Die ISM 2026 ist ein absolutes Muss für alle, die die neuesten Trends der Süsswaren- und Snackbranche hautnah erleben möchten. Mit einem breiten internationalen Ausstelleraufgebot und neuen Länderpavillons zeigt die Messe die globale Vielfalt der Branche auf einen Blick.
Der Markt für Süsswaren und Salzige Snacks wächst weiter. Im Jahr 2025 betrug der Umsatz in Deutschland laut Statista 23,69 Milliarden Euro. Laut Prognose der Marktforschungsexperten soll im Jahr 2030 ein Marktvolumen von 28,20 Milliarden Euro erreicht werden, was einem jährlichen Umsatzwachstum von 3,95 Prozent entspricht (CAGR 2025-2030). Gleichzeitig findet jedoch auch eine starke Differenzierung statt. «Konsumenten legen zunehmend Wert auf Qualität, besondere Geschmackserlebnisse und praktische Convenience. Besonders gefragt sind portionierte Snacks für unterwegs, Premium-Produkte sowie Naschereien, die einen echten Mehrwert bieten», berichtet Sabine Schommer, Director ISM.
Kauffaktor Erlebnis
Doch einfach nur Süsswaren zu produzieren, reiche längst nicht mehr aus. Entscheidend sei heute, Erlebnis, Geschmack und Nutzen miteinander zu verbinden. Dies bestätigen auch Zahlen von Innova Market Insights. So suchen 43 Prozent der Verbraucher gezielt nach «crazy creations», die das ultimative indulgente Erlebnis bieten. Gleichzeitig zeigen Daten, dass der Absatz von Snacks mit Protein- oder Ballaststoffangaben seit 2020 um elf Prozent zugenommen hat. «Genuss und Gesundheit gehen also klar Hand in Hand», resümiert Sabine Schommer.
Ein zentraler Trend bleibe jedoch die Premiumisierung. Shopper schätzen laut der ISM-Directorin Produkte, die mit hochwertigen Zutaten, besonderen Geschmacksprofilen oder auffälligen Texturen überzeugen – von handverlesenen Kakaosorten bis hin zu innovativen Geschmackskombinationen.
Nachhaltigkeit spiele ebenfalls weiterhin eine zentrale Rolle. Fair gehandelte Rohstoffe, umweltfreundliche Verpackungen und Clean-Label-Produkte seien für viele Käufer entscheidende Argumente. Laut Innova Market Insights ist der Marktanteil von Produkten mit natürlichen Inhaltsstoffen oder pflanzenbasierten Snacks in den letzten fünf Jahren um zehn Prozent gestiegen. Diese Beobachtung macht auch Manner. «Der Trend zu bewusstem Genuss setzt sich fort: Immer mehr Verbraucher gönnen sich süsse Momente, achten dabei aber auf Nachhaltigkeit und vegane Rezepturen», sagt Josef Stollenwerk, Vertriebsleiter Deutschland bei Manner.
Trend Snacking
Zudem treiben neue Snackformate, kleinere Portionsgrössen und für unterwegs optimierte Produkte das Segment weiter voran. Das bestätigt auch Lambertz. «Zu den Trends im Bereich der Jahresgebäcke gehören weiterhin Mini- und Snackformate und Bio-Produkte. Im Trend liegen auch snackige, moderne Keks-Mischungen, die wir etwa mit unserer neuen Range ‹Club 99 – Cookie Club› und ‹Club 99 – Snack-Box› bedienen», so Dr. Hermann Bühlbecker, Inhaber der Lambertz-Gruppe. Im Bereich der Jahresgebäcke liegen laut Lambertz vor allem Bio-Produkte im Trend, bei den Saisongebäcken sei die Nachfrage nach Produkten mit weisser Schokolade hoch. «Im Trend liegen auch hier vegane Bio-Spekulatius, die wir in den Varianten Klassik, Vollkorn und Schoko anbieten.»
Konsumenten suchen heute Snacks, die praktisch sind und ein besonderes Erlebnis bieten – sei es durch aussergewöhnliche Aromen, Multi-Texturen oder funktionale Inhaltsstoffe. Sprich: Shopper sind aktiv auf der Suche nach Produkten mit Mehrwert. «Dazu zählen nicht nur Produkte mit einem hohen Proteingehalt, sondern zum Beispiel auch ballaststoffreiche, glutenfreie und vegane Alternativen», sagt Dr. Andreas Steffen, Leiter Vertrieb bei Dr. Karg`s. Darüber hinaus gewinnen laut Steffen ausgewogene Nährwertprofile und durchdachte, leicht verständliche und kurze Zutatenlisten für die Konsumenten an Bedeutung. «Verbraucher sind vor allem auf der Suche nach besseren Snacking-Alternativen («better for you snacks»). Diesen Trend haben wir aktuell mit den neuen Dr. Karg’s Thins und Dr. Karg’s Crispies aufgegriffen», so Dr. Andreas Steffen.
Thema zuckerfrei
Das Thema zuckerfrei ist laut Sabine Schommer nach wie vor aktuell, aber es findet ein Umbruch statt. «Heute geht es nicht mehr nur darum, Zucker wegzulassen, sondern natürliche Süssstoffe wie Stevia, Monk Fruit oder Inulin geschickt einzusetzen, ohne Geschmack und Textur zu verlieren.» Laut Innova Market Insights steigt der Absatz von Produkten mit Zucker-bezogenen Claims seit 2020 weltweit um plus fünf Prozent. Für gesundheitsbewusste Verbraucher sei der Claim «zuckerfrei» relevant – vor allem bei Snacks, die sie täglich geniessen.
Aus Sicht der ISM-Directorin müssen zuckerreduzierte Produkte vor allem gut schmecken und zusätzliche Vorteile bieten, etwa durch Proteine, Ballaststoffe oder andere funktionale Inhaltsstoffe. Wer diese Balance schaffe, könne Produkte entwickeln, die Genuss, Gesundheit und bewussten Lebensstil miteinander verbinden.
Bewährte Rezepturen
Die Reduktion von Zucker ist sicher in vielen Warengruppen ein Thema. Trolli will bei Fruchtgummi seinen Rezepturen mit Zucker treu bleiben. «Nur so können wir den Geschmack und die Produktqualität erreichen, die unsere Konsumenten zurecht von uns erwarten», erklärt Timo Woitek, Marketing Director International bei Trolli. Weiter fügt er hinzu: «Insbesondere bei modernen Zielgruppen sehen wir einen Trend zu dem Wunsch nach etwas, das wir «Erlebnisintensität» nennen würden.» Das Thema zuckerfrei sieht auch Lambertz etwas differenziert. Denn im Bereich der Herbst- und Weihnachtsgebäcke gelten laut dem Hersteller strenge gesetzliche Richtlinien, die auch für den jeweiligen Zuckergehalt gelten. «Gerade bei diesen Klassikern, die über eine sehr lange Tradition verfügen, erwarten die Verbraucher weiterhin auch die überlieferten wie auch bewährten Rezepturen. Abweichungen von dieser Originalität werden entsprechend nicht oder kaum akzeptiert», weiss Dr. Hermann Bühlbecker.
Boomende Naschereien
Besonders gefragt sind Naschereien, die über klassische Geschmackserlebnisse hinausgehen. So erleben Süsswaren mit süss-scharfen Kombinationen wie Chili-Limette oder Tajín einen deutlichen Aufschwung. Laut Innova Market Insights verbucht dieses Segment weltweit eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von plus acht Prozent.
Ein weiterer Trend ist nach Einschätzung der Branchenexperten die Nachfrage nach Multi-Textur-Indulgenzen. «Verbraucher lieben Produkte, die weich, chewy und crunchy in einem Erlebnis vereinen. Zwischen Juli 2023 und Juni 2025 ist dieses Segment sogar um plus 156 Prozent gewachsen».
Auch gefriergetrocknete Süssigkeiten und Snacks werden an Bedeutung gewinnen, darin sind sich die Sabine Schommer und Micha Kohn, Leiter Markenvertrieb bei Kluth, einig. «Ein Trend, der 2025 noch stärker ins LEH-Regal gekommen ist und sich in 2026 unserer Meinung nach fortsetzen wird», berichtet Kohn. Bereits im Jahr 2024 hatte Kluth gefriergetrocknete Erdbeeren und Himbeeren auf den Markt gebracht. «Das Sortiment werden wir dieses Jahr weiter ausbauen», erklärt Kohn. Für den Handel ergeben sich daraus interessante Chancen. Laut Innova Market Insights lag ihr Wachstum bei plus 32 Prozent, im Zeitraum 2020 bis 2025.
«Zudem beobachten wir eine steigende Nachfrage nach interaktiven und transformierenden Formaten, die den Naschmoment zu einem echten Erlebnis machen – etwa Bonbons, die sich von Cotton Candy zu Kaugummi verwandeln, oder «Peel-to-eat»-Produkte, die überraschende Formen und Texturen bieten», berichtet Schommer. Insgesamt lässt sich sagen: Konsumierende wollen heute praktische, hochwertige, aufregende Snacks, die das Naschen zu einem kleinen Abenteuer machen – und im besten Fall noch einen funktionalen Mehrwert liefern.
Schokolade und Alternativen
Fakt ist: Steigende Rohstoffpreise haben Schokoladenprodukte extrem verteuert. Der Kakaopreis bewegt sich laut dem BDSI im langfristigen Vergleich weiterhin auf einem sehr hohen Niveau. Aktuell liegt er immer noch doppelt bis dreimal so hoch wie noch vor drei Jahren. «Das hat zur Folge, dass einige Verbraucher anstatt zu Schokolade eher zu Zuckerwaren gegriffen haben», so Claus Cersovsky, Geschäftsführender Gesellschafter der Gubor-Gruppe.
Eine differenzierte Sicht dazu hat Trolli: «Natürlich gibt es gewisse Überschneidungen, aber Schokolade und Fruchtgummi werden meist zu unterschiedlichen Anlässen konsumiert – sie ergänzen sich eher, als dass sie sich ersetzen. Dennoch wissen wir, dass Shopper aufgrund der gestiegenen Schokoladenpreise aktuell häufiger zu Fruchtgummi greifen», erklärt Timo Woitek, Marketing Director International bei Trolli.
Gleichzeitig treibt die Problematik der hohen Kakaopreise laut Experten Innovationen voran. So gewinnen pflanzliche Kakaoalternativen an Bedeutung – etwa aus Karob, Ackerbohnen oder Sonnenblumenkernen. Die Gubor-Gruppe produziert bereits kakaofreie Alternativen mit ChoViva. Seit Mitte 2025 hat das Unternehmen die komplette Produktrange von Sun Rice auf ChoViva umgestellt. «Kakaofreie Alternativen, in diesem Fall ChoViva, sind also ein Thema für uns. Aber nur als Ergänzung zur klassischen Schokolade», betont Claus Cersovsky.
Für Manner ist Kakao ein zentraler Bestandteil seiner Identität – seit der Gründung 1890 als «Chocoladenfabrik Josef Manner». «Aus Marktforschung und Verbraucherrückmeldungen wissen wir, dass Kakao als besonders hochwertig wahrgenommen wird und untrennbar mit Genuss verbunden ist. Entsprechend setzen wir weiterhin auf Qualität statt Ersatz», erklärt Josef Stollenwerk, Vertriebsleiter Deutschland bei Manner. Das Unternehmen verarbeitet Kakaobohnen selbst «from bean to bar» und verwendet ausschliesslich Fairtrade-Kakao. «Damit übernehmen wir Verantwortung für nachhaltigen Kakaoanbau und faire Arbeitsbedingungen», sagt Stollenwerk. Manner ist heute Österreichs grösster Fairtrade-Partner im Kakaobereich.
Auch Labortechnologien eröffnen neue Perspektiven: Start-ups wie Kokomodo oder Celleste Bio züchten Kakao in kontrollierten Umgebungen, unabhängig von Wetterextremen oder Pestiziden. Gleichzeitig setzen Hersteller verstärkt auf Nachhaltigkeit, zum Beispiel durch die Nutzung von Kakaofruchtfleisch für neue Produkte. Klassische Schokolade bleibt beliebt, doch Premiumisierung, Innovation und Nachhaltigkeit eröffnen zahlreiche Wege, Genuss und Verantwortung zu verbinden.
Zusammenfassend lässt sich feststellen: Die Zukunft gehört jenen Produkten, die Erlebnis, Spass und Qualität miteinander verbinden.