Hülsenfrüchte gelten als natürliche Proteinquelle, ballast- und nährstoffreich, sättigend und kalorienarm sowie ressourcenschonend. Ihre Einsatzmöglichkeiten sind dabei äusserst vielfältig.
Hülsenfrüchte wie Linsen, Erbsen, Bohnen oder Kichererbsen gehören zu den ältesten angebauten Pflanzenarten der Welt und waren aufgrund ihrer ernährungsphysiologischen Eigenschaften für viele frühe Kulturen unverzichtbar. «In der jüngeren Geschichte haben Hülsenfrüchte einen beeindruckenden Imagewandel durchlaufen – vom Grundnahrungsmittel in Krisenzeiten und armen Regionen und dem klassischen «Arme-Leute-Essen» hin zu Spezialitäten regionaler Küchen und dem «Superfood» in unserer heutigen Gesellschaft», berichtet dazu Kerstin Buchholz, Marketing-Director bei Müller’s Mühle.
Voller Nährstoffe
Superfood bedeutet, dass Hülsenfrüchte als besonders förderlich für Gesundheit und Wohlbefinden gelten. Ihnen wird etwa zugeschrieben, den Cholesterinspiegel senken zu können, die Darmgesundheit zu fördern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Gleichzeitig sind sie glutenfrei, vegan und mittlerweile ein zentraler Baustein der pflanzenbasierten Ernährung, die für die Konsumenten immer bedeutsamer wird. Das gilt auch für Nachhaltigkeitsaspekte: «Hülsenfrüchte binden Stickstoff im Boden und sind im Anbau vergleichsweise ressourcenschonend», sagt Viola Bunkowski, Marketing Director DACH bei Allos Hof-Manufaktur. Sie betont, dass Hülsenfrüchte äusserst vielseitig sind, sei es in Pastavarianten, Snacks, Fertiggerichten oder Brotaufstrichen. «Dank ihrer Textur, Nährwerte und ihren Sättigungseigenschaften lassen sie sich hervorragend als Fleischersatz oder als funktionale Zutat einsetzen. Sie bringen zudem eine bodenständige Komponente in moderne Convenience-Produkte.» So nutzt Tartex Hülsenfrüchte gezielt für neue pflanzliche Bio-Brotaufstriche, wie etwa bei der Produkt-Range «Linsen Liebe».
Kreative Kombinationen
Die Trends hin zu vegetarischer und veganer Ernährung, zur Levante-Küche, die vielen durch den israelisch-britischen Szenekoch Yotam Ottolenghi ein Begriff ist und häufig auf Hülsenfrüchte setzt, sowie zu Convenience hat Müller’s Mühle in der «Express Reis Range» zur «Bowl Mix» inspiriert: Dabei handelt es sich um eine Komposition aus Hülsenfrüchten und Getreide, die sich leicht in der Mikrowelle zubereiten und um frische Zutaten bereichern lässt.
Bei Bonduelle zahlt man ebenfalls darauf ein, dass Hülsenfrüchte ein enormes Potenzial für innovative und unkomplizierte Konzepte bieten. «Mit unserer neuen World Kitchen- Range zeigen wir beispielsweise, wie spannend Linsen, Kichererbsen und Kidneybohnen in beliebten internationalen Rezepturen sein können, etwa in Chili sin Carne oder Linsen Curry», sagt Gerald Gehrke, Geschäftsführer DACH Bonduelle Europe Long Life (BELL). Die Fertigprodukte sind in drei Minuten verzehrfertig. Auch bei den «Lunch Bowl»-Produkten werden Hülsenfrüchte unter anderem mit Gemüse, Getreiden und Kräutern kombiniert.
Breites Interesse
Gehrke beobachtet, dass die Käufergruppen für Hülsenfrüchte heute vielfältiger denn je sind. «Auch Familien und preissensible Verbraucher setzen auf Hülsenfrüchte, da sie für Abwechslung in der Küche sorgen, sättigend sind und sich einfach zubereiten lassen. Nicht zuletzt profitieren Konsumenten mit Lebensmittelunverträglichkeiten. Denn viele Hülsenfrüchte sind von Natur aus glutenfrei und gut verträglich – das ist vein echter Vorteil für alle, die auf bestimmte Inhaltsstoffe verzichten müssen.» Das war mit ein Grund dafür, warum Jörg Brautschek, Gründer und Geschäftsführer von Just Taste, seine Gemüsenudel-Range auf den Markt gebracht hat, die rund 80 Prozent weniger Kohlenhydrate enthält als handelsübliche Weizengriess-Pasta. Sie umfasst auch eiweissreiche Pasta-Sorten aus Hülsenfrüchten: darunter «Azuki Soja Spaghetti», «Mungo Edamame Fettuccine» oder «Black Bean Spaghetti».
Viele Warengruppen
Nicht zu vergessen ist, dass sich Hülsenfrüchte nicht nur als Basis für vegane und vegetarische Fleischalternativen eignen, sondern zudem für pflanzliche Drinks und proteinreiche Snacks, wie Thomas Künzel, Leitung Category Management/Leitung Disposition, CM Trocken & Getränke, Dennree, verdeutlicht. «Auch fermentierte Produkte wie Tempeh gewinnen in unseren Denns BioMärkten an Bedeutung.»
Und wird diese Entwicklung wohl anhalten? «Entsprechend den aktuellen Trends ist auf der Konsumebene davon auszugehen, dass sich die Nachfrage bei der veganen Ernährung, Clean Eating und Regionalität mittelfristig fortschreibt. Auch der Wunsch nach fleischfreien Alternativen treibt den Markt», sagt Ralph-Michael Richter, Geschäftsführer Wurzener Nahrungsmittel. Er nimmt ebenso eine zunehmende Produktdifferenzierung wahr, die auf die Erweiterung der angebotenen Hülsenfruchtarten, etwa Sojabohnen, und Hülsenfruchtsorten, zum Beispiel rote Linsen, zurückzuführen ist und von neuen Verarbeitungsmöglichkeiten geprägt wird. Nicht von ungefähr kündigt Richter an, neben dem traditionsreichen Unternehmens-Sortiment an getrockneten Hülsenfrüchten zukünftig auch Neuheiten aus verschieden verarbeiteten Leguminosen anzubieten.