«Einfach, lecker, pflanzlich»

Mittwoch, 01. Juli 2026
Foto: Fitgreenmind/Luna Kloess

Vom Schulreferat zur erfolgreichen Food-Creatorin: Maya Leinenbach zeigt, dass pflanzenbasierte Ernährung ­weder kompliziert noch langweilig sein muss. Im Interview mit dem Markant Magazin ONE spricht sie über einfache Rezepte, die richtige Würze, veganes Comfort-Food – und warum Genuss und Nachhaltigkeit für sie kein Widerspruch sind.

Aus welchen Gründen haben Sie sich für eine vegane Ernährungsform entschieden?
Maya Leinenbach: Ich musste mich in der Schule für ein Referat damit auseinandersetzen, welche Auswirkungen der Fleischkonsum auf das Klima hat. Das hat mich überrascht, und ich habe sofort entschieden, mich vorerst pflanzlich zu ernähren – und bin seither dabeigeblieben. Das ist jetzt schon 7,5 Jahre her, und zum Glück wird die Bubble immer grösser.
 
Viele denken, pflanzenbasiertes Kochen sei aufwendig. Was entgegnen Sie diesem Vorurteil?
Maya Leinenbach: Nudeln mit Tomatensauce oder Pommes frites sind aufwendig? Spass beiseite: Man kann pflanzlich aufwendig kochen – oder ganz simpel. Gemüse und Tofu lecker zu würzen und eine Beilage dazu zu machen, braucht wirklich nicht mehr Zeit oder Fähigkeiten als die Zubereitung nicht-pflanzlicher Gerichte.
 
Sie zeigen, dass vegane Küche unkompliziert sein kann – was macht für Sie denn ein gutes Basic-Rezept aus?
Maya Leinenbach: Bei pflanzlicher Küche ist das richtige Würzen entscheidend, um Geschmack ins Essen zu bringen. Gute Gewürzmischungen erleichtern vieles – eine Kräutermischung gehört ebenso zu meinen Basics. Ausserdem wird Gemüse viel spannender, wenn man es anröstet, statt es nur zu kochen. Für einen tiefen, herzhaften Umami-Geschmack in Saucen empfehle ich Tomatenmark und Sojasauce.
 
Welche Zutaten haben Sie immer zu Hause?
Maya Leinenbach: Tofu in allen Formen – Naturtofu, Räuchertofu und Seidentofu. Damit kann man unglaublich viele Gerichte zaubern. Ausserdem habe ich immer die genannten Gewürzmischungen, Nudeln, Reis und Sojasauce auf Vorrat.
 
Gab es einen Moment, in dem Sie gemerkt haben: «So funktioniert vegane Ernährung für mich langfristig»?
Maya Leinenbach: Mir hat es geholfen, den «Status quo» meiner Ernährung anzuschauen und zu überlegen, welche Lebensmittel ich wie ersetzen kann, um sie pflanzenbasiert zu gestalten. Also zum Beispiel Erbsenmilch im Kaffee, Sojajoghurt zum Frühstück oder Räuchertofu statt Speckwürfel.
 
Ihre Gerichte wirken oft wie Comfort-Food – wie wichtig ist Ihnen Genuss im Vergleich zu m Faktor «Gesundheit»?
Maya Leinenbach: Ich finde, man kann beides haben. Ein leckerer Bean-Burger ist für mich Comfort-Food und gleichzeitig ist er auch gesund. Genau das möchte ich mit meinen Rezepten zeigen: Pflanzenbasierte Ernährung kann gesund und lecker zugleich sein.
 
Was ist Ihr persönliches Lieblingsgericht, das auch Nichtveganer überzeugt?
Maya Leinenbach: Auf jeden Fall mein «butter tofu» – knusprig gebackener Tofu in einer indisch inspirierten Tomatensauce. Das hat sogar meinen Bruder überzeugt!
 
Wie schaffen Sie es, bekannte Klassiker pflanzlich neu zu interpretieren, ohne dass sie «verzichtig» wirken?
Maya Leinenbach: Oft steht gar nicht der Fleischgeschmack im Vordergrund, sondern die herzhafte, deftige Note. Genau diese versuche ich pflanzlich nachzubilden. Röstaromen, Tomatenmark und Sojasauce sind dabei echte Game Changer.
 
Wie entstehen Ihre Ideen für neue Rezepte?
Maya Leinenbach: Ich habe viele Inspirationsquellen: Wenn ich unterwegs bin, neue Gerichte in Restaurants probiere oder Küchen aus anderen Ländern kennenlerne. Manchmal inspiriert mich auch eine saisonale Zutat oder ein Gericht aus meiner Kindheit. Und auch meine internationale Social-Media-Community bringt mich immer wieder auf neue Ideen.
 
Wie wichtig ist Ihnen Ästhetik bei Food-Content im Vergleich zu Geschmack?
Maya Leinenbach: Für mich steht der Geschmack an erster Stelle. Und ehrlich gesagt: Manchmal schmecken die unästhetischsten Gerichte am besten.
 
Was bedeutet «einfach geniessen» für Sie persönlich?
Maya Leinenbach: Dinge ganz bewusst wahrzunehmen – zum Beispiel mir morgens in Ruhe Zeit für die Zubereitung meines Cappuccinos zu nehmen, das Aroma der frisch gemahlenen Bohnen einzuatmen und den ersten Schluck als kleines Ritual zu zelebrieren. 
 
Haben Sie das Gefühl, dass Sie Menschen zu einer pflanzenbasierten Ernährung motivieren?
Maya Leinenbach: Auf jeden Fall! Ich bekomme oft Nachrichten von Menschen, die wenig kochen – vor allem nicht pflanzenbasiert – und durch meine Rezepte plötzlich mehrmals pro Woche pflanzlich kochen, weil es einfach ist und ihnen schmeckt.
 
Wenn jemand neu in die vegane Küche einsteigen möchte: Was ist Ihr wichtigster Tipp?
Maya Leinenbach: Schritt für Schritt anfangen und mit bekannten Gerichten starten. Zum Beispiel ein klassisches Bolognese-Rezept einfach mal mit Sojaschnetzeln statt Hackfleisch zubereiten und sich so langsam herantasten.
 
Was möchten Sie mit Fitgreenmind langfristig vermitteln – über Rezepte hinaus?
Maya Leinenbach: Ich möchte zeigen, dass pflanzenbasierte Ernährung einfach ist, gut schmeckt und Spass machen kann – und Menschen dazu inspiriert, bewusster mit sich und dem Planeten umzugehen.
 
Was haben Sie sich für die Zukunft vorgenommen? 
Maya Leinenbach: Der letzte Monat war sehr spannend, mit dem Abschluss einiger grosser Projekte – etwa der Premiere meines Streamingformats «Better than Beef» oder meines ersten Pop-up-Cafés. Generell möchten wir mehr Formate und Projekte realisieren, die ausserhalb von Social Media stattfinden, um unabhängiger von diesen Plattformen zu werden. Konkrete Projekte kann ich noch nicht nennen, aber es bleibt definitiv spannend.  

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Vita 

Maya Leinenbach zählt zu den erfolgreichsten Food-Creatorinnen im deutschsprachigen Raum. Bekannt wurde sie unter dem Namen «Fitgreenmind», unter dem sie seit 2019 einfache, alltagstaugliche Rezepte für eine pflanzenbasierte Ernährung teilt. Die gebürtige Deutsche begann bereits im Alter von 15 Jahren, ihre veganen Gerichte auf Social Media zu veröffentlichen – ursprünglich inspiriert durch ein Schulreferat über die Auswirkungen von Fleischkonsum auf das Klima.
 
Heute erreicht die 21-Jährige mit ihren Inhalten mehrere Millionen Follower auf Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube. Neben ihrer Tätigkeit als Content Creatorin hat sie mit Partnern die Fitgreenmind GmbH gegründet, über die sie unter anderem Kochformate, Publikationen und Produkte entwickelt. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Idee, vegane Küche genussvoll und für alle zugänglich zu machen.
 
Im März dieses Jahres wurde die Dokumentation «Better than Beef by Maya Leinenbach» vom Saarländischen Rundfunk veröffentlicht, die in der ARD Mediathek verfügbar ist. In dieser versucht Leinenbach, den früheren deutschen Fussballtorwart René Adler auf Mallorca von veganer Ernährung zu überzeugen. Adler ist Fleischliebhaber und Fan spanischer Küche. Er forderte sie heraus, seine drei Lieblingstapas mit Fleisch, Fisch und Ei neu zu kochen, genauso lecker, aber plant-based und ohne tierische Produkte.
 
Quelle: Fitgreenmind