Limonaden sollen Verbraucher heutzutage mit ihrer Sorten- und Geschmacksvielfalt überraschen. Und dabei gleichzeitig auf ein gestiegenes Ernährungsbewusstsein einzahlen. Gut ankommen Produkte mit weniger Zucker, natürlichen Zutaten und Gebinden, die dem modernen Zeitgeist entsprechen – etwa Dosen für unterwegs.
Die Kategorie der Limonaden erlebt aktuell eine spannende Dynamik, die vom anhaltenden Trend hin zu bewussterem Konsum getrieben wird. Dass etwa das Thema «Sober Drinking» (alkoholfreier Genuss) zunehmend an Bedeutung gewinnt, zeige sich deutlich in den aktuellen Marktentwicklungen, so Tobias Liesenfeld, Leiter Marketing Schweppes Deutschland/Österreich: «Der Markt für Low- und No-Alcohol-By-Volume-Getränke wächst kontinuierlich. Gleichzeitig legen Konsumenten immer mehr Wert auf Produkte, die nicht nur geschmacklich überzeugen, sondern auch weniger oder gar keinen Zucker enthalten.» Daher setzt das Unternehmen bei seinen alkoholfreien Getränken immer wieder auf komplexe Geschmackskombinationen und ein breites Zero-Portfolio. Neuzugang ist «Virgin Orange Spritz», eine Kombination aus fruchtigem Orangen-Geschmack und feiner Kräuternote, die pur als erfrischende Limonade oder gemixt mit (alkoholfreiem) Sekt als Aperitif schmeckt. Das gilt auch für die neue Limonadensorte «The Passionfruit» von Soda Libre, die 30 Prozent weniger Zucker als durchschnittlich gesüsste Erfrischungsgetränke enthält. Die Kombination von leicht-herber Pink Grapefruit, spritziger Limette, Agavendicksaft und einer Prise Meersalz lässt sich pur als alkoholfreier Drink verwenden, aber ebenso als Filler und für schnelle Cocktails nutzen.
Eine erfrischende Bitternote und weniger Zucker verspricht auch die Sorte «Pink Grapefruit», die die «hella leichte Limo»-Range mittlerweile als fünfte Geschmacksrichtung ergänzt. Annette Kreidler, Leitung Marketing von Hansa Mineralbrunnen, beobachtet, dass im Limonadensegment derzeit Zitrussorten Zugkraft haben. Nicht von ungefähr hat wohl auch Paulaner die «Limo Zitrone» gelauncht. «In einem sich stetig verändernden Markt sind Schnelligkeit, Agilität und die Fähigkeit, Konsumentenwünsche optimal zu befriedigen, wichtige Erfolgsfaktoren», so Thomas Drossé, Geschäftsführer Vertrieb, Paulaner Brauerei Gruppe.
Weniger ist mehr
Für Julia Happe, Brand & Trade Marketing Managerin von Proviant/Drinks & More, sind Konzepte zukunftsweisend, die Natürlichkeit, Transparenz und echten Geschmack miteinander verbinden. «Unsere Bio-Limonaden bestehen aus wenigen, hochwertigen Zutaten – ganz ohne Aromen oder andere Zusätze.» Das gilt auch für die neue Sorte «Limette & Minze». Der Trend gehe in Richtung «Weniger ist mehr»: in der Rezeptur, im Design und beim Gebinde: «Besonders Glasflaschen im Mehrwegformat werden stark nachgefragt.»
Corinna Fuchs, Leiterin Marketing Bionade, kennt den Wunsch der Verbraucher nach einer abwechslungsreichen und erfrischenden Sortenvielfalt mit 100 Prozent Bio-Rohstoffen. Gerade wurde mit «Bionade Naturtrübe Zitrone» wieder eine Sonderedition für mehr Artenvielfalt platziert – und mit «Naturtrübe Limette» ein Neuprodukt. Auf diesen Neuzugang macht im Handel eine Wassereis-Zugabe-Aktion aufmerksam.
Mit Mehrwert
Julius Widmayer, Co-Founder von Panda Nutrition, hat bei «Juuz Protein Soda» den Protein-Trend aus anderen Produktkategorien aufgegriffen und mit der Erfrischung einer kohlensäurehaltigen Limonade verbunden. Das Produkt ist in drei fruchtigen Geschmackskombinationen zu haben und pro Dose mit 15 Gramm Protein angereichert. Derzeit sei bei Getränken auch die Sparte der «Probiotics» ein Hype, die meistens bei der Verdauung helfen sollen. «Generell festigt sich der Eindruck, dass die Inhaltsstoffe möglichst funktional gehalten werden sollen, während für die klassischen Versprechen wie Wachmachen (Koffein) und süsser Geschmack (Zucker) alternative Zutaten verwendet werden», sagt Widmayer.
Die Emyo-Limonaden, die mit dem Influencer Emir Bayrak entwickelt wurden, sind denn auch mit verschiedenen Vitaminen angereichert. Pro Sorte werden jeweils drei fruchtige Geschmacksnoten kombiniert – bei «Mermaid Fantasy» etwa Melone, Drachenfrucht und Kirsche. Dass ein zusätzlicher Energiekick für viele Shopper ein Thema ist, darauf hat man bei Mio Mio längst reagiert. Die vier Sorten «Lemon + Koffein», «Orange + Koffein», «Lapacho Lemongrass» und «Guarana Pomegranate» seien im letzten Jahr 2024 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent überdurchschnittlich zum Markt gewachsen, so Katharina van Helden, Senior Product Manager bei der Berentzen-Gruppe. Auch die Zero-Varianten würden dynamisch hinzugewinnen: «Mate Zero» konnte demnach 2024 beim Umsatz um 34,7 Prozent zulegen, «Cola Zero» um 17,8 Prozent. «In manchen Bereichen, wie beispielsweise bei den Cola- und Cola-Mischgetränken, sind die zuckerfreien Varianten bereits der absolute Wachstumstreiber», bestätigt auch Ina Neleßen, Leiterin Marketing, Deutsche Sinalco GmbH Markengetränke & Co. KG. Demgemäss wird das «Ohne Zucker-Sortiment» kontinuierlich ausgebaut. Jüngster Neuzugang ist die «Sinalco Mango Drachenfrucht ohne Zucker». Sie ist in der 1,25 Liter-PET-Flasche erhältlich – Gebinde, in dem auch die beiden kalorienarmen «Leichten Limos Apfel-Kirsche» beziehungsweise «Pfirsich-Zitrone» neben der 0,33-Liter-Longneck-Glasflasche mittlerweile erhältlich sind. Neleßen ist überzeugt: «Exotische Geschmacksrichtungen sind besonders in den Sommermonaten der Renner.»
Gebinde-Vielfalt
Um flexible Konsummomente zu ermöglichen, wird das Gebinde-Angebot bei Limonaden immer vielfältiger. Mit dem Einstieg ins Dosenformat möchte sich die Karlsberg Brauerei bei «Bundaberg» etwa neue Absatzkanäle im Handel erschliessen und die On-the-go-Verfügbarkeit für eine mobile, trendbewusste Zielgruppe erweitern. Die neue 0,33-Liter Sleek-Dose: «Ideal für unterwegs und perfekt für den Sommer», so Henning Baltes, Product Manager Strategic Brands. Bei Schweppes sieht man die steigende Nachfrage nach praktischen Gebinden für unterwegs ebenfalls als Trend, insbesondere die 0,33-Liter-Dose.
Auch wenn Bionade weiterhin mehrwegorientiert bleiben will, sind die Sorten «Holunder», «Naturtrübe Orange» und «Naturtrübe Zitrone» mittlerweile zusätzlich in der 100 Prozent-rPet-Flasche erhältlich. «Die Markt- und Nachfrageentwicklung bei alkoholfreien Getränken zeigt, dass leichte, wiederverschliessbare und bruchsichere PET-Flaschen von Konsumenten für andere Verzehranlässe und Verwendungssituationen gefragt sind. Darauf haben wir mit unserem neuen Gebinde reagiert», so Corinna Fuchs, Leiterin Marketing Bionade.
Die beiden neuen Limonadensorten «Naturtrübe Orange» und «Natutrübe Zitrone» von Carolinen Brunnen gehen dagegen zunächst in 0,75-Liter-Glas-Mehrwegflaschen an den Start, die sich laut Unternehmen durch viele praktische Details wie rutschsichere Glasreliefprägung oder Mitteltragegriff der Kästen auszeichnen. «Zudem sind die neuen Kästen stabiler und besser stapelbar, ob zu Hause oder beim Transport.»
Markt
Rückgang bei Fruchtsaft und Fruchtnektar geringer als erwartet
Die seit drei Jahren verstärkt unter Druck stehenden Verbräuche bei Fruchtsaft und Fruchtnektaren sind im Jahr 2024 geringer gesunken als erwartet. Insgesamt fiel der Pro-Kopf-Verbrauch von 26 Liter auf 24 Liter. Der Konsum sank zwar von 100%-Fruchtsäften um 2,5 Liter, konnte jedoch teilweise durch den Anstieg von Nektaren um 0,5 Liter pro Kopf teilkompensiert werden.
Besonders gebeutelt wurde der Orangensaft, der um 2,6 Liter zurückging, eine Zunahme war jedoch bei Zitrusnektaren, Traubensaft, Grapefruitsaft und Gemüsesäften zu verzeichnen. Grund für die Absatzrückgänge sind die gestiegenen Rohwarenkosten, die die Branche seit Jahren in Atem halten. So hatte sich z. B. der Preis für eine Tonne Orangensaftkonzentrat in den vergangenen zwei Jahren von 2000 auf 7000 US-Dollar entwickelt. Dies ist auf die Orangenkrankheit «Greening» zurückzuführen, die durch ein Bakterium hervorgerufen wird und zum Absterben ganzer Plantagen führt. Durch pflanzenbauliche und anbautechnische Massnahmen wird versucht, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Zum anderen führten Spätfröste bei Äpfeln und Rhabarber zu einer niedrigeren Ernte. Auch bei Ananas sind Knappheiten zu verzeichnen. Die zurzeit bestehenden Zölle wie 12,2 Prozebt auf Orangensaft aus den Mercosur-Staaten verschärfen noch die Verteuerung und werden daher vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (VdF) abgelehnt.
Situation bei Ananas besorgniserregend
Seit mehreren Monaten ist eine weitere Frucht nur schwer verfügbar: die Ananas. Besonders betroffen sind die Hauptlieferländer Thailand und Costa Rica. In Costa Rica haben die Klimaphänomene La Niña und El Niño zu ausbleibenden Regenfällen geführt, wodurch die Früchte kleiner ausfallen und weniger Ware für den Frischmarkt zur Verfügung steht. Dies bedeutet, dass sich die Situation auf dem Weltmarkt weiter zuspitzt: Direktsaft, der überwiegend aus Costa Rica stammt, ist durch gestiegene Beschaffungskosten deutlich teurer geworden. Gleichzeitig sorgt die anhaltend unzureichende Wasserversorgung in Thailand – dem weltweit bedeutendsten Lieferland für Konzentrate – für ein rückläufiges Angebot. Viele Verarbeitungsbetriebe können daher derzeit nicht im vollen Umfang produzieren. Das hat spürbare Folgen für die Fruchtsaftindustrie in Deutschland und erhöht den Druck auf die Hersteller: Die angespannte Marktlage verschärft sich weiter – mit potenziellen Auswirkungen auf Verfügbarkeit und Preise im Handel.
Kritik an Zöllen
Zölle von 8 bis 16 Prozent treiben die steigenden Preise weiter in die Höhe. Besonders besorgniserregend sind die niedrigen Lagerbestände in den Lieferländern, die zu Engpässen (Out of stock-Situationen) führen. Der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF) fordert daher die Abschaffung der Zölle – insbesondere für Ananas (8 bis 16% Zoll), aber auch für Orangensaft, der mit 12,2 Prozent besteuert wird und damit ebenfalls für Verbraucher teurer wird.
Quelle: Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie e.V. (VdF)