Neue Messetage, wachsende Segmente und zunehmender Regulierungsdruck: Vom 15. bis 17. September 2026 versammelt die InterTabac in Dortmund die internationale Tabakbranche zum Austausch über Märkte, Trends und Zukunftsfragen.
Rund 800 Aussteller aus 70 Ländern, 14 500 Besucher, elf vollständig belegte Hallen, innovative Produkte, hochkarätige Events, Fachgespräche auf hohem Niveau und ein vielfältiges Rahmenprogramm: Mit diesen Zahlen hat die «InterTabac» im vergangenen Jahr ihre Position als Weltleitmesse der Tabakbranche erneut unterstrichen. Entsprechend positiv fiel das Echo auf die grösste Veranstaltung der Ruhrmetropole aus. Sowohl Steffen Kahnt, Geschäftsführer des Bundesverbands des Tabakwaren-Einzelhandels als auch Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe, ziehen eine rundum positive Bilanz. «Die Zahlen von 2025 können uns natürlich nur zufriedenstellen», so Sabine Loos.
Innovation trifft Netzwerk
Daran dürfte sich auch bei der 46. Auflage der «InterTabac» wenig ändern. Bereits im vergangenen Jahr hatten knapp 90 Prozent der Aussteller angekündigt, 2026 wieder dabei zu sein. Dennoch hält sich Sabine Loos mit Prognosen zurück. «Auf jeden Fall freuen wir uns, dass sich die InterTabac als wichtiger Branchentreffpunkt etabliert hat – auf nationaler wie internationaler Ebene.» Das sei keine Selbstverständlichkeit. Umso wichtiger sei es, «dass wir uns gerade in diesen wirtschaftlich herausfordernden Zeiten nicht auf den Erfolgen der Vergangenheit ausruhen». Seit ihrer Premiere im Jahr 1978 habe sich die InterTabac kontinuierlich weiterentwickelt – mit neuen Events, Formaten und Inhalten sowie einem stetig erweiterten Programm.
Neue Messetage
Das Eingehen auf die Bedürfnisse der Unternehmen sieht Sabine Loos als einen zentralen Erfolgsfaktor. Deshalb habe man dem Wunsch der Branche nach mehr Werktagen im Messeprogramm entsprochen. In diesem Jahr findet die «InterTabac» erstmals von Dienstag bis Donnerstag statt. Bisher wurde sie jeweils von Donnerstag bis Samstag veranstaltet. «Diese Entscheidung haben wir gemeinsam mit dem Messebeirat, unseren Partnerunternehmen sowie den Ausstellern getroffen.» Bodo Mehrlein, Geschäftsführer des Bundesverbands der Zigarrenindustrie, ist «sehr gespannt, wie sich die neue Abfolge der Tage auswirken wird». Auch der langjährige Aussteller Landewyck blickt dem neuen Termin positiv entgegen. Das Unternehmen erwartet an seinem vergrösserten Stand «noch mehr hochwertige Begegnungen und einen intensiven Austausch mit unserer Zielgruppe aus dem Fachhandel». Auch die Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe sieht Vorteile, da der neue Termin günstigere Flug- und Reiseverbindungen ermögliche.
Regulierung im Fokus
Der Messeleiterin sind zugleich die Herausforderungen der Branche bewusst. «In ohnehin wirtschaftlich herausfordernden Zeiten wird die Branche aktuell wieder mit zahlreichen regulatorischen Hürden konfrontiert.» Gerade deshalb brauche es eine Plattform wie die «InterTabac», ist Sabine Loos überzeugt, um die Branche zu vereinen, zu stärken und die Weichen für die Zukunft zu stellen.
Differenzierte Bedingungen
Ein wichtiges Thema dürfte erneut das drohende Verbot von 13 Aromen für E-Zigaretten sein. Horst Winkler, Pressesprecher des Verbands des eZigarettenhandels, warnt vor den Folgen: «Dies würde den legalen Markt massiv schädigen und hätte spürbare Folgen für Industrie und Verbraucher.» Grundsätzlich lehne die Branche Regulierung jedoch nicht ab. Vielmehr fordere sie praxistaugliche und risikodifferenzierte Rahmenbedingungen. «Dies würde erwachsenen Rauchern den Zugang zu Produkten ermöglichen, die ihnen beim Umstieg auf schadstoffreduzierte Alternativen helfen könnten», sagt eine Sprecherin von Philip Morris Germany (PMG). Das Unternehmen will auf der Messe drei neue Produkte aus unterschiedlichen Kategorien präsentieren. Potenziell jugendaffine, insbesondere übermässig süsse Geschmacksrichtungen müssten dagegen besonders streng geprüft werden. «Für uns ist der Jugendschutz die zentrale Herausforderung», betont PMG und verweist auf die «riesige Flut an illegalen Vapes, die inzwischen rund die Hälfte des deutschen Marktes ausmacht». Dahinter stehe organisierte Kriminalität, die weder Jugendschutz noch gesetzliche Vorgaben respektiere.
Steuerdruck steigt
Ein weiteres Thema ist die geplante Erhöhung der Tabaksteuer. «Solche Belastungen bergen erhebliche Risiken», sagt die PMG-Sprecherin. Als Beispiel nennt sie Frankreich, wo starke Steuererhöhungen den Schwarzmarkt deutlich wachsen liessen. «Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG stammen dort rund 40 Prozent der Zigaretten aus illegalen Quellen.»
Schwarzmarkt im Fokus
Auch in Deutschland sei der Schwarzhandel mit Tabakprodukten ein Problem. Deshalb appelliert die Branche an die deutsche Regierung und die EU, Regulierung und Besteuerung mit Augenmass zu gestalten – sowohl bei klassischen Tabakprodukten als auch bei neuartigen Erzeugnissen.
Bei Tabaksticks sieht PMG «Nachjustierungsbedarf», da die im europäischen Vergleich hohe Steuerbelastung Ausweichkäufe und illegale Vertriebswege begünstige. Kritik übt das Unternehmen ausserdem am De-facto-Verbot tabakfreier Nikotinbeutel. «Dadurch hat sich in Deutschland ein ausgeprägter Grau- und Schwarzmarkt entwickelt.» Dabei seien Pouches in 20 der 27 EU-Mitgliedstaaten legal erhältlich.
Eigene Bühne für Pouches
Mit der «PouchXChange» erhält dieses Segment am ersten Messeabend der InterTabac erstmals eine eigene Networking-Plattform. «Unsere Aussteller und Fachbesucher kommen aus der ganzen Welt, wo sehr unterschiedliche Rahmenbedingungen herrschen», bemerkt Sabine Loos. «Vor diesem Hintergrund verstehen wir es als unsere Aufgabe, Entwicklungen und Trends abzubilden, die international von Bedeutung sind.»
Gerade in einer global vernetzten Branche sei der Austausch über unterschiedliche Märkte und regulatorische Entwicklungen besonders wichtig. Zusätzliche Aktualität erhält das Thema, weil die Branche auf eine Freigabe tabakfreier Nikotinbeutel in Deutschland hofft.
Alles unter einem Dach
Neben den Next-Generation-Products, aus deren Bereich im vergangenen Jahr 300 der insgesamt 800 Aussteller kamen, sind auch klassische Tabakwaren wieder stark vertreten. Ergänzt wird das Angebot durch zahlreiche Produktneuheiten sowie ein vielseitiges Rahmenprogramm– auch mit Themen, die sowohl für den Handel als auch für Tankstellenunternehmer interessant sein könnten.
Im Wandel
Sabine Loos, Hauptgeschäftsführerin der Westfalenhallen Unternehmensgruppe, erklärt, wie die InterTabac mit neuen Produkten wächst und die Kernsegmente stärkt.
Foto: Prinz Sportlich
Frau Loos, die Tabakbranche wird immer vielfältiger. Was heisst das für die InterTabac und für das klassische Segment?
Sabine Loos: Klassische Tabakprodukte haben den Grundstein der InterTabac gelegt. Sie prägen nach wie vor sowohl das Produktangebot als auch das Rahmenprogramm der Messe. Dazu gehören natürlich Zigaretten, deren Vielfalt Besucher schwerpunktmässig in Halle 5 und in Teilen der Hallen 4 und 7 entdecken können – bei Herstellern wie Landewyck, Philip Morris, von Eicken und vielen anderen namhaften Branchenvertretern. Zu den Klassikern gehört auch die Zigarre, die seit jeher zu den stärksten Kern-Segmenten der Messe gehört. Deutlich wird das an den internationalen Top-Ausstellern, darunter auch die Hersteller Villiger Söhne und August Schuster sowie der Grosshändler GRE Trade, die aus Deutschland kommen und in den Hallen 4 und 7 anzutreffen sind. Das Thema Zigarre spielt aber auch im Rahmenprogramm eine starke Rolle – mit interaktiven Workshops sowie informativen Panels und Keynotes von Branchen-Insidern.
Dennoch kritisieren einige Unternehmen aus der Zigarrenbranche, dass sich der Charakter der InterTabac verändert habe. Was sagen Sie dazu?
Sabine Loos: Wenn sich die InterTabac in mehr als 40 Jahren nicht verändert hätte, wäre das ein schlechtes Zeichen – für die Messe wie für die Tabakindustrie. Wir bewegen uns in einer sehr dynamischen und innovativen Branche, die sich in den vergangenen Jahren stark diversifiziert hat, zum Beispiel durch sich ändernde Konsumgewohnheiten und ein stärkeres Gesundheitsbewusstsein. Aus diesem Grund ist die Themenwelt der InterTabac immer grösser geworden. Als Leitmesse ist es unsere Aufgabe, die gesamte Branche abzubilden. Dennoch sind Zigarren von Beginn an immer das Kern-Segment unserer Messe geblieben. Die Bedürfnisse dieser Branche haben für uns nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Zudem entwickeln wir uns in diesem Segment immer weiter – mit zusätzlichen Event-Formaten wie dem «Cigar Culture Summit» und internationalen Workshops, aber auch in neuen Partnerschaften wie zum Beispiel mit der European Cigar Manufacturers Association.
Im vergangenen Jahr umfasste die Messe mit Nubiz erstmals einen neuen Themenbereich. Was steckt dahinter?
Sabine Loos: Die Marke Nubiz ist ein Teil unserer Strategie, die wachsende Bedeutung von Next-Generation-Products abzubilden und gleichzeitig den wichtigen Kernbereich der InterTabac – das klassische Tabak-Segment – stärker zu positionieren. Bei der kommenden Messe werden die Nubiz-Flächen erstmals deutlich sichtbar sein. Das hilft, die verschiedenen Zielgruppen – von Herstellern bis Händlern – noch gezielter anzusprechen und ihnen zusätzliche Orientierung zu bieten.
Welche Highlights setzten Sie beim Veranstaltungsprogramm, und welche Events sind für Handel sowie Tankstellenunternehmer besonders interessant?
Sabine Loos: Jedes Jahr ist es uns wichtig, gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verbänden die Themen abzudecken, die die Branche bewegen und in Zukunft prägen werden. Dabei ist es unser Ziel, alle Zielgruppen zu erreichen. Für Tankstellenunternehmer und Händler sind beispielswese Programmpunkte zum Thema Regulierung sehr wichtig. Interessant sind für sie aber auch Beiträge von Euromonitor zu Trends in der Nikotin- und Tabakbranche oder von der European Confederation of Tobacco Retailers. Ich empfehle einen Blick auf unsere Webseite zu werfen. Dort wird unser Programm ständig aktualisiert.