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Die weltweite Kakaoversorgung ist zunehmend unter Druck – durch den Klimawandel, Pflanzenkrankheiten, geopolitische Instabilität und eine stetig steigende Nachfrage. Damit wird aber auch die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage im Kakao- und Schokoladenmarkt immer grösser. Was es jetzt braucht, sind Alternativen, die helfen, den Bedarf langfristig zu decken – und das ohne jegliche Kompromisse.
Schokolade ist eine der beliebtesten Süssigkeiten der Welt. Es gibt sie in unzähligen Varianten – aber eines haben doch alle Schokosorten gemeinsam: Kakao. Kakaobohnen sind ein wertvoller Rohstoff, der nur in tropischen Regionen angebaut wird. Oft geht der Kakaoanbau mit sozialen und ökologischen Problemen einher und die Anbauflächen sind zunehmend von der Klimakrise bedroht. Die Folge davon sind steigende Preise. Es sind allerdings verschiedene Faktoren, die laut dem Bundesverband der Deutschen Süsswarenindustrie e.V. (BDSI). zu einem deutlichen Anstieg der Kakaopreise geführt haben.
Preise auf Rekordhoch
Es ist nicht nur der Klimawandel, der zu häufigeren Extremwetterereignissen führen kann. Sowohl sehr starker Regen, der zur Zerstörung der Kakaoblüte führte, als auch starke Winde, die die Böden extrem austrocknen, sind da zu nennen, ebenso Krankheiten der Kakaobäume wie der Cocoa Swollen Shoot Virus. «All dies führte in Westafrika, dem Hauptanbaugebiet, zu geringeren Ernten. Zudem sind gerade in den wichtigen Anbauländern Côte d'Ivoire und Ghana die Baumbestände teilweise überaltert», erklärt Dr. Torben Erbrath, Geschäftsführer der Fachsparte Kakao und Schokoladenwaren im BDSI. Hinzu komme, dass Lagerbestände von Kakao deutlich abgenommen haben und die internationale Nachfrage nach Kakao immer weiter ansteige. «Auch die Verfügbarkeit wird zunehmend ein Problem. Bereits jetzt haben Hersteller von Schokolade teilweise Schwierigkeiten, notwendige Mengen oder Qualitäten (etwa Bio-Kakao) zu beziehen», berichtet Dr. Torben Erbrath.
Die weltweite Kakaoversorgung ist zunehmend unter Druck. So führten erhebliche Preissteigerungen beim Rohstoff Kakao zu Rekordpreisen (eine Verdreifachung des Preises innerhalb nur eines Jahres), verbunden mit Mengen- und Versorgungsengpässen. So eine Beobachtung von Lambertz. «Diese Entwicklungen und Probleme belasten in erheblicher Weise die Produktionskosten. Entsprechend mussten die Preise – von Hersteller- wie von Handelsseite – für Schokoladen und für Produkte mit Schokolade angepasst beziehungsweise erhöht werden», sagt Prof. Hermann Bühlbecker, Alleingesellschafter der Lambertz-Gruppe.
Trend Nachhaltigkeit
Sollte die Zukunft von Schokolade daher neu gedacht werden? Fakt ist: «Ökologie und Nachhaltigkeit liegen im Trend und steigen in der Verbrauchergunst – vor allem bei jüngeren Konsumenten. Produkte, die diesen Anspruch erfüllen – und dies gilt gerade auch für Kakaoalternativen – nehmen deshalb an Bedeutung zu», sagt Prof. Hermann Bühlbecker, Alleingesellschafter der Lambertz-Gruppe. Sie sind unabhängig vom Rohstoff Kakao – und können so dabei helfen, Lieferketten langfristig widerstandsfähiger zu machen», erklärt Dr. Sara Marquart, Co-Founder von Planet A Foods. Weiter fügt sie hinzu: «Angesichts der wachsenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage im Kakao- und Schokoladenmarkt braucht es Alternativen, die helfen, den Bedarf langfristig zu decken – ohne Kompromisse im Geschmack und ohne höhere Preise für Konsumenten.»
Innovative Konzepte
Das Münchner Start-up Planet A Foods hat daher die Kakaoalternative ChoViva entwickelt. Sie wird aus wenigen, einfachen und natürlichen Zutaten hergestellt. Dabei werden Sonnenblumenkerne, wie Kakaobohnen, ähnlich dem Fermentationsprinzip veredelt, schonend geröstet und anschliessend, je nach Rezeptur, mit weiteren Zutaten wie Zucker und pflanzlichen Fetten verarbeitet. «Durch die Vermeidung von unter anderem Waldrodungen und durch kürzere Lieferwege sparen wir mit ChoViva circa 80 Prozent CO₂ im Vergleich zu Schokolade ein», so Dr. Marquart. ChoViva ist allerdings kein eigenständiges Produkt, sondern eine innovative Zutat, die als nachhaltige Alternative für die Lebensmittelproduktion gedacht ist. Sie bietet einen Geschmack wie Schokolade und kann gleichermassen verarbeitet werden.
Kakaoalternative ChoViva
Erste Produkte mit ChoViva wurden im September 2023 in deutschen Supermarktregalen angeboten. Mittlerweile ist ChoViva in über 40 Produkten und in fünf Ländern zu finden, darunter Deutschland, Frankreich und Grossbritannien.
«Cereola Der Klassiker» war 2023 als erstes Süssgebäck mit einem Überzug aus ChoViva eine Innovation auf dem Gebäckmarkt. Und laut Griesson - de Beukelaer eines der erfolgreichsten Neuprodukte im Jahr 2023. «Dass wir jetzt auch ChoViva einsetzen, bedeutet nicht, dass wir in Zukunft komplett auf Schokolade verzichten wollen – wir sehen ChoViva vielmehr als wertvolle Ergänzung in unserem Produktportfolio», sagt Sibyl Faylor, Leiterin Marketing bei Griesson - de Beukelaer.
Neben dem Hersteller haben auch weitere bekannte deutsche Markenartikler wie Treets, Wawi, Lindt & Sprüngli Produktkonzepte mit der Kakaoalternative auf den Markt gebracht. Ferner plant die Marke «Sun Rice» ihre komplette Produktrange (Original, Crunchy und White) ab Mitte 2025 vollumfänglich auf die kakaofreie Schokoladenalternative ChoViva umzustellen.
Kakaoalternative Nukoko
Darüber hinaus gibt es noch weitere nachhaltige Alternativen. So hat das britische Start-up Nukoko nach eigenen Aussagen die weltweit erste kakaofreie «Bean-to-Bar»-Schokolade entwickelt. Das Unternehmen verwendet dafür ein zum Patent angemeldetes Fermentationsverfahren, das die traditionelle Kakaofermentation nachahmt. Dieses Verfahren erzeugt die charakteristischen Schokoladenaromen aus Ackerbohnen. Ackerbohnen können laut dem Unternehmen problemlos in der EU und fast überall auf der Welt angebaut werden und helfen sogar bei der Verbesserung der Bodenqualität und gegen Bodenerosion. Es müssten auch keine Flächen entwaldet werden, da auf bestehenden Ackerflächen angebaut werden könne. Um die kakaofreie Schokoladenalternative aus Ackerbohnen auf industrielle Ebene ausweiten, hat Nukoko mit dem Lebensmittekonzern Döhler mit Sitz in Darmstadt im November vergangenen Jahres eine strategische Partnerschaft geschlossen. «Momentan sind wir noch in der Phase der grosstechnischen Versuche. Unser Produktlaunch steht noch vor dem Jahresende an, entsprechende Marktprodukte werden also nicht lange auf sich warten lassen», sagt Stefanie Engel, Market Segment Manager Food Global bei der Döhler Gruppe.
Diese Herstellungsinnovation soll die Kohlenstoffemissionen im Vergleich zu herkömmlichen kakaohaltigen Produkten um bis zu 90 Prozent reduzieren. Ausserdem soll die Schokolade von Nukoko gesünder sein als herkömmliche Schokolade, da sie 40 Prozent weniger Zucker und mehr Proteine, Ballaststoffe und Antioxidantien enthält, ohne dabei an Geschmack einzubüssen.
In diesem Kontext lautet ein Resümee von Prof. Hermann Bühlbecker, Alleingesellschafter der Lambertz-Gruppe: «Eine erfolgsversprechende Zukunft haben vor allem solche Produkte, deren Eigenschaften durch nachweisliche Verbesserungen in der Nachhaltigkeit – etwa beim Anbau und bei der Ernte, durch verkürzte Transportwege und gerade auch durch eine deutliche CO2- und Energiereduzierung charakterisiert sind.»
Alternative zu Kakaopulver
Carob, auch als Johannisbrotbaum bekannt, bietet eine Alternative zu Kakaopulver an. Das Carobpulver wird aus den Schoten des Johannisbrotbaums hergestellt und hat sich aufgrund seiner vielen gesundheitlichen Vorteile und seines einzigartigen Geschmacks als Ersatz für Kakao etabliert.
Carob hat laut dem Unternehmen Kraftmischer einen süsseren, milderen Geschmack als Kakao und enthält von Natur aus kein Koffein oder Theobromin, die beiden Stimulanzien, die in Kakao vorkommen. Dieser süsse Geschmack mache es möglich, den Zuckeranteil in Rezepten zu reduzieren, wenn Carob als Ersatz für Kakao verwendet werde. Carobpulver kann in einer Vielzahl von Rezepten eingesetzt werden, darunter Backwaren, Desserts, Smoothies und heisse Getränke. Es kann eins zu eins gegen Kakaopulver ausgetauscht werden, was es laut Kraftmischer zu einer einfachen und vielseitigen Zutat macht.
Wachsende Nachfrage
Kakao- sowie Schokoladenalternativen haben sich mittlerweile eine feste Position im Markt erarbeitet. Der Trend wird anhalten, darin sind sich die Experten einig. «Wir sehen, dass Schokoladenalternativen, die geschmacklich überzeugen, immer mehr Resonanz im Markt finden – das zeigt sich in der stetig wachsenden Nachfrage», so eine Beobachtung von Dr. Sara Marquart. Angesichts anhaltender Herausforderungen wie dem Klimawandel würden solche Produkte in Zukunft noch deutlich an Relevanz gewinnen. «Sie sind unabhängig vom Rohstoff Kakao – und können so dabei helfen, Lieferketten langfristig widerstandsfähiger zu machen.»
Sicherlich werden Schokoladen-Alternativen für verschiedenste Produkte ihren Weg in den Markt finden und auch vom Verbraucher akzeptiert werden. «Zunächst wird das sicherlich bei solchen Produkten der Fall sein, in denen Schokolade nicht die Hauptrolle spielt, sondern eine Abrundung des gesamten Geschmacksprofils ist», sagt Stefanie Engel. Im Markt sind Waffelprodukte, Müslis oder Nusssnacks bereits zu finden, vermutlich werden aber auch Pralinen, Tafelschokoladen und Hohlfiguren in nächster Zeit eine grössere Rolle spielen. Dass die konventionellen Schokoladenprodukte trotz der Widrigkeiten weiterhin eine hohe Relevanz haben werden, davon sind die Branchenexperten überzeugt. «Allerdings wird der Markt mit weiteren Preissteigerungen umgehen müssen, was zu verschlankten Sortimenten führen dürfte und somit auch zu einer stärkeren Innovationskraft bei Schokoladen-Alternativen», ist Engel überzeugt. Und damit wird auch die Vielfalt im Regal grösser. «Im Augenblick wird von unterschiedlichen Anbietern an Kakaoalternativen gearbeitet. Insofern werden diese – augenblicklich jedoch auch nur auf einer kleinen Basis – vielleicht in der Zukunft den Kakaomarkt sogar etwas entlasten», resümiert Claus Cersovsky, CEO der Gubor-Gruppe.
Motivation für den Kauf
Der wichtigste Faktor für den Kauf einer Schokoladenalternative ist der Geschmack. Das Produkt muss genauso gut schmecken wie Schokolade. Fast genauso wichtig: der Preis. «Shopper sind nicht bereit, deutlich mehr zu bezahlen. Nachhaltigkeit wird meist eher als positiver Zusatz wahrgenommen – wenn der Rest stimmt», so Dr. Sara Marquart. Die Motivation der Shopper Schokoladenalternativen zu kaufen, sieht Gubor darin: «Der Preis spielt sicherlich eine Rolle und sicherlich auch die Verwendung von regionalen Rohstoffen, die kürzere Anfahrtswege haben», erklärt Claus Cersovsky. Durch die Verwendung von ChoViva konnte der Hersteller den aktuellen Preis von Sun Rice auf dem bisherigen Preisniveau halten. «Ansonsten hätten wir das Produkt aufgrund der höheren Rohstoffpreise anpassen müssen. Die Verkaufspreise werden aber ausschliesslich vom Handel festgelegt», so Claus Cersovsky CEO der Gubor-Gruppe. Auch aus Sicht von Döhler ist der Preis der grösste Treiber für das Interesse an der Schokoladenalternative. «Generell lässt sich sagen, dass die Alternative Nukoko günstiger sein wird als der von Kakao. Wie viel günstiger genau hängt von vielen Faktoren ab und kann zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht prozentual oder absolut benannt werden», sagt Stefanie Engel.
Zukunft der Schokolade
Trotz der Preiserhöhungen im LEH, die in der Spitze bei rund 30 Prozent liegen, sind herkömmliche Schokoladen-Produkte nicht zum elitären Luxusgut geworden, darin sind sich die Branchenexperten einig. «Sie sind sicherlich deutlich teurer geworden, stellen aber keine Produktgruppe dar, die sich nur reiche Kunden leisten wollen und können», so Prof. Hermann Bühlbecker. Es ist auch nicht zu erwarten, dass originäre Schokoladenprodukte aufgrund dieser Alternativen aus den Regalen verschwinden. «Wir haben es mit einer neuen Art der Auswahlmöglichkeiten im Segment zu tun, mit der die Produktwünsche der Verbraucher – spannend, vielseitig und trendig – erweitert werden», resümiert so der Firmeninhaber von Lambertz.
Darüber hinaus bieten die Alternativen auch ein höheres Mass an Mengen- und Versorgungssicherheit, als dies etwa momentan bei klassischem Kakao beziehungsweise klassischer Schokolade der Fall ist. Auch dies ist für viele Hersteller ein zentraler Aspekt beim Einsatz von Kakao-/Schokoladen-Alternativen.





Wir lieben Schokolade und essen sie selbst sehr gerne. Unser Ziel ist es nicht, Schokolade zu ersetzen, sondern sie sinnvoll zu ergänzen. Angesichts der wachsenden Lücke zwischen Angebot und Nachfrage im Kakao- und Schokoladenmarkt braucht es Alternativen, die helfen, den Bedarf langfristig zu decken – ohne Kompromisse im Geschmack und ohne höhere Preise für Konsumenten.
Konventionelle Schokoladen-
Wir nutzen Schokoladen-Alternativen vorrangig aus dem Grund, weil sie mit nachhaltigen, ressourcenschonenden Faktoren verbunden sind und weil die Verbraucher diese ökologischen Eigenschaften immer mehr nachfragen. Zudem bieten diese Alternativen auch ein höheres Mass an Mengen- und Versorgungssicherheit, als dies etwa momentan bei klassischem Kakao beziehungsweise klassischer Schokolade der Fall ist. Auch dies ist für uns ein zentraler Aspekt beim Einsatz von Kakao-/Schokoladen-Alternativen. Diese Alternativen sind günstiger als klassischer Kakao beziehungsweise klassische Schokolade. Dies hat auch Einfluss auf unsere Angebotspreise. Die Endverbraucherpreise bestimmt ausschliesslich der Handel.
Die Zukunft von Schokolade wird ständig neu gedacht, schliesslich gibt es immer wieder Innovationen. Wer hätte vor einem Jahrzehnt noch gedacht, dass man auch den Saft der Kakaopulpe als Zutat verwenden kann? Oder hätte man sich vor Jahren eine weisse Schokolade mit Machatee vorstellen können? Was die Zukunft des Kakaos betrifft, werden allerdings im Sektor Strategien entwickelt, um zum Beispiel dem Klimawandel gewachsen zu sein. Wie auch in unseren Breiten verschieben sich Klimazonen und damit die Anbaubedingungen. Das wird nicht nur für Kakao sondern für viele landwirtschaftliche Erzeugnisse eine der zentralen Herausforderungen. 








