Das Interesse der Verbraucher an pflanzlichen Fertigmahlzeiten ist gross. Die Hersteller reagieren darauf mit einer breiten Vielfalt, um den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht zu werden. Dem Handel bietet Plant-based-Convenience attraktive Chancen, da die Kategorie aktuelle Ernährungstrends kombiniert und aufgreift.
Schnell zubereitete Mahlzeiten, gleichzeitig aber keine Kompromisse bei persönlichen Ernährungsvorlieben oder Ansprüchen an Gesundheit oder Nachhaltigkeit eingehen zu müssen – so wünschen sich viele Verbraucher ihre tägliche Ernährung. Laut BMEL-Ernährungsreport 2024 soll sich für 56 Prozent der Konsumenten Essen einfach und schnell zubereiten lassen. Für 91 Prozent ist es wichtig, dass das, was sie verzehren, auch gesund ist. Immer mehr Verbraucher setzen die Priorität dabei auf pflanzliche Lebensmittel. Das zeigt sich mitunter auch an dem hohen Anteil derer, die öfters Alternativen zu tierischen Produkten kaufen. Dieser liegt laut BMEL bei 39 Prozent. Vor allem die Jüngeren greifen hier häufig zu. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen verzehren 18 Prozent der Befragten diese Produkte täglich. Warum sich die Kategorie grosser Nachfrage erfreut, liegt wohl auch darin begründet, dass sie aktuelle Top-Ernährungstrends miteinander kombiniert und aufgreift.
Planetary Health Lifestyle
«Einer der Top-Ernährungstrends ist der Planetary-Health-Lifestyle, eine pflanzenbetonte und flexitarische Ernährung, die gut für die Gesundheit und den Planeten ist», berichtet Markus Mischko, Geschäftsführer Sales bei Iglo Deutschland. «Die sogenannten pflanzenbasierten ‹Fleischalternativen› haben über den Vegan-Hype den Konsumenten den Einstieg in eine vermehrt pflanzliche Ernährung erleichtert. Inzwischen fragen die Konsumenten weniger (Fleisch-) Ersatz nach, sondern suchen vielmehr nach Angeboten auf Gemüsebasis, die eine Chance haben, sich einen Stammplatz auf dem Speiseplan zu erobern.» Iglo setzt daher auf attraktive Angebote, die rein pflanzlicher Natur sind, also ohne Verarbeitungsschritte wie beispielsweise die Extraktion von Proteinen. «Neue, spannende rein pflanzliche Convenience-Produkte stehen noch am Anfang, verzeichnen jedoch bereits ein starkes Wachstum», so Markus Mischko. Es bedürfe jedoch eines qualitativ hochwertigen Angebots, da die Käufergruppen hinsichtlich des Geschmacks, der Rezepturen und der Vielfalt des Angebots sehr anspruchsvoll seien. Gleichzeitig sind sie nach Beobachtung von Iglo aber auch bereit, für den Mehrwert der Convenience einen höheren Preis zu bezahlen.
Fleischersatzprodukte
Eine der treibenden Subkategorien im Bereich des sogenannten Fleischersatzes, so berichtet Anja Grunefeld, Head of Europe bei Livekindly, seien nach wie vor panierte Produkte, denn sie liessen sich einfach zubereiten und schlössen bei einer Bandbreite an, welche die Menschen von anderen Produkten kennen würden. Grundsätzlich funktioniere alles, was im Bereich Convenience und Gastronomie gut läuft, auch im plant-based Bereich, wie beispielsweise pulled oder smashed Burger.
Als grösste Entwicklung sehe man bei Livekindly, dass die asiatische Küche weiter zu uns herüberschwappe. Das Unternehmen antworte darauf mit den Produktneuheiten «Like Saté» und «Like Thai Chicken».
Begehrte Alternative
«Im Bereich Convenience ist nicht nur schnell wichtig, sondern schnell und gut», sagt auch Claudia Hauschild, Leiterin Unternehmenskommunikation und Nachhaltigkeitsmanagement bei Rügenwalder Mühle. «Das gilt vor allem für Menschen, die sich vegan ernähren oder auf dem Weg dahin sind. Sie wissen sehr gut, wie sich bestimmte Produkte miteinander kombinieren lassen und welche Nährwerte sie haben. Und trotzdem möchten auch sie beim Kochen Zeit sparen.» Grosses Potenzial, das der Handel noch besser ausschöpfen könne, sehe man auch bei Spontankäufern pflanzlicher Snackingprodukte. Gerade bei den Jüngeren sowie der Generation Z seien die Grenzen zwischen Snack und Mahlzeit fliessend. «Entsprechend passende und leicht zugängliche Produkte sind sehr wichtig für sie.» Insbesondere von der jüngeren Generation würden auch gerne Bagels und Sandwiches gekauft. Da plant-based immer selbstverständlicher werde, seien Produkte von Rügenwalder daher häufig auch in Bäckereien zu finden. Aktuell gehe Rügenwalder mit den beiden Aufschnittprodukten «Veganer Schinken Spicker Mortadella» und «Vegane Mühlen Salami» auch in den Bereich Foodservice, wie Hauschild berichtet.
Breite Zielgruppe
Es sind vor allem die Jüngeren, die bei Plant-based zugreifen, und ganz klar, es sind nicht nur Vegetarier und Veganer. Die grösste Käufergruppe bilden die Flexitarier. 41 Prozent der Deutschen ernähren sich inzwischen flexitarisch, das heisst, sie essen nur gelegentlich Fleisch oder reduzieren ihren Fleischkonsum aus Gründen wie Gesundheit, Tierwohl, Nachhaltigkeit oder auch Geschmack. «Diese Gruppe setzt sich aktiv mit diesen Themen auseinander, ist sehr aufgeschlossen und bringt die entsprechende Kaufmotivation mit», berichtet Anja Grunefeld. In 2024 richtete der Hersteller seine Marke LikeMeat neu aus und benannte sie um in «Like». So präsentieren sich die «Like ProteinBites», die seit Anfang 2025 auf dem Markt sind, auch nicht mehr als Fleisch-Ersatzprodukte, sondern bieten sich als eigenständige High-Protein-Komponente für warme Mahlzeiten an. Den High-Protein-Trend sehe man bei Livekindly als den Zukunftstrend für die Kategorie der warm zuzubereitenden, pflanzenbasierten Produkte als Proteinlieferanten. Wichtig dabei sei, dass diese Produkte nicht bei den Fleischersatzprodukten, sondern im Verbund mit anderen High-Protein-Produkten sonderplatziert werden und damit auch sortimentsmässig aus dem Kontext der Fleischersatzprodukte herausgeholt werden. Diese Wahrnehmung helfe neuen, interessierten Shoppern.
Eigenständige Range
Den Trend pflanzliche Alternativprodukte aus der Wahrnehmung als Fleischersatz herauszuheben und sie als eigenständige und gleichwertige Produkte zu etablieren, verfolgt auch Hersteller Planted. «Wir haben uns noch nie einfach als Anbieter von Fleischersatz gesehen, sondern haben von Anfang an ein klar definiertes Ziel: besser zu sein als tierisches Fleisch – in Geschmack, Nachhaltigkeit, Gesundheit und Preis», erklärt Wolfgang Steuer, Country Manager bei Planted Deutschland. Nur durch echte Innovation könne die Kategorie pflanzlicher Proteine weiterentwickelt und auch Fleischesser überzeugt werden, so Wolfgang Steuer. «Dank unserer fortschrittlichen Extrusions- und Fermentationstechnologie können wir eine besonders faserige, saftige Textur schaffen, die tierischem Fleisch verblüffend ähnlich ist. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist unser ‹planted.steak›, das mit seiner einzigartigen Textur und seinem authentischen Geschmack neue Massstäbe setzt und die Grenzen zwischen pflanzlicher und konventioneller Kulinarik weiter auflöst.» Für viele Plant-based-Convenience-Konsumenten sind zudem cleane Zutatenlisten und Transparenz wichtig. Besonders interessant für Veganer und gesundheitsbewusste Konsumenten: «Unsere Produkte enthalten ein vollständiges Aminosäurenprofil», so Wolfgang Steuer, «durch die Kombination von Erbsen-, Sonnenblumen- und Sojaprotein bieten wir eine optimale Proteinqualität, die sowohl ernährungsphysiologisch wertvoll als auch sättigend ist».
Ready to eat
Pflanzliche Proteine von Planted sind auch in verschiedenen Good Bank Bowls des Herstellers Grün Deli VF zu finden. Good Bank wurde 2017 als erstes Vertical-Farm-to-Table-Restaurant der Welt in Berlin gegründet und bietet mit seiner Ready-2-Eat-Marke im LEH frische Bowls und Snacks, die vielfältige Aromen aus internationalen Küchen vereinen, von koreanisch bis mediterran. «Unser Konzept vereint restaurantnahe Qualität, natürliche Zutaten und moderne Produktionstechnologien. Durch Vertical Farming produzieren wir einige unserer aromatischen Zutaten für Dressingsund Toppings selbst – pestizidfrei, ressourcenschonend und unabhängig von saisonalen Schwankungen», so Ema Šimurda, CEO bei Grün Deli VF. «Unsere Bowls stehen für echten Geschmack und nährstoffreiche Zutaten – ideal für bewusste Konsumenten, die sich schnell, aber kompromisslos gut ernähren wollen.» Dabei steige die Nachfrage nach vielseitigen Proteinquellen stetig. Good Bank verwendet neben dem Pflanzenfleisch von Planted natürliche Zutaten wie Kichererbsen, Quinoa und Erbsenprotein sowie etablierte Optionen wie Tofu. Mit seinen Produkten spreche der Hersteller vor allem urbane, berufstätige und gesundheitsbewusste Konsumenten an, dabei seien die Gerichte für viele eine echte Alternative zum Restaurantbesuch. Allgemein sei die Kategorie Plant-based-Convenience mit einem jährlich zweistelligen Wachstum ein echter Gewinn für den Lebensmitteleinzelhandel.