Der Stromverbrauch auf den Handelsflächen geht seit Jahren zurück. Allerdings werden klimafreundliche Heizsysteme nur schleppend installiert. Die Gründe dafür sowie die weiteren Planungen der DACH-Händler zeigt eine EHI-Studie auf.
Den Energieverbrauch zu senken, ist seit Langem ein zentrales Anliegen des Energiemanagements im Einzelhandel der DACH-Region. «Die hohe Bedeutung von Energieverbräuchen und -kosten im Einzelhandel ist vor allem auf die für die Branche typischen geringen Margen zurückzuführen», betonen die Autoren der EHI-Studie «Energiemanagement im Einzelhandel 2025». Durch kontinuierliche Investitionen in moderne Anlagentechnik konnten die Händler ihren Energieverbrauch in den vergangenen Jahren bereits deutlich reduzieren – und sehen in allen relevanten Bereichen weiteres Potenzial.
Verbräuche auf Talfahrt
Am stärksten senken konnte der Nonfood-Handel seinen Stromverbrauch, nämlich von 103 Kilowattstunden (kWh) im Jahr 2018 auf 74 kWh im Jahr 2024. Das entspricht einer Reduktion um 28 Prozent. Die grössten Stromverbraucher sind hier Beleuchtung (56 %) und Klimatisierung/Lüftung (29 %). Im LEH ging der Stromverbrauch im gleichen Zeitraum von 317 kWh auf 289 kWh zurück, was einer Einsparung von 8,8 Prozent entspricht. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Kühlflächen nach Angaben der Händler seit 2018 deutlich vergrössert wurden. Die Kühltechnik ist mit 52 Prozent der grösste Stromverbraucher im LEH, gefolgt von der Beleuchtung (20 %) sowie Klimatisierung und Lüftung (9 %). Auch die zunehmende Nutzung von Wärmepumpen führe zu einer Verschiebung von Wärmeenergie hin zu elektrischer Energie, hält das EHI fest.Hinzu kommt der Wärmeenergieverbrauch, der im LEH bei durchschnittlich 89 kWh pro Quadratmeter Verkaufsfläche und im Nonfood-Handel bei 66 kWh liegt. Die Studie weist darauf hin, dass diese Angaben teilweise geschätzt und nicht einheitlich temperaturbereinigt sind. Dennoch, so die Autoren: «Vernachlässigt man diese Unschärfen, zeigt sich ein insgesamt sinkender Trend bei den Energieverbräuchen im Food- und Nonfood-Handel.»
Kältetechnik im Fokus
Die vom EHI befragten Händler betonten unisono, dass sie den Energieverbrauch weiter reduzieren und dafür in entsprechende Technologien investieren wollen. Um Strom zu sparen, investiert der LEH 60 Prozent seines Budgets in die Kältetechnik, 16 Prozent in die Beleuchtung und 13 Prozent in regenerative Energieerzeugung, -nutzung und -speicherung. Naturgemäss liegen die Prioritäten im Nonfood-Handel anders: Hier spielt die Kältetechnik keine Rolle, dafür steht aber die optimale Beleuchtung der Ware im Fokus. 68 Prozent werden demnach in Beleuchtung investiert, 13 Prozent in Klimatisierung/Lüftung/Heizung und zwölf Prozent in regenerative Energiesysteme.
Prioritäten der Branchen
Bei der Wärmeerzeugung legt der LEH mit 35 Prozent des Investionsbudgets die Priorität auf die Wärmerückgewinnung und Abwärmenutzung. Jeweils 25 Prozent fliessen in Gebäudehüllen sowie regenerative Wärmeerzeugung und -speicherung, elf Prozent in intelligente Steuer- und Regeltechnik. Für die Nonfood-Händler hat Letztere die höchste Priorität. Sie investieren 54 Prozent ihres Budgets in intelligente Steuerungs- und Regeltechnik. Wie im LEH entfallen 25 Prozent auf regenerative Wärmeerzeugung und -speicherung, gefolgt von der Wärmerückgewinnung (9 %). Investitionen in die Gebäudehülle sind mit einem Prozent fast zu vernachlässigen, was laut EHI damit zusammenhängt, dass es sich fast ausschliesslich um angemietete Immobilien handelt.
Probleme im Heizungskeller
Die grösste Gruppe der Befragten (41 %) plant bis zum Jahr 2030, bis zu 25 Prozent ihrer Heizungen auf regenerative Energieträger umzustellen. Neun Prozent wollen den Grossteil ihrer Anlagen (51–99 %) umstellen. Weitere 23 Prozent möchten zwischen 26 und 50 Prozent ihrer Heizsysteme erneuern. Lediglich neun Prozent der Befragten planen, bis zum Jahr 2030 vollständig auf erneuerbare Systeme umzustellen. Dies spiegele insbesondere die Finanzierungsherausforderungen wider, kommentiert das EHI: «Die Kapitalintensität der Investition stellt für viele Eigentümer und Betreiber von Heizungsanlagen eine erhebliche Hürde dar.» Unabhängig von dieser einzelnen Hürde geht es bei der Dekarbonisierung aber weiter voran. Die Umfrage zeigt, dass aus Sicht der Händler die Zukunft der Energieeffizienz in der «konsequenten Digitalisierung, verbesserten Transparenz und strategischen Integration aller energierelevanten Systeme» liegt.