Näher am Original

Donnerstag, 30. April 2026
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Vegane Käsealternativen nehmen immer mehr Platz in den Regalen des Lebensmittel­einzel­handels ein. Das einstige Nischenprodukt hat sich in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt und überzeugt mit vielfältigen Geschmacksprofilen und Texturen, die den klassischen Käsesorten immer näherkommen.

Der Wandel veganer Käsealternativen vom reinen Ersatzprodukt hin zu einer festen Grösse im Sortiment wird massgeblich durch veränderte Ernährungsgewohnheiten geprägt. Besonders Millennials und die Generation Z treiben diese Entwicklung voran: Sie achten stärker auf Nachhaltigkeit, setzen sich für Tierwohl ein, interessieren sich für gesundheitsbewusste Ernährung und zeigen zugleich eine grosse Neugier auf neue, innovative Produkte. 
 
Genussvolle Option
Frühere pflanzliche Käsealternativen kamen in Geschmack, Textur, Schmelzfähigkeit und Nährstoffprofil nur selten an das tierische Pendant heran. Heute jedoch markieren innovative Rezepturen und Herstellungsverfahren einen echten Qualitätssprung und ermöglichen Aromen, Reifegrade sowie Schmelzeigenschaften, die immer näher an klassischen Käse heranrücken. Um zum perfekten Produkt zu gelangen, setzen die Hersteller auf eine Kombination aus moderner Lebensmitteltechnologie und traditionellem Käsereihandwerk. Auch in ernährungsphysiologischer Hinsicht wünschen sich Konsumenten mehr Ähnlichkeit der Ersatzprodukte zum Original. Neue Rezepturen sowie die gezielte Anreicherung mit Vitaminen, Mineralstoffen oder Proteinen können Produkte schaffen, die in puncto Genuss und Ernährung ein breites Publikum ansprechen – wie etwa die grosse Gruppe der Flexitarier. 
 
So arbeitet beispielsweise der Hersteller Greenforce Future Food daran, die Nährwerte seiner Käsealternativen weiter zu optimieren. Laut CEO und Gründer Thomas Isermann wird die Feta- sowie die Scheibenkäsealternative mit Vitamin B12 und Calcium angereichert. Auch beim Proteingehalt entwickeln sich pflanzliche Käsealternativen kontinuierlich weiter. «Unsere Feta-Alternative enthält bereits 6,9 Gramm Eiweiss pro 100 Gramm.» Für Isermann steht fest: «Nährwerte, eine nachvollziehbare Zutatenliste sowie die verwendete Rohstoffbasis gewinnen zunehmend an Bedeutung. Konsumenten wollen nachvollziehen können, was sie essen und erwarten gleichzeitig funktionale und ernährungsphysiologische Qualität.» Geschmack und Konsistenz bleiben laut Isermann aber die entscheidenden Kaufkriterien – und zugleich die grössten Herausforderungen dieser Produktkategorie. Da die Zielgruppe noch relativ klein ist, sei es wichtig, dass die pflanzlichen Käsealternativen von Anfang an überzeugen.
 
Echte Alternative
Lange Zeit wurden vegane Käsealternativen überwiegend auf Basis von Kokosöl und Stärke hergestellt. Mittlerweile setzt die Branche jedoch zunehmend auf natürliche, hochwertigere Zutaten wie Mandeln oder Cashews. Abhängig von den gewünschten Eigenschaften des Endprodukts, wie Schmelzverhalten oder Geschmack, wählt man bei Hersteller Vanozza Foods aus unterschiedlichen Grundzutaten. Für Marie Tauber, verantwortlich für den Bereich Marketing beim Hamburger Start-up, hat sich dabei besonders die Cashew bewährt. Aufgrund ihres Schmelzverhaltens sowie ihrer milden Note wird sie bei Vanozza in der Mozzarella- und der cremigen Brie-Alternative verwendet. «Funktionalität und Geschmack stehen bei uns im Vordergrund. Dass dabei auch das Nährwertprofil stimmen kann, zeigt unser ‹Old Italian›». Allein durch seine Zutaten erreicht das Parmesan-Pendant einen Proteingehalt von 19 Gramm pro 100 Gramm. 
 
Klare Rezepturen
Für Peter Hayn, Verkaufsleiter Deligan bei den Heinrichsthaler Milchwerken, zeigt sich ein klarer Trend: Verbraucher bevorzugen heute transparente und kurze Zutatenlisten, ohne dabei auf Vielfalt oder Geschmack zu verzichten. Das spiegelt sich auch im Sortiment des Herstellers wider – von «Frischcreme», «Edelschimmler» und «Ofenkäse» über Alternativen zu Quark bis hin zu Dips und Toppings. Bei der Herstellung seiner auf Mandeln und Kokos basierenden Käsealternativen setzt der Hersteller auf Fermentation – ein Verfahren, das Hayn als wegweisenden Schlüsselfaktor für die zukünftige Entwicklung veganer Käseprodukte bewertet.
 
Vielseitiges Sortiment
Hochland zeigt sich bei den Zutaten und Herstellungstechnologien für das breite Sortiment von Simply V ausdrücklich rohstoff- und technologieoffen. «Wir sind stets auf der Suche nach den Rohstoffen und Verfahren, mit denen wir für die Verbraucher die bestmöglichen Produkte entwickeln können», betont Chiara Broeker, Dairy-Free Category Director bei Hochland. Simply V deckt inzwischen ein ausgesprochen vielseitiges Produktspektrum ab: von klassischen Scheiben und Streichzubereitungen über geriebene Alternativen für Pizza, Pasta und Gratins bis hin zu pflanzlichem Hirtenkäse sowie einer Mozzarella-Alternative. Laut Broeker gewinnt dabei insbesondere die Warmanwendung zunehmend an Bedeutung – ein klarer Trend im Markt. Vor allem die jüngere Generation geniesse vegane Käsealternativen besonders gerne warm, etwa in Form von Hirtenkäse-Alternativen aus dem Airfryer.
 
Sichtbarkeit erhöhen
Ihr Potenzial noch weiter ausschöpfen können die pflanzlichen Käsealternativen nach Ansicht von Broeker durch eine bessere Platzierung im Regal. Während pflanzliche Alternativen zu Milch oder Joghurt bereits neben den entsprechenden konventionellen Produkten positioniert werden, ist dies bei veganen Käsealternativen bislang nicht flächendeckend umgesetzt. Dadurch nehmen insbesondere Flexitarier, die nicht aktiv nach veganen Produkten suchen, die Alternativen häufig gar nicht wahr. Eine Integration in die bestehende Käsekategorie könnte somit erheblich zur Reichweiten­steigerung beitragen und neue Kaufimpulse setzen. Fest steht: Pflanzliche Käsealternativen entwickeln sich kontinuierlich weiter und gewinnen spürbar an Qualität. Sie sind vielseitig einsetzbar, alltagstauglich, rücken geschmacklich wie auch in der Konsistenz immer näher an das Original heran und bereichern das Sortiment zeitgemäss um eine Auswahl an genussvollen Alternativen.

News

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Forschung

An der Universität Hohenheim wird intensiv zu neu­en Käsealternativen geforscht. 
Prof. Dr.-Ing. habil. Jörg Hinrichs, Leitung des Fachgebiets Milchwissenschaft und -technologie an der Universität Hohenheim, gewährt dem Markant Magazin ONE Einblicke in aktuelle Entwicklungen dieses zukunftsweisenden Forschungsfelds:
 
Unser Ziel ist es, vegane Käse­alterna­tiven zu entwickeln, die konventionellem Käse in Textur, Geschmack, Schmelzverhalten und Nährwert möglichst nahekommen und im Alltag genauso eingesetzt werden können. Ein Schwerpunkt liegt auf einem höheren Proteingehalt und dem Einsatz funktioneller pflanzlicher Proteine, idealerweise auch aus Nebenströmen, um sowohl die Nährstoffqualität als auch die Ressourceneffizienz zu verbessern. Dafür untersuchen wir verschiedene pflanzliche Proteine und wie sie verarbeitet werden können, damit sie besser schmelzen und ein angenehmes Mundgefühl vermitteln. Besonders interessant ist hier das Zein, ein Protein aus Mais, das als einziges bekanntes pflanzliches Protein wirklich schmilzt. Parallel dazu analysieren wir pflanzliche Fette und Öle, um das Verhalten von Butterfett zu imitieren und so ein möglichst käseähnliches Schmelz- und Geschmackserlebnis zu erreichen. Ein weiterer Ansatz ist die Fermentation. Durch den Einsatz ausgewählter Mikroorganismen lassen sich Aromaprofile und Textur gezielt beeinflussen.
 

 

Statements

 
Für die Käufer von veganen Käsealternativen steht der Geschmack an erster Stelle, gefolgt von Funktionalität in der Anwendung und der Gelingsicherheit. Gefragt sind aber auch «einfache» Zutaten, also eine klare, kurze Zutatenliste ohne Verzicht auf Vielfalt und Geschmack. 
Peter Hayn,
Verkaufsleiter Deligan,
Heinrichsthaler Milchwerke
 
 
 
Ein Trend im Markt ist die zunehmende Warmanwendung der Produkte. Besonders die junge Generation geniesst vegane Käsealternativen gerne warm, zum Beispiel Hirtenkäse-Alternativen aus dem Airfryer.
Chiara Broeker,
Dairy-Free Category Director,
​Hochland

Foto: Stephan Schaar
 
 
 
Der Markt für vegane Alternativen hat sich in den vergangenen Jahren enorm entwickelt. Das Ziel ist heute klar definiert: Käsealternativen müssen sich genauso verwenden lassen wie das tierische Produkt – Konsistenz, Geschmack und Funktionalität müssen stimmen.
Marie Tauber,
Marketing, Vanozza Foods
 
 
 
 
Der Markt für vegane Käsealternativen entwickelt sich aktuell dynamisch, bleibt jedoch hinter dem Wachstum von Fleisch- und Wurstalternativen zurück. Das liegt aus unserer Sicht an zwei Herausforderungen: Einer­seits fokussiert sich die Kommunikation der Marken bisher oft nur auf rein vegane Konsumenten, andererseits ist die bisherige Produktperformance über den Gesamtmarkt nicht durchweg gut. Sobald die meisten Produkte im Markt in Geschmack, Textur und Funktionalität überzeugen, wird sich auch die Marktdynamik deutlich beschleunigen. 
Thomas Isermann,
CEO und Gründer,
Greenforce Future Food
 
 
 

Produkte

Heinrichsthaler Milchwerke
Der «Edelschimmler» von Deligan ist aus sorgfältig ausgewählten natürlichen Zutaten hergestellt sowie nach traditionellen Rezepturen gereift. Er bietet das volle Aroma und die cremige Konsistenz seines klassischen Gegenstücks, dem Camembert. Er eignet sich als Highlight auf dem veganen Käse-Buffet und passt gut zu fruchtigen Senfsossen. Der «Edelschimmler» ist fermentiert und frei von Laktose und Gluten.

Vanozza Foods
Der «Old Italian» ist ein vollständig pflanzlicher Parmesan-Ersatz mit einer fein-würzigen Umami-Note und einem beachtlichen Proteingehalt von 19 Gramm pro 100 Gramm. Er ist der ideale Begleiter für Pasta, Cacio e Pepe, Risotto oder Pesto – und überzeugt nicht nur geschmacklich: Die Verpackung besteht zu 100 Prozent aus Papier und setzt damit ein klares Zeichen für Nachhaltigkeit.

Hochland 
«Simply V Pizza» überzeugt Pizza-Liebhaber mit seinem mild-aromatischen Geschmack, schmilzt, bräunt goldgelb und zieht Fäden. Er eignet sich genauso auf Pizza wie zum Überbacken auf Lasagne, Aufläufen oder Gratins.

Bel Brands 
Mini Babybel Vegan präsentiert sich nach einem umfassenden Relaunch mit neuer Rezeptur, verbesserten Nährwerten und neuem Design. Geschmacklich ist er jetzt noch näher am Original. Die Rezeptur basiert auf pflanzlichen Ölen wie Kokosöl und Sonnenblumenöl sowie auf Ackerbohnenprotein aus Nordeuropa. Das neue Produkt enthält 53 Prozent weniger Fett, 65 Prozent weniger gesättigte Fettsäuren und 28 Prozent weniger Kalorien als zuvor. Neu ist zudem die Quelle von Vitamin B12, während Calcium weiterhin enthalten bleibt.

Greenforce Future Food
Mit «Würzbert» bietet der Hersteller eine würzige Camembert-Alternative auf pflanzlicher Basis. Das Produkt überzeugt durch eine cremige Textur, eine authentische Edelschimmelreifung und einen vollmundigen Geschmack. Es eignet sich sowohl klassisch auf dem Käsebrett, verarbeitet als Brotaufstrich, etwa als Alternative zu Obazda oder auch für warme Anwendungen.