Steiniger Weg für alternative Antriebe

Freitag, 30. Januar 2026
Foto: Kaufland

Die Handelslogistik treibt die Umstellung auf alternative Lkw-Antriebe voran. Allerdings gibt es auch etliche Hürden, sodass viele Unternehmen noch abwarten wollen. Eine Studie beleuchtet die Probleme und Optionen im DACH-Raum.

Die Neuausrichtung der Transportlogistik ist in vollem Gange. Wie die EHI-Studie «Nachhaltigkeit in der Transportlogistik» zeigt, setzen die meisten Unternehmen aus der Handelslogistik bereits aktiv auf alternative Antriebstechnologien oder planen eine zeitnahe Umstellung. Dazu wurden 27 Handelsunternehmen sowie elf Logistik-Dienstleister und Konsumgüterhersteller aus dem DACH-Raum befragt. Konsens herrscht darüber, dass etablierte Transportwege durch regulatorische Veränderungen, technologische Innovationen und ein wachsendes ökologisches Bewusstsein in der Gesellschaft unter Druck stehen. «Der Transformationsprozess ist angelaufen, erfolgt jedoch mit Bedacht und unter Berücksichtigung betriebswirtschaftlicher, infrastruktureller sowie technologischer Rahmenbedingungen», erklärt Studienautor Niklas Stanislawski.
 
Vorbehalte bei schweren Lkw
Mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen aus dem Bereich der Handelslogistik befinden sich im Umstellungsprozess oder bereiten diesen vor. Rund 85 Prozent wollen innerhalb der nächsten sechs Jahre auf alternative Antriebstechnologien umsteigen, davon 30 Prozent bereits in den nächsten drei Jahren. Die höchsten Zustimmungswerte bei den Fahrzeugtypen haben dabei leichtere Fahrzeuge wie Transporter und Lkw bis 7,5 Tonnen. Aus Sicht der Befragten ergibt eine Umrüstung hier am meisten Sinn, weil diese Fahrzeuge vornehmlich im Nahverkehr unterwegs sind. Alternative Antriebe bei schweren Fahrzeugen, wie etwa Sattelzugmaschinen, und auf der langen Strecke halten die Befragten zum aktuellen Zeitpunkt nicht für praktikabel. Diese Ansichten decken sich auch mit den Zulassungszahlen der genannten Fahrzeugklassen, die bei Transportern ungleich höhere Elektro-Quoten ausweisen als bei den schweren Lkw – und zwar in Deutschland, Österreich, der Schweiz und anderen europäischen Ländern gleichermassen. Das zeigen die Statistiken (s. INFO).
 
Hohe Kosten
Die bei der Umstellung auftretenden Herausforderungen sind vielschichtig. Die vom EHI befragten Unternehmen sehen sich mit ambitionierten Emissionszielen, steigenden Energiepreisen, Unsicherheiten in der Infrastrukturentwicklung und einem zunehmend komplexen, von Land zu Land unterschiedlichen Förderumfeld konfrontiert. Für 92 Prozent sind die Anschaffungskosten die grösste Hürde bei alternativen Antrieben. Jeweils 70 Prozent beurteilen die Reichweitenprofile und die fehlende Ladeinfrastruktur als negativ. 65 Prozent sehen zudem die langen Ladezeiten als ein Problem. Andererseits sehen die Handelslogistiker durch technologischen Fortschritt bei Batterien, Wasserstofflösungen, synthetischen Kraftstoffen sowie durch Plattformansätze, die multimodale Transportnetzwerke effizienter gestalten, auch neue Chancen – bis hin zum schweren Fernverkehr.
 
Flexibel in die Zukunft
Knapp 60 Prozent der Studienteilnehmer nutzen den Elektroantrieb bei ihren Lkw, vor allem auf der Kurzstrecke. Es folgen Gasantriebe bei 45 Prozent der Unternehmen, Plug-in-Hybride (39 %) und Bio-Kraftstoffe (35 %). Auch für die Zukunft gilt der Elektroantrieb als zentrale Technologie für den Waren- und Güterverkehr. Laut den Befragten verlieren Gas und Biokraftstoffe langfristig an Relevanz, werden jedoch als pragmatische Zwischenlösung betrachtet. Wasserstofftechnologien sind für die Langstreckenlogistik zwar potenziell geeignet, aktuell sind damit jedoch noch erhebliche Herausforderungen (Kosten, Infrastruktur, Effizienz) verbunden. Deutlich wird: Die Zukunft des Gütertransports wird nicht von einer einzelnen Lösung bestimmt, sondern von einem intelligenten Zusammenspiel mehrerer Technologien, die an das jeweilige Einsatzgebiet, das Streckenprofil und die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen angepasst sind.
 
Alles im Test
Auch Markant Partner haben sich längst auf den emissionsfreien Weg gemacht und nutzen verschiedene Optionen. Ende 2023 hat Kaufland am Logistikstandort Möckmühl einen E-Ladepark errichtet und liefert seitdem einen Teil mit elektrischen 40-Tonnern aus. Zusätzlich setzen Spediteure bei ihren Touren für Kaufland E-Lkw ein. Bis Herbst 2025 wurden laut Kaufland rund 22 500 Filialtouren mit insgesamt einer Million Kilometer elektrisch gefahren. Inzwischen werden auch in Barsinghausen und Dortmund E-Lkw eingesetzt. Zu den grundlegenden Voraussetzungen gehört laut dem Unternehmen, dass am Standort ausreichend Strom zur Verfügung steht. dm-drogerie markt beliefert in Deutschland seit 2023 und in Österreich seit 2024 eine Reihe von Märkten mit E-Lkw und mit Wasserstoff-Lkw. In Österreich setzt dm zudem Lkw ein, die mit HVO-Kraftstoffen (Hydrotreated Vegetable Oil) fahren. Neben Pflanzenölen werden für die Produktion dieser Art von Diesel Abfälle wie Öle und Fette aus gebrauchtem Speiseöl eingesetzt. METRO Deutschland testet seit 2024 neben E-Lkw auch Brennstoffzellen-Lkw. Für den Wasserstoff-Antrieb spricht lauf METRO, dass sich damit bei der Belieferung in ländlichen Gebieten auch weite Strecken von bis zu 400 Kilometern bei sicherem Betrieb des Mehrkammerkühlsystems problemlos zurücklegen lassen.

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E-Lkw in der EU

Die European Automobile Manufacturers‘ Association (ACEA) stellt quartalsweise die Entwicklung der Nutzfahrzeugmärkte in der EU und ganz Europa dar. Danach erreichten neu zugelassene E-Lkw EU-weit in den ersten neun Monaten 2025 einen Marktanteil von 3,8 Prozent nach 2,1 Prozent im Vorjahreszeitraum. 

Bei den mittelschweren Lkw
(3,5 - 16 t)  lag der Anteil der E-Antriebe bei 14,1 Prozent, das ist eine Steigerung um 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die schweren Lkw ab 16 Tonnen machen in der EU das weitaus grössere Volumen aus. Unter den rund 187 300 Gesamtzulassungen im genannten Zeitraum hatten die 3200 E-Lkw nach einem Wachstum von 35 Prozent einen Anteil von 1,7 Prozent. 

Eine Sonderposition nimmt die Schweiz ein, die im Oktober 2025 nach einem Plus von 72 Prozent einen E-Anteil von 18,9 Prozent bei den Lkw ab 3,5 Tonnen erreichte. Einer der Gründe ist die grosszügige Förderung. E-Lkw sind nach heutigem Stand bis zum Jahr 2031 von der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe (LSVA) von 2,39 Rappen pro Tonnenkilometer befreit. Eine solche Ersparnis – bei einem 40-Tonner sind das umgerechnet 100 000 Euro bei 100 000 Kilometern Strecke – macht den in der Anschaffung teuren E-Lkw gegenüber dem Diesel attraktiv.