Prickelndes Potenzial

Freitag, 30. Oktober 2026
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Der Preisdruck wächst, doch Weihnachten und Silvester bleiben starke Kaufanlässe für Schaum­wein. Wer Preislagen klar staffelt, Premium sichtbar inszeniert und alkohol­freie ­Alternativen einbindet, kann in der Kategorie Frequenz und Ertrag sichern.

Wenn im Dezember die Korken knallen, entscheidet sich für die Schaumweinbranche ein beträchtlicher Teil des Jahresergebnisses. Doch die Rahmenbedingungen haben sich verschoben: preissensible Konsumenten, ein rückläufiger Alkoholkonsum und steigende Kosten setzen die Kategorie unter Druck. Laut aktuellen Circana-Daten sank der Umsatz mit Schaumwein im LEH (einschl. C&C und GAM) von der zweiten Kalenderwoche 2025 bis zur ersten Kalenderwoche 2026 um knapp vier Prozent. «Ein Teil des Rückgangs ist strukturell, ein Teil ist zyklisch», sagt Stephanie Schieszl, Marketing Director bei Rotkäppchen-Mumm. Für den Handel spricht das nicht dafür, die Festtagssaison allein über Rabatte zu bestreiten. Wichtiger ist, das Angebot am POS auf die unterschiedlichen Kaufanlässe auszurichten. Denn im Dezember wird Schaumwein nicht nur für den eigenen Vorrat gekauft. Eine Flasche kann Mitbringsel, Geschenk, Begleiter zum Festmenü oder Getränk für die Silvesterrunde sein. Je nach Anlass zählen Preis, Aufmachung und Qualität unterschiedlich stark. «Weihnachten und Silvester sind sehr emotional aufgeladen und daher auch weniger preissensibel», berichtet dazu Alexandra Demuth, Geschäftsführerin der Katlenburger Kellerei. Im Champagnersegment zeigt sich der Saisoneffekt besonders deutlich: «Zum Jahresende beobachten wir einen deutlichen Anstieg der Ausgabenbereitschaft, gerade hier greifen mehr Konsumenten zu Champagner als im restlichen Jahr», so Alexandra Miruna Curecheriu, Sales Director Off-Trade bei Moët Hennessy Deutschland.
 
Mehr Orientierung im Regal
Diese Unterschiede sollten sich im Regal wiederfinden. Preisattraktive Produkte bedienen grössere Feiern und preisbewusste Käufer, bekannte Marken bieten Orientierung in der Mitte. Hochwertige Sekte, Crémants und Champagner ergänzen die Auswahl für Geschenke und besondere Menüs. Entscheidend ist, dass Kunden die Stufen rasch erkennen können. Stehen Aktionsware und Premium-Flaschen ungeordnet nebeneinander, bleibt der Qualitätsunterschied erklärungsbedürftig. Eine klare Gliederung nach Preis und Produktart erleichtert dagegen die Auswahl. Starke Marken, nachvollziehbare Preisstufen und ein klares Qualitätsversprechen sorgen auch in einem volatilen Umfeld für Orientierung. Für die Regalplanung bedeutet das: Einstieg, Mitte und Premium sollten klar voneinander unterscheidbar sein. 
 
Auch der Verwendungsanlass hilft bei der Orientierung. Hinweise wie «Zum Aperitif», «Zum Festmenü» oder «Zum Verschenken» sagen unmittelbar, wofür ein Produkt gedacht ist. Angaben zu Herkunft, Geschmack oder Herstellungsart können erklären, weshalb eine Flasche mehr kostet als eine andere. 
 
Impulsreiche Anlässe
Gerade hochwertige Schaumweine sollten zum Jahresende nicht ausschliesslich im Stammregal stehen. Geschenkverpackungen und sorgfältig gestaltete Zweitplatzierungen machen ihren Anlassbezug sichtbar. Eine Auswahl gekühlter Flaschen kann zudem kurzfristige Käufe vor Besuchen oder Feiern bedienen. Dabei muss nicht jede Marke eine eigene Aktionsfläche erhalten. Sinnvoller sind wenige Platzierungen mit klarer Funktion – etwa für Geschenke, das Festessen oder den Jahreswechsel. 
 
Verbundplatzierungen können aus einzelnen Produkten eine konkrete Einkaufsidee machen. Schaumwein bei Fisch und Feinkost erinnert an das Festmenü; ein Aperitif neben Antipasti spricht einen anderen Genussmoment an. Die Kombination sollte zur Kundschaft und zum Platzangebot des Markts passen. Philipp Gattermayer, Geschäftsführer Vertrieb bei Henkell Freixenet Deutschland, nennt dafür drei Ansatzpunkte: «Für ein erfolgreiches und profitables Sekt- und Champagnergeschäft müssen wir gemeinsam mit dem Handel dafür sorgen, dass dem Konsumenten sowohl ein ausgewogenes Sortiment mit einer starken Sichtbarkeit am POS angeboten wird als auch eine wertorientierte Vermarktung sichergestellt werden kann.»
 
Vielfältige Konzepte
Neben klassischem Sekt und Champagner erweitern Prosecco, Crémant, Rosé und Aperitif-Konzepte die Auswahl. Hinzu kommen trinkfertige Varianten für Käufer, die eine unkomplizierte Lösung suchen. Diese Vielfalt ist allerdings nur dann ein Vorteil, wenn Produkte nicht bloss nebeneinanderstehen. Ein Rosé kann etwa auf einer Geschenkfläche Aufmerksamkeit gewinnen, ein trinkfertiger Aperitif bei Snacks seinen Verwendungszweck zeigen. Ein Wachstumssegment sind alkoholfreie Schaumweine. Laut Circana stieg ihr Umsatz im LEH (einschl. C&C und GAM) von der zweiten Kalenderwoche 2025 bis zur ersten Kalenderwoche 2026 um 15,9 Prozent. Die Nachfrage kommt nicht nur von gesundheits- und Lifestyle-orientierten Zielgruppen. Auch Verbraucher, die bei festlichen Anlässen bewusst mitfeiern möchten, erwarten heute attraktive Alternativen. Alkoholfreie Varianten sollten deshalb nicht als Nischenprodukt im Regal stehen, sondern selbstverständlich in saisonale Aktionsflächen, Geschenkideen und Menüwelten eingebunden werden. Insbesondere Kombinationen mit winterlichen Snacks, Fingerfood oder Aperitif-Zutaten können dabei neue Kaufanlässe schaffen.  
 
Stellschrauben für den Erfolg
Für ein profitables Sekt- und Champagnergeschäft zum Jahresende sind vor allem drei Faktoren entscheidend: Erstens ein klar strukturiertes Sortiment, das von preisattraktiven Einstiegsprodukten bis zu Premium- und Geschenksegmenten reicht. Zweitens eine emotionale, anlassbezogene Inszenierung am Point of Sale. Und drittens eine hohe Warenverfügbarkeit an den Hochtagen. Gelingt es dem Handel, Genuss, Geschenkfähigkeit, Convenience und bewusste Alternativen sichtbar zu verbinden, kann er die Schaumweinkategorie auch in einem herausfordernden Marktumfeld erfolgreich weiterentwickeln. 

News

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Die Handelsgastronomie in Deutschland setzt laut der EHI-Studie «Handelsgastronomie in Deutschland 2026» ihren Wachstumskurs fort und hat 2025 ein neues Rekordniveau erreicht.

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Trotz wachsender Online-Angebote kaufen die meisten Konsumenten Lebensmittel weiterhin im stationären Laden ein.

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Reis statt Nudeln: Mit diesem Convenience-Konzept namens «Nice Rice to Go» hat das Start-up J-Fun Protein Food UG aus Weinheim den Food-Pitch in der voilà! Start-up-Arena beim 130. Markant Handelsforum gewonnen.

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Ein Problem aus dem Familienalltag wurde zum ausgezeichneten Produkt: Tütenheld, eine Marke von CM-Industries, hat den Nonfood-Pitch beim 130. Markant Handelsforum gewonnen und daneben ein Händlergespräch mit Kaufland und Rossmann.

Statements

Verbraucher suchen heute unterschiedliche Genussoptionen – von Prosecco und Crémant über Spritz-Konzepte bis hin zu alkoholfreien Schaumweinen. Der Handel sollte diese Vielfalt mit klaren Preislagen und einer passenden Auswahl sichtbar machen.
Philipp Gattermayer, Geschäftsführer Vertrieb,
Henkell Freixenet Deutschland

 

Shopper zeigen sich zunehmend probierfreudig und interessieren sich auch in der Winterzeit für besondere Aperitif-Alternativen. Verbundplatzierungen helfen dabei, Produkte in einen emotionalen und saisonalen Kontext zu setzen.
Alexandra Demuth,
Geschäftsführerin,
Schlumberger

 

Alkoholfreie Alternativen entstehen nicht isoliert. Sie bauen auf Markenstärke und einem stabilen Kerngeschäft auf, das diese Entwicklung finanziert. Wir wollen mehr alkoholfreie Alternativen ermöglichen und den Markt aktiv weiterentwickeln. Gleichzeitig schwächt die geplante Schaumweinsteuer die Grundlage, die genau das trägt. Das sendet ein widersprüchliches Signal für unsere Branche, die diesen Wandel mitgestaltet und fördert.
Stephanie Schieszl,
Marketing Director,
Rotkäppchen-Mumm

 

Konsumenten kaufen selektiver und stärker anlassbezogen. Zum Jahresende steigt die Ausgabenbereitschaft – deshalb sollten Premium- und Geschenksegmente sichtbar, hochwertig und nicht nur im Regal inszeniert werden.
Alexandra Miruna Curecheriu,
Sales Director Off-Trade,
Moët Hennessy Deutschland

 

 

Tipps für den POS

1. Sortiment nach Preis- und Genussstufen strukturieren
Das Regal sollte auf einen Blick Orientierung bieten: Preiseinstieg, bekannte Marken, Premium-Sekt, Crémant und Champagner klar voneinander abgrenzen. Einheitliche Regalstopper oder Preisschilder helfen, etwa mit den Kategorien «Für jeden Anlass», «Zum Verschenken» und «Für besondere Momente».

2. Premium nicht nur ins Regal stellen, sondern inszenieren
Champagner, Crémant und hochwertige Sekte gewinnen zum Jahresende besonders als Geschenk oder Menübegleiter. Geschenkverpackungen, hochwertige Displays, beleuchtete Zweitplatzierungen und gekühlte Einzelplatzierungen erhöhen die Sichtbarkeit und fördern Trading-up.

3. Anlässe statt Marken in den Mittelpunkt stellen
Die Platzierung sollte konkrete Genussmomente vermitteln: «Aperitif», «Zum Festmenü», «Für den Countdown» oder «Als Mitbringsel». Das erleichtert die Auswahl und schafft Kaufimpulse über den reinen Preis hinaus.

4. Alkoholfreie Produkte selbstverständlich integrieren
Alkoholfreier Sekt, Secco und Aperitif gehören nicht in eine Nischenecke. Sie sollten direkt neben den alkoholhaltigen Pendants oder in gemeinsamen Themenwelten stehen – etwa unter dem Motto «Gemeinsam anstossen». So werden sie als vollwertige Alternative wahrgenommen.

5. Verbundplatzierungen für mehr Bonwert nutzen
Schaumwein lässt sich gut mit passenden Genussprodukten kombinieren. Geeignet sind beispielsweise: 

  • Champagner oder Crémant mit Lachs, Austern, Kaviar oder Feinkost
  • Prosecco und Spritz-Produkte mit Antipasti und Snacks
  • alkoholfreie Varianten mit Fingerfood, Wintergebäck oder Aperitif-Zutaten
  • Fruchtglühwein und Winteraperitifs mit saisonalen Süsswaren

6. Convenience sichtbar machen
Ready-to-Serve-Produkte, kleinformatige Flaschen und trinkfertige Aperitifs sollten als unkomplizierte Lösungen für spontane Einladungen, Silvesterfeiern oder kleine Runden präsentiert werden. Eine Platzierung nahe der Kühlung, bei Snacks oder auf Aktionsflächen unterstützt den Impulskauf.

7. Rosé als emotionalen Premiumimpuls einsetzen
Rosé-Sekt und Rosé-Champagner können die Kategorie optisch aufwerten und moderne Genussanlässe ansprechen. Sie eignen sich besonders für aufmerksamkeitsstarke Displays, Geschenkflächen und Aperitif-Inszenierungen.

8. Aktionsflächen frühzeitig aufbauen und bis Silvester pflegen
Die Hauptplatzierungen sollten rechtzeitig vor dem Weihnachtsgeschäft stehen und bis zum Jahreswechsel verfügbar bleiben. Entscheidend sind eine konsequente Nachversorgung, ausreichende Bestände bei Topsellern sowie gekühlte Ware für kurzfristige Käufe in den letzten Tagen vor Silvester.

9. Kommunikation am Regal vereinfachen
Kurze, klare Botschaften erleichtern die Entscheidung:

  • «Zum Verschenken»
  • «Zum Anstossen»
  • «0,0 % Alkohol»
  • «Ready to Serve»
  • «Passt zu Fisch & Feinkost»
  • «Für den festlichen Aperitif»

10. Preisaktionen gezielt einsetzen – nicht als einzige Botschaft
Preisimpulse bleiben wichtig, sollten aber durch Mehrwert ergänzt werden: Geschenkzugaben, Probiergrössen, Menüempfehlungen oder Mehrfachplatzierungen. So bleibt die Kategorie wertig und wird nicht ausschliesslich über Rabatte verkauft.

 

POS-Hebel

  • Orientierung schaffen: klare Preis- und Qualitätsstufen im Sortiment.
  • Anlässe emotional inszenieren: Geschenk, Festmenü, Aperitif und Silvester sichtbar machen.
  • Alkoholfrei und Premium aktiv mitführen: als selbstverständliche Bestandteile einer modernen Schaumweinwelt.

 

Produkte

Henkel Freixenet 
«Mionetto Orange Spritz Aperitivo Ready-to-Serve» ist ein trinkfertiger Aperitif auf Basis von Prosecco mit Orangennoten. Er wird als servierfertige Variante für den unkomplizierten Genuss angeboten und ist in einer 0,75-Liter-Flasche sowie im 0,2-Liter-Format erhältlich. Ergänzend gibt es eine alkoholfreie Variante, die sich an Verbraucher richtet, die den Aperitif-Stil ohne Alkohol bevorzugen.
 
Moët & Chandon 
«Moët & Chandon Ice Impérial Rosé» ist ein Rosé-Champagner, der speziell für den Genuss auf Eis konzipiert wurde. Die Cuvée verbindet fruchtige Noten roter Beeren mit einer frischen, leicht würzigen Stilistik und richtet sich an Konsumenten, die Champagner in einer unkomplizierten, modernen Variante bevorzugen.
 
Rotkäppchen 
«Rotkäppchen Secconade 0,0 % Alkohol ohne Zucker» ist ein spritzig-fruchtiger Mix aus alkoholfreiem Rotkäppchen Secco (0,0 %) und erfrischender Limonade. Es ist in den Sorten Zitrone und Pink Grapefruit erhältlich und verbindet fruchtig-frische Zitrusnoten mit einem prickelnden Charakter. Die Variante in der 0,33-Liter-Flasche greift die Nachfrage nach alkoholfreien und zuckerfreien Alternativen auf.
 
Schlumberger 
«Secco Libre» von der Katlenburger Kellerei ist ein alkoholfreier Aperitif mit edlen Säften und feinen Kräuternoten. Diese feinperlige Komposition mit ausgewogener Fruchtigkeit, feiner Struktur und elegantem Geschmacksprofil gibt es in zwei köstlichen Sorten: Blanc und Rouge.