«Der Geschmack muss überzeugen»

Montag, 31. August 2026
Foto: Planet A Foods / Felix Lang

Die beiden Gründer Dr. Sara Marquart und Dr. Maximilian Marquart des Start-ups Planet A Foods arbeiten an einer Schokoladenalternative, die Genuss und Zukunftsfähigkeit vereint. Im Interview geben sie Einblicke in ihre Vision für eine resiliente Lebensmittelindustrie, die Bedeutung von Skalierung und die Chancen zukunftssicherer Zutaten für den Markt von morgen.

Frau Dr. Marquart, Planet A Foods spricht von «zukunftssicheren Lebensmittelzutaten». Was verstehen Sie darunter?
Dr. Sara Marquart: Zukunftssicher heisst für uns ganz konkret: Zutaten, die nicht von Klima, Ernteausfällen oder dem Weltmarktpreis abhängen. Bei Kakao sieht man ja gerade, was passiert, wenn man es doch tut: Der Markt schwankt, die Preise explodieren, und für den Einkauf wird jede Kalkulation zum Ratespiel. Genau da setzen wir an: Mit ChoViva machen wir Schokoladenalternativen unabhängig von genau diesen Schwankungen. Für den Handel heisst das volle Regale und planbare Preise und für den Konsumenten den Schokogeschmack, den er kennt, ohne Kompromisse. 
 
Klimawandel, Pflanzenkrankheiten und geopolitische Krisen: Stehen wir aus Ihrer Sicht vor einer Neuordnung der globalen Kakaolieferketten?
Dr. Maximilian Marquart: Wir lieben Schokolade und Kakao – und sind davon überzeugt, dass es auch in Zukunft Kakao geben wird. Aber wir müssen der Realität ins Auge sehen: Kakao wird knapper, teurer und immer stärker zum Luxusgut. Wetterextreme wie El Niño zeigen heute schon, wie der Markt schwankt. Deshalb reicht die klassische Kakaolieferkette allein nicht mehr aus. Es braucht eine zusätzliche, zukunftsorientierte Säule im Regal. Wir wollen genau diese breite und verlässliche Verfügbarkeit von Schokolade auch in Zukunft sichern.
 
Mit ChoViva wollen Sie Geschmack, Verfügbarkeit und Klimaschutz zusammenbringen. Welche Hürden mussten Sie überwinden, um eine Kakao-Alternative zu entwickeln, die den hohen Erwartungen der heutigen Verbraucher gerecht wird?
Dr. Sara Marquart: Die grösste Hürde war klar der Geschmack: Bei Schokolade machen Verbraucher schlichtweg keine Kompromisse – es muss perfekt schmelzen, cremig sein und einfach schmecken. Es geht um den Genussmoment. Genau dafür haben wir ein patentiertes Verfahren entwickelt, um aus europäischen Sonnenblumenkernen genau diese typischen Schoko-Aromen freizusetzen. Die zweite Hürde war die Skalierung: Eine zukunftssichere Zutat bringt dem Markt nur etwas, wenn sie in industriellen Mengen lieferbar ist und sich eins zu eins auf bestehenden Produktionsanlagen verarbeiten lässt.
 
Schokolade ist eines der emotionalsten Lebensmittel. Wie gelingt es, Konsumenten für Innovationen zu begeistern, ohne dass sie das Gefühl haben, auf Genuss verzichten zu müssen?
Dr. Maximilian Marquart: Wir sprechen bewusst nicht über Verzicht. Schokolade ist ein emotionaler Impulskauf – wenn der Geschmack nicht überzeugt, kauft der Shopper kein zweites Mal. Deshalb steht bei ChoViva Genuss an erster Stelle: das gleiche Schmelzverhalten und der gewohnte schokoladige Geschmack. Wir wollen die Neugier wecken und den Wow-Moment zelebrieren, wenn man merkt: Es schmeckt wie Schokolade, ist aber aus europäischen Sonnenblumenkernen gemacht. Die CO2-Ersparnis ist dann das positive Extra obenauf, das dem Naschen ein rundum gutes Gefühl gibt.
 
Der Handel steht heute vor der Herausforderung, Nachhaltigkeit, Preisstabilität und Versorgungssicherheit gleichzeitig zu gewährleisten. Welche Erwartungen erleben Sie derzeit bei Ihren Partnern?
Dr. Maximilian Marquart: Unsere Partner im Handel und in der Industrie stehen vor der Herausforderung, dass Konsumenten preisbewusst einkaufen, aber gewohnte Qualität erwarten. Gleichzeitig zwingen unberechenbare Kakaomärkte den Einkauf zu mehr Risikovorsorge. Die klare Erwartung an uns lautet daher: Lieferfähigkeit und Preissicherheit ohne Qualitätsabstriche. Händler suchen nach verlässlichen Bausteinen, die verlässliche Margen und volle Regale garantieren. Genau da setzen wir an.
 
Ist die grösste Herausforderung derzeit die technologische Innovation oder die Bereitschaft etablierte Denkmuster zu verlassen?
Dr. Sara Marquart: Die Technologie haben wir über Jahre hinweg immer weiter optimiert – ohne schokoladigen Geschmack und verlässliche Preise braucht man im Markt gar nicht erst anzutreten. Heute sind wir an einem anderen Punkt: Die Industrie hat verstanden, dass ChoViva eine echte Antwort auf volatile Kakaopreise ist. Unsere eigentliche Herausforderung heisst jetzt Skalierung und Globalisierung unserer Firma – also schnell genug zu wachsen, um die Nachfrage weltweit zu bedienen.
 
Planet A Foods produziert bereits im industriellen Massstab. Welche Rolle spielt aus Ihrer Erfahrung das Thema Skalierung, wenn nachhaltige Innovationen den Sprung aus der Nische in den Massenmarkt schaffen sollen?
Dr. Maximilian Marquart: Skalierung ist der Schlüssel, um aus einer guten Idee eine echte Marktrevolution zu machen. Um spürbar CO2 einzusparen, dürfen wir kein Nischenprodukt sein, sondern müssen in die breite Masse. Für den Handel und die Industrie zählt am Ende neben dem Geschmack vor allem eines: Lieferfähigkeit, Versorgungssicherheit und Preissicherheit. Erst wenn eine Innovation in grossen Tonnen verlässlich verfügbar ist, wird sie für globale Markenhersteller und Handelsketten strategisch relevant. Mit bereits 150 Produkten in Handelsketten wie REWE, Aldi, Lidl oder Edeka haben wir genau das bewiesen: ChoViva ist skaliert, praxiserprobt und preislich attraktiv für den Massenmarkt.
 
Sie entwickeln auch eine Alternative zu Kakaobutter. Welches Potenzial sehen Sie darin?
Dr. Sara Marquart: Wir haben eine übergreifende Mission: Wir identifizieren Zutaten, die unter Ernte- und Klimadruck stehen, und entwickeln für diese zukunftssichere Alternativen für die Lebensmittelindustrie. Wir denken das Thema Rohstoffressourcen ganzheitlich. Deshalb arbeiten wir bereits intensiv an weiteren Kategorie-Lösungen, wie etwa einer Alternative zu Kakaobutter oder auch einer Kaffee-Alternative für Instant-Mischungen und Ready-to-Drink-Lösungen, die heute bereits auf positive Resonanz im Markt treffen.
 
Welche Eigenschaften muss eine Lieferkette künftig besitzen, damit sie wirtschaftlich und ökologisch tragfähig bleibt?
Dr. Maximilian Marquart: Resilienz bedeutet für uns: Sicherheit und Agilität statt Abhängigkeit. Eine moderne Lieferkette muss verlässliche Planungssicherheit bieten – ohne dass Produktion und Preise bei Ernteschwankungen ins Wackeln geraten. Mit uns holen sich Partner eine bewährte Innovation ins Haus, die im Markt funktioniert und eine breite Konsumentenakzeptanz geniesst. Wir nutzen mit Sonnenblumenkernen stabil verfügbare Rohstoffe und können dem Handel dadurch planbare und attraktive Preise bieten.
 
Wenn Sie auf das Jahr 2035 blicken: Wie wird sich die Kategorie Schokolade verändert haben? 
Dr. Maximilian Marquart: Im Jahr 2035 wird die Schokoladenkategorie dynamisch sein: Auf der einen Seite steht klassische Schokolade, etwa als Premiumgut. Auf der anderen Seite steht ein breites, innovatives Segment an Schokoladenalternativen für den täglichen Genuss. Weil der Klimawandel Rohstoffe wie Kakao dauerhaft verknappen wird, haben zukunftssichere Zutaten an Relevanz gewonnen. Schokoladenalternativen wie ChoViva werden 2035 kein Nischenthema mehr sein, sondern ein Standard im Regal – für verlässliche Verfügbarkeit, bezahlbare Preise und schokoladigen Genuss in der Breite.
 
Als Gründer, die eine etablierte Branche herausfordern: Welche Entscheidung war die mutigste und was hat sie Sie gelehrt?
Dr. Maximilian Marquart: Eine wichtige Entscheidung war, uns als B2B-Technologiepartner für die FMCG-Industrie zu öffnen. Wir haben uns entschieden, unser Produkt etablierten Herstellern und Händlern für ihre eigenen Marken und Rezepturen zur Verfügung zu stellen. Was es uns gelehrt hat? Dass echter Impact durch Partnerschaft und Volumen entsteht.  
Dr. Sara Marquart: Rückblickend war es für mich der Mut, Nein zu schnellen Abkürzungen im Labor zu sagen. Wir hätten den Markt auch früher mit Aromen oder Zusatzstoffen bedienen können. Stattdessen haben wir über Jahre unseren natürlichen, patentierten Prozess optimiert, bis der Geschmack makellos war. Was es uns gelehrt hat? Geduld und kompromisslose Qualität zahlen sich aus. Der LEH durchschaut reine Marketing-Hypes schnell. Wer eine Kategorie nachhaltig prägen will, braucht ein Produkt, das technologisch mehr als überzeugend ist. 

News

Foto: MCS

Mit der Eröffnung des ersten Qwik24 in einem Hotel erweitert der Convenience-Grosshändler MCS sein Smart-Store-Konzept gezielt auf den Bereich Hotellerie und Hospitality.

Mark ­Michaelis wird zum 1. September als weiterer Geschäftsführer der Markant AG berufen.

Foto: stock.adobe.com - CreativeArt (generiert mit KI)

Die aktuelle YouGov-Studie «Retail Media aus Shopper-Sicht: Wahrnehmung, Wirkung, Wirklichkeit» gibt detaillierte Antworten aus Verbrauchersicht.

Foto: stock.adobe.com - Kay Gebauer/Wirestock

Soja wird nicht nur als Futtermittel in der Nutztierhaltung eingesetzt, sondern auch zur Herstellung von Nahrungsmitteln.

Vita 

Dr. Sara Marquart
ist Co-Founderin und Chief Technology Officer von Planet A Foods. Die promovierte Lebensmittelchemikerin hat sich früh mit Aroma- und Geschmacksbildung beschäftigt und verbindet wissenschaftliche Präzision mit einem ausgeprägten Gespür für Genuss. Nach ihrer Zeit als Doktorandin an der TU München und Stationen in der Praxis, unter anderem in einem Kaffee-Startup in den USA, gründete sie 2021 gemeinsam mit ihrem Bruder Planet A Foods. Dort verantwortet sie heute die technologische Entwicklung zukunftssicherer Lebensmittelzutaten.
 
Dr. Maximilian Marquart
ist Co-Founder und Chief Executive Officer von Planet A Foods. Der promovierte Maschinenbauingenieur hat bereits vor der Gründung von Planet A Foods unternehmerische Erfahrung gesammelt und verfügt über einen starken Hintergrund im Aufbau und in der Skalierung von Unternehmen. Nach seiner Tätigkeit in der Automobilindustrie gründete er 2021 gemeinsam mit seiner Schwester Sara das Food-Tech-Unternehmen Planet A Foods. Heute treibt er dort vor allem die strategische Entwicklung, das Wachstum und die internationale Skalierung voran.