Backwarenprodukte sind ein fester Bestandteil der Ernährung auf der ganzen Welt. Der globale Markt bedient verschiedene kulinarische Vorlieben und bietet gleichzeitig ein sensorisches Erlebnis der Vielfalt und des Genusses.
Brot ist weit mehr als nur ein Grundnahrungsmittel. Es ist ein Spiegelbild kultureller Identität, Tradition und innovativer Backkunst. Überall auf der Welt nutzen Bäcker ihr kulturelles Erbe und kombinieren es mit modernen Techniken, um erstaunliche Brotkünste und Designs zu schaffen. Diese globale Vielfalt der Brotkultur bietet somit einen spannenden Einblick in die Fähigkeiten und die Kreativität von Bäckern aus verschiedenen Kulturen.
Kulinarische Reiselust
Es ist vor allem die Neugier auf neue Geschmackserlebnisse, warum die Shopper zu internationalen Backwaren greifen. «Neben dem Genuss spielen auch kulturelle Offenheit, Urlaubserinnerungen und Trends aus Medien und Social Media eine wichtige Rolle bei der Kaufmotivation», informiert Christoph Kauff, Geschäftsführer der IBIS Backwarenvertriebs GmbH. Dazu fügt Prof. Dr. Ulrike Detmers, geschäftsführende Gesellschafterin, Vorsitzende und Sprecherin der Geschäftsführung Mestemacher Management GmbH an: «Sie bieten einen Hauch von kulinarischer Reiselust, die sich bequem in den eigenen Alltag integrieren lässt.»
Bereicherung im Alltag
Auf den Punkt gebracht heisst das: Internationale Backwaren stehen für kulinarische Vielfalt, neue Geschmackserlebnisse und ein Stück Fernweh im Alltag. Insbesondere Produkte mit amerikanischem Ursprung – wie Pancakes oder Burger Buns – erfreuen sich laut Lieken hierzulande grosser Beliebtheit. «Sie sind vielseitig kombinierbar, schnell zubereitet und längst fester Bestandteil der modernen Alltagsküche», sagt Felix Neuberger, Head of Marketing, Lieken GmbH. «Ein gutes Beispiel dafür sind unsere ‹GOLDEN TOAST Pancakes›. Seit dem Launch Anfang 2024 wurden über 670 000 Packungen im deutschen LEH verkauft. Sie zeigen, wie unkompliziert internationale Backwaren den Alltag bereichern können – ob warm oder kalt, süss oder herzhaft.» Ferner hat der Hersteller mit «GOLDEN TOAST Vegan Brioche Sandwich» ein Produkt in die Regale des Handels gebracht, das nicht nur den Brioche-Trend aufgreift, sondern gleichzeitig eine bewusste, pflanzliche Ernährung unterstützt.
Besonders beliebt sind bei den Konsumenten auch Brot und Backwaren aus Frankreich und Italien. Beide Länder stehen für eine lange Backtradition und hochwertige Genussprodukte, die in Deutschland mit Lebensart, Qualität und Urlaubsgefühl assoziiert werden. Darüber hinaus sind laut IBIS Backwaren orientalische Backwaren wie Fladenbrote oder Baklava gefragt, da sie durch ihre aromatische Vielfalt, exotische Zutaten und die wachsende kulturelle Präsenz besonders viele Kunden ansprechen.
Das bestätigt auch Lantmännen Unibake: «Der mittlere Osten und damit die Levante-Küche steht derzeit besonders im Fokus der Shopper und gewinnt weltweit an Popularität», berichtet Marketingleiterin Annette Trostheide. Aus Sicht des Markenartiklers liegt dies unter anderem an der kulturellen Bedeutung und Vielfalt. Die Levantine Küche ist nicht nur eine Sammlung von Rezepten, sondern eine kulturelle Erfahrung, die tief in der Geschichte und den Traditionen der Länder des östlichen Mittelmeerraums verwurzelt ist. Zudem wird sie als gesund und vitaminreich beschrieben, was sie besonders attraktiv für gesundheitsbewusste Verbraucher macht. Die Gerichte sind oft vegetarisch oder vegan und basieren auf frischen Gemüsen, Kräutern und Gewürzen.
«Eine konkrete Länderpräferenz lässt sich allerdings nur sehr schwer festmachen», resümiert dazu Prof. Dr. Ulrike Detmers. «Es fällt aber auf, dass Produkte mit internationalem Charakter eine starke Anziehungskraft haben. Wichtig ist dabei nicht immer das Herkunftsland, sondern der kulinarische Kontext, Authentizität und Vielfalt.»
Inspiration am Regal
Viele Konsumenten kaufen gezielt ihr Lieblingsprodukt, andere lassen sich wiederum spontan vor dem Brotregal inspirieren. Dazu hat Felix Neuberger folgende Beobachtung gemacht: «Internationale Backwaren sind häufig Plankäufe, insbesondere wenn sie Bestandteil geplanter Mahlzeiten wie Burger oder Frühstücks-Snacks sind.» Aber dennoch können sie durch ihre besondere Optik, Verpackung oder einer Rezeptidee als Impulsprodukt wirken, darin sind sich die Branchenkenner einig. Von daher gilt es, die Impulskaufrate zu erhöhen, beispielsweise durch Zweitplatzierungen bei passenden Warengruppen, ansprechende Bildsprache und Storytelling sowie Servierideen auf der Verpackung. Auch QR-Codes mit Rezeptideen oder Social-Media-Verlängerungen schaffen Anreize und aktivieren spontan. Die Saisonalität kann ebenfalls genutzt werden. So sind zur Grillsaison Burger Buns, Pitas und Fladenbrote für den Shopper besonders interessant.
Faktor Preis-Leistung
Angesichts der angespannten wirtschaftlichen Lage spielen für den Konsumenten die Preise von Lebensmitteln eine wichtige Rolle – auch diese im Backwarenregal. «Der Shopper ist bei internationalen Backwaren in der Regel mässig preissensibel, da viele Produkte als Premiumartikel wahrgenommen werden», so Christoph Kauff. Der Wunsch nach Qualität, Authentizität und Besonderem rechtfertige einen leicht höheren Preis. Doch dabei ist folgender Faktor nicht aus dem Auge zu verlieren: «Der Mehrwert muss klar erkennbar sein. Wenn Geschmack und Qualität stimmen, ist der Kunde sicherlich bereit, mehr zu bezahlen», so Prof. Dr. Ulrike Detmers. Dem fügt Felix Neuberger hinzu: «Unsere Erfahrung zeigt: Entscheidend ist das Preis-Leistungs-Verhältnis. Vertrauen, Verlässlichkeit und Genuss – das honorieren die Verbraucher mit einer hohen Markentreue.»
Internationale Brotsorten
Baguette
Langes, schlankes Weißbrot mit knuspriger Kruste. Ein Qualitätsmerkmal des französischen Baguettes ist die grobe und ungleichmässige Krume. Wörtlich übersetzt bedeutet Baguette «Stöckchen» oder «Stab».
Ciabatta
Italienisches Weissbrot auf Basis von Weizenmehl, Salz, Hefe, Wasser und Olivenöl. Damit sich die typischen ungleichmässigen Poren und die kräftige Kruste bilden, benötigt der Teig eine lange Ruhezeit bei kühler Lagerung. Durch Zugabe von verschiedenen Kräutern, getrockneten Tomaten oder Oliven entstehen Varianten der Ciabatta. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name «Pantoffel», was von der flachen, länglichen und breiten Form des Brotes erinnert.
Chapati
Indisches Fladenbrot aus einer Vollkornmischung von Gerste, Hirse und Weizen. Mit Wasser, Öl und Salz wird die Mischung zu einem Teig verarbeitet. Daraus rollt man dünne Fladen und backt sie in einer trockenen Pfanne aus. Chapatis sind das Hauptnahrungsmittel in Nordindien.
Knäckebrot
Ursprünglich stammt Knäckebrot aus Schweden. Es wird meist aus Vollkorngetreide – hauptsächlich Roggenschrot und fein gemahlenem Roggen- und Weizenmehl – hergestellt und sehr kurz und sehr heiss gebacken. Dadurch enthält es nach dem Backen weniger als zehn Prozent Wasser und ist sehr lange haltbar.
Naan
Ein indisches Fladenbrot aus gesäuertem Teig. Zum Säuern des Teiges wird Joghurt, Hefe oder auch Backpulver verwendet. Ursprünglich wurde Naan vor allem aus Hirse hergestellt. Heute nimmt man meist Weizenmehl. Der Fladen wird vor dem Backen in eine längliche Form mit etwas dickerem Rand gebracht und meist über offener Glut gebacken.
Pita
Das Fladenbrot aus Hefeteig stammt ursprünglich aus Griechenland. Unter dem Namen «Pide» ist es aber auch in der Türkei bekannt und bis in den Nahen Osten verbreitet. Pita wird mehrmals täglich frisch gebacken und dient als Beilage zu fast allen Mahlzeiten.
Pumpernickel
Pumpernickel ist ein kompaktes, dunkles und krustenloses Brot aus Roggen bzw. Roggenschrot. Es zeichnet sich durch eine sehr dunkle Farbe und einen leicht süsslich-säuerlichen, malzigen und herzhaften Geschmack aus. Dieser wird durch den Roggen und die lange Backzeit erzeugt. Ursprünglich stammt Pumpernickel aus der westfälischen Küche, genauer gesagt aus Soest, ist aber in ganz Deutschland und weit über seine Grenzen hinaus beliebt. Seit 2014 ist der «Westfälische Pumpernickel» als geschützte geografische Angabe (g.g.A.) eingetragen.
Schüttelbrot
Eine Spezialität aus Südtirol ist das Schüttelbrot. Der Teig besteht aus Roggenmehl, Wasser, Hefe, Salz und Gewürzen und wird – wie der Name schon sagt – von Hand flach in Form geschüttelt, bevor man es knusprig ausbäckt. Der fertige Fladen ist sehr dünn, knusprig und lange haltbar.
Toastbrot
Der Teig für das Toastbrot besteht aus Weizenmehl, Wasser, Milch, Fett, Zucker, Salz und Triebmitteln wie Hefe, Sauerteig oder Backpulver. Die feine Porung des Toastbrotes und das typische Rostaroma, das beim Toasten entsteht, sind auf seinen hohen Eiweissgehalt zurückzuführen. Es ist vor allem in Grossbritannien und den USA beliebt, wo es getoastet zum Frühstuck oder ungetoastet als Sandwich gereicht wird.
Yufka
Das türkische Fladenbrot aus ungesäuertem Teig besteht aus gemahlenem Getreide und Wasser. Da es beim Backen kaum aufgeht, sind die fertigen Fladen nur wenige Millimeter dick. Yufka haben einen Durchmesser von 30 bis 70 Zentimetern und werden meist verwendet, um Dönerfleisch darin einzurollen.
Quellen: Verein Brot- und Mühlen Lehr-Museum, Gloggnitz (Österreich); Schutzgemeinschaft Westfälischer Pumpernickel e. V.