Der Airfryer verändert nicht nur, wie gekocht wird. Er ist mittlerweile auch ein wichtiger Treiber in der Produktentwicklung. Für den LEH entsteht daraus keine neue Warengruppe – sondern eine neue Logik für Sortiment, Orientierung und Aktivierung.
Der Airfryer ist im Küchenalltag angekommen. Doch für Hersteller und Handel liegt seine Bedeutung längst nicht mehr allein in der schnellen Zubereitung von Pommes frites und Snacks. Die Heissluftfritteuse entwickelt sich zum Innovationsfilter. Das heisst: Die Produkte müssen nicht nur gut schmecken. Da der Airfryer im Grunde wie ein kompakter Umluftofen arbeitet – ein Heizelement erhitzt die Luft, ein Ventilator lässt sie mit hoher Geschwindigkeit um das Gargut zirkulieren – , wird die Oberfläche rasch gebräunt und knusprig. Kurzum: Für diese physikalischen Bedingungen braucht es speziell für den Airfryer konzipierte Artikel, Formate und Rezepturen. Dies bestätigt auch Dominic Walbaum, Product Marketing Manager B2B bei der Fuchs Gruppe: «Der Airfryer ist längst kein kurzfristiger Küchentrend mehr. Er hat das Kochverhalten vieler Menschen deutlich verändert.» Und damit auch die Erwartungen an Produkte. «Die Hersteller reagieren darauf, indem sie bestehende Rezepturen gezielt für die Heissluftzubereitung optimieren oder auch völlig neue Produktkonzepte erarbeiten, die speziell auf den Airfryer zugeschnitten sind.» Die Heissluftfritteuse ist damit zu einem wichtigen Treiber für die Produktentwicklung geworden. Kartoffelprodukte, Fingerfood und Pizza gehören zwar weiterhin zu den naheliegenden Gewinnern. Doch das Spektrum wird breiter: Käse-Snacks, Fisch, Gemüse, Brot und Aufbackwaren, Würzmischungen sowie kleine Backformate werden gezielt auf die Anforderungen des Airfryers abgestimmt. Der Trend verlagert sich damit vom einzelnen Snack hin zu einer vielseitigen Zubereitungswelt.
Angepasste Rezepturen und Formate
Der entscheidende Unterschied zum Backofen liegt in der kompakten, direkten Hitze. Sie sorgt für kurze Garzeiten, stellt die Hersteller aber auch vor neue Herausforderungen. So dürfen Teige nicht austrocknen, Panaden sollten haften und gleichmässig bräunen, Gewürze dürfen nicht verbrennen. Gleichzeitig erwarten Shopper ein Ergebnis, das ohne viel Aufwand gelingt. «Der Airfryer backt nicht ‹wie ein kleiner Ofen›, sondern nach eigenen physikalischen Regeln», erklärt Daniela Emonts-Gast, Senior Executive Managerin Consumer Marketing Deutschland bei Dr. Oetker. Gerade bei Kuchen und Kleingebäck brauche es deshalb angepasste Formate, Rezepturen und Triebmittel. Ferner zeigt die aktuelle Dr. Oetker Airfryer-Backstudie 2026*: Je grösser der Haushalt, desto häufiger wird der Airfryer zum Backen genutzt: 31 Prozent in Haushalten mit vier oder mehr Personen, 27 Prozent bei drei Personen, 22 Prozent bei zwei Personen und 18 Prozent in Single-Haushalten.
Auch bei herzhaften Produkten entscheidet die technische Abstimmung über den Erfolg. «Die grösste Herausforderung ist, dass das Produkt aussen knusprig wird, innen saftig bleibt und gleichzeitig gleichmässig gart. Dafür braucht es eine genaue Abstimmung», erklärt dazu Luisa Margies, International Communications Manager & Corporate Communication bei Original Wagner Pizza. Grösse sowie Teig- und Produktdesign seien entscheidend für ein verlässliches Ergebnis. Für Gewürze gelten ebenfalls besondere Anforderungen. «Sie müssen auch unter der intensiven Heissluftzirkulation im Airfryer zuverlässig am Produkt haften», erklärt Dominic Walbaum von der Fuchs Gruppe. Zugleich müssten Mahlgrad, Rezeptur, Hitzestabilität und Bräunungsverhalten präzise aufeinander abgestimmt werden.
Funktionale Crunch-Komponenten könnten zusätzlich helfen, das erwartete Knuspererlebnis zu erzeugen. Airfryer-tauglich ist damit kein beiläufiger Zubereitungshinweis mehr. Es wird zunehmend zu einem Qualitätsversprechen.
Vielfältige Möglichkeiten
Kartoffelprodukte bleiben der stärkste Treiber. Laut McCain wird bei der Hälfte aller Airfryer-Anlässe ein Kartoffelprodukt zubereitet. Besonders gefragt sind Produkte, die schnell servierbereit sind und ein ausgeprägtes Knuspererlebnis bieten. «Wie sehr der Trend trägt, sehen wir an unseren Air Fryer Fries: Sie konnten in den vergangenen zwölf Monaten im Absatz um 75 Prozent wachsen*», sagt Sabine Weber, Marketing Managerin Retail DACH & CEE bei McCain. Die Produkte gehörten heute zu den Artikeln mit dem stärksten Absatzwachstum im McCain-Portfolio. «Das zeigt, wie wichtig Produkte sind, die genau für diesen Nutzungsanlass funktionieren.» Allerdings löst sich der Airfryer zunehmend von seiner Rolle als reine «Pommes-Maschine», so eine Beobachtung von Maggi. «Kartoffelprodukte wie Pommes frites bleiben der Star im Airfryer. Doch immer mehr Verbraucher entdecken das Küchengerät auch für Hähnchen, Gemüse oder Fisch», sagt Martina Kalmbach, Head of Maggi Cooking bei Nestlé Deutschland. Dies steigert zugleich die Nachfrage am Point of Sale nach passenden Würzmischungen, Panaden und kreativen Rezeptlösungen.
Fakt ist: Der Airfryer hat sich in den vergangenen Jahren in vielen Haushalten etabliert und steht für einen Trend zu einer schnellen, unkomplizierten Zubereitung. Laut der YouGov-Studie «The Aifryer-Nation» besitzen 47 Prozent der Haushalte in Deutschland ein entsprechendes Gerät. Rund 65 Prozent der Haushalte verwenden ihren Airfryer mindestens einmal pro Woche. Gleichzeitig zeigt sich ein anhaltender Wunsch nach einfachen und schnellen Zubereitungsmöglichkeiten: 57 Prozent bewerten laut dem BML-Ernährungsreport von 2025 eine einfache und schnelle Zubereitung des Essens als wichtig bis sehr wichtig. «Dadurch eröffnen sich auch für Brot- und Aufbackprodukte neue Möglichkeiten: Sie lassen sich innerhalb weniger Minuten knusprig aufbacken und eignen sich für unterschiedliche Verzehranlässe – vom Frühstück bis zum Grillabend», so Katharina Frerichs, Marketingleiterin bei Harry-Brot. Diese Entwicklung wird durch die Nutzung im Alltag verstärkt. Damit gewinnt der Airfryer auch für klassische Mahlzeiten und Komponenten an Relevanz – nicht nur für spontane Snackmomente.
Kleine Formate, grosse Chancen
Besonders profitieren Produkte, die zur Logik des Geräts passen: kompakt, portionierbar, schnell zubereitet und unkompliziert kombinierbar. Dazu zählen Mini-Pizzen, Snack-Balls, Fingerfood, Fischstäbchen, Gemüse-Snacks, kleine Backwaren und Käseartikel. Sie passen in den Garkorb, ermöglichen eine gute Luftzirkulation und lassen sich flexibel für Einpersonen-, Familien- oder Sharing-Anlässe einsetzen. «Vom Airfryer-Boom profitieren insbesondere Snackprodukte und kleinere Formate, die sich schnell und unkompliziert zubereiten lassen», so Luisa Margies von Original Wagner Pizza.Dazu gehörten etwa Airfryer-Snacks und kleinere Pizzaformate wie Piccolinis. Sie eigneten sich besonders für spontane Verzehranlässe und den schnellen Genuss zwischendurch.
Leistungsstarkes Sortiment
Auch Fingerfood wird zum wichtigen Wachstumsfeld. «Fingerfood und Snacks passen ideal zum Airfryer und zur Zielgruppe», so Andrea Kahl von Frostkrone Food Group. Entscheidend seien dabei vor allen Dingen Gelinggarantie und Knusprigkeit. «Verbraucher suchen gezielt nach Produkten, die im Airfryer wirklich gut gelingen.» Bei Fischprodukten spielen neben Convenience auch Zutatenqualität und Transparenz eine Rolle. «Der Airfryer verbindet damit Convenience und Genuss auf ideale Weise», berichtet Anna Papakonstantinou, Senior Brand Manager bei Frosta. Besonders panierte Produkte wie Fischstäbchen könnten im Airfryer ohne zusätzliches Fett eine appetitliche Knusprigkeit entwickeln.
Die Heissluftfritteuse schafft keine isolierte Warengruppe. Vielmehr verbindet sie bestehende Kategorien über ein gemeinsames Nutzenversprechen: schnell, knusprig, gelingsicher und unkompliziert. «Da der Airfryer keine eigenständige Produktkategorie, sondern vor allem eine Zubereitungsart ist, erwarten wir weniger eine separate Kategorie im Handel als vielmehr eine verstärkte Kennzeichnung geeigneter Produkte innerhalb bestehender Kategorien», sagt Dominic Walbaum von der Fuchs Gruppe. Für viele Konsumenten sei die Eignung für die Heissluftfritteuse inzwischen ein relevantes Kaufkriterium. Genau darin liegt die Chance für den Handel. Statt ein separates Airfryer-Regal aufzubauen, können Händler die Zubereitungsart als Orientierungsebene über das Sortiment legen. TK-Produkte, Würzmischungen, Aufbackwaren und Backmischungen lassen sich gezielt miteinander verknüpfen. Aus dem einzelnen Produkt wird ein konkreter Essensanlass. Der Airfryer wird damit zum Impulsgeber für neue Platzierungen, Cross-Selling und Rezeptkommunikation. Und er verschiebt den Wettbewerb: Nicht allein die Produktidee entscheidet, sondern die Frage, ob sie im Airfryer ein überzeugendes und wiederholbares Ergebnis liefert.
Quelle: *Circana, MAT Juni 2026 vs. MAT Juni 2025
Tipps für den Point of Sale
1. Mehr Sichtbarkeit
Airfryer-Produkte sollten innerhalb ihrer angestammten Kategorien sichtbar gemacht werden – etwa über Regalschilder, Zweitplatzierungen oder digitale Filter im Online-Shop und in der Händler-App. Entscheidend ist die klare Botschaft: «Für den Airfryer geeignet» beziehungsweise «Im Airfryer besonders knusprig».
2. Impulsreiches Cross-Selling
Bündeln Sie Produkte nach konkreten Nutzungssituationen, zum Beispiel:
- Schnelles Abendessen: Kartoffelbeilagen, Fisch, Gemüse, Würzungen
- Apéro und Sharing: Käse-Snacks, Fingerfood, Mini-Brötchen, Dips
- Movie Night: Pizza-Snacks, Potato Pockets, Popcorn Dogs, Saucen
- Süsses aus dem Airfryer: Muffin-, Cookie- und Quarkbällchen-Backmischungen
Solche Lösungen erleichtern die Auswahl und erhöhen das Cross-Selling-Potenzial.
3. Klarer Mehrwert
«Crunch», «goldbraun», «saftig innen» und «in wenigen Minuten fertig» sind starke Kaufargumente. Der Handel sollte diesen Nutzen am POS aufgreifen – mit aufmerksamkeitsstarken Displays, Rezeptkarten oder Aktionsflächen. Gerade bei neuen Produktformaten braucht es eine klare Erwartung an das Genusserlebnis.
4. Vielfältige Packungsgrössen
Kompakte Formate passen besonders gut zum Airfryer. Sie sprechen Singles, Paare, Familien und spontane Genussanlässe gleichermassen an. Ein ausgewogener Mix aus Einzelportionen, Sharing-Packungen und Familiengrössen erhöht die Relevanz im Regal.
5. Passende Angebote
Airfryer-Anlässe bieten Chancen über die Tiefkühltruhe hinaus. Platzieren Sie passende Gewürzmischungen, Saucen, Panaden oder Öle in Aktionsnähe. So entstehen komplette Anwendungslösungen statt einzelner Kaufimpulse.
6. Digitale Inspiration
QR-Codes am Regal, Rezeptvorschläge in der Händler-App oder kurze Zubereitungsvideos auf Social Media liefern den Kunden Ideen über Pommes frites hinaus. Besonders wirksam sind einfache Rezepte mit wenigen Zutaten und klarer Zeitangabe, etwa «Fertig in 12 Minuten».
7. Gezieltes Testen
Der Markt entwickelt sich dynamisch. Händler sollten neue Airfryer-Formate zunächst in Aktionsflächen, regionalen Tests oder thematischen Wochen präsentieren. Abverkauf, Wiederkaufrate und Cross-Selling liefern anschliessend Hinweise darauf, welche Konzepte dauerhaft ins Sortiment gehören.
Angaben und Zitate basieren auf den bereitgestellten Unternehmensstatements von McCain, Maggi, Original Wagner, Fuchs Gruppe, Harry-Brot, Frostkrone, FRoSTA und Dr. Oetker. Genannte Studien umfassen unter anderem Kantar Omnibus Air Fryer, YouGov im Auftrag von Dr. Oetker, Circana, DIG Insights, tastewise und Innova Market Insights.