Einblicke in die aktuelle Marktsituation, vielfältige Fachvorträge renommierter Referenten und wertvoller Austausch innerhalb der Branche: Im Oktober sind die Informationstage der Landesgesellschaften Markant Syntrade Schweiz, Markant Česko/Slovensko und Markant Österreich fest im Kalender der Branche verankert. Insgesamt nahmen rund 650 Vertreter aus Industrie und Handel an den Veranstaltungen teil.
Luzern/Schweiz
Beim 15. Informationstag der Markant Syntrade Schweiz AG am 2. Oktober 2025 im Verkehrshaus der Schweiz in Luzern führte Journalistin Daniela Lager durch das Programm. Dominik Scheid, Geschäftsführer der Markant AG, sowie die beiden Geschäftsführer der Markant Syntrade Schweiz AG, Jos Lanen und Patrick Scheurwater, berichteten über die Entwicklung der Markant Gruppe.
«Den Kopf in den Sand zu stecken war für mich und die Branche nie eine Option», betonte Scheid und fasste die jüngsten Erfolge zusammen: Drei Prozent internationales Wachstum, neue Partnerschaften, eine intensive Zusammenarbeit mit Industrie und Handel sowie neue Leistungen und die Gründung der Retail AI. Ein Meilenstein sei der anstehende Start des digitalen Markant Marktplatzes. Auf eine Tagung mit dem Bundesamt für Cybersicherheit am 16. Juni 2026 blickte Patrick Scheurwater voraus.
Für Jos Lanen war der 15. Markant Informationstag in Luzern der letzte in der Rolle des Geschäftsführers. Nach 17 Jahren an der Spitze der Markant Syntrade verabschiedet er sich 2026 in den Ruhestand. Es seien erfüllende, schöne, intensive und herausfordernde Jahre gewesen, sagte er und übergab den Staffelstab an Patrick Scheurwater.
Diese Entwicklungen im Schweizer Konsumverhalten präsentierte Silke Volejnik, Retail Lead Switzerland bei Nielsen IQ. Trotz Unsicherheiten wächst der Konsum im FMCG-Bereich in der Schweiz, Konsumenten werden preisbewusster und kaufen häufiger, aber pro Einkauf weniger ein, beschrieb die Expertin. Unerlässlich seien eine gute Eigenmarken-Strategie und attraktive Promotionen. Es gebe allerdings auch Kategorien, in denen Konsumenten bereit seien, mehr Geld auszugeben – als Stichworte nannte sie Nachhaltigkeit und Longevity.
Yaël Meier legte nicht nur dar, wie Unterschiede zwischen Generationen zustande kommen. Es gelang der Co-Founderin des Beratungsunternehmens ZEAM auch, Vorurteile auszuräumen und zu verdeutlichen, warum es sich lohnt, junge Menschen der Generation Z als Zielgruppe ernst zu nehmen: Sie haben Geld und sind offen für Neues, argumentierte Meier. Dabei sei das Internet der wichtigste Ort der Kaufentscheidung. «Wenn man nicht auf unserem Smartphone präsent ist, existiert man nicht für uns», so die Referentin. Sie riet dazu, Influencer und Creator ins Team zu holen und jungen Menschen Verantwortung zu übertragen.
«Gehirn vs. Künstliche Intelligenz – wer behält die Oberhand?» – dieser Frage widmete sich Neurowissenschaftler und Autor Dr. Henning Beck humorvoll. Immer dann, wenn riesige Mengen an Daten vorliegen, könne KI sehr gut zur Prozessoptimierung verwendet werden. Bei unbekannter Datenlage versage die KI jedoch – während Menschen laut Beck sehr gut darin sind, sich in solchen Situationen zurechtzufinden. «Haben Sie keine Angst davor, dass diese Art der Technologie das menschliche Denken überflügelt», appellierte der Autor.
Dr. Christoph Heusgen setzte sich in seinem Vortrag «Die Rolle der Schweiz in einer neuen Weltordnung» mit der aktuellen weltpolitischen Lage auseinander. Der Botschafter und ehemalige Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz sowie frühere Berater der damaligen deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel wünscht sich von der Schweiz, ihre Neutralität zu überdenken. «Putin glaubt, dass er am längeren Hebel sitzt und wir Weicheier sind», sagte Heusgen. Unter Trump sei zudem in den USA eine neue Zeit angebrochen. Die europäischen Staaten müssen nun zusammenarbeiten, so der Referent. Die Schweiz sollte sich nicht davor scheuen, sich EU und Nato anzunähern. «Neutralität schützt heute nicht mehr», so Heusgen.
Prag/Tschechien
Der 9. Informationstag der Markant Česko s.r.o. / Markant Slovensko s.r.o. fand am 16. Oktober 2025 im Nationalhaus Vinohrady in Prag statt. Daniel Stach führte durch das Programm. Dominik Scheid sprach von besonderen Zeiten, machte aber Mut: «Führungskräfte im Handel haben schon immer gelernt, mit herausfordernden Situationen umzugehen und aus Krisen Chancen zu generieren.» Dabei ziele Markant auf effiziente Leistungen für Industrie- und Handelspartner ab, um deren Prozesskosten zu senken und kleine und mittlere Unternehmen in ihrer Konkurrenzfähigkeit zu unterstützen. Tomáš Sláma, Geschäftsführer der Markant Česko / Markant Slovensko, blickte auf die Visionen zurück, die seit dem ersten Informationstag vor zehn Jahren Realität geworden sind. In naher Zukunft relevant sei die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). «Wir verfolgen das alles sehr sorgfältig und werden eine Lösung vorbereiten, um Ihnen Arbeit zu ersparen», stellte Sláma dazu in Aussicht.
Ladislav Csengeri, Managing Director bei YouGov, berichtete über die FMCG-Branche in Tschechien und der Slowakei. Im europäischen Raum seien viele Verbraucher von dem Wunsch, das Richtige zu tun und Verantwortung zu übernehmen, geprägt. Hinzu kommen die Bedürfnisse nach Sicherheit, nach Verbesserung und persönlichem Wachstum. Die höhere Besteuerung süsser Getränke, die in Tschechien seit Beginn des Jahres gilt, habe einen fast zweistelligen Rückgang des Verbrauchs verursacht. Onlineeinkäufe, Selbstbezahlkassen, Einkäufe über Apps, Geschäfte ohne Bedienung und Social Commerce seien ebenfalls spürbare Veränderungen. Der Referent betonte zudem die Bedeutung von Kundenkarten in Tschechien und der Slowakei.
Schriftsteller und Journalist Miloš Čermák präsentierte augenzwinkernd Anwendungen generativer KI – von veränderten Fotos über täuschend echt wirkende Videosequenzen und Podcasts bis hin zu Liedern und einem detailreich gestalteten Märchenbuch, das die Firmengeschichte von Markant erzählte. «Das kann man alles innerhalb von wenigen Sekunden in einem Prompt machen», so Čermák. Aktuell sei die KI in einer spannenden Phase – zentral sei die Frage, wie und wofür sie verwendet werden kann. «Man muss mit der Technologie spielen, um zu entdecken, was sie kann», sagte der Referent.
Ökonom und Philosoph Tomáš Sedláček warf die Frage nach dem Körper, der Seele und dem Geist von Tschechien und Europa auf. Der Körper, das sei etwas materielles, definierte Sedláček. Die Seele sei zwar immateriell, aber noch immer etwas Objektives, das mit einem Preisschild versehen werden kann – eine Software etwa. Und der Geist sei etwas, das zwar existiert, aber keinen definierbaren Preis hat, zum Beispiel die Liebe, erklärte der Referent. Seine Überlegungen bricht Sedláček am Ende auf zwei Worte herunter: Liebe und Wahrheit. Zu seinen Denkanstössen gab er mit: «Ich wünsche Ihnen, dass Sie einen starken Geist haben.»
Wien/Österreich
Zahlreiche Industrie- und Handelspartner der Markant verfolgten am 23. Oktober 2025 den 12. Informationstag der Markant Österreich im Palais Ferstel in Wien. Im Interview mit Corinna Milborn erläuterte Geschäftsführer Dominik Scheid, wie die Markant Gruppe in turbulenten Zeiten zur Stabilisierung der FMCG- und DIY-Branche beitragen kann: «Unsere Dienstleistungen haben das Potenzial, Prozesskosten bei Industrie und Handel zu reduzieren und Kraft freizumachen für den Wettbewerb.» Thomas Zechner unterstrich dies mit einer sehr guten Entwicklung der Markant Österreich, die im laufenden Jahr ein Umsatzwachstum von rund drei Prozent erzielen konnte – im Vorjahr waren es sogar sieben Prozent.
Mit Blick in die nahe Zukunft hob Scheid den Markant Marktplatz hervor. Die digitale Plattform soll sich als neue infrastrukturelle Basis der Markant Leistungen etablieren. Damit komme das Unternehmen seiner Vision, der führende B2B-Marktplatz in Europa zu sein, einen grossen Schritt näher.
Rechtsanwalt Robin Lumsden berichtete von dem Einfluss zweier gegensätzlicher Kulturen – denn sein Vater stammt aus Nordamerika, seine Mutter aus Österreich. Menschen aus den USA seien risikofreudiger, während Europäer grossen Wert auf Sicherheit legten. Die enorme Wertschätzung von Talenten, Flexibilität, Mobilität und Geschwindigkeit verschaffe den USA ökonomische Vorteile und sollte auch in österreichischen Unternehmen Einzug halten, so Lumsden.
Klara Fichtenbauer, Senior Marketing Consultant bei YouGov Österreich, referierte unter der Überschrift «Den Shopper im Blick: Erfolgskurs in turbulenten Zeiten?». Die Welt verändere sich schnell, alles sei globalisiert und vernetzt. Viele Menschen seien davon überfordert und verunsichert. Laut der Expertin werden preisfokussierte Shoppertypen wichtiger – selbst bei anspruchsvollen Shoppertypen. Herstellern und Händlern riet sie, mit einer starken, ehrlichen und transparenten Marke positive Gefühle zu wecken, um dem Negativen, dem Widerstand, etwas Positives entgegenzustellen.
Karin Teigl ist Digital Entrepreneur bei CYK Collective. Erfrischend lebendig zeigte sie auf, wie Unternehmen mit digitalen Inhalten punkten können. Dort seien längst nicht nur junge Zielgruppen erreichbar. Teigl riet dazu, die richtigen Menschen ins Team zu holen und pro Woche drei bis vier Posts einzuplanen. Inhaltlich empfahl sie: «Je nahbarer, desto interessanter ist es für den Kunden.» Konkret bedeute das, Menschen statt Produkte oder Angebote in den Mittelpunkt des Contents zu stellen.
«Leadership: Lektionen für eine Welt in Aufruhr?» war der Titel, unter dem der ehemalige Bundeskanzler der Republik Österreich, CEO der European Locomotive Leasing Group und Manager Christian Kern die aktuelle politische und wirtschaftliche Weltlage unter die Lupe nahm. Kern zeigte das Beispiel des niederländischen Chip-Herstellers Nexperia auf und äusserte die Sorge, dass Europa im Spannungsfeld zwischen USA, China und Russland seine politische Handlungsmacht verspielt. Dennoch verbreitete er Optimismus. «Es gibt keine ewige Krise», sagte er. Europa habe ein riesiges Potenzial, die Voraussetzungen für einen neuen Boom seien gegeben.