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So gross und bunt wie heute war die Vielfalt an Tabakwaren noch nie zuvor. Angetrieben wird diese eindrucksvolle Entwicklung vor allem durch neuartige rauchfreie Erzeugnisse wie E-Zigaretten, Tabakerhitzer und orale Produkte.
Das spiegelte sich auch bei der Weltleitmesse InterTabac im September wider. Rund 300 von 800 Ausstellern kamen aus dem Bereich Next-Generation-Products. Das heisst zwar nicht, dass neuartige Erzeugnisse den klassischen Produkten über kurz oder lang den Rang ablaufen könnten. Nach wie vor sind und bleiben Zigaretten die klare Nummer eins im Bereich Tabakwaren. Aber: Ohne Rauch geht’s auch – mit weniger gesundheitlichen Risiken. Schliesslich wurde inzwischen durch viele wissenschaftliche Studien nachgewiesen, dass die Alternativen deutlich weniger schädlich sind als konventionelle Produkte. Für viele Konsumenten, die zuvor geraucht haben, ist dies ein wichtiger Grund zum Umsteigen. Das eröffnet Händlern die Chance, mit risikoreduzierten Tabakwaren unterschiedlichster Art zusätzliche Umsätze zu machen.
Mehrweg statt Einweg
Ein Beispiel dafür sind E-Zigaretten, die in der jüngeren Vergangenheit einen regelrechten Boom erlebten. Zwischen 2021 und 2024 stieg ihr Umsatz in Deutschland von 280 auf 960 Millionen Euro. Damit hat sich das Volumen mehr als verdreifacht. Für das Jahr 2025 rechnet der Verband des eZigarettenhandels (VdeH) mit einem weiteren Wachstum von zehn bis 15 Prozent. Das Bündnis für Tabakfreien
Genuss geht sogar von 25 Prozent aus. «Dabei spielen Einweg-E-Zigaretten kaum noch eine Rolle», erzählt VdeH-Geschäftsführer Oliver Pohland. Voll im Trend liegen dagegen einfach bedienbare Mehrweg-Geräte mit Akkus zum Aufladen und nachfüllbare Pod-Systeme. Produkte wie die Marke «Veev», die Philip Morris Germany (PMG) vor 18 Monaten launchte. «Trotz des späten Markteintritts hat unsere E-Zigarette einen sehr guten Start hingelegt«, sagt eine Unternehmenssprecherin. «Veev» ist unter den Top 3 der E-Zigaretten-Anbieter in Deutschland angekommen. In sechs Märkten belegen wir in der Kategorie Pod-Systeme sogar Platz eins.» Mit Mini-Keramik-Technologie, Design, angenehmen Zugverhalten und 17 verschiedenen Aromen will PMG «Veev» vom Wettbewerb abheben.
Neue Massstäbe
Landewyck Deutschland hat 2025 ebenfalls für viel Aufsehen gesorgt. Kaum waren die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Jubiläum beendet, verkündete das Unternehmen eine Vertriebspartnerschaft mit Relx International, einem der weltweit führenden Hersteller von E-Zigaretten. «Das eröffnet uns die Möglichkeit, auch in diesem Segment etwas zu bewegen», sagt Stefan Morandini, Head of Marketing für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Mit dem wiederaufladbaren Gerät «Essential 2» und vorbefüllten «Real»-Pods, die in acht Geschmacksrichtungen erhältlich sind, will Landewyck neue Massstäbe setzen. So wie in anderen Ländern, wo das Unternehmen in Kooperation mit Relx E-Zigaretten schon erfolgreich an den Start gebracht hat. «Das Device, das es in drei Farben gibt, zeichnet sich durch hohe Qualität aus und ist intuitiv nutzbar.» Für die Aufnahme des neuen Produkts ins Regal spreche auch der starke Landewyck-Service. «Egal ob es um Fragen, Retouren oder Sonstiges geht, unser Aussendienst und unser Key-Account-Management sind immer für den Handel da – mit Sicherheit auch noch morgen.»
Attraktive Geschmacksrichtungen
Auch Reemtsma setzt seine Offensive im E-Zigaretten-Segment fort. Mit der Erweiterung seiner Markenfamilie «blu». Das jüngste Modell trägt die Bezeichnung «blu bar Kit». «Die Mehrweg-E-Zigarette überzeugt durch austauschbare Pods und eine wiederaufladbare Batterie», sagt Reemtsma-Sprecher Peter Fobe. Ausserdem sei es wichtig, den zahlreichen erwachsenen Konsumenten eine möglichst grosse Auswahl an attraktiven Geschmacksrichtungen zu bieten. Vor allem im fruchtigen Bereich. «Genau das tun wir mit bis zu 20 verschiedenen Aromen.» Erhältlich sind die «blu Pods» in drei Stärken: 18 beziehungsweise 9 mg/ml Nikotin, hinzu kommt die nikotinfreie Variante «Watermelon Ice». Neben «blu bar Kit» umfasst das E-Zigaretten-Portfolio von Reemtsma mit «blu 2.0» ein zweites Mehrweg-Produkt. Abgerundet wird das Angebot für Vaper durch die neu Einweg-Variante «blu bar». «Dieses Produkt vereint längeren Genuss mit mehr Nachhaltigkeit dank herausnehmbarer Batterie.» Allerdings räumt auch Fobe ein, «dass der Marktanteil der Disposables, die vor drei, vier Jahren noch der grosse Trend waren, sukzessive zurückgegangen ist.»
Neuheiten bei E-Zigaretten
Vor nicht allzu langer Zeit waren die Rollen klar verteilt: auf der einen Seite die Hardware-Produzenten, auf der anderen die Hersteller von Flüssigkeiten. Inzwischen gibt es Liquids, die bei Konsumenten von Einweg-E-Zigaretten sehr beliebt sind, auch für offene Systeme. Diese Entwicklung hat Marktführer «Elfbar» eingeleitet. Durch seine «Elfliq» Nikotinsalz-Liquids. Dieses Produkt gehört zu den Top-Sellern des Grosshändlers InnoCigs. Erhältlich sind die gebrauchsfertigen NicSalts für nachfüllbare Geräte in zwei Stärken (10 und 20 mg/ml). Der Hersteller will die Umsätze der Elflig-Linie durch fünf neue Aromen weiter steigern. Ein weiterer Verkaufsschlager von InnoCigs sind die mit zwei Milliliter Nikotinsalz vorbefüllten «Elfa»-Pods in einer Stärke von 20 Milligramm/Milliliter. Für dieses Produkt gibt es seit Herbst vier neue Geschmacksrichtungen. Konsumenten können die Pods sowohl mit dem klassischen «Elfa Akku» verwenden als auch mit dem «Elfa Master Mod» und dem «Elfa Turbo Kit». Die dritte Neuheit von InnoCigs betrifft das Einweg-Sortiment. Das Angebot beim Disposable «Elfbar 800», das erfolgreich die Nachfolge der «Elfbar 600» angetreten hat, umfasst neben bereits etablierten fünf weitere neue Sorten (20 mg/ml).
Etablierte Tabakerhitzer
Eine besonders dynamische Entwicklung im rauchfreien Bereich bescheinigen Experten Tabakerhitzern. In diesem Segment ist Philip Morris mit «Iqos» Marktführer – in Deutschland und weltweit. «Bei den Nettoeinnahmen haben unsere Tabak-Sticks von «Iqos» auch in vielen Ländern «Marlboro» als Nummer 1 abgelöst», berichtet eine PMG-Sprecherin. Mit «Iqos Iluma i» habe das Unternehmen nun den nächsten Evolutionssprung geschafft. «Aufgrund der vielen individuellen und innovativen technischen Features wie Touchscreen, Pause-Modus und FlexPuff nimmt unsere Neuheit die Pole-Position ein.» Das sei ein zusätzlicher Anreiz für zahlreiche weitere Raucher, die bislang noch gezögert hätten, zum Wechsel auf eine schadstoffreduzierte Alternative umzusteigen. Auch bei seinen Tabak-Sticks hat PMG nachgelegt. Durch eine neue Optik. Der aufgefrischte «Terea»-Look stellt das «Iqos»-Logo mit dem abgerundeten Dreieck in den Mittelpunkt und sorgt für einen 3D-Effekt. «Die «Terea»-Käufer identifizieren sich stark mit dem eleganten, modernen Design in zehn verschiedenen Farbtönen.» Zudem unterstützt der neue Look die Orientierung im Regal. Je kräftiger die Farbe, desto intensiver der Tabakgenuss. «Auch die neuen «Delia»-Tabaksticks haben sich bestens etabliert.» Bei dieser Marke und deren drei Sorten setzt PMG auf ein eher konservatives, klassisches Design.
Innovative HnB-Produkte
Wie positiv sich der Bereich Heat-not-Burn (HnB) entwickelt hat, zeigen auch die Zahlen von JTI. «In Japan liegt unser Marktanteil in diesem Segment bereits bei über 13 Prozent», sagt eine Unternehmenssprecherin. Generell nehme das Geschäft mit potenziell risikoreduzierten Produkten auf internationaler Ebene deutlich zu. «Zwischen 2022 und 2024 stiegen Volumen und Umsatz um 38 beziehungsweise 31 Prozent.» Bis 2028 will JTI mit rauchfreien Produkten weltweit «einen Marktanteil im oberen Zehnerbereich» erreichen. Dabei spielen Tabakerhitzer eine zentrale Rolle. Nach dem Erfolg in anderen Ländern, an vorderster Stelle Japan, hat JTI sein HnB-Produkt «Ploom Aura» auch in Deutschland gelauncht. «Damit bieten wir Konsumenten eine neue, moderne Art, Tabak zu geniessen», sagt Raffaele Santin, Marketing Director Germany. «Wir glauben: Wer «Ploom Aura» probiert, wird vom schlanken Design, dem schnellen Aufheizen dank optimierter Auto-Start-Funktion und der einfachen Bedienung rasch überzeugt sein.» Durch die Seamless-Heated-Technology seien das Gerät und die neuen «Evo»-Tabaksticks perfekt aufeinander abgestimmt. Hinzu kommt ein weiteres Merkmal des Produkts, das in vier Farben erhältlich ist: «Mit einer breiten Auswahl an stilvollen Accessoires kann «Ploom Aura» zu 480 verschiedenen Styles kombiniert werden – passend zum persönlichen Look.»
Rauchfrei mit Kautabak
Die Palette rauchfreier Produkte umfasst neben
E-Zigaretten und Tabakerhitzern auch Kautabak. In diesem Segment war Reemtsma als einer der ersten grossen Hersteller in Deutschland bereits 2019 vertreten. Mit der Marke «skruf». Zunächst spielte dieses Produkt nur eine untergeordnete Rolle im Regal. «Mittlerweile stellen wir hierzulande auch in dieser Kategorie eine relevante Konsumentennachfrage fest», erzählt Dior Decupper. Das war für die General Managerin Cluster DACH und Vorstandssprecherin das Signal zum Handeln. Im Juni erweiterte Reemsmta sein Kautabak-Sortiment um drei weitere auf nun fünf Produkte. Angeboten werden die neuen «skruf Ice White Chew Bags» in drei Varianten: «#2/Medium» «#3/Strong» und «#4/Xtra» mit einer Nikotinstärke von 7, 12 beziehungsweise 13 mg/g. Erhältlich sind sie in Dosen mit jeweils 20 Beuteln im Slim-Format. «Mit «skruf» gehen wir einen weiteren verantwortungsvollen Schritt in Richtung eines modernen, rauchfreien und damit potenziell deutlich weniger gesundheitsschädlichen Nikotinkonsums.» Die Handhabung des oralen Produkts ist einfach: Schon durch leichtes Kauen des Beutels werden die Inhaltsstoffe freigesetzt. Wichtiger Hinweis: Alle bei Reemtsma erhältlichen «skruf»-Produkte sind speziell für den Vertrieb in Deutschland konzipiert. Da der Kautabak den Vorgaben des deutschen Tabakerzeugnisgesetzes entspricht, ist der Verkauf erlaubt. Für andere orale Produkte gilt dies nicht.
Tabakfreie Nikotinbeutel
In Deutschland sind zum Beispiel neben schwedischem Snus auch tabakfreie Nikotinbeutel nach wie vor verboten. Im Gegensatz zu mehreren europäischen Ländern und den USA. Dort erteilte die Behörde Food and Drug Administration (FDA) tabakfreien Nikotinbeuteln im Januar 2025 tabakfreien Nikotinbeuteln erstmalig die Zulassung für den US-Markt. Zuvor hatte die FDA eine Prüfung durchgeführt. «Sie ergab, dass Nikotinbeutel schadstoffarm sind, den Rauchausstieg ermöglichen und dadurch die Gesundheitsrisiken der Konsumenten mindern», sagt Jan Mücke, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Tabakwirtschaft und neuartiger Erzeugnisse. «Die Politik darf vor diesen Fakten nicht länger die Augen verschliessen und muss das Verkaufsverbot für Nikotinbeutel schleunigst beenden.» Das hofft auch Reemtsma-Sprecher Peter Fobe. «Schliesslich ist die Nachfrage nach diesen Produkten bereits riesig. Sie sind auch schon zuhauf im Markt erhältlich.» Laut BVTE erfolgt der illegale Handel «über zahlreiche, vorwiegend ausländische Online-Anbieter, aber auch über einzelne stationäre Verkaufsstellen in Deutschland». Dadurch bleibe jedoch der Jugendschutz auf der Strecke, weil das Alter der Kunden oft nicht überprüft werde. Hinzu komme, dass das Angebot auch Produkte mit überhöhtem Nikotingehalt umfasse. «Ein weiteres Problem des illegalen Handels sind Steuerausfälle», sagt Fobe. Ob diese Argumente die Politik zum Umdenken bringen? Falls ja, würde sich neben der gesamten Branche auch die Intertabac freuen. Denn dann wäre die Zahl der Aussteller aus dem Segment rauchfreie Produkte garantiert noch höher.














