Tabakmarkt: Stabile Nachfrage

Dienstag, 14. Januar 2020
Foto: F1online (Marie-Reine MATTERA Onoky)

Der Markt der Tabakwaren ist im Umbruch, zeigt sich aber insgesamt robust. Nach jahrelangen Absatzverlusten drehte zuletzt sogar die Zigarette ins Plus.

Quer durch die Tabak-Sortimente forcieren die Hersteller mit neuen­ Impulsen die Nachfrage – und betreten auch Neuland, etwa mit Limited­ Editions oder nur regional verfügbaren Marken. So berichtet Heintz van ­Landewyck, dass die regionale Marke Ducal in ihrer Kernregion zwischen Koblenz, Trier und Saarbrücken «ein spannendes Comeback erlebt». Nicht nur am POS des Handels ist sie dort beständig aktiv, sondern auch auf regionalen Grossveranstaltungen, wo sie unter dem Label «Heimatgenuss» auftritt.

Seit 1991 ist in Deutschland die Menge der versteuerten Zigaretten von 146,5 Milliarden Stück um fast die Hälfte auf 74,6 Milliarden Stück im Jahr 2019 zurückgegangen, wie die Zahlenreihen von Destatis zeigen. Im Zuge diverser Preiserhöhungen sind die Raucher auf preiswerte Alternativen zur Fabrikzigarette umgestiegen und haben den übrigen Tabakwaren seit 1991 einen Aufschwung beschert. Der Absatz von Zigarren und Zigarillos hat sich fast verdoppelt, er stieg von 1,4 Milliarden um 94,7 Prozent auf 2,6 Milliarden Stück. Die Menge des versteuerten Feinschnitts nahm um 57 Prozent auf 23 813 Tonnen zu. Der Absatz von Pfeifentabak, hierzu zählen auch Wasserpfeifentabak und Produkte für elektrische Tabakerhitzer, stieg um mehr als das Dreifache auf ­
4150 Tonnen im Jahr 2019.

Nach Kräften gefördert wurde und wird diese Entwicklung von Handel und Herstellern, die den Rauchern immer neue Produkte zur Verfügung stellen. Mit Erfolg: 2019 gingen laut Destatis Tabakwaren im Wert von insgesamt 27,4 Milliarden Euro über die Ladentheken – rund 1,1 Milliarden Euro,  und damit vier Prozent mehr als 2018. Sogar der Zigarettenabsatz zeigte wieder ein kleines Plus von 0,3 Prozent. Besonders stark legte wieder der Pfeifentabak zu, um 24,5 Prozent im Volumen. Dagegen verloren Zigarren und Zigarillos um 12,1 Prozent an Menge, und auch Feinschnitt ging um zwei Prozent zurück.

Langfristig stellt sich die Branche gleichwohl auf Veränderungen ein – und positioniert sich entsprechend. Dazu gehört das Angebot von rauchfreien Alternativen zu herkömmlichen Tabakprodukten. Nachdem die grossen Anbieter BAT, JTI, Philip Morris und Reemtsma seit einigen Jahren auch E-Zigaretten anbieten, spielt hier jetzt auch Arnold André mit und übernimmt zum 1. April den Deutschland-Vertrieb der Marken von Swedish Match. Swedish Match ist einer der weltweit grössten Hersteller von Smokefree-Produkten mit den Marken Thunder, Göteborg und General sowie Nikotin Pouches der Marke ZYN.

Im Dezember 2019 hat sich die Bundesregierung darauf verständigt, das Bewerben von Tabakwaren weiter einzudämmen. Wann und wie, das wird derzeit noch diskutiert. Zuletzt war im Jahr 2007 die Tabakwerbung in Printmedien sowie im Internet verboten worden. Die Regierungskoalition plant aktuell unter anderem ein Verbot von Tabakwerbung auf Plakatwänden und an Haltestellen. Für den Handel dürfte sich das – wie schon bei den zahlreichen Restriktionen in der Vergangenheit – kurzfristig kaum auf die Nachfrage auswirken.

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Info

Der Tabakmarkt in Österreich
In Österreich ist der Handel mit Tabakwaren nach § 40 TabMG 1996 den rund 7000 Trafikanten und verbundenen Verkaufsstellen vorbehalten. Verkaufsstellen mit Gastronomielizenz (dazu gehören auch Tankstellen) sind berechtigt, Tabakerzeugnisse, die sie in einer Tabaktrafik zu den Kleinverkaufspreisen eingekauft haben, innerhalb ihrer Betriebsräume zu verkaufen. Erlaubt sind dafür auch Automaten. Der Jahresumsatz mit Tabakwaren beläuft sich laut Statista auf etwa zweieinhalb Milliarden Euro, ist aber seit Jahren rückläufig.

Der Tabakmarkte in der Schweiz
In der Schweiz betrug der Umsatz mit Tabakwaren 2019 rund 606 Mio. Euro, so die Zahlen von Statista. Auf Zigaretten entfallen 381 Mio. Euro, es folgen Tabak (114 Mio. Euro), Zigarren (100 Mio. Euro) und E-Zigaretten (11 Mio. Euro). Laut Statista-Prognose wird im Jahr 2023 ein Marktvolumen von 626 Mio. Euro erreicht; dies entspricht einem jährlichen Wachstum von 0,7 %. Zigaretten werden rückläufig sein, die übrigen Segmente aber zulegen.