Edle Stücke

Montag, 30. Juni 2025
Foto: stock.adobe.com - MK Photography

Das Interesse der Konsumenten an Nischenfleischsorten wächst: Alte Rassen wie etwa das Schwäbisch-Hällische Landschwein erleben eine Renaissance. Und auch Luxus-Sorten und Premium-Cuts liegen voll im Trend. Das bietet attraktive Chancen, das herkömmliche Portfolio am Point of Sale zu bereichern.

Kunden mit hochwertigem, gutem Fleisch als Genusserlebnis zu versorgen, das ist in Deutschland sicher noch eher ein Randmarkt – aber er wächst: Der begrenzte Kundenstamm rekrutiere sich derzeit hauptsächlich aus dem Kreis der kulinarischen Genussszene, den bewusst nachhaltigkeits- und tierwohlorientierten Käufern sowie ambitionierten Mitgliedern der Gourmet- und Grillcommunity, ist die Erfahrung von Stephan Otto, Gründer und Geschäftsführer von Otto Gourmet. Er sieht, dass sich die Verbraucher heute mehr mit dem Thema «Fleisch essen» beschäftigen als früher: «Da man sich vielleicht erstmalig mit den Qualitäten – und damit den Unterschieden bei Fleisch auseinandersetzt, steigt auch die Nachfrage nach vorher nicht oder weniger beachteten (Luxus-)Fleischsorten – im Zweifel einfach, um es einmal auszuprobieren.» Angesagt sind für ihn dabei auch gerade regionale Produkte, etwa vom LiVar (Limburgischen) Klosterschwein, das in direkter Nachbarschaft zur Firmenzentrale gezüchtet wird.
 
Wiederbelebte Rasse
«In der Tat erleben wir eine Zuwendung zu besten Qualitäten im Fleischbereich als Alternative zum industriell erzeugten Fleisch», sagt auch Rudolf Bühler, Vorsitzender der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall (BESH), die er 1988 gründete. Anfang der 1980er-Jahre galt das Schwäbisch-Hällische Landschwein, dem Bühler höchste Fleischqualität zuschreibt und auf das auch viele Metzger und Köche schwören, als ausgestorben. Heute gibt es laut BESH wieder mehr als 350 eingetragene Herdbuchsauen; das besondere Fleisch der ältesten in Deutschland gezüchteten Schweinerasse ist als geschützte geographische Herkunftsbezeichnung (g.g.A.) eingetragen. In den eigenen BESH-Erzeugermärkten sowie im Online-Shop sind auch besondere Fleischzuschnitte zu haben, beispielsweise «Secreto», der Halsdeckel, der früher zur Wurstproduktion abgetrennt wurde und sich nun gut als Grill-Cut eignet, oder trocken gereifte Stücke wie Dry-Aged- Kotelett im Tomahawk-Stil.
 
Das Besondere zelebrieren
Katrin Schütz, Gründerin und Geschäftsführerin von Wagyu Sauerland, beobachtet, dass die Shopper aufgrund des allgemein sinkenden Fleischkonsums gerade bei besonderen Anlässen mehr Wert auf herausragende Qualität legen. «Vielen fehlt beim ‹Standardfleisch› der besondere Geschmack, die Herkunft bleibt oft anonym, und Aspekte wie Tierwohl sind nicht transparent nachvollziehbar.» Sie freut sich, dass sich immer mehr Menschen für ihr Wagyu-Fleisch begeistern, das bereits zum vierten Mal beim «Wagyu-Fleisch-Contest» ausgezeichnet wurde. Für sie stehen der Versand über ihren Online-Shop, Genuss-Messen und der Hofladen klar im Mittelpunkt: «Wichtig ist es, über persönlichen Kontakt, einen authentischen Social-Media-Auftritt und eine informative Website Vertrauen aufzubauen und eine echte Beziehung zu unseren Kunden zu entwickeln.» Eine Vermarktung über den LEH sieht sie eher kritisch. Hier müsse das Verkaufspersonal hervorragend geschult sein, um die Qualität und Werte hinter den Produkten richtig zu vermitteln. «Eventuell bieten spezialisierte Feinkostabteilungen eine Alternative, da dort häufig mehr Wert auf persönliche Beratung und hochwertiges Sortiment gelegt wird.»
 
Fachkompetenz
Tatsächlich hat der LEH – je nach Region – bereits häufig auserlesenes Fleisch in seinem Sortiment. Um dies erfolgreich zu vermarkten, sind Fachwissen und die damit verbundene Beratungskompetenz unerlässlich, betont auch Stephan Otto. «Hochwertiges Fleisch ist ein Erlebnis und will auch als ‹Lifestyle-Produkt› verkauft werden. Der persönliche Einsatz vor Ort ist entscheidend!» Die Herausforderung im LEH bleibe es, sich als Fachhändler für gutes Fleisch zu positionieren und die entsprechende Nachfrage zu schaffen. «Sollte die eigene Kundenbasis zu gering sein, um sich Ware vor Ort hinzulegen, könnten Kooperationen mit Online-Shops die Kundenzufriedenheit steigern.» Das setzt allerdings Konzepte voraus, die es allen Beteiligten einfach machen, dieses Angebot anzunehmen: dem Händler, dem Online-Shop und vor allem dem Kunden.   

 

 

Kleine Warenkunde

Im Fokus der Verbraucher stehen derzeit traditionelle, alte Tierrassen wie auch ausgefallenere Luxusfleischsorten – einige Beispiele:

LiVar: Das Limburgische Klosterschwein ist eine Paarung des niederländischen Landschweins mit dem Schwäbisch-Hällischen, dem englischen Essex-Saddleback und dem Duroc-Schwein. Sein Fleisch gilt als besonders saftig und aromatisch. Durch das intramuskuläre Fett ist es zart und verspricht einen hervorragenden Eigengeschmack.

Buntes Bentheimer Schwein: Die schwarz gefleckten Schweine haben ihre Wurzeln in der Grafschaft Bentheim. Früher waren sie ein beliebter Lieferant für hochwertiges, saftiges Fleisch, schmackhafte Wurst und edlen Schinken. Da sie im Vergleich zu konventionellen Rassen mit langer Mastzeit und natürlicher Fütterung gehalten werden, hat das Fleisch einen deutlich höheren Fettanteil – positiv für Qualität und Geschmack.

Iberico Schwein: Sein Fleisch gilt als besondere Delikatesse und hat einen unverwechselbaren, nussigen Geschmack. Dieser basiert darauf, dass sich das Iberico Schwein in den Wäldern Spaniens hauptsächlich von Korkeicheln ernährt. Das sorgt für das spezielle Aroma und die ausgefallene Maserung.

Duroc Schweine: Sie haben ein rot-braunes bis gelbes Fell. Das moderne Duroc-Schwein soll ca. um das Jahr 1830 durch eine Kreuzung von roten Jersey-Schweinen (USA), alten Durocs und iberischen Schweinen entstanden sein. Duroc-Schweine haben einen höheren intramuskulären Fettgehalt, ihr Fleisch ist etwas dunkler, sehr zart, kräftiger im Geschmack und saftig.

Wagyu-Rind: Wagyu bedeutet «japanisches Rind». Das Fleisch leuchtet rot, seine Marmorierung ist aussergewöhnlich: Feine Fettäderchen durchziehen das Fleisch, das dadurch fast wie ein kleines Kunstwerk wirkt. Diese Fettverteilung beeinflusst Geschmack und Textur. Beim Verzehr schmilzt das Fett regelrecht im Mund und sorgt für einen vollmundigen, nussigen Geschmack.

Bison: Bisonfleisch gilt als cholesterin- sowie fettarmes Produkt und ist reich an Eiweiss, Eisen, Selen und Zink. Es hat einen sehr eigenen Geschmack, der einer Mischung aus Rind und Wild ähnelt. Da sich Bisons primär von Kräutern und Gräsern ernähren, kann das Fleisch recht würzig sein. Aufgrund des geringen Fettgehalts sollte man Bisonfleisch sanft zubereiten/garen.

 

News

Ob Warenverfügbarkeit, Preissteuerung, Kühlkettenüberwachung oder personalisierte Kundenansprache: Der moderne Handel entscheidet heute in Echtzeit. Dafür braucht es IT-Infrastrukturen, die genauso schnell, zuverlässig und effizient arbeiten wie der Markt selbst. Direkt am Point of Sale.

Foto: stock.adobe.com - Leonardo

Verpackungen beeinflussen Kaufentscheidungen zunehmend, da Verbraucher verstärkt auf die Umweltauswirkungen der verwendeten Materialien achten.

Foto: Valora

Die Valora Gruppe knüpfte im vergangenen Geschäftsjahr an ihre positive Entwicklung an und verbesserte ihr operatives Ergebnis weiter.

Foto: Johnny Cashew

Das Unternehmen Johnny Cashew ist beim 129. Markant Handelsforum als Gewinner von voilà! – die Start-up-Arena hervorgegangen.

Statements

Ambitionierte Genussmenschen mit einem höheren Durchschnitts-
einkommen bilden nach wie vor die stärkste Käufergruppe. Das kulinarische Erleben steht für sie eindeutig im Vordergrund; auch Statusgesichtspunkte spielen eine Rolle. Das Thema Achtsamkeit spielt für eine weitere wichtige Kundengruppe – die Flexitarier – eine entscheidende Rolle. Klassisch achtet diese Gruppe auf artgerechte Haltung und Tierwohl. Zukünftig wird das Thema regenerative Landwirtschaft und Klimaschutz als Auswahlkriterium hinzukommen. 
Stephan Otto, Gründer und Geschäftsführer, Otto Gourmet

Aufgrund des höheren Preissegments ist eine fundierte Beratung am POS unerlässlich. Es braucht Fachwissen über die besonderen Mehrwerte des Produkts: Was macht das Fleisch so einzigartig? Welche Steak-Cuts gibt es? Wie wurden die Tiere gehalten und wie wurde das Fleisch gereift? Idealerweise übernimmt diese Beratung ausgebildetes Fachpersonal, etwa Metzger mit Erfahrung im Premium-Segment. Ergänzend können Infomaterialien wie Flyer oder Videos direkt vom Hof zusätzliche Einblicke geben und Vertrauen schaffen. 
Katrin Schütz, Gründerin und Geschäftsführerin, Wagyu Sauerland 

Der LEH könnte sich mit Shop-in Shop-Konzepten für höchste Fleisch-Qualitäten profilieren. 
Rudolf Bühler,
Vorsitzender, Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hall (BESH) 

Wir sehen den Trend hin zu einer bewussten Ernährung. Wenn Fleisch und Wurst – dann auch aus nachvollziehbaren Quellen, nachhaltig und natürlich auch in Premium-Qualität. 
Thomas Matthäi,
Nationaler Verkaufsleiter,
Thomas Niederreuther 

Foto: Andreas Friedle

Die Duroc-Rasse wird immer beliebter in Deutschland und ist längst kein Geheimtipp mehr. Da das Duroc-Schwein langsamer wächst als herkömmliche Schweine und mehr intramuskuläres Fett bildet, sind das Duroc-Frischfleisch und die Duroc-SB-Wurst sehr aromatisch und qualitativ sehr hochwertig. 
Sascha Krämer,
Vertriebsleiter DACH,
Rodriguez Group

 

Produkte

Wagyu Sauerland 
Das «Wagyu Teppanyaki Steak» ist ein besonderer Cut, der seinen Ursprung in der japanischen Küche hat. Die traditionell rechteckigen Stücke werden fein aufgeschnitten und eignen sich gut für die Zubereitung auf der heissen Teppanyaki-Platte. Die feine Marmorierung und das kurze, heisse Anbraten sorgen für ein intensives Aroma und eine butterzarte Textur.

Otto Gourmet 
Bissfest und saftig sowie von angenehm natürlichem Geschmack präsentiert sich das «LiVar Nackensteak», das sich zum Grillen, Braten oder für die Zubereitung im Beefer eignet. Als Kreuzung traditioneller Schweinerassen verspricht das LiVar-Fleisch durch seine Veranlagung zur Einlagerung intramuskulären Fettes höchsten Genuss.

Thomas Niederreuther 
Der «Jamon Duroc», Schinken der Marke Porxas, zeichnet sich durch seine Saftigkeit aus, sein weiches, pikantes und intensives Aroma sowie die hohe Fettinfiltration. Duroc ist eine Schweinerasse aus den USA, die entfernt auch mit der iberischen Rasse verwandt ist. Das Fleisch ist intensiv im Geschmack.

Rodriguez Group 
Da das Duroc-Schwein langsamer wächst als herkömmliche Schweine und mehr intramuskuläres Fett bildet, ist das «Duroc-Frischfleisch» sehr aromatisch und gilt als qualitativ sehr hochwertig. In La Rioja mit Herkunftsbezeichnung in eigenen Bauernhöfen produziert.