Wie sich Kundenerlebnis, Effizienz und Digitalisierung an der Kasse verbinden lassen, erprobt V-Markt in München. Erste Ergebnisse zeigen: Der Test verlief erfolgreich und liefert Erkenntnisse für die Weiterentwicklung der Check-out-Prozesse.
Der V-Markt der Georg Jos. Kaes GmbH im Euro-Industriepark im Münchner Norden vereint auf rund 17 000 Quadratmetern Fläche Lebensmittel, Bedientheken, Nonfood, Baumarkt sowie Leergutabwicklung und bietet damit für Check-out-Prozesse ein anspruchsvolles Umfeld. Anfang 2026 wurde die Kassenzone im Rahmen eines Pilotprojekts neu strukturiert. Erfolgte der Check-out zuvor über 25 bediente Kassen, stehen den Kunden jetzt zusätzlich alle relevanten stationären und mobilen Self-Check-out-Optionen zur Verfügung. Dabei kooperiert Kaes mit Wanzl, DRS und shopreme. Im Fokus steht die Integration mehrerer Self-Checkout-Systeme – darunter der smarte Einkaufswagen «FastLaner» von Wanzl, der hier erstmals im Livebetrieb eingesetzt wird. «Dieses Projekt ist ein wichtiger Meilenstein für uns auf dem Weg zur digitalen Kassenzone der Zukunft», sagt Dominik Endres, Leitung IT bei der Georg Jos. Kaes GmbH.
Lernender Prozess
Im Mai lagen erste Ergebnisse vor. Grundlage der Auswertung waren 7221 Einkäufe (sog. «Sessions») im Pilotzeitraum bei einer durchschnittlichen Einkaufsdauer von 23:11 Minuten. Sie zeigen, dass Express-Services auf der Grossfläche einen relevanten Beitrag zu mehr Wahlfreiheit, effizienteren Abläufen und einem besseren Kundenerlebnis leisten. Voraussetzung aber: Technik, Marktprozesse, Mitarbeiter und Kundenkommunikation müssen gemeinsam gedacht werden. Der Pilot bestätigt auch, dass die Einführung solcher Systeme ein lernender Prozess ist. Neben hoher Akzeptanz und intensiver Nutzung wurden technische und operative Optimierungspunkte identifiziert, die im laufenden Betrieb zügig adressiert werden konnten.
Grosse Warenkörbe
Bei den mobilen Express-Services entfielen 57,5 Prozent der Nutzung auf Handscanner und 42,3 Prozent auf den FastLaner. Damit zeigte sich, dass der intelligente Einkaufswagen nicht nur als Innovationsformat wahrgenommen wurde, sondern im Marktalltag tatsächlich relevante Nutzung erzielte. Die Nutzungsquote der FastLaner hätte potenziell höher sein können, da speziell an hoch frequentierten Tagen zu wenige Geräte zur Verfügung standen. Auffallend ist die wiederkehrende Nutzung der neuen Services: 30 Prozent der FastLaner-Nutzer und gut 61 Prozent der SB-Kassen-Nutzer griffen erneut auf das jeweilige Angebot zurück. Über 80 Prozent empfanden die Express-Services als nützlich oder sehr nützlich und als intuitiv zu bedienen. Besonders wichtig für die Nutzung waren neben Zeitersparnis auch Neugier, Spass am Ausprobieren sowie die direkte Ansprache und Begleitung in der Einführungsphase. Ein weiteres relevantes Ergebnis: Die Systeme wurden nicht ausschliesslich für kleine Convenience-Einkäufe genutzt. 17 Prozent der Sessions dauerten länger als 45 Minuten. Und: Die Warenkorbwerte lagen im Pilotzeitraum teils deutlich über den bisherigen Vergleichswerten vor Einführung der neuen Services.
Klare Erfolgsfaktoren
Der Pilot zeigte auch die wesentlichen Erfolgsfaktoren. Einer ist, dass die Kunden selbst entscheiden können, wie sie kassieren. Wichtig sind in der Anfangsphase auch Mitarbeiter, die die Kunden an die neuen Services heranführen. Nicht zuletzt ist die Stabilität des Gesamtsystems ein wichtiger Punkt. Im Pilot wurden unter anderem WLAN-Stabilität, Scan-Prozesse, Übertragung im Kassierprozess, Sonderfälle wie Tankgutscheine sowie Artikel- und Aktionspreiserkennung als kritische Punkte identifiziert, die aber zügig analysiert und durch Wanzl gemeinsam mit den Partnern optimiert werden konnten. Die Systeme bleiben bis Ende 2026 weiter im Einsatz. Eine Entscheidung über eine mögliche Fortführung darüber hinaus oder über eine Ausweitung auf weitere Standorte war bis Redaktionsschluss noch nicht getroffen.