Die Flexitarier kommen

Dienstag, 30. September 2025
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Auf den ersten Blick paradox: In der Schweiz verzichten immer mehr Haushalte ganz bewusst auf Fleisch. Gleichwohl zeigen vegane oder vegetarische Ernährungsweisen kein Wachstum. Eine Erklärung dazu liefert eine Studie der Uni St. Gallen.

Die Schweizer stellen ihren Speiseplan zunehmend flexibel zusammen. Sie verzehren zwar weniger Fleisch und Fisch, wollen aber nicht vollständig darauf verzichten. Der Anteil der sogenannten «Flexitarier» ist in der Schweiz zwischen 2022 und 2024 von 18,3 auf 26,6 Prozent gestiegen. Diese besonders ausgeprägte Entwicklung und einige weitere Trends im Ernährungsverhalten hat das Institut für Handelsmanagement (IRM-HSG) an der Universität St. Gallen in der Studie «Planetary Health Diet in der Schweiz» zusammengetragen. Die Grundlage der Studie bildet der «Schweizer Ernährungsatlas» – eine Datenbank, die das Ernährungsverhalten repräsentativer Haushalte in der Schweiz anhand von Einkaufsdaten analysiert.
 
Veganer auf dem Rückzug
Es gibt neben den Flexitariern nur einen weiteren Ernährungstyp in der Schweiz, der seit 2022 neue Anhänger gewonnen hat, nämlich die Ovo-Lacto-Vegetarier. Deren Anteil stieg von 7,8 auf 8,1 Prozent der Konsumenten an. Ovo-Lacto-Vegetarier verzichten auf Fleisch, Geflügel und Fisch, verzehren aber weiterhin Eier (Ovo) und Milchprodukte (Lacto). Der Anteil der Veganer, die alle tierischen Produkte einschliesslich Milch, Eier und Honig meiden, ging von 0,5 auf 0,3 Prozent zurück. Am stärksten rückläufig ist die Gruppe derjenigen, die sich als Omnivoren, also als Allesesser bezeichnen. Ihr Anteil ging von 70,6 auf 63,6 Prozent zurück, was auch den starken Zulauf zum «bewussteren» flexitarischen Ernährungsverhalten erklärt.
 
Behutsame Änderungen
«Flexitarier setzen auf eine ausgewogene Mischung aus pflanzlichen und tierischen Lebensmitteln, wobei der Konsum von 300 Gramm Fleisch und 200 Gramm Fisch und Meeresfrüchte pro Woche nicht überschritten werden darf», konkretisiert Dr. Matthias Eggenschwiler, Mitautor der Studie, dieses Ernährungsprofil. Anhand der Daten führt er die Entwicklung auf eine zunehmende Sensibilität für nachhaltige Ernährung und bewussten Konsum zurück. Aber: Die Mehrheit der Schweizer Konsumenten geht dabei behutsam vor. Fleisch, Fisch und andere traditionelle Nahrungsmittel bleiben gefragt. Besonders ausgeprägt zeigt sich das beim Milchkonsum: Die Schweizer halten an Kuhmilch fest. Obwohl pflanzliche Milch- und Joghurtproduktalternativen zunehmend verfügbar sind, bleibt ihr Konsum gering. Der Marktanteil pflanzlicher Milchproduktalternativen stieg in den letzten zwei Jahren lediglich von 10,2 auf 11,5 Prozent. Ein Grund dafür sind aus Sicht der Studienautoren die tief verankerten traditionellen Konsumgewohnheiten.
 
Wandel zur Nachhaltigkeit
13 Prozent der Schweizer Haushalte erfüllen die Vorgaben der «Planetary Health Diet» (s. Info) in Bezug auf den Konsum von Produkten tierischen Ursprungs – ein Anstieg um zwei Prozentpunkte seit 2022. Auch dies verdeutlicht, dass der Wandel hin zu einer nachhaltigeren Ernährung zwar eingeleitet ist, jedoch nur langsam voranschreitet. «Der reduzierte Fleischkonsum zeigt zwar ein wachsendes Bewusstsein für nachhaltige Ernährung. Der vollständige Übergang zu einer Planetary Health Diet aber bleibt für die Mehrheit der Bevölkerung eine Herausforderung», sagt Eggenschwiler.

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Info

Im September 2024 wurde die Schweizer Lebensmittelpyramide, ein wichtiger Teil der Ernährungsstrategie des Bundes, aktualisiert. Sie rückt jetzt die Nachhaltigkeit der Ernährung auf die gleiche Ebene wie die Gesundheitsförderung. Damit weist sie starke Parallelen zur «Planetary Health Diet» auf. Dies ist ein von der EAT-Lancet-Kommission entwickelter Speiseplan, der die Gesundheit des Menschen und des Planeten gleichermassen schützen könnte. Danach müsste der Konsum von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen ungefähr verdoppelt werden, der Verzehr von Fleisch und Zucker dagegen halbiert.