Gefragte Mehrwerte

Montag, 26. Juli 2021
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Die Deutschen sind Weltmeister im Safttrinken, auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch zuletzt gesunken ist. Gefragt sind vor allem hochwertige Direktsäfte und Produkte mit Zusatznutzen. Immer stärker im Fokus stehen auch umweltfreundliche Verpackungen.

Für die deutsche Fruchtsaft-Branche war 2020 ein Jahr mit Höhen und Tiefen. «Im ersten Lockdown 2020 haben die Verbraucher verstärkt zu Fruchtsaft gegriffen. Im ersten Quartal 2020 konnte sogar ein Anstieg von zehn Prozent festgestellt werden», berichtete der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF). Dieser positive Trend im Lebensmittelhandel setzte sich im Laufe des Jahres auf etwas niedrigerem Niveau fort. Er konnte aber die hohen Absatzeinbussen der Branche in der Gastronomie nur teilweise ausgleichen, was zum Rückgang des Pro-Kopf-Verbrauchs um 0,5 Liter auf 30 Liter führte.

Premium-Direktsaft gefragt
Vor allem hochwertige Direktsäfte haben sich nach Angaben des Verbands positiv entwickelt. So wuchs der Absatz gekühlter Direktsäfte 2020 um 11,4 Prozent, bei den ungekühlten stieg die verkaufte Menge um 5,3 Prozent. «Die Wertschätzung der Verbraucher für Fruchtsaft als gesundes, pflanzliches Lebensmittel ist gestiegen», hat Olaf Jark, Marketingleiter bei Valensina beobachtet. «Besonders beliebt sind Direktsäfte, die mit ihrer unverfälschten Natürlichkeit den aktuellen Zeitgeist treffen.»

Saft-Kick fürs Immunsystem
Ein weiterer Trend liegt nach Angaben der Hersteller in Säften mit gesundheitlichem Zusatznutzen. «Aktuell besteht ein verstärktes Interesse an Produkten, die die Themen Immunsystem und Abwehrkräfte aufgreifen», sagt Ariana Amecke-Moennighof, Produktmanagerin bei Amecke. Den gewünschten Kick für ein starkes Immunsystem versprechen etwa Produktinnovationen, denen etwa Vitamine (etwa Vitamin B, C und D), aber auch Zink,
Selen oder Ingwer zugesetzt sind.

Kokosnuss für weniger Zucker
Im Fokus steht zudem der Zuckergehalt. «Immer mehr Verbraucher wollen im Rahmen einer gesunden Ernährung Zucker reduzieren», sagt Ariana Amecke-Moennighof. Säfte enthielten zwar ohnehin nur den fruchteigenen Zucker, doch auch dieser lasse sich verringern wie etwa durch den Zusatz von Kokosnusswasser. Amecke setzt darauf bei seiner Produktreihe «Sanfte Süsse» und konnte dadurch den Zuckergehalt um ein Drittel reduzieren.

Shots für zwischendurch
Wer Saft erfolgreich verkaufen will, muss heute auch conveniente Konzepte anbieten. Produkte für den schnellen On-the-go-Bedarf, wie etwa die «Rabenhorst Shots» oder «Rotbäckchen Kraftpakete» verzeichnen ein weiteres Wachstum, berichtet Klaus-Jürgen Philipp, Geschäftsführer von Rabenhorst. Dazu kommt der Wunsch nach umweltschonender Verpackung. «Die Ansprüche der Verbraucher wachsen hier stetig», sagt Philipp. «Kunden achten auf eine nachhaltige Wirtschaftsweise des Herstellers, was bei der Beschaffung der Rohstoffe beginnt und sich über Transport, Lagerung, Verarbeitung und Verpackung erstreckt.»

Wieder mehr Glas-Mehrweg
Weil Verbraucher zunehmend auf die Verpackung achten, setzen die Hersteller verstärkt auf besseres Recycling und Mehrwegverpackungen. Der Anteil an Glas-Mehrweg-Verpackungen stieg 2020 um 16 Prozent und liegt damit aktuell bei zwölf Prozent am Gesamtmarkt, wie der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie berichtet. Das zeigt sich auch im Regal: Valensina hat 2020 eine Glas-Mehrweg-Range eingeführt, die aktuell um weitere Sorten ergänzt wird. Mit einem laut GfK PET-Einweganteil von 53 Prozent im Jahr 2020 sind allerdings Plastikflaschen bei Fruchtsaft nach wie vor führend. Mehr Nachhaltigkeit verspricht hier die Verwendung von recyceltem Plastik. So verwendet riha WeserGold nach eigenen Angaben 35 Prozent recyceltes PET (R-PET) in allen PET-Einwegflaschen, wobei der Anteil jährlich um fünf Prozent erhöht werden soll. Bei Eckes-Granini besteht die Ein-Liter-Flasche Hohes C seit Mai 2021 sogar komplett aus R-PET, wodurch jährlich 4000 Tonnen aus Erdöl erzeugtes PET eingespart werden sollen. Einen anderen Weg geht Pfanner. Der Hersteller füllt den Grossteil seines Sortiments in recycelbaren Getränkekartons ab – auf der Grundlage von Holz als natürlich nachwachsendem Rohstoff. Wie weit es gelingen wird, Recyclingkreisläufe zu schliessen und weniger Rohstoffe zu verbrauchen, wird die Entwicklung ab 2022 zeigen: Dann gilt für Säfte in PET-Flaschen in Deutschland die Pfandpflicht.

Info

Wichtige Kaufkriterien für Fruchtsaft
Laut einer aktuellen Befragung des Verbands der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) bevorzugen etwa die Hälfte der Befragten, und damit 9 Prozent mehr als im Vorjahr, regionale Fruchtsäfte. Ebenfalls knapp 50 Prozent bevorzugen Fruchtsäfte in der Mehrweg-Glasflasche, was einem Anstieg um 7 Prozent gegenüber 2019 entspricht. Dass ein Fruchtsaft Bio-Qualität aufweist, ist für 42 Prozent der Befragten wichtig. Auch hier liegt die Steigerung bei 7 Prozent.

  • Regionalität  51 %
  • Mehrweg       49 %
  • Bio                  42 %
  • Direktsaft       65 %

Unsicherheit beim Fruchtgehalt
83 Prozent der Befragten gaben an, dass der Fruchtgehalt ihre Auswahl massgeblich bestimmt. Dem steht jedoch eine gewisse Unsicherheit der Verbraucher gegenüber, die häufig nicht wissen, dass Fruchtsaft per Gesetz immer einen Fruchtgehalt von 100 Prozent haben muss. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob es sich um Direktsaft oder Saft aus Fruchtsaftkonzentrat handelt. Daher überrascht es den Verband nicht, dass rund zwei Drittel der Befragten beim Einkauf besonderen Wert darauflegen, dass es sich um einen Direktsaft handelt, obwohl beide Angebotsformen qualitativ gleichwertig sind.

 

 

Marktzahlen

Deutschland
Der deutsche Fruchtsaftmarkt ist einer der mengen- und umsatzstärksten weltweit. Der Gesamtumsatz lag 2020 nach Angaben des Verbands der deutschen Fruchtsaft-Industrie bei 2,3 Mrd. Euro. Produziert wurden 3,4 Mrd. Liter Saft, Nektar und stille Fruchtsaftgetränke. Im Schnitt trinkt jeder Deutsche 30 l Fruchtsaft im Jahr, was dem höchsten Pro-Kopf-Konsum der Welt entspricht.

Österreich
Der Inlandsabsatz von Fruchtsäften, Nektaren, Fruchtsaftgetränken und gespritzten Fruchtsäften ist 2020 nach Angaben des Verbands der Getränkehersteller Österreichs um 13,5 % gesunken. Fruchtsäfte wiesen ein Minus von 13,4 % aus, Nektare einen Rückgang um 16,4 %. Statista prognostiziert für 2021 einen Umsatz von etwa 415 Mio. Euro. Der Pro-Kopf-Konsum wird 2021 bei voraussichtlich 9,7 l liegen.  

Schweiz
Der Umsatz wird im Jahr 2021 nach Prognose von Statista etwa 776 Mio. Euro betragen. Im Schnitt wird jeder Schweizer etwa 89,09 Euro für Fruchtsaft ausgeben, der Pro-Kopf-Verbrauch wird bei voraussichtlich 16 l liegen.

Produkte

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