosmetik.

Quelle Statista

 

Statements

Eloy Gut, Geschäftsleitungsmitglied Einkauf, bei Tegut
"Im Bereich Veggie und Vegan verzeichnen wir eine verstärkte Nachfrage nach Bio-Alternativen: Die Kunden fragen vegane Lebensmittel in allen Bereichen nach, denn diese Lebens- und Ernährungseinstellung macht nicht vor bestimmten Sortimenten halt. Besonders beliebt sind vegane Produkte, welche auch die Bio-Kriterien erfüllen. In den ersten Jahren ging es darum, überhaupt ein bestimmtes Produkt in Vegan zu erhalten, aber auch hier ist das Interesse entlang der Wertschöpfungskette groß und Bio-Alternativen sind gefragt."

Simon Parbs, Einkauf/Entwicklung Qualitätsmarken bei famila, Kiel
"Wir sehen sowohl bei Vegetarisch und Vegan wie auch bei Bio eine langfristige Bewegung, keinen kurzlebigen Trend. Zumindest zum Teil werden die Produkte auch von verschiedenen Kundenschichten nachgefragt. Daher haben wir zu Beginn dieses Jahres eine eigene vegane Marke mit dem Namen „vegan leben“ in den Verkauf gebracht – ein veganes Grundsortiment mit rund 150 Artikeln aus allen Warenbereichen. Trotz der hauptsächlichen Fokussierung der Marke auf das Thema vegan haben wir mit etwa 80 Prozent einen hohen Bio-Anteil in diesem Sortiment. Beide Ausrichtungen können sich sehr gut ergänzen."