Die deutsche Bio-Branche meldet erneut Rekordumsatz. Dabei überschreitet allerdings die Nachfrage längst das Inlandsangebot. Doch wer sind die Käufer von Bio? Ein Blick auf Shopper und die Kaufmotive, auf Absatzkanäle – und die Trends im Markt.
Es wird knapp in Deutschland: Bei den gängigsten Feldgemüsearten kommen die Erzeuger nicht nach, rund 40 Prozent der Bio-Möhren wurden im Jahr 2024 importiert. Bei Milch, Joghurt und Butter steigen die Importe (2022: 22 %, 2024: 24 %), ein Drittel des Bio-Schweinefleischs stammte 2024 aus Nachbarländern; im Jahr 2025 kamen weitere Lieferländer hinzu. Als «vertane Chance» bezeichnet Tina Andres, Vorstandsvorsitzende des Bio-Verbands BÖLW, die Situation. Deutliche Signale aus der Politik seien nun gefragt. Rund zwölf Prozent der Argrarflächen waren im Jahr 2025 Bio-Flächen. Bis zum Jahr 2030 soll der Anteil der ökologisch bewirtschafteten Fläche auf 30 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche gesteigert werden, so das Ziel der Bio-Strategie der deutschen Bundesregierung. Der wachsende Zuspruch laut Branchenreport 2026 des BÖLW zum Auftakt der Biofach Mitte Februar: Die deutsche Bio-Lebensmittelbranche verzeichnet in 2025 mit einem Umsatz von 18,23 Milliarden Euro erneut ein Rekordjahr. Damit wuchs der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 6,7 Prozent.
Best performance in der Drogerie
Das Umsatzplus basiert wie in 2024 auf einem Absatzplus. Die Verbraucherpreise blieben für das Trockensortiment stabil; die Preise für frische Bio-Waren stiegen um zwei Prozent. Im LEH legte das Bio-Segment mit 8,7 Prozent Plus (12,8 Mrd. Euro) zu und erreicht 70 Prozent Anteil am Bio-Markt. In den Vollsortimentern wuchs der Bio-Umsatz 2025 um 8,6 Prozent, stärker als in den Discountern (+ 6,7 %). Bei den Discountern macht sich im Trockensortiment die Konkurrenz durch Drogeriemärkte bemerkbar: Hier performte Bio bereits das dritte Jahr in Folge mit einem Plus von 14,4 Prozent am erfolgreichsten und erreichte einen Marktanteil von elf Prozent am gesamten Bio-Markt.
Zielgruppen für Bio
«Jung liebt Bio» titelt der Bio-Verband das Ergebnis: Rund 90 Prozent der GenZ kaufen Bio. Ins Detail geht eine YouGov Analyse, die vier Käufergruppen beschreibt: Das «Postmaterielle Milieu» erzielt die höchsten Bio-Umsätze und Bio-Absätze. Bio ist hier Ausdruck von Haltung, von werte- und sinnbasierten Motiven. Für «Performer» spielen Bio-Marken eine wichtige Rolle. Ihre Kaufmotivation ist stärker leistungs- und statusorientiert. Für das «Expeditive Milieu» sind unter anderem Innovationsgrad und Storytelling entscheidend, während das «Traditionelle Milieu» Bio preisbewusst einkauft. Das Fazit von Petra Süptitz zu den Käufergruppen, Director Insights & Future Growth bei YouGov: «Erfolgreich sind diejenigen Anbieter, die diese Unterschiede verstehen und Sortiment, Preisgestaltung und Kommunikation konsequent darauf ausrichten.»
Trends aus der Bio-Branche
Fakt ist: Die Bio-Branche wird bunter – in der Produktgestaltung ebenso wie im Markenauftritt, inklusive ausdrucksstarker Verpackungen. Farben, so eine Prognose der Biofach-Trendscouts, spielen eine immer grössere Rolle und sprechen ein breiteres, designaffines Publikum an. Ausserdem: Gesundheit zum Trinken liegt im Trend: Ob Shots oder vollwertige Mahlzeiten – die Produkte punkten mit gezielter Wirkung dank Inhaltsstoffen wie Vitaminen, Probiotika oder Mineralstoffen. Auch das Thema Darmgesundheit gewinnt an Bedeutung. Produkte wie Porridges, Snacks und Aufstriche werden gezielt mit Probiotika und Ballaststoffen angereichert, um ein ausgewogenes Mikrobiom zu unterstützen. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Clean-Label-Rezepturen – mit Bio-Zutaten und möglichst wenigen, leicht verständlichen Bestandteilen.