Die mediterrane Küche steht für gesunde Ernährung, hochwertige Zutaten und ein ganz besonderes Lebensgefühl. Für den Handel eröffnet sie damit attraktive Chancen, neue Zielgruppen zu erreichen sowie das Sortiment emotional und profitabel zu erweitern.
Die mediterrane Küche steht wie kaum eine andere für Genuss, Leichtigkeit und hochwertige Zutaten – Werte, die bei den Konsumenten zunehmend gefragt sind. Geprägt von frischen Zutaten, einfachen Zubereitungsarten und einer starken regionalen Identität, steht sie für mehr als nur Essen: Sie verkörpert ein Lebensgefühl aus Gesundheit, Geselligkeit und bewusster Ernährung. Genau darin liegt auch ihr wachsendes Potenzial für den Handel.
Aktuelle Ernährungstrends
Im Zentrum der mediterranen Küche stehen Produkte wie Olivenöl, frisches Gemüse, Fisch, Hülsenfrüchte und aromatische Kräuter. Diese Zutaten sind nicht nur ernährungsphysiologisch wertvoll, sondern treffen auch den aktuellen Zeitgeist. Sprich: Die mediterrane Küche greift eine Vielzahl aktueller Trends auf und verbindet sie zu einem stimmigen Gesamtkonzept, das sowohl Genuss als auch Alltagstauglichkeit in den Mittelpunkt stellt. In diesem Kontext stellt Dr. Carsten Wehrmann, Geschäftsführer bei Costa heraus: «Die Stärke der mediterranen Küche liegt in ihrer klaren Ausrichtung auf eine ausgewogene, gesundheitsbewusste Ernährung mit Fisch, Gemüse und hochwertigen Fetten. Damit trifft sie den wachsenden Anspruch vieler Konsumenten an bewussten Genuss.»
Trendthema Gesundheit
Besonders prägend ist der Trend hin zu pflanzenbetonten Gerichten: «Insbesondere Linsen, Kichererbsen und Bohnen erleben einen Aufschwung in der Nachfrage», sagt Lars Endres, Einkäufer bei der Markant Tochter Iberiana. Dies unterstreicht den natürlichen Fit der mediterranen Küche zu aktuellen Ernährungsgewohnheiten. Gleichzeitig rückt das Thema Gesundheit stärker in den Fokus. «Hochwertiges Olivenöl, das reich an ungesättigten Fettsäuren und Antioxidantien ist, steht im Fokus des Longevity- und Anti-Aging-Trends. Es wird gezielt mit Herzgesundheit, Entzündungshemmung und einem längeren, gesünderen Leben assoziiert und gewinnt dadurch stark an Bedeutung im Premium-Segment», berichtet Anja Dilberowic, Marketing-Direktorin bei Importhaus Wilms. Der Gesundheitstrend wird damit zum überzeugenden Argument für den POS. Tomislav Bucic, General Manager bei Deoleo Deutschland verweist vor diesem Hintergrund auf Folgendes: «Gesundheitsbewusste Käufer, die eine wachsende Zielgruppe darstellen, finden in mediterranen Sortimenten eine natürliche Anlaufstelle. Daten des GFK BrandTrackers von November 2025 zeigen, dass ‹Gesundheit/Natürlichkeit› für 44 Prozent der Shopper ein Top-3-Kriterium beim Olivenölkauf ist.»
Neue Verkaufsansätze
Parallel dazu wächst der Anspruch an Convenience: Produkte sollen sich schnell und unkompliziert in den Alltag integrieren lassen. Besonders dynamisch entwickelt sich laut Beobachtung von Costa das Segment hochwertiger mediterraner Conveience-Produkte, bei dem gesunder Genuss und einfache Zubereitung zusammenkommen – etwa in Form von Ofen- und Pfannengerichten oder TK-Komplettmahlzeiten.
Auch im Snackbereich zeigt sich die Dynamik der mediterranen Küche. «Kleine, gesunde Portionen für unterwegs, etwa Oliven ohne Salzlake im wiederverschliessbaren Format, erweitern klassische Verzehranlässe und erschliessen so neue Zielgruppen», sagt Anja Dilberowic. Darüber hinaus greifen ofengebackene Bruschette, Tapas oder leichte Knabbereien den Trend «Snackification» auf. Gleichzeitig stehen sie für Geselligkeit und lassen sich ideal mit Dips oder Antipasti kombinieren.
Zudem gewinnt nach Einschätzung von Rila das gemeinsame Essen als soziales Erlebnis zunehmend an Bedeutung. «Formate wie Tapas- oder Antipasti-Abende stehen exemplarisch für den Trend zur gemeinschaftlichen Esskultur, bei der Genuss und Geselligkeit im Mittelpunkt stehen», so Dr. Ann-Kristin Welk, Produktmanagerin bei Rila. Gerade die mediterrane Küche eignet sich aufgrund ihrer Vielfalt an kleinen Gerichten besonders gut für solche Anlässe. Für den Handel ergeben sich daraus attraktive Möglichkeiten, mediterrane Produkte über Themen wie Urlaub, Gesundheit oder gemeinsamen Genuss emotional zu inszenieren. Ergänzt wird diese Entwicklung durch die steigende Neugier auf neue Geschmackserlebnisse. Mediterrane Klassiker werden laut Iberiana zunehmend mit anderen Küchen kombiniert, etwa in Fusion-Konzepten mit asiatischen Einflüssen. Ferner sieht Deoleo in der Weiterentwicklung der mediterranen Küche Potenzial, indem bekannte Geschmäcker neu interpretiert werden und so für zusätzliche Impulse am POS sorgen. Insgesamt zeigt sich, dass die mediterrane Küche zentrale Megatrends wie pflanzenbasierte Ernährung, Gesundheit, Nachhaltigkeit, Authentizität und Convenience nicht nur aufgreift, sondern auf natürliche Weise vereint und damit langfristig relevant bleibt.
Chancen für den LEH
Kaum eine andere Küche ist so stark emotional aufgeladen wie die mediterrane Länderküche. Sie steht für Urlaub, Leichtigkeit und Genuss – Assoziationen, die sich gezielt am POS aktivieren lassen. Für den Handel eröffnet sich hieraus klare Chancen zur Profilierung. Durch ein gezielt kuratiertes Sortiment mediterraner Lebensmittel können Händler sowohl neue Kundengruppen ansprechen als auch bestehende stärker binden - darin sind sich die Branchenexperten einig. Ferner schaffen Themenwelten – etwa «Mediterrane Woche» oder «Genuss wie im Süden» – zusätzliche Anreize und laden zum Entdecken ein. «Ergänzt durch Rezeptideen, Verkostungen oder digitale Inhalte lässt sich das Einkaufserlebnis emotional aufladen und differenzieren», so Sandra Eilts, Marketingleiterin bei Borchers Fine Food, die unter anderem die Marke Sacla vertreibt. Weiter fügt sie hinzu: «Darüber hinaus bietet die mediterrane Küche zahlreiche Ansatzpunkte für Cross-Selling. Pasta, Saucen, Gewürze, Weine und passende Frischeprodukte lassen sich ideal kombinieren und als zusammenhängende Genusswelten präsentieren.»
Klare Länder-Orientierung
Der Fokus sollte laut Costa auf den kulinarisch prägenden Kernmärkten der mediterranen Küche liegen: Italien, Spanien und Frankreich. Sie vereinen laut dem Hersteller hohe Bekanntheit mit klaren kulinarischen Profilen und bieten eine gute Balance aus Alltagsrelevanz und Genussinszenierung. Importhaus Wilms empfiehlt, den Fokus auf Italien und Griechenland zu legen. «Die italienische und griechische Küche vereinen zentrale Konsumentenbedürfnisse – von Genuss und Gesundheit bis hin zu Einfachheit und Geselligkeit. Dadurch sind sie in Deutschland fest etabliert und gleichzeitig flexibel genug, um neue Trends aufzugreifen und weiterzuentwickeln», so Anja Dilberowic. Für Iberiana zählen Spanien, Italien und Griechenland zu den Fokusländern. «Die Türkei und Marokko dienen zusätzlich dazu, eine grössere Vielfalt zu gewährleisten», berichtet Lars Endres.
Von Standard bis Genuss
Neben der Konzentration auf das Land geht es für den Erfolg am POS vor allem auch darum, welche Artikel gelistet werden sollten. Aus Sicht von Rila gehören Produkte zum Standardprogramm, die fest im deutschen Alltagskonsum verankert sind und deshalb nach Warengruppen einsortiert werden sollten. Dazu gehören Spaghetti, Penne, Pesto, Tomatensauce oder Olivenöl. «Diese Produkte haben eine hohe Haushaltsdurchdringung und bilden das Volumengeschäft der mediterranen Küche, werden aber nicht mehr unbedingt als Länderfeinkost wahrgenommen», so Dr. Ann-Kristin Welk. Das mediterrane Feinkost- oder Länderregal setze hingegen stärker auf Inspiration und Genuss. Zum Pflichtprogramm im mediterranen Feinkostregal zählen daher vor allem Spezialitäten, die stark mit mediterranen Genussmomenten verbunden sind. «Hierzu gehören auf jeden Fall getrocknete Tomaten», davon ist Stefan Feldkämper, Marketing Director Retail bei der Fuchs Gruppe, fest überzeugt. «Sie gehören zu den Antipasti-Klassikern, da ihr intensiv konzentrierter Geschmack perfekt zu mediterranen Aromen wie Olivenöl, Kräutern und Knoblauch passt. Auch schwarze und grüne Oliven sind aus der Mittelmeer-Küche nicht wegzudenken » Sie bringen laut Fuchs eine würzige, leicht salzige Note mit und stehen wie kaum ein anderes Produkt für mediterrane Genusskultur. Zum mediterranen Pflichtprogramm zählen auch Klassiker wie luftgetrocknete Salami und Schinkenspezialitäten, die fest in der Tapas- und Antipasti-Tradition verwurzelt sind. Davon ist die Campofrio Food Group Deutschland fest überzeugt. «Stücksalami wird dabei häufig als Genussoption wahrgenommen und zu besonderen Anlässen verwendet – etwa beim Sonntagsbrunch, am Abend als Bestandteil eines Charcuterie-Boards für Gäste, oder einfach für persönliche Genussmomente. Dabei machen Snack-Formate mediterranen Genuss unkompliziert zugänglich», erklärt Sybille Jech, Senior Brand Manager, Campofrio Food Group Deutschland. Die Kür bilden laut Rila stärker spezialisierte oder regionaltypische Feinkostartikel. Sie sprechen damit vor allem genussorientierte Konsumenten an und bieten dem Handel Möglichkeiten zur Differenzierung und Premiumpositionierung.
Strategische Kategorie
Wie vielseitig mediterrane Küche interpretiert werden kann, zeigt das breite Angebot der Hersteller. Ein grosses Sortiment italienischer und mediterraner Marken, bietet auch Genuport. Die Bandbreite reicht von Frühstücksaufstrichen über Feingebäcke bis hin zu Eiscreme und Snacks. «Ziel ist es, authentische mediterrane Geschmäcker in deutsche Haushalte zu bringen», so Genuport. Dabei darf eines nicht vergessen werden: Die mediterrane Küche ist weit mehr als ein saisonales Thema. Sie verbindet Emotion, Gesundheit und Convenience zu einem ganzjährigen Erfolgskonzept. Richtig inszeniert, bietet sie dem Handel die Möglichkeit, sich zu profilieren, und zusätzliche Kaufimpulse zu generieren. Wer mediterrane Sortimente als Erlebniswelt denkt, auf Frequenzträger setzt und durch innovative Konzepte ergänzt, kann das volle Potenzial dieser Kategorie ausschöpfen.